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Japan aktuell: Schlamperei verhinderte Kernschmelze in Fukushima-Reaktor 4

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Reaktor 4: Kameraufnahme des Abklingbeckens am 9. Februar 2012 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Aufnahme der Kamera im Abklingbecken am 9. Februar 2012 (Video: TEPCO)
Reaktor 4: Kameraufnahme des Abklingbeckens am 9. Februar 2012 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Aufnahme der Kamera im Abklingbecken am 9. Februar 2012 (Video: TEPCO)

Im Vorfeld des nahenden Jahrestages werden von verschiedenen Stellen nun Zahlen zu verschiedenen Umständen veröffentlicht und so erfährt man etwa, dass laut der Teikoku Databank insgesamt 645 Unternehmen durch die Naturkatastrophe bankrott gingen, oder Insolvenz anmelden mussten.

Interessanter dürfte allerdings die Information sein, dass Fukushima Reaktor 4 offenbar durch ein Missgeschick vor der Katastrophe gerettet wurde.

Doch auch weitere Informationen die im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell bekannt werden, sind durchaus aufschlussreich. Daher also auch heute an dieser Stelle die neusten Fukushima-News und weitere Meldungen aus Japan im Spreadnews Japan-Ticker vom 08. März 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Schlamperei verhinderte Kernschmelze in Reaktor 4
  • Fukushima-Reaktor 4 soll Abdeckung erhalten
  • Gemeinden wollen keine AKW mehr
  • TEPCO will Abdeckung über Reaktor 4
  • Keine Rede von TEPCO-Präsident  zum Katastrophen-Jahrestag
  • Japans Polizei will Katastrophenhilfe aufstocken
  • SDF-Hilfskräfte leiden an psychischen Folgen

Schlamperei verhinderte Kernschmelze in Reaktor 4: Auch am Fukushima-Reaktor 4 hätte es im Zuge des Tohoku-Erdbebens zu einer Kernschmelze kommen können. Verhindert wurde dies jedoch nicht durch moderne Technologie und Sicherheitssysteme – sondern durch Pfusch und Pannen bei Umbauarbeiten.

Zum Zeitpunkt des Tsunami sollte der Kernmantel, ein Metallbehälter aus Stahl um den Reaktorkern, der die Richtung des Kühlwasserzuflusses regelt, ausgewechselt werden. Dabei handelt es sich um die größten Wartungsarbeiten seit der Inbetriebnahme im Jahr 1978.

Der Reaktorraum, also der Bereich direkt oberhalb des Reaktorbeckens  und das Aufbewahrungsbecken, in dem radioaktiv belastetes Ausrüstung vorübergehend in Wasser gelagert werden, waren während der Arbeiten mit 1.440 Kubikmeter Wasser gefüllt.

Um die Freisetzung von Radioaktivität so weit wie möglich zu verhindern, wurde der Kernmantel auch während seiner Trennung in Einzelteile und des Transports in das Aufbewahrungsbecken ständig unter Wasser gehalten.   Zwischen dem Reaktorraum und dem Aufbewahrungsbecken sollte ein  Trennschutz eingebaut werden, um dann das Wasser aus dem Reaktorraum zu entfernen, um die nächste Phase angehen zu können. Diese Arbeitsschritte sollten dem Plan zufolge am 7. März 2011 abgeschlossen sein.

Als die Arbeiter jedoch ein Schneidewerkzeug in den Reaktorkern hineinlassen wollten, mit dem der Kernmantel aufgetrennt werden sollte, stellten sie fest, das die Hilfsgeräte, mit denen die Schneide hineindirigiert werden sollte, nicht die richtige Größe aufwiesen. Der dadurch erforderliche Austausch führte zu einer Verzögerung, so dass der Reaktorraum immer noch mit Wasser gefüllt war, als sich am 11. März das große Tohoku-Erdbeben ereignete.

Wie auch in den anderen Reaktoren kam es aufgrund des Stromausfalls zu einem Stopp der Kühlsysteme des Reaktors, so dass auch in Reaktor 4 das Kühlwasser durch die Hitze der Brennelemente zu verdampfen begann. Bei einem Fortschreiten wäre es auch hier zu einer Kernschmelze gekommen.

Stattdessen aber entstand eine Öffnung durch ein verschobenes Trennschütz zwischen dem Abklingbecken und dem angrenzenden, noch mit Wasser gefülltem Reaktorraum, so dass sich etwa 1.000 Tonnen von dort in das Becken ergossen und die Brennelemente weiter kühlten. Am 20. März 2011 begann die externe Kühlung des Reaktors und aufgrund dieses Umstands konnte die relative Sicherheit der Brennelemente vergleichsweise schnell erreicht werden. Das meldet die Asahi Shimbun.

Fukushima-Reaktor 4 soll Abdeckung erhalten:  Am gestrigen Mittwoch erklärte TEPCO, Betreiber des Atomkraftwerks, man plane die Errichtung einer Abdeckung auf Stahlträgerbasis, die über dem Gebäude von Reaktor 4 errichtet werden soll. Dies sei eine Vorbereitung für die Bergung der Brennstäbe, die frühestens Ende 2013 begonnen wird, sofern zuvor die Erdbebensicherheit des Gebäudes bestätigt wurde. Für das Herausheben der Brennelemente, soll an der Oberseite der Abdeckung ein Kran angebracht werden, berichtet die jiji.

Mit dem Bau der Abdeckung soll dagegen bereits zwischen Juli und September begonnen werden. Noch am Tag der Bekanntgabe wurde der Plan der Atomsicherheitsbehörde NISA zugesandt. In dem Becken befinden sich 1.535 Brennstäbe, die vermutlich keine größeren Schaden aufweisen, wie die Aufnahme einer Unterwasserkamera mit einer Sichtweise von fünf Metern gezeigt hätten, so TEPCO.

Gemeinden wollen keine AKW mehr: Umfragen der Mainichi Shimbun und der NHK zeigen deutlich, das eine klare Mehrheit der Städte und Gemeinden, auf deren Gebiet, oder in dessen Nähe sich Atomkraftanlagen befinden, eine dauerhafte Abschaltung befürworten.

Die Umfrage der Mainichi Shimbun richtete sich an die Bürgermeister von 42 Gemeinden in den Katastrophenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi. Dabei wurden auch Vergleiche mit einer Umfrage, die vor einem halben Jahr durgeführt hatte, gemacht.

  • Präfektur Fukushima: 12 von 15 Bürgermeistern fordern AKW-Stillegung (zuvor: acht)
  • In der Präfektur Miyagi: Sieben Bürgermeister für eine Abschaltung (zuvor: sechs)
  • Präfektur Iwate: Rückgang der Atomkraftgegner auf fünf (zuvor: sechs)

Das Ergebnis: Knapp 60 Prozent der Gemeinden fordern eine Abschaltung.

Die Umfrage der NHK deckte 20 Präfekturen und 122 Städte, Ortschaften und Dörfer ab. Ausgenommen hiervon waren Gemeinden in der Präfektur Fukushima.  Jede der befragten Gemeinden befindet sich in einem 30 Kilometer Radius zu einem Atomkraftwerk.

  • Zwei Prozent der Gemeinden gaben an, Neustarts zu befürworten
  • Zwölf Prozent würden dies eventuell akzeptieren
  • Vier Prozent sagten, man wolle überhaupt keinen AKW-Betrieb mehr
  • 75 Prozent wünschen bis auf weiteres keinen Neustart oder sind unentschlossen

Das Ergebnis: Knapp 80 Prozent der Gemeinden sind misstrauisch und wollen zumindest vorerst keine AKW

Tokyo: TEPCO-Gebäude im Juni 2007 (Foto: yoppy cc-by)
TEPCO-Gebäude in Tokyo im Juni 2007 (Foto: yoppy cc-by)

Keine Rede von TEPCO-Präsident zum Jahrestag vorgesehen: Während nach Angaben von NHK und jiji die Gemeinde Futaba, in der sich das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi befindet von TEPCO entschlossen, eine Entschädigung in Höhe von 19 Milliarden fordert und nach der Stadt Fukushima die zweite Ortschaft der Präfektur ist die diese verlangt, zeigt sich das Unternehmen weniger gesprächig.

TEPCO-Präsident Toshio Nishizawa wird am Jahrestag der Katastrophe zwar am AKW Fukushima Daiichi zu Arbeitern sprechen –  eine Rede gegenüber der Presse soll es jedoch ebenso wenig geben, wie ein Treffen mit Vertretern betroffener Gebiete. Lediglich der beim Unternehmen für Nukleare Angelegenheitenn zuständige stellvertretende Generealdirektor Zengo Aizawa soll später am Tag eine Pressekonferenz abhalten, so die Nachrichtenagentur Kyodo.

SDF-Hilfskräfte leiden an psychischen Folgen: Wie eine Untersuchung des Verteidigungsministerums vom September 2011 ergab, leiden viele Mitglieder der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte (SDF), die an Rettungseinsätzen und Hilfsaktionen nach dem Tohoku-Erdbeben und dem damit verbundenen Tsunami am 11. März 2011 teilnahmen, nun an psychologischem Stress, was langfristig zu psychischen Störungen führen kann.

Japans Polizei will Katastrophenhilfe aufstocken: Die nationale Polizeibehörde Japans entschloss sich am heutigen Donnerstag zu einer Aufstockung der Katastrophenhilfe-Einheiten auf 10.000 Mann. Bislang umfassen die Einheiten, die im Fall einer großen Naturkatastrophe zur Rettung von Opfern, für Vermisstensuche und Patroullien in Auffanglagern eingesetzt werden, rund 6.400 Kräfte.

Die Verstärkung soll durch die Beauftragung von 900 Beamten, die Großzahl hiervon Bereitschaftspolizisten und die Schaffung einer neuen, 3000 Mann starken Polizeieinheit zur  Durchführung von Notfallpatrouillen. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

GSDF: 15. Brigade auf der Kadena Airbase am 16. März 2011 (Foto: Sara Csurilla/DVIDSHUB cc-by)
GSDF: 15. Brigade auf der Kadena Airbase am 16. März 2011 (Foto: Sara Csurilla/DVIDSHUB cc-by)

Insgesamt waren 67.000 Kräfte des Personals, deren Hauptaufgabe darin bestand, nach Überlebenden und Vermissten zu suchen vom Verteidigungsministerium auf ihre Verfassung untersucht worden.

Die Ergebnisse zeigen, dass 2.416 bzw. 3,6 Prozent der Personen unter Symptomen von massivem Stress, wie etwa Flashbacks leiden, die zu einer so genannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) führen können.

Bei fünf Mitgliedern der Selbstverteidigungsstreitkräfte seien zwar bereits Symptome einer PTSD festgestellt worden, worauf diese zunächst freigestellt wurden. Mittlerweile seien jedoch alle wieder im Dienst.  Das Verteidigungsministerium plant nun, nach einem Jahr seit dem Katastropheneinsatz eine weitere Untersuchung dieser Art.

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