Start Aktuelles Japan aktuell: Sprunghafter Anstieg der Cäsiumwerte in Hafenbucht des AKW Fukushima

Japan aktuell: Sprunghafter Anstieg der Cäsiumwerte in Hafenbucht des AKW Fukushima

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Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. (Foto: TEPCO)
Aufnahme vom Mai 2011: Erste Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser (Foto: TEPCO)
Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. (Foto: TEPCO)
Aufnahme vom Mai 2011: Erste Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser (Foto: TEPCO)

AKW-Betreiber TEPCO meldet von der Anlage in Fukushima heute sprunghafte Anstiege in der Kontamination des Hafenbereichs.

Zu den Bekanntgaben des Unternehmens gehört neben geplanten Fortschritten im Zeitplan aber auch ein Ölleck.

Weitere Fukushima News betreffen auch die Entsorgung kontaminierter Abfälle und Hilfen durch die IAEA. Einzelheiten zu dem, was am AKW Fukushima aktuell geschieht, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 10. Oktober 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Anstieg der Cäsiumwerte in Fukushima-Hafenbucht
  • Cäsiumbelastung außerhalb des Hafens
  • TEPCO will Bau von Lagertanks zwei Jahre früher fertigstellen
  • Fukushima-Gemeinde akzeptiert temporäre Müllverbrennung
  • Verlorengegangene TEPCO-Dokumente in Park gefunden
  • IAEA soll Meeresbelastung am AKW Fukushima untersuchen
  • Ölleck an Hydraulikschlauch
  • Dampf an Reaktor 3

Anstieg der Cäsiumwerte in Fukushima-Hafenbucht: Kraftwerksbetreiber TEPCO teilte am heutigen Donnerstag mit, dass die Werte an radioaktivem Cäsium in der Bucht des AKW Fukushima Daiichi, um über Nacht um das Dreizehnfache angestiegen sind.

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Cäsiumwerte in Bucht sprunghaft angestiegen (Symbolfoto: TEPCO)

Dies geht aus Wasserproben hervor, die gestern am Wasserzulauf von Reaktor 2 entnommen worden waren und einen Gesamtwert von 1.200 Becquerel pro Liter aufwiesen. Davon entfallen 370 Becquerel auf Cäsium-134 und weitere 840 Becquerel pