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Japan aktuell: Sichtweite in Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 4 verschlechtert

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AKW Fukushima: Kamera im Abklingbecken von Reaktor 4 am 15. März 2012 (Video: TEPCO)
Aufnahme aus dem Abklinkbecken von reaktor 4 am 15. März 2012 (Video: TEPCO)
AKW Fukushima: Kamera im Abklingbecken von Reaktor 4 am 15. März 2012 (Video: TEPCO)
AKW Fukushima: Aufnahme aus dem Abklinkbecken von Reaktor 4 am 15. März 2012 (Video: TEPCO)

TEPCO mangelt es an Durchblick – jedenfalls wenn man den Erklärungen des Energiekonzerns glauben schenkt, der aus Fukushima aktuelle Bilder veröffentlichte, mit denen er einen Bericht über Sichtprobleme einer Kamera im Abklingbecken von Reaktor 4 begleitet. Auch sieht sich der Betreiber des AKW Fukushima aktuell mit der Forderungen zur Herausgabe von Videomaterial aus der Akutphase der Krise konfrontiert.

Weitere Informationen aus Japan und natürlich zusätzliche Fukushima News jetzt zum Wochenausklang im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. März 2012.

Die Themen vom heutigen Freitag:

  • Sichtverhältnisse in Abklingbecken verschlechtert
  • Regierung drängt TEPCO zur Veröffentlichung von Videos
  • Lücken in Dekontaminationsgesetz verunsichern Bewohner
  • Regierung genehmigt Weiterbetrieb eines 30 Jahre alten Reaktors
  • Kronprinz Naruhito fordert ein Teilen der Katastrophen-Erkenntnisse
  • Kein radioaktives Cäsium in Fukushima-Zedernpollen

Sichtverhältnisse in Abklingbecken verschlechtert:  Vor etwa einem Monat hatte TEPCO, der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi eine Kamera in das Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe von Reaktor 4 hinabgelassen und zu diesem Zeitpunkt eine Sichtweite von fünf Metern festgestellt. Die visuelle Inspektion sollte zeigen, in welchem Zustand sich die dort gelagerten Brennelemente befinden und wie viele Teile der Decke bei der Explosion hineingeschleudert worden.

AKW Fukushima: Aufnahme aus Abklingbecken von Reaktor 4 am 16. März 2012 (Video: TEPCO)
AKW Fukushima: Aufnahme aus Abklingbecken von Reaktor 4 am 16. März 2012 (Video: TEPCO)

Eine jetzige Untersuchung zeigte jedoch nur noch eine Sichtweite von etwa einem Meter, was künftige Arbeiten deutlich behindern könnte – ist doch für die Räumung eines solchen Beckens eine Mindestsicht von sieben Metern erforderlich. Über die Ursache ist man sich, der Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, noch nicht ganz im Klaren.

Es wird sowohl eine Besiedlung mit Algen, eine sonstige Substanz, oder aber ein Defekt an der Kamera als mögliche Ursache für die schlechten Sichtverhältnisse erwogen.

Regierung drängt TEPCO zur Veröffentlichung von Videos:  Auf einer Pressekonferenz am heutigen Freitag sagte Yukio Edano, Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, es sei unverständlich, warum der Fukushima-Betreiber TEPCO einige Videoaufnahmen, darunter auch ein Video, dass den früheren Premier Naoto Kan bei seinem Besuch des TEPCO-Hauptbüros während der Krise zeigt, noch nicht veröffentlicht habe.

Edano bezieht sich damit auf eine Erklärung des Unternehmens vom Mittwoch, in der TEPCO angab, über Videoaufzeichnungen der Diskussionen zwischen dem Hauptsitz und den AKW Fukushima Daiichi und Fukushima Daini, die über eine Videokonferenz geführt worden waren. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Einige der Aufnahmen stammen aus dem AKW Fukushima Daini vom 11. März 2011 und den Folgetagen, während weitere im Hauptsitz des Unternehmens aufgenommen worden. Unter ihnen ist auch das bereits gestern genannte vom 15. März 2011 zu sehen, in dem Ex-Premierminister Naoto Kan die Führung von  TEPCO lautstark für die Überlegungen, das AKW Fukushima Daiichi sich selbst zu überlassen, kritisiert. Allerdings verfüge das Videomaterial über keine Tonspur, so die Betreiberfirma.

Lücken in Dekontaminationsgesetz verunsichern Bewohner: Auch wenn die örtlichen Behörden in der Präfektur Fukushima daran machen, die vom Umweltministerium auf Basis des neuen Gesetzes für Sondermaßnahmen zur Bewältigung radioaktiver Kontamination entworfenen Richtlinien umzusetzen, so hat eine Reihe von Einwohnern weiter Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahmen – nicht zuletzt aufgrund von Lücken in den Bestimmungen.

So berücksichtigen die neuen Richtlinien nicht die Dekontamination des Inneren von Gebäuden. Ein Vertreter des Ministeriums, dies sei geschehen, da das Gesetz für Sondermaßnahmen lediglich mit dem Konzept radioaktiver Kontamination als eine Form der Umweltverschmutzung entworfen worden war.

Ein Arbeiter der an den Arbeiten zur Dekontamination öffentlicher Einrichtungen beschäftigt war, erklärte der Mainichi Shimbun zufolge, dass es einen nicht unwesentlichen Teil von Dekontaminationsarbeiten innerhalb der Gebäude bedürfe.

Besonders Strahlungsmessungen auf Schränken, über Teppichen und anderen Stellen, an denen sich leicht Staub sammelt, könnten gelegentlich mehrere zehntausend Impulse pro Minute (CPM, oder counts per minute) gemessen werden.  Diese lägen sehr deutlich über dem, von der Regierung festgelegten Standard zur Dekontamination von Personen, oder Objekten von 13.000 CPM (was 0,1 Mikrosievert pro Stunde entspricht).

An praktisch jeden Stellen die mit der Außenluft verbunden sind, wie etwa Ventilatoren oder die Ritzen zwischen Fenstern würde sich radioaktives Material ansammeln, dass dann zu einer Aufnahme über die Atmung innerhalb der Gebäuden führen könnte. Aus diesem Grund sei auch eine Dekontamination des Inneren von Gebäuden zwingend erforderlich, fasst der Arbeiter seine Einschätzung zusammen.

Auch Probleme der Dekontamination im Freien sind zum Teil noch ungeklärt. So fehlen Regelungen  zur Entschädigung für Bäume, die für eine erfolgreiche Dekontamination erforderlich sind ebenso, wie eine Lösung des Problems von fliessenden Gewässern, die in einigen Gemeinden als Wasserquelle dienen und ebenfalls kontaminiert sein können.

Regierung genehmigt Weiterbetrieb eines 30 Jahre alten Reaktors: In Anbetracht des Umstands, dass die jetzigen Stresstests bei der Beurteilung bislang nicht vom schlimmstmöglichen Katastrophenfall ausgingen, scheint die jetzt erfolgte Entscheidung von Japans Atomsicherheitsbehörde, einem 30 Jahre alten Reaktor des AKW Ikata (Präf. Ehime) eine Laufzeitverlängerung von 10 weiteren Jahren zu gewähren, zumindest fragwürdig.

Es ist das erste Mal seit dem Beginn der Fukushima-Krise, dass die NISA mit der Erlaubnis für den Reaktor 2 des Atomkraftwerks Ikata eine langfristige Laufzeitverlängerung gewährt. Dieser Reaktor wird damit der 20. Atomreaktor in Japan werden, der seit über 30 Jahren im Betrieb ist.

