Start Aktuelles Japan aktuell: Schlamperei bei Strahlungskontrollen von Arbeitern am AKW Fukushima

Japan aktuell: Schlamperei bei Strahlungskontrollen von Arbeitern am AKW Fukushima

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Fukushima-Arbeitsroutine: Kontrolle der Dosimeter (Video: TEPCO)
Fukushima-Arbeitsroutine: Kontrolle der Dosimeter (Video: TEPCO)
Fukushima-Arbeitsroutine: Kontrolle der Dosimeter (Video: TEPCO)
Fukushima-Arbeitsroutine: Kontrolle der Dosimeter (Video: TEPCO)

Mangelnde Kontrollen sind nicht nur im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell Thema, sondern auch bei der Nutzung von Geldern zum Wiederaufbau schien man Kontrollen und Hintergründe nicht allzu genau zu nehmen. Größere Genauigkeit soll es dagegen bei den Vorgaben für schwere Störfälle an Japans AKW geben.

Damit sind die Fukushima News weiterhin ein wichtiger Teil der Berichterstattung, auch wenn es neben den Folgen der Katastrophe von Fukushima heute auch weitere Themen gibt. Das alles wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Oktober 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Schlamperei bei Strahlungskontrollen am AKW Fukushima
  • NRA legt neue Katastrophenrichtlinien fest
  • Zweckentfremdung von Aufbaugeldern nun Politikum
  • Fukushima-Krise ist nicht vorbei, sondern Mord
  • Neuigkeiten zum Inselstreit um Senkaku und Takeshima
    • USA kann nicht neutral bleiben
    • Gemeinsames Manöver findet doch statt
    • Südkorea gedenkt japanischer Waisenmutter

Schlamperei bei Strahlungskontrollen am AKW Fukushima: Eine Untersuchung des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) von 1.813 Arbeitern ergab Nachlässigkeiten bei der Erfassung der Strahlungsdosis, der Arbeiter täglich ausgesetzt sind. Die Ergebnisse der jüngsten Untersuchung wurden gestern veröffentlicht.

Fukushima-Arbeitsroutine: Dosimeterrückgabe (Video: TEPCO)
Fukushima-Arbeitsroutine: Dosimeterrückgabe (Video: TEPCO)

Angestellte die bei Reinigung, Reparatur und Kontrollen am AKW Fukushima Daiichi tätig sind, müssen zwei Dosimeter mit sich führen.

Bei einem handelt es sich um ein Dosimeter, dass die tägliche Belastung bestimmt, sowie ein weiteres, das die Langzeitbelastung erfasst.

Alle getesteten Arbeiter waren zwischen November 2011 und Juni 2012 hohen Belastungen ausgesetzt.

Die Überprüfung ergab mehrere Auffälligkeiten bzw. Mängel bei der Erfassung der Strahlungsbelastung.

  • Lediglich eines der beiden Dosimeter wurde getragen
  • Fehlerhafte Datenerfassung durch eine große Baugesellschaft
  • In 28 Fällen wichen die Strahlungswerte beider Dosimeter um 25 Prozent höher oder niedriger voneinander ab. In 19 Fällen war fehlerhaftes Vorgehen die Ursache.

Das Gesundheitsministerium räumte aber auch die Schwachstellen der Untersuchung ein. Man habe aufgrund des Personalmangels lediglich Arbeiter mit monatlichen Belastungen von mehr als fünf Millisievert und damit die verdächtigsten Fälle testen können. Nur 0,1 Prozent aller fraglichen Arbeiter wurden befragt.

Auch wurden in der Vergangenheit Fälle bekannt, in denen die Kraftwerksangestellten zwar beide Dosimeter mit zur Arbeit nahmen, diese jedoch nicht trugen, so dass in diesem Fall eine derartige Untersuchung kein Hinweis auf eine Manipulation nachweisen kann.  Es handelt sich somit lediglich um die Spitze des Eisbergs und man ist noch weit davon entfernt, alle Kraftwerksarbeiter die jemals dort tätig waren, kontrolliert zu haben.

Insbesondere aus der Akutphase der Krise, als sich die einzelnen Mitglieder der Arbeitstrupps ein Dosimeter teilten und des Zeitraums bis zum Oktober 2011 gebe es bislang keine Untersuchung, bemängelt die Asahi Shimbun, die im Juli die Abschirmung von Dosimetern durch Bleihüllen aufgedeckt hat.

NRA legt neue Katastrophenrichtlinien fest: Am heutigen Mittwoch stimmte Japans Atomaufsicht NRA über neue Richlinien zu Katastrophenschutzmaßnahmen ab und entschied sich, wie zuvor bereits angekündigt, auf eine Ausweitung der Zone in der im Fall einer Reaktorkatastrophe besondere Maßnahmen erforderlich werden, von bislang 10 auf 30 Kilometer.

