Start Aktuelles Japan aktuell: Schutzmantelbau an Reaktor 4 des AKW Fukushima in Vorbereitung

Japan aktuell: Schutzmantelbau an Reaktor 4 des AKW Fukushima in Vorbereitung

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Schutzmantelbau: Planentwurf zur Abdeckung von Fukushima-Reaktor 4 am 16. April 2012 (Foto: TEPCO)
Schutzmantelbau: Planentwurf zur Abdeckung von Fukushima-Reaktor 4 am 16. April 2012 (Foto: TEPCO)
Schutzmantelbau: Planentwurf zur Abdeckung von Fukushima-Reaktor 4 am 16. April 2012 (Foto: TEPCO)
Schutzmantelbau: Planentwurf zur Abdeckung von Fukushima-Reaktor 4 am 16. April 2012 (Foto: TEPCO)

Am Wochenende war vor allem die Untersuchung von schweren Trümmern, die sich im Inneren eines Abklingbeckens befanden, von Interesse.

Am heutigen Montag gibt es nun erstes Material darüber, dass es im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell Pläne über den Bau eines Schutzmantels für Reaktor 4 gibt.

Bereits diese beiden Punkte machen klar –  die Woche beginnt mit Fukushim News, doch daneben gibt es weitere Informationen zur Situation der Atomkraft in Japan – im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. April 2012.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Objekt mit 35 Tonnen Gewicht in Fukushima-Abklingbecken gestürzt
  • Minister genehmigen Neustart des AKW Oi
  • Japan im Mai ohne aktive AKW
  • Fukushima-Reaktoren verringern nationale Zahl aktiver Reaktoren auf 50
  • AKW Hamaoka laut Betreiber sicher vor Tsunami
  • Teile des Sperrgebiets im Drei-Zonen-Modell als betretbar eingestuft

Schutzmantelbau für Fukushima Reaktor 4 in Vorbereitung:  TEPCO teilt in einer heutigen Pressemitteilung mit, dass man mit den Vorbereitungsarbeiten für den Bau eines Schutzmantels, der den Reaktor 4 des AKW Fukushima umgeben soll, soweit abgeschlossen habe, dass man die Hauptarbeiten am morgigen Dienstag angehen könnne.

Als ersten Schritt werde man morgen die Verstärkung des Fundaments überprüfen, die als Grundlage für das Stahlgerüst diene, von dem aus zu einem späteren Zeitpunkt dann ein Kran die Entfernung der Brennstäbe durchführen könnte, wie es die mittel- bis langfristige Planung zur Stilllegung der Reaktoren 1 bis 4 vorsehe.

Neben der Überprüfung des Fundaments werden auch Maßnahmen getroffen, um ein eindringen von Regenwasser  in das Reaktorgebäude zu verhindern.

Die Maße des Schutzmantels belaufen sich nach Angaben von TEPCO auf etwa 69 x 31 Meter. Die Höhe des Konstrukts, das aus einem Stahlgerüst und dem Schutzmaterial gegen Regen und Wind bestehe, betrage 53 Meter. Durch ein leichtes Gefälle der Dachkonstruktion und der Oberkannte der Außenwände, werde das Regenwasser ablaufen.

Objekt mit 35 Tonnen Gewicht in Fukushima-Abklingbecken gestürzt: Am Freitag meldete TEPCO, man habe bei Kamera-Untersuchungen des Abklingbeckens von Fukushima-Reaktor 3 in sieben Metern Tiefe unter der Wasseroberfläche  eine 35 Tonnen schwere Kraneinheit, die zum Austausch der Brennstäbe diente, am Boden des Beckens entdeckt. Man geht davon aus, dass dieses Gerät durch den Druck der Wasserstoffexplosion heruntergerissen und dann auf die Halterung der Brennelemente gestürzt war.

Trümmerteil im Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 3 am 13. April 2012 (Foto: TEPCO)
Trümmerteil im Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 3 am 13. April 2012 (Foto: TEPCO)

Das Gestell selbst hält 514 Einheiten abgebrannter Brennelemente und 52 nagelneue Einheiten. Nach Angaben des Betreibers wurden die Brennelemente selbst jedoch nicht beschädigt, da andernfalls die Radioaktivität wesentlich stärker wäre.

Um zu einem späteren Zeitpunkt die Brennelemente zu entwerfen, muss somit zunächst das herabgestürzte Gerät und die Trümmer, die bei der Explosion ins Becken gefallen waren, entfernen. Wann und auf welche Weise dies geschehen soll, müsse jedoch erst noch entschieden werden, so TEPCO.

Es ist nach Aufnahmen des Aufbewahrungsbeckens für abgebrannte Brennelemente in Reaktor 3 am 10. Mai 2011. erst das zweite mal, dass das Unternehmen Unterwasseraufnahmen aus dem Gebäude veröffentlicht. Gemeinsam sind den Aufnahmen die Trümmerteile, bestehend aus verdrehten Stahlstreben und Schutt. Die Aufnahmen waren Thema der Nachrichtenagentur jiji sowie der Asahi Shimbun.

Minister genehmigen Neustart des AKW Oi:
Noch während ihres gemeinsamen Treffens am Freitag kamen Premierminister Yoshihiko Noda, Industrieminister Yukio Edano, Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura und der Minister für Katastrophenmanagement, Goshi Hosono, zu der gemeinsamen Entscheidung, einen Neustart des AKW Oi (Präf. Fukui) unter den gegebenen Umständen zu genehmigen. Die Sicherheit sei mit den neuen Katastrophenschutzmaßnahmen des Betreibers Kansai Electrics gewährleistet und der Neustart werde den, für den Sommer erwarteten Stromknappheiten in Westjapan vorbeugen.

Wie die Nachrichtenagentur jiji am Samstag berichtete, besuchte Japans Industrieminister Yukio Edano am selben Tag die Präfektur Fukui und traf sich dort zunächst mit dem Gouverneur Issei Nishikawa und bat um Kooperation für den Neustart. Nishikawa, lehnte eine definitive Zusage jedoch ab und erklärte seine Verwaltung wolle zunächst die Sicherheit der Anlagen technisch untersuchen. Im Anschluss an das Gespräch traf sich Edano mit Shinobu Tokioka, dem Bürgermeister von Oi.

Einem Bericht der Mainichi Shimbun vom heutigen Montag zufolge, haben drei der 12 Mitglieder eines Atomsicherheits-Expertenkomitees der Präfektur Fukui ihre Zustimmung für die Regierungsrichtlinien zur Sicherheitsbeurteilung für AKW gegeben. Wie die jiji in einem Artikel heute berichtet, werden Mitglieder des Expertenausschusses der Präfektur Fukui am Mittwoch das AKW Oi am Mittwoch besichtigen, um sich einen Eindruck von den Sicherheitsmaßnahmen zu verschaffen.

Der Neustart wird von der Bevölkerung nicht als richtiger Schritt angesehen. Eine landesweite Telefonumfrage der Asahi Shimbun zwischen dem 14. und 15. April bei 3.071 Personen ergab insgesamt 1.779 gültige Antworten auf die drei gestellten Fragen.

  • Entscheidung zum Neustart: 55% Gegner, 28% Befürworter, 17% Andere/kA
  • Vertrauen in prov. Sicherheitsstandards: 70% Misstrauen, 17% Vertrauen, 13% Andere
  • Erwartung zu Angebot und Nachfrage: 66% Misstrauen, 18% Vertrauen, 16% Andere

Eine landesweite Umfrage der jiji  zwischen dem  2. bis 12. März bei 4.000 Erwachsenen ergab  1.217 gültige Antworten. Auch in diesem Fall sind die Zahlen deutlich:

  • Entscheidung zum Neustart: 58,5% Gegner, 16,2% Befürworter, Unentschieden 21,2%
  • Umgang mit Reaktoren: 69,2% Stilllegung (20,7% schnelle Stilllegung)

Japan im Mai ohne aktive AKW: Yukio Edano, Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie erklärte in einer Rede, die er am gestrigen Sonntag in Tokushima hielt, wenn Japans einziger zur Zeit noch aktiver Reaktor am AKW Tomari (Präf. Hokkaido) wie geplant am 6. Mai 2012 für reguläre Überprüfungen vom Netz gehe, werde es kein aktives AKW mehr im Land geben.  Es wäre somit das erste Mal, seit dem Start des ersten kommerziellen Reaktors in Japan im Jahr 1966, dass kein einziger Reaktor im Land aktiv ist.

Da der Neustart des AKW Oi noch nicht erfolgt ist, analysiere sein Ministerium die Auswirkungen der dann fehlenden Atomkraft auf die Elektrizitätsgewinnung. Eine Studie werde zeigen, dass es in diesem Fall zumindest in den kommenden Sommermonaten in verschiedenen Bereichen zu Problemen kommen werde.

Edano sagte, die Menschen würden das Problem der sommerlichen Energieknappheit verstehen und verwies damit auch auf die offizielle Regierungslinie. Diese sieht einen möglichst schnellen Neustart des AKW Oi vor um den Zeitraum ohne aktive Atomkraftwerke so kurz wie möglich zu halten.

Dennoch werde man nicht am magischen Datum des 5. Mai kleben und sollte dies auch nicht tun, erklärte zudem Krisenminister Goshi Hosono. Zudem plane die Regierung sich soviel Zeit wie nötig zu nehmen, um die örtlichen Behörden von einem Neustart des AKW Oi zu überzeugen.

Industrieminister Edano wiederholte allerdings auch die Absicht der Regierung, langfristig die Abhängigkeit Japans von der Atomkraft zu lösen. Es sei nicht gut, erneut von Atomkraft abhängig zu werden. Man könne nicht voraussagen, ob es in fünf, zehn oder zwanzig Jahren geschehen werde, aber die Regierung werde so schnell wie möglich versuchen, die Abhängigkeit dauerhaft auf Null zu senken.

Fukushima-Reaktoren verringern nationale Zahl aktiver Reaktoren auf 50: TEPCO, der Betreiber des stark beschädigten AKW Fukushima Daiichi teilte zu Wochenbeginn mit, dass die Reaktoren 1 bis 4 des Kraftwerks, in denen sich Kernschmelzen ereignet hatten, am Donnerstag offiziell aus der Liste betriebsfähiger Reaktoren gestrichen werden. Damit sinkt die Zahl der kommerziellen Reaktoren die weiterhin als betriebsfähig gelten auf 50, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Das „Electricity Business Law“ sieht vor, dass Betreiberfirmen die Erlaubnis des Industrieministeriums beantragen müssen, um die offizielle Leistungsänderung eines Kernkraftwerks durchführen zu können.  TEPCO hatte einen Antrag zur Ausgliederung der Reaktoren am 30. März eingereicht.

AKW Hamaoka laut Betreiber sicher vor Tsunami: Ein Expertenausschuss des Kabinettsbüros hatte den Stromkonzern Chubu Electric gewarnt, es bestehe die Möglichkeit, dass das AKW Hamaoka ((Präf. Shizuoka) von einem Tsunami mit mindestens 21 Metern Höhe getroffen werden könnte. Der Betreiber erklärte am heutigen Montag, die Sicherheit des Kernkraftwerks sei auch in diesem Fall gewährleistet.

In dem Bericht das Kraftwerksbetreibers, der das AKW Hamaoka im Mai vergangenen Jahres auf Wunsch der Regierung heruntergefahren hatte, heisst es, die Reaktorkühlung und die der Becken für abgebrannte Brennstäbe sei möglich, unter der Voraussetzung, dass die Anlage weiterhin ruhe und in stabilem Zustand bleibe.

Bei der Einschätzung berücksichtigt Chubu Electric die Möglichkeit, dass im Ernstfall nur die Ausrüstung und Teile der Anlage, die höher als 25 Meter über dem Meeresspiegel befinden, den Betrieb aufrecht erhalten könnten. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Teile des Sperrgebiets im Drei-Zonen-Modell als betretbar eingestuft: Teile der Ortschaft Minamisoma (Präf. Fukushima) sind aus dem bisherigen Konzept der Sperrzone ausgegliedert und stattdessen im  neuen Zonenmodell eingegliedert worden. Das bedeutet für die Einwohner, dass große Teile des Ortes, darunter auch der Bezirk Odaka, in die erste Zone fallen, für die eine „Rückkehr in naher Zukunft“ möglich ist. Somit war ihnen auch ein erster Besuch ihrer früheren Häuser erlaubt. Übernachtungen sind jedoch untersagt. Dieses Ereignis war Thema für die Berichterstattung der NHK und der jiji.

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