Da die gesetzlichen Regelungen verlangen, dass sich Betreiber, die einen Reaktor über 30 Jahre lang im Betrieb halten wollen, einer Prüfung durch die NISA unterziehen müssen, hatte der Kraftwerksbetreiber Shikoku Electrics dies im März vergangenen Jahres für den, seit dem 19. März 1982 laufenden Reaktor 2 des AKW Ikata beantragt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Kronprinz fordert ein Teilen der Katastrophen-Erkenntnisse: Kronprinz Naruhito, der ursprünglich am 6. Weltwasserforum in Marseille (Frankreich) teilnehmen sollte, jedoch in Vertretung der Pflichten seines Vaters, der sich nach einer Bypass-Operation noch schont, absagen musste, hat sich mit einer englischsprachigen Videobotschaft bei der Konferenz zu Wort gemeldet.

Japans Kronprinz Naruhito im Jahr 2008 (Foto: Antonio Cruz/ABr cc-by)
Kronprinz Naruhito im Jahr 2008 (Foto: Antonio Cruz/ABr cc-by)

Der Kronprinz, der auch die Funktion des Ehrenpräsidenten des Beirats des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für Wasser- und Sanitärversorgung inne hat, drückte in der Rede den Ländern auf der ganzen Welt für die anhaltende Hilfe nach den Naturkatastrophen in Japan seine Dankbarkeit aus.

Er zitierte dann aus über historischen Beschreibungen eines großen Tsunami, der Japan vor über 1.000 Jahren getroffen hatte und spannte damit den Bogen zur heutigen Situation. Damals wie heute sei es von Bedeutung, die Erinnerungen und Geschichten der Katastrophen an künftige Generationen . Er verlieh zudem seiner Hoffnung Asudruck, dass durch das Teilen derartiger Erfahrungen, die Allgemeinheit von diesen lernen könne.

Der Kronprinz, der sich auch für den Gewässerschutz einsetzt, beendete die Rede seiner Videobotschaft mit dem Versprechen, gemeinsam mit den Teilnehmern des Forums zusammenzuarbeiten, so dass die Erfahrungen und Lektionen die man aus den Katastrophen gelernt habe, weltweit genutzt werden könnten. Dies berichtete die NHK.

Kein radioaktives Cäsium in Fukushima-Zedernpollen: Wie Shogo Higaki vom Radioisotope Center der Universität Tokyo am heutigen Freitag erklärte, habe man in Zedernpollen aus Fukushima kein radioaktives Cäsium feststellen können. Das meldet die Nachrichtenagentur jiji. Als Grundlage für diese Behauptung dient die Analyse von Atemmasken die von 20 Personen in Fukushima und Tokyo zwischen dem 19. und dem 25. Februar täglich getragen wurden, um einen möglichen Zusammenhang zwischen dem radioaktiven Fallout und Pollen überprüfen zu können.

Dabei kamen die Forscher zu zwei Ergebnissen. Es gebe keine Verbindung zwischen der Menge an Cäsium und jener von Pollen in den Atemmasken und  der Wert an radioaktivem Cäsium betrug gerade einmal 0,2 Becquerel, das ist der gerade noch messbare Wert, der mit einem Germanium-Halbleiterdetektor nachgewiesen werden könne.

Ob eine Untersuchung mit derart wenigen Teilnehmern über einen derart kurzen Zeitraum tatsächlich über die gewünschte Aussagekraft verfügt, mit der Ängste, die Pollen in diesem Frühjahr könnten mit radioaktivem Cäsium kontaminiert sein, ausreichend beruhigt werden kann, ist zumindest fraglich.

1 KOMMENTAR

  1. „An praktisch jeden Stellen die mit der Außenluft verbunden sind, wie etwa Ventilatoren oder die Ritzen zwischen Fenstern würde sich radioaktives Material ansammeln, dass dann zu einer Aufnahme über die Atmung innerhalb der Gebäuden führen könnte.“
    Die vorhandene Kontaminierung ist fast ausschließlich Cäsium. Andere freigesetzete radioaktive Stoffe sind nur in Spuren nachgewiesen. Keine der Stoffe sind Schwebstoffe. Die Stoffe werden gesundheitsgefährdend über die Aufnahme durch Speisen. Wenn die Bewohner also mit schmutzbindenden Mitteln die Verunreinigungen beseitigen und sicher entsorgen, kann eine weitere Gefährdung relativ schnell reduziert werden
    psana42

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