Zugangskontrollle zum J-Village (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Zugangskontrollle zum J-Village (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Obwohl jüngste Messungen auch eine Ausweitung von signifikanter Mengen an radioaktivem Material innnerhalb der ersten Woche nach einer Reaktorkatastrophe über diesen Bereich hinaus nahe legen, sei dies ausreichend und es stünde den Verwaltungen frei, basierend auf dieser Vorgabe auch größere Zonen zu schaffen.

Bereits durch die neue Erweiterung auf 30 Kilometer um AKW herum, steigt die Zahl der Präfekturen, in denen Teile der Zone liegen, von bislang 15 auf 21 an. Insgesamt steigt die Zahl der betroffenen Einwohner auf etwa 4,8 Millionen.

Auch wird eine fünf Kilometer messende Sonderzone für vorsorgliche Maßnahmen um AKW eingerichtet, von der Personen bereits abhängig vom Zustand der Anlage evakuiert werden können, selbst wenn noch keine Radioaktivität ausgetreten ist.

Vor dem Abschluss der Richtlinien hatte die NRA noch Expertenmeinungen, sowie die Ansicht von örtlichen Verwaltungen in die Überlegungen einbezogen.

Neben inhaltlichen Anpassungen, wie etwa der Festlegung von Kriterien zur Evakuierung, wurde nach Angaben der Behörde auch die Verständlichkeit der Dokumente verbessert, so dass sie besser Anwendung finden können.

Nun werden die Gouverneure und Leitungen von Präfekturen, sowie Stadtverwaltungen und Gemeinden dazu aufgerufen, diese Bestimmungen bei der Schaffung eigener Katastrophenpläne für Störfälle an Kernkraftwerke zu berücksichtigen und diese bis Ende März kommenden Jahres festzulegen.

Doch manche Fragen werden jedoch auch durch die neuen Richtlinien noch nicht beantwortet. So fehlen etwa noch Vorgaben der Behörde für folgende Punkte, die im Fall einer Katastrophe, wie sie sich am AKW Fukushima Daiichi ereignete, von Bedeutung wären:

  • Vorgaben zur Höhe der Mindestdosis zur Evakuierungspflicht
  • Vorgaben zur Nutzung der Daten des SPEEDI-Systems
  • Vorgaben zur Ausgabe  von Jodtabletten in Risikogebieten.

Diese Punkte wurden auf Ende diesen Jahres bzw. sogar auf das kommende Jahr verschoben, nachdem örtliche Verwaltungen in vielen Details dieser Punkte noch Klärungsbedarf und entsprechende Überlegungen für erforderlich halten und eine entsprechende Aufschiebung gefordert hatten.

Bis Ende November sollen die Verwaltungen im Land mit den Richtlinien zur Katastrophenvorsorge ausgestattet werden. Auch werde  man künftig die Meinungen und Erfahrungen dieser Stellen einholen, um die entsprechenden Regelungen noch effektiver machen zu können. Hierüber berichteten etwa NHK und Kyodo.

Zweckentfremdung von Aufbaugeldern nun Politikum: Die Zweckentfremdung von Geldern aus dem Fond für Wiederaufbau und ihre Verwendung in Projekten wie dem Walfang, hatte bereits früh zu Protesten geführt. In einer Rede am Montag nahm sich jetzt auch Premierminister Yoshihiko Noda des Problems an.

Trümmer in Rikuzentakata (Foto: Mitsukuni Sato cc-by)
Trümmer in Rikuzentakata (Foto: Mitsukuni Sato cc-by)

Etwa ein Viertel der 11,7 Trillionen Yen die für den Wiederaufbau nach den Tohoku-Katastrophen vorgesehen war, wurde in sachfremder Weise genutzt. Die Auszahlung von mehr als der Hälfte der Summe wird durch Bürkoratie behindert.

Als Vorwand für die Zweckentfremdung der Aufbaugelder diente vielfach das Argument, dies würde zur wirtschaftlichen Erstarkung des Landes beitragen. Dies als hinreichenden Grund zu akzeptieren sei ein Fehler gewesen, räumte die Regierung nun ein. Unter anderem wurden folgende Projekte gefördert

  • Werbung für den Tokyo Sky Tree (alleine hier 30 Millionen Yen)
  • Renovierung von Regierungsstellen in Tokyo
  • Forschung und Gewinnung seltener Mineralien
  • Straßenbau in Okinawa
  • Berufsausbildung in Gefängnissen
  • Zuschüsse für die Herstellung von Kontaktlinsen
  • ein Halbleiterforschungsprojekt
  • Trainning von Piloten und Kampfpiloten
  • Walfang
  • Das Justizministerium hatte um 2,8 Milliarden gebeten zur „Beruhigung der Öffentlichkeit“ über die Risiken von Katastrophen.

