Start Aktuelles Japan aktuell: Sinkende Temperaturen in Abklingbecken des AKW Fukushima

Japan aktuell: Sinkende Temperaturen in Abklingbecken des AKW Fukushima

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Fukushima Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima: Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)

TEPCO beginnt die neue Woche mit Pressematerial, dass die Ausbildung bzw. Übungen der Arbeiter zeigen – vom Anziehen der Schutzanzüge bis zum korrekten Messen radioaktiver Belastung an Personen. Ob dies nun lediglich ein Einblick in die Arbeitswelt der Angestellten ist, oder demonstrativ gezeigt werden soll, dass in Fukushima aktuell alles kontrolliert abläuft, darüber kann man sicher geteilter Meinung sein.

Doch in der Tat beginnt diese Woche zumindest nicht mit technisch dramatischen Meldungen, doch sind es ja auch durchaus die wenig spektakulär anmutenden Umstände, die Anlass zur Sorge sind. Mehr Fukushima News nun am heutigen Montag im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. August 2011.

Radioaktives Cäsium dringt schneller in den Boden als gedacht: In einer gemeinsamen Studie der Universität Tokyo und der Präfektur Fukushima wurde im Rahmen von Experimenten festgestellt, dass radioaktives Cäsium hundert mal schneller in den Boden dringt als bislang vermutet. Das Ergebnis deutet damit darauf hin, dass hierdurch auch die  Entfernung aus dem Erdreich im Rahmen einer Dekontamination von Flächen, schwieriger wird, als bislang angenommen. Das meldet die Nachrichtenagentur Jiji.

Temperaturen in Abklingbecken sinken: Bereits am Freitag sank die Temperatur im Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe in Reaktor 1 des AKW Fukushima Daiichi auf 40,5 Grad. Ein weiteres Sinken unter die 40 Grad-Marke wird vom Betreiber TEPCO in Kürze erwartet. Damit handelt es sich um das erste sichtbare Zeichen eines Kühlungserfolgs. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Sollte für alle vier Reaktoren das verwendete Kühlsystem (Entnahme von Wasser aus dem Abklingbecken, Abkühlung und Zurückleitung) erfolgreich sein, wäre eines der Ziele der Phase 2 sogar vor dem Stichtag erfüllt.

Obstbauern in Fukushima sehen Verkäufe gefährdet: Die Präfektur Fukushima ist der landesweit zweitgrößte Produzent von Pfirsichen und diese gehören normalerweise zu beliebten Präsenten im Sommer. Doch trotz der Versuche der Obstbauern durch besondere Vorsichtsmaßnahmen und mehrfache Tests das Vertrauen der Verbraucher zu erhalten, sind Verluste zu erwarten, so ein Bericht der Yomiuri Shimbun. Auch der extensive Anbau von Äpfeln und Birnen könnte im Zuge der Angst vor radioaktiver Belastung zu einem finanziellen Desaster für die Landwirtschaft werden.

Traditionelles Feuerfest verbietet radioaktiv belastetes Holz: Traditionellerweise werden auf den Hügeln um Japans alte Kaiserstadt Kyoto zur Zeit des buddhistischen Totenfestes Obon riesige Feuer entzündet, am bekanntesten sind die riesigen flammenden Kanji-Schriftzeichen „Dai“ (groß), weshalb das Ereignis auch „Daimonji“ genannt wird.

Groß war dann auch die Frustration bei den Lieferanten des Feuerholzes aus Rikuzentakata, als sie aufgrund der festgestellten Werte von 1130 Becquerel Cäsium pro Kilogramm Holz eine Absage erhielten. Die Belastung besteht nur an der Außenseite des Holzes, da es im Freien gelagert worden war. Der Bürgermeoister von Rikuzentakata, Futoshi Toba bat die Presse darum keine Sensationsmeldungen daraus zu machen.

Obon Totenfest in Japan: Am Samstag begann das Obon genannte buddhistische Totenfest in Japan und viele Menschen die Angehörige und Freunde durch das Erdbeben und Tsunami vom 11. März verloren haben, suchten die Gräber auf um dort der Toten zu gedenken.

Doch nicht alle Menschen in Japan haben dieses Glück. In einigen Gebieten sind immer noch nicht alle Leichen geborgen und identifiziert, unmittelbar nach der Naturkatastrophe war es zu Engpässen in Krematorien gekommen und in manchen Ortschaften wurden auch die Grabsteine fortgespült, so dass es keine markierte Grabstätte mehr gibt. Auch Totenriten, in deren Verlauf dem Verstorbenen der Kaimyo (ein posthumer buddhistischer Name) verliehen wird, konnten vielfach nicht abgehalten werden.

An mancher Orten wurde die Anordnung in den Häusern zu bleiben kurzzeitig außer Kraft gesetzt um den Besuch der Gräber zu ermöglichen. Personen deren Familiengräber sich innerhalb des 20km Sperrgebiets befinden, haben keine Möglichkeit ihren Verstorbenen am Grab ihren Respekt zu bekunden, so dass sie sich kurz außerhalb der Sperrzone versammelten um dort zu beten.

Halt von Wärmekraftanlage  in Osaka bedroht Stromversorgung: Seit Samstagmorgen steht ein Generator in einer Wärmekraftanlage in Sakai (Präf. Osaka) still, nachdem er sich aufgrund eines teilweisen Schadens, durch Verlust eines Turbinenblattes selbst abgeschaltet hatte, wie der Betreiber Kansai Electrics mitteillte. In der Region werden nun Stromengpässe befürchtet, so japanische Medien.

Jahrestag des Weltkriegsendes: Der 66. Jahrestag der an das Ende des zweiten Weltkriegs erinnert, wurde in Japan mit einer offiziellen Zeremonie begangen. Neben einer Schweigeminute gab es auch eine Rede von Premierminister Naoto Kan, in der er erklärte, es sei damals der Anstrengungen jedes einzelnen Bürgers gewesen, die Japan aus den Zerstörungen der Nachkriegszeit erhoben.

Der Tenno sagte, er hoffe aufrichtig, dass sich der Horror des Krieges nie wiederholen werde. Er drückte den Kriegstoten seine Achtung aus und betonte, er bete für den Weltfrieden und den Wohlstand Japans.

Der Yasukuni-Schrein in Tokyo
Der Yasukuni Jinja in Tokyo (Foto: Miki Yoshihito cc-by)

Kein Schreinbesuch im Yasukuni Jinja: Das zweite Jahr in Folge nahmen sowohl der regierende Premierminister als auch die Mitglieder seines Kabinetts Abstand davon, anlässlich des Kriegsendes den Yasukuni-Schrein zu besuchen. Kan hatte bereits deutlich gemacht, dies in seiner Amtszeit nicht zu tun. In der Vergangenheit hatte der Besuch von Premierministern und hochrangigen Politikern jedes Mal zu Protesten, besonders im asiatischen Ausland geführt. Allerdings stattete der frühere Premierminister Shinzo Abe dem Schrein einen Einzelbesuch ab.

Der Shinto-Schrein ist den Kriegstoten gewidmet die dort in vergöttlichter Form, als „Kami“ verehrt werden – darunter auch Personen wie General Hideki Tojo, der von den allierten Besatzungsmächten nach dem Krieg für den Tod von vier Millionen Chinesen verantwortlich gemacht und als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt worden war.

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