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Japan aktuell: Schlechte Arbeitsmoral begünstigte Umweltskandal in Fukushima

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Symbolbild: Atommüllfass (Foto: pd)
Kontaminierte Abfälle: Gegenseitige Ablehnung bei det Lagerungsfrage (Symbolbild: pd)
Symbolbild: Atommüllfass (Foto: pd)
Umweltskandal: Hoffnungslosigkeit und Frustration förderten Regelverstöße (Symbolbild: pd)

Die Bemühungen um Neustarts sind nach dem Herunterfahren der landesweiten Anlagen aufgrund der Nuklearkatastrophe von Fukushima, aktuell weiterhin ungebrochen.

Allerdings zeigt der Dekontaminationsskandal auch in diesem Bereich Wirkung. Über die Umstände der illegalen Entsorgungen gibt es ebenfalls neue Meldungen.

Doch ist die Präfektur Fukushima heute nicht einziges Thema, denn neben der Erdbebensicherheit sind auch die Sicherheitsstandards für Atomanlagen erneut von Interesse.

Aktuelle Fukushima News und weitere Meldungen, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. Januar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Schlechte Arbeitsmoral förderte Dekontaminations-Umweltskandal
  • NRA mahnt zu Sicherheitsstandards aller Atomanlagen
  • Mangelnde Erklärungen zu Zwischenlagerplänen
  • Erdbebensicherheitssystem stoppte Shinkansen früher

Schlechte Arbeitsmoral förderte Dekontaminations-Umweltskandal: Zeitdruck, nicht einzuhaltende Fristen und das anhaltende Gefühl, ihre Arbeit zeige keinen Effekt habe bei vielen Personen die mit Dekontamination beschäftigt waren die Bereitschaft  zur Nachlässigkeit erhöht. Das geht aus bisherigen Befragungen der Arbeiter hervor.

Es habe sich eine Art fatalistischer Pragmatismus eingeschlichen, so dass etwa nur die gekennzeichneten Bereiche dekontaminiert und die entstandenen Abfälle einfach außerhalb dieser Gebiete abgelegt worden seien. Vorarbeiten hatten erklärt, man müsse „nichts außerhalb der Abgrenzungen des Gebiets tun„.

Tatsächlich müssen beispielsweise Gebiete von jeweils 20 Metern zu beiden Seiten einer Straße  dekontaminiert werden, doch bereits der Umstand, dass radioaktives Material einfach von anderer Stelle dort hineingeweht werden könnte, setzte der Moral ebenso zu, wie der Zeitdruck

  • Material lediglich außerhalb der Arbeitsbereiche entsorgt: Arbeiter wurden angewiesen, die im 20-Meter-Bereich neben der Straße zusammengesammelter Bambusbündel und Laubsäcke aus dem Bereich, oder hinaus in den Fluss zu werfen. Arbeiter vertraten mehrfach die Ansicht, „der Großteil an Laub wird eh von den Flüssen weggespült“.
  • Ausrüstung in Flüssen gereinigt: Um im Zeitplan zu bleiben hätten Arbeiter, nicht wie vorgeschrieben das Reinigungswasser für ihre kontaminierte Ausrüstung und Stiefel aufgefangen, sondern stattdessen eilig einen nahe gelegenen Fluss hierfür genutzt.
  • Arbeiter psychisch unter Druck: Hätten Angestellte versucht nach Vorschrift vorzugehen und sorgfältig zu arbeiten, wären sie sozial isoliert worden, was insbesondere bei Minustemperaturen in menschenleeren Berggegenden besonders belastend geworden wäre.

Der Verlust der Arbeit wurde jedoch nicht angedroht – offenbar weil man jeden Mann brauchte, darunter auch mangelhaft ausgebildete.

  • Bezahlung ohne Gefahrenzulage: Ein der Asahi Shimbun vorgelegter Arbeitsvertrag eines Arbeiters belegt einen täglichen Lohn von 11.000 Yen. Es gab keinen Hinweis darauf, dass er die ihm zustehende Gefahrenzulage von 10.000 erhalten habe.
  • Gebäude-Dekontamination langwierig: Den Regelungen folgend, müssen Außenwände und Dächer von Gebäuden händisch oder mit Bürsten gereinigt werden, da der Gebrauch von Hochdruckreinigern auf Abflussrinnen beschränkt ist, um die Verbreitung kontaminierten Wassers einzudämmen.

In Handarbeit benötigen fünf Arbeiter insgesamt drei Tage. Unter Einsatz eines Hochdruckreinigers wäre die gleiche Arbeit in zwei Stunden erledigt.