Das Fazit von Premierminister Noda in seiner Rede lautete, die Regierung habe nicht genug getan und nicht angemessen gehandelt. Man müsse auf jene hören, die für den Wiederaufbau oberste Priotiät fordern.

Während es in Politik und Wirtschaft vor allem um Zahlen geht, steht für die Betroffenen die eigene Zukunft auf dem Spiel.

In Rikuzentakata (Präf. Iwate), wurden 3.800 der insgesamt 9.000 Häuser zerstört, 1.800 der Einwohner gelten als getötet oder vermisst. Hier müssten, einem Artikel der Asahi Shimbun zufolge, die Arbeiten praktisch erst noch beginnen. Projekte wie die heute berichtete Wiederaufnahme des Betriebs einer Fischerarbeitungsfabrik mit 38-jähriger Geschichte, sind da die Ausnahme.

Es müsse in höher gelegenen Gebieten nach Bauland für neue Häuser gesucht werden – ein seltenes Gut.
Nach wie vor leben viele der einstigen Bewohner nun in Unterkünften auf Sportanlagen und Schulhöfen

Den letzten Zahlen zufolge sind mehr als 325.000 der insgesamt 340.000 Menschen, die Küstengebiete oder AKW nahe Gebiete fluchtartig verlassen mussten, sind nach wie vor ohne Obdach, oder leben weit entfernt von ihren früheren Wohnorten. Von der finanziellen Unterstützung des Wiederaufbaus haben sie noch nie etwas gesehen.

Fukushima-Krise ist nicht vorbei, sondern Mord: Bei der Veranstaltung einer Nichtregierungsorganisation anlässlich eines Treffens des UN-Menschenrechtsrats, kritisierte Katsutaka Idogawa, Bürgermeister von Futaba, die japanische Regierung für die Zurückhaltung von Informationen zur Strahlungsbelastung der Einwohner. Die Katastrophe sei noch nicht vorüber.

Futaba ist eine der Gemeinden, auf deren Gebiet sich ein Teil der Anlage des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi befindet und seit der Evakuierung praktisch eine Geisterstadt ist. Auch wenn es an mancher Stelle so dargestellt werde, als sei die Lage normalisiert, sei das Gegenteil der Fall.

Vielmehr handele es sich nach Aussage von Idogawa bei der von Menschen gemachten Katastrophe um einen vorsätzlichen Mord –  für den die Bürger von Futaba, trotz der Belastung durch Radioaktivität nie eine Entschuldigung gehört hätten. Die Äußerungen des Bürgermeisters waren unter anderem Teil der Berichterstattung von Kyodo und jiji.

Neuigkeiten zum Inselstreit um Senkaku und Takeshima: Im Fall der beiden Inselketten scheint heute ein Tag ohne Provokation zu vergehen. Dennoch gibt es berichtenswerte Meldungen zu den Umständen des Inselstreits, wie üblich jetzt im Überblick:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

USA kann nicht neutral bleiben: Die USA können in der Senkaku-Frage nicht neutral bleiben, sondern haben durch den Umstand, dass  das bilaterale Sicherheitsabkommen zwischen Japan und den USA auch die Senkaku-Inseln umfasst, bereits Position bezogen. Das ist die Ansicht von Kenichiro Sasae, Japans neuer Botschafter in den Vereinigten
Staaten.

Gemeinsames Manöver findet doch statt: Ein gemeinsames Manöver von US-Armee und Japans Selbstverteidigungsstreitkräften, bei dem die Rückeroberung einer  besetzten Insel geübt werden sollte, war aus Rücksicht auf die angespannte Situation zunächst verschoben worden. Nun soll es stattfinden – wenn auch mit anderem Szenario.

Nachdem von beiden Seiten mehrere Stimmen laut geworden waren, die darauf gepocht hatte, entsprechende Landungsübungen an Küsten müssten Teil der Übung sein, verständigte man sich nun darauf, die Übung gänzlich zur See durchzuführen.

Südkorea gedenkt japanischer Waisenmutter: In der koreanischen Stadt Mokpo fanden heute Feierlichkeiten zum Gedenken an Chizuko Tauchi statt, an denen 1.200 Personen, darunter 500 Japaner teilnahmen. Die 1912 in Kochi (Westjapan) geborene Tauchi hatte während der Besatzungszeit des Zweiten Weltkriegs einen koreanischen Geistlichen geheiratet und mehr als 3.000 koreanische Waisen aufgezogen, bis sie im Alter von 56 Jahren starb.

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