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Japan aktuell: Schilddrüsenprobleme bei Kindern aus Fukushima und Geheimhaltung bei TEPCO

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TEPCO hat als Betreiber des AKW Fukushima aktuell sicher wenig Unterstützung, oder Sympathien in der Bevölkerung. Auch im weiteren Verlauf der Krise ist die Skepsis, trotz verschiedener gemeldeter Fortschritte weiterhin groß. Wenn nun neben gesundheitlichen Anomalien bei Kindern gemeldet wird, dass der Energiekonzern die Veröffentlichung firmeninterner Dokumente beschränken will, sinkt das Ansehen vermutlich weiter, auch wenn die angeführten Gründe durchaus berechtigt klingen.

Weitere Fukushima News sowie mehr zur Situation in Japan nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 05. Oktober 2011.

Schilddrüsenprobleme bei Kindern: Insgesamt 130 Kinder im Alter zwischen 0 und 16 Jahren die mit ihren Eltern aus der Präfektur Fukushima geflohen waren und zu diesem Zeitpunkt in der Stadt Chino (Präf. Nagano) leben, wurden auf Kosten der Nichtregierungs organisation (NGO) mit dem Namen „Japan Chernobyl Foundation“ (JCF) am Universitätsklinikum Shinshu medizinisch untersucht.

Bei zehn Kindern wurde dabei Unregelmäßigkeiten bei den Werten der Schilddrüsenhormone und der die Schildrüse anregenden Hormone festgestellt.

In einem Fall habe der Schilddrüsenhormonwert unter dem Normalwert gelegen, bei sieben weiteren waren dagegen die Stimulationshormone höher als der übliche Wert. Bei den übrigen zwei wurde eine leicht erhöhte Konzentration des Proteins Thyroglobulin im Blut festgestellt, was möglicherweise auf die Schädigung der Schilddrüse zurückzuführen ist.

In Anbetracht des Umstandes, dass in Tschernobyl die größte Zahl an Kehlkopfkrebserkrankungen bei Kindern erst fünf Jahre nach dem Unglück auftrat, könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht von einer Erkrankung sprechen, allerding sei eine Langzeitüberwachung notwendig, erklärte die NGO.

Da sich radioaktives Jod stärker in den Schilddrüsen von Kindern, als jener von Erwachsenen ablagert, sind Kinder und junge Menschen vermehrt einem Risiko von gesundheitlichen Störungen und Krebs ausgesetzt

TEPCO sieht Entlassungen als problematisch an:  TEPCO-Vizepräsident Takashi Fujimoto hält einem Interview mit der Mainichi Shimbun zufolge, die geforderte Streichung von 7400 Stellen für schwierig. Sowohl für das Managment der Krise, als auch für die Elektrizitätsversorgung könnten sich durch den Personalmangel Probleme ergeben, erklärte er gegenüber der Zeitung.

Vorschulen erlauben Spielen in weniger belasteten Bereichen: Vorschulen in der Stadt Koriyama (Präf. Fukushima) nehmen seit heute an einem im August gestarteten Projekt teil, dass es Kindern ermöglichen soll, in weniger stark belasteten Gebieten im Freien zu spielen. Etwa 40 Kinder und ihre Lehrer fuhren per Bus von zwei Vorschulen aus dem Stadtzentrum, wo Werte von 0,9 Mikrosievert pro Stunde gemessen werden, zu einer anderen Einrichtung, knapp 30 Kilometer weiter entfernt, wo die Belastung lediglich 0,1 Mikrosievert beträgt. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Der Vertreter des Projekts, Ryuta Kamikokuryu betonte, es handele sich nicht um eine schulische Exkursion, sondern vielmehr um einen Teil der normalen Kinderbetreuung. Man wolle mit dem Projekt Eltern entlasten, die ihre Kinder gerne draußen spielen lassen würden, jedoch nicht in weniger belastete Gebiete ziehen können.

Schulen vor Neueröffnung begrenzen Außenaufenthalte: Die lokale Schulbehörde von Minamisoma hat die Entscheidung getroffen, an fünf Schulen, die im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern um das AKW Fukushima Daiichi liegen und nach erfolgreicher Dekontamination am 17. Oktober wieder eröffnet werden sollen, den Außenaufenthalt der Schüler auf zwei Stunden pro Tag zu begrenzen, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo. Zudem wird dazu geraten, lange Kleidung sowie Atemmasken zu tragen, um die Belastung durch radioaktives Material so weit wie möglich zu vermeiden.

An den dekontaminierten Schulen beträgt  die beobachtete Belastung einen Meter über dem Boden etwa 0,1 Mikrosievert pro Stunde. Die Regierung versucht die jährliche Strahlungsbelastung von Kindern so schnell wie möglich unter einen Milisievert pro Jahr zu senken, erklärten die Behörde.

TEPCO will nur die Hälfte der Berichte veröffentlichen: Nachdem TEPCO Mitte September die vom Untersuchungskomitee geforderten Notfallleitfäden zum Vorgehen bei Atomunfällen in einer fast völlig geschwärzten Version eingereicht hatte, bat die Atomsicherheitsbehörde um vollständige Zusendung, verbunden mit der Anfrage, wie viel des Materials veröffentlicht werden dürfe.

Nun legte der Betreiber des havarierten AKW Fukushima Daiichi die Leitfäden in unzensierter Form der japanischen Atomsicherheitsbehörde vor. Allerdings bleibt das Unternehmen weiterhin dabei, lediglich die Hälfte der Inhalte dürfte veröffentlicht werden, die andere Hälfte der Dokumente müsse geheim gehalten werden. Außerdem wolle man lediglich zehn Prozent des Leitfadens, der sich mit  schweren Unfällen befasst, herausgeben.

Als Begründung führt man zum einen geistiges Eigentumsrecht, als auch den Umstand an, dass sich dort Informationen über wichtige Anlagen befinden, die andernfalls Ziel von terroristischen Anschlägen werden könnten. Die Atomsicherheitsbehörde will diese Argumente prüfen, eine Veröffentlichung des Materials wird für Ende Oktober angestrebt.

Reis aus Iwate nun in den Geschäften: Seit Mittwoch ist frisch geernteter Reis aus der Präfektur Iwate in den Geschäften Japans verfügbar. Zuletzt war es zu einem Ansturm auf die Produkte der Reisernte des Vorjahres gekommen, aus Angst die diesjährige Ernte könnte radioaktiv kontaminiert sein.

Als Kaufanreiz hielt ein Kaufhaus in Morioka eine Verkostung für die beliebte Reissorte Hitomebore ab und bot die ersten 30 Gramm beim Kauf kostenlos an. Die ersten 200 Käufer erhielten zudem 300 Gramm gratis.

Der Großhändler der die Aktion veranstaltete hatte betonte, dass der Gouverneur die Sicherheit bestätigt habe und dass der diesjährige Reis aufgrund des heissen Sommers besonders schmackhaft ist, daran hätten auch die Taifune nichts geändert. Medienberichte wie dieser der NHK sollen vermutlich auch zur Beruhigung der Verbraucher beitragen und den Kaufanreiz erhöhen.

Selbstbedienung  zur Strahlenmessung in Kashiwa: Motohiro Takamatsu, Eigentümer eines Software-Entwicklungsunternehmens hat nach dem Kauf eines in Deutschland produzierten Strahlungsmessgerätes für eine Million Yen nun eine private Einheit zur Messung radioaktiver Belastung von Lebensmitteln und Erde ins Leben gerufen. Ab dem 11. Oktober soll die Einheit mit dem Namen „Bekumiru“ in Kashiwa (Präf. Chiba) der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Die Kosten für die Messungen sind niedriger als bei vergleichbaren privaten Angeboten, da die Kunden die Messgeräte hier selbst bedienen und etwa Lebensmittel mit einem elektrischen Mixer zerkleinern. Zudem arbeitet das Zentrum mit einem Mitgliedsschaftssystem um die Kosten gering zu halten.

Nordkorea fordert von Südkorea zwei der Flüchtlinge ein: Die kommunistische Führung von Nordkorea verlangt die Rückkehr zwei der neun nordkoreanischen Bürger, die vergangenen Monat mit einem hölzernen Boot vor Japans Küste  entdeckt und ausgesagt hatten, sie wollten nach Südkorea einreisen (Spreadnews berichtete).

Immer wieder führen Fluchtversuche zu Spannungen zwischen den beiden koreanischen Staaten, die sich offiziell noch miteinander im Krieg befinden und lediglich Waffenstillstand halten. Nordkorea wirft der Führung Südkoreas immer wieder vor, Personen gegen ihren Willen dort festzuhalten und zum Überlaufen zu zwingen.
Japan hatte die Flüchtlinge erst vor kurzem nach Südkorea ausreisen lassen.

Wie gestern bekannt wurde, hatten die nordkoreanischen Flüchtlinge sowohl ein Kurzwellenradio, als auch ein Mobiltelefon zur Planung und Durchführung ihrer Flucht genutzt. Auch wenn das Hören von ausländischen Sendern in Nordkorea verboten sei, hätten sich die Flüchtlinge so informiert und den Umstand ausgenutzt, dass Telefonate mit Mobiltelefonen in der Nähe der chinesischen Grenze leichter zu führen sind.

Da ihnen bekannt war, dass Japan bereits Flüchtlinge aus Nordkorea nach Südkorea hatte ausreisen lassen, habe man nach einem Sturm, der einen Teil der Ausrüstung beschädigte, den angenommenen Kurs Richtung Japan geändert, wissentlich, dass eine unfreiwillige  Rückkehr nach Nordkorea ernste Konsequenzen nach sich ziehen würde. Das melden die Mainichi Shimbun unter Berufung auf die AP und die Yomiuri Shimbun unter Bezug auf Regierungskreise .

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