Wie bereits zuvor berichtete die Asahi Shimbun auch in diesem Fall, angesichts der vielen tausend Beschäftigten sei eine effektive Kontrolle durch einige Dutzend Beamte des Umweltministeriums nicht ausreichend gewesen und vielfach nur an den Kontrollstellen regelkonform entsorgt worden.

NRA mahnt zu Sicherheitsstandards aller Atomanlagen: Bis Juli will Japans Atomaufsicht NRA neue Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke erstellt haben und basierend auf diesen Regelungen die Anträge von AKW-Betreibern auf Neustarts prüfen.

Doch die NRA will es nicht bei Kernkraftwerken belassen.

Nach Angaben der NHK erklärte Shunichi Tanaka, Leiter der Behörde, das auch andere Einrichtungen der Kerntechnik, wie etwa Testreaktoren und Wiederaufarbeitungsanlagen neuen Sicherheitsstandards entsprechen müssten, die jedoch  erst im Dezember festgelegt werden.

Besondere Aufmerksamkeit wird der geologischen und tektonischen Verhältnisse der Shimokita-Halbinsel gewidmet, da bereits lange über die Situation der geologischen Verwerfungen diskutiert wird. Dort befinden sich beispielsweise das AKW Higashidori ebenso, wie die Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho. Ein weiteres AKW ist dort im Bau.

Mangelnde Erklärungen zu Zwischenlagerplänen: Eine Informationsveranstaltung des Umweltministeriums, in deren Rahmen den Einwohnern der Präfektur Fukushima die Errichtung von Zwischenlagern für radioaktiv kontaminiertes Erdreich erläutert werden sollte, hat offenbar eher Misstrauen geschürt, als Vertrauen gewonnen.

Tokyo Regierungsgebäude Nummer 5: Ministerien für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Umwelt
Umweltministerium versucht über Zwischenlagerpläne aufzuklären(Foto: pd)

Bei der gestrigen Veranstaltung hatten unter anderem auch Einwohner von Okuma, das als möglicher Standort gilt, Fragen zu möglichen Entschädigungen und zur Handhabung des kontaminierten Erdreichs gestellt – doch an Stelle konkreter Antworten erfolgte lediglich der Hinweis „Wir wissen es nicht, bevor wie das Gebiet nicht untersucht haben„.

Das schürt Bedenken, dass, sollten erst einmal Untersuchungen erfolgt sein, der Bau der Anlage ohne größere Rücksprachen erfolgen könne. Auch das Versprechen, das Material nach 30 Jahren außerhalb der Präfektur Fukushima zu lagern wird angezweifelt, da vermutlich niemand bereit sein werde, die Lagerung zu übernehmen.

Entsprechende Standortuntersuchungen der potentiellen Lagerstätten sollen frühestens diesen Monat beginnen und zudem fünf weitere Veranstaltungen für die Einwohner von Okuma an drei Orten in der Präfektur abgehalten werden, heisst es von der Mainichi Shimbun.

An anderer Stelle kommt es bei den Entscheidungen bereits zu Hindernissen, denn bereits gestern teilte die Verwaltung von Naraha dem Umweltministerium mit, man werde nach der Aufdeckung des Dekontaminations-Skandals den bisherigen Gesprächstermin mit Vertretern der örtlichen Verwaltungen zunächst verschieben.

Erdbebensicherheitssystem stoppte Shinkansen früher: Bereits beim großen Tohoku-Erdbeben 2011 verhinderte ein computergestütztes System die Entgleisung von Schnellzügen, die zehn Sekunden vor dem Hauptbeben bremsten.

Ein Shinkansen Schnellzug in Tokyo (Foto: KJ)
Shinkansen: Neues Erdbebensystem reagiert schneller (Symbolfoto: KJ)

Eine im vergangenen Oktober vom Bahnbetreiber JR East eingeführte Nutzung von Daten des Frühwarnsystems der Wetterbehörde machte sich offenbar bereits ebenfalls bezahlt.

Am 7. Dezember 2012 war es vor der Küste der Präfektur Miyagi zu einem Erdbeben gekommen. Bereits 38 Sekunden und damit 28 Sekunden früher als beim alten System, wurden die Züge auf den betroffenen Strecken gestoppt.

Nach Angaben der NHK will der Betreiber die Sicherheitsmaßnahmen ausbauen – nicht zuletzt, da man ab März auch Hayabusa-Schnellzüge mit Geschwindigkeiten von 320 Kilometern pro Stunde einsetzen will.

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