Start Aktuelles Japan aktuell: Schwierigkeiten bei Neustartplänen für Fukushima-Reaktoren

Japan aktuell: Schwierigkeiten bei Neustartplänen für Fukushima-Reaktoren

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Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)
Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)
Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)
Der Fukushima-Reaktor 5 am 15. September 2011 (Foto: TEPCO)

TEPCO selbst hat aus seiner Anlage in Fukushima heute keine Meldungen, die auf Besonderheiten hinweisen. Dagegen sind Erwägungen aus Japans Politik, die einen Neustart von Reaktoren am AKW Fukushima aktuell zumindest in Erwägung ziehen, durchaus meldenswert.

Auch die weiteren Meldungen befassen sich mit den Auswirkungen der Reaktorkatastrophe und gehen dabei sowohl auf die Entschädung betroffener Bürger, als auch auf Atomkraftgegner ein. Neben den Fukushima News sind jedoch auch Japans Naturkatastrophen heute von Interesse.

Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. April 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Neustart von Fukushima-Reaktoren 5 und 6 schwierig
  • Sperrgebietsregelung für Namie umgewandelt
  • Keine wesentlichen Schilddrüsenbelastung in Fukushima
  • Weniger als 80 Prozent der Schulen führen Tsunami-Übungen durch
  • TEPCO verschickt Entschädigungsanträge für Haushalte
  • Atomkraftgegner feiern Jahrestag der Proteste
  • Frau des Premierministers gegen Atomkraft
  • Japan mit neuem Erdbebendaten-Schnellsystem
  • Senkaku und Yasukuni erneut Thema
    • Drei chinesische Schiffe in Japans Gewässern
    • Premier Abe verzichtet auf Yasukuni-Besuch

Neustart von Fukushima-Reaktoren 5 und 6 schwierig: Japans Premierminister Shinzo Abe erklärte auf einem Treffen des Haushaltsausschusses am Freitag, ein möglicher Neustart der Reaktoren 5 und 6 werde aufgrund der öffentlichen Meinung schwierig, selbst wenn die neuen Sicherheitsstandards eingehalten werden.

Während der Betreiber TEPCO bislang das Schicksal der beiden intakten Fukushima-Reaktoren 5 und 6 offen lässt und keine definitiven Angaben über Reaktor-Neustarts macht, gibt es in der japanischen Regierung entsprechende Überlegungen, um den Energiebedarf des Landes abzusichern.

Nach Ansicht von Abe würden Pläne Neustart vor allem durch den erwarteten Widerstand aus der Bevölkerung erschwert. Das Einverständnis von Ortsverwaltungen der angrenzenden Gemeinden, sowie die Akzeptanz durch die Bevölkerung sei jedoch Voraussetzung für dieses Vorgehen, meldet die jiji.

Sperrgebietsregelung für Namie umgewandelt: Heute wurde die bisherige Zugehörigkeit der Ortschaft Namie (Präf. Fukushima) zur Sperrzone aufgehoben und in das Zonenmodell umgewandelt. Nun ist es früheren Einwohnern einiger Bereiche möglich, zeitweise zurückzukehren, um vor Ort Dinge zu erledigen, wie etwa zurückgelassene Dokumente an sich zu nehmen.

Der Ort ist nun in drei Zonen gegliedert, so dass Personen den Bereich an der Ostküste betreten können, wo vor der Katastrophe 80 Prozent der Bevölkerung des Ortes lebte. Eine Übernachtung ist jedoch nicht erlaubt. Das Zonenmodell richtet sich nach der Strahlungsbelastung der jeweiligen Gebiete.

Eine dauerhafte Rückkehr in die weniger belasteten Ortsteile wird 2016 erwartet. Über die Neugliederung berichteten unter anderem NHK, jiji und Mainichi Shimbun.

Zuletzt hatte Namie auch international Aufsehen erregt, als der Internetkonzern Google es den Nutzern seines Dienstes Google Street View möglich gemacht hatte, die praktisch völlig entvölkerte Ortschaft visuell zu besichtigen (Spreadnews berichtete am 28. März 2013).

Keine wesentlichen Schilddrüsenbelastung in Fukushima: Wie eine Untersuchung des Umweltministeriums, die zwischen vergangenem November und März diesen Jahres ergab, weisen Kinder und Jugendliche der Präfektur Fukushima keine signifikanten Unterschiede der Schilddrüse im Vergleich zu drei anderen Präfekturen auf.

Untersucht wurden 4,365 Einwohner zwischen 3 und 18 Jahren, die in Hirosaki (Präf. Aomori), Kofu (Präf. Yamanashi) und Nagasaki. Die ermittelten Werte seien fast identisch, oder nur geringfügig niedriger als in der Präfektur Fukushima.

In Kofu wiesen 69,4 Prozent der getesteten Personen kleine Klumpen von weniger als 5 Millimetern Größe bzw. Zysten mit einer Größe von weniger als 20 Millimeter. In Hirosaki wurden in 57,6 Prozent derartige Veränderungen der Schilddrüse gefunden, in Nagasaki waren es 42,5 Prozent.

Dort waren in der Vergangenheit bei Tests an 360.000 Personen unter 18 Jahren in 41,2 Prozent der Fälle, Veränderungen an der Schilddrüse entdeckt worden, berichtet die Kyodo.

Weniger als 80 Prozent der Schulen führen Tsunami-Übungen durch: Wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte, führen weniger als 80  Prozent der Schulen unterschiedlicher Jahrgangsstufen, sowie Kindergärten, Tsunami-Übungen durch. Auch mit anderen Maßnahmen, etwa der Schaffung von Katastrophenrichtlinien. liege man zurück.

Im Rahmen der im September 2012 durchgeführten Untersuchung, wurden nach Angaben der jiji insgesamt 51.460 Schulen und Kindergärten zu den getroffenen Maßnahmen befragt. Insgesamt 97 Prozent der Befragten gaben gültige Antworten.

Immerhin führten von 7.712 Schulen die als besonders tsunamigefährdet sind, insgesamt 5.917 (76,7 Prozent) Katastrophenrichtlinien ein. Jedoch fanden lediglich an 5.955, oder 77,2 Prozent der Schulen und Kindergärten tatsächlich Tsunami-Übungen statt.

TEPCO verschickt Entschädigungsanträge für Haushalte: Nachdem die Entschädigung für die Eigentümer von Grundstücken und Haushalten, die durch die AKW-Katastrophe betroffen sind, bereits im Herbst 2012 anlaufen sollte, können seit Freitag noch entsprechende Anträge eingereicht werden.

Der Vorgang hatte sich verzögert, da es sich als schwierig erwies, die evakuierten Besitzer der Grundstücke auszumachen. Auch geschädigte Haushalte können Zahlungen für den Ersatz von Einrichtungsgegenständen und Möbeln erhalten. Die Zahlungen für Haushaltsschäden richten sich dabei nach der Zusammensetzung der Familie und der Zahl der Bewohner des Haushalts.

Es wird geschätzt, das etwa 50.000 Haushalte aus 11 Gemeinden ein Anrecht auf Entschädigungszahlungen durch TEPCO haben, berichteten Mainichi Shimbun und jiji. Das Unternehmen entschuldigte sich für die Verspätung und kündigte an, etwa ab Ende April mit den Auszahlungen zu beginnen.

Atomkraftgegner feiern Jahrestag der Proteste: Am Freitag versammelten sich nach Angaben der Veranstalter etwa 6.000 Menschen in Tokyo, die gegen den Neustart von Atomkraftwerken protestierten. Die Anti-AKW-Proteste waren am 29. März 2012 ins Leben gerufen worden und fanden seitdem jeden Freitag statt.

Wie die Asahi Shimbun berichtet, begann die Veranstaltung um 18:00 Uhr und dauerte zwei Stunden. Nachdem die Zahl der Teilnehmen im Laufe der Zeit abgenommen hatte, bemühen sich die Aktivisten nun, die Erinnerung an die Katastrophe am Leben zu erhalten und die Menschen zu anhaltenden Protesten zu animieren.

Frau des Premierministers gegen Atomkraft: Die Ehefrau von Japans derzeitigen Premierminister Shinzo Abe, hat bereits durch ihr soziales Engagement einige Aufmerksamkeit erregt – und spricht sich einem Bericht der Mainichi Shimbun zufolge, auch gegen die Atompolitik ihres Mannes aus.

Akie Abe erklärte, bereits ein einziger AKW-Unfall könne Leben und Städte vernichten, eine absolute Sicherheit der Reaktoren sei nicht möglich. Frau Abe erklärte, es gebe einige Ansichten ihres Ehemannes die sie nicht teile.

Akie Abe hatte in der Vergangenheit mehrmals Teile des Sperrgebiets in Fukushima besucht und erklärte, sie wolle weiterhin Gebiete besuchen, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen.

Japan mit neuem Erdbebendaten-Schnellsystem: Japans Wetterbehörde begann heute mit dem versuchsweisen Betrieb eines Online-Dienstes, der im Fall eines schweren Erdbebens annähernd in Echtzeit Daten über länger andauernde seismische Aktivitäten bereitstellen und in einem vierstufigen System klassifizieren soll.

Bei Bewegungen der Stufe eins wird lediglich die schwankende Bewegung wahrgenommen. Erreichen die Bewegungen die Stufe zwei, muss der Mensch beim gehen einen Halt suchen und Bücher fallen aus den Regalen. Bei Stufe drei wird das freie Stehen extrem schwierig und ungesicherte Einrichtungsgegenstände können in Bewegung geraten.

Bei den stärksten Werten von Stufe vier ist kein Stehen mehr möglich, Möbel stürzen um und es sind Risse in den Wänden zu sehen. Die Daten und die entsprechende Klassifizierung soll künftig bereits zehn Minuten nach einem schweren Erdbeben online verfügbar sein, berichtet die NHK.

Senkaku und Yasukuni erneut Thema: Sowohl eine weitere Verletzung japanischer Hoheitsgewässer, als auch die Pläne für den kontrovers diskutierten Schrein sind heute Thema. Die aktuellen Meldungen für Sie zusammengefasst:

Der Yasukuni-Schrein in Tokyo
Der Yasukuni Jinja in Tokyo: Gedenkort für die Kriegstoten (Foto: Miki Yoshihito cc-by)

Drei chinesische Schiffe in Japans Gewässern: Am heutigen Montagmorgen drangen drei chinesische Schiffe in japanische Gewässer ein und operierten dort vier Stunden bis 18:30 Uhr. Es ist das 36. Mal seit dem Ankauf der Senkaku durch die japanische Regierung im September vergangenen Jahres.

Premier Abe verzichtet auf Yasukuni-Besuch: Japans Premierminister Abe wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht den umstrittenen Yasukuni-Schrein besuchen, um Spannungen mit Nachbarstaaten zu verringern, jedoch eine symbolische Opfergabe in Form eines dekorierten Zweiges (masakaki) überbringen lassen.

Der Schrein ist den Kriegstoten gewidmet, die dort in Form shintoistischer Gottheiten (kami) verehrt werden. Da hierzu auch Militärs zählen, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den US-Besatzern als Kriegsverbrecher hingerichtet wurden, sorgen die Schreinbesuche japanischer Politiker zu Verärgerung bei den asiatischen Nachbarn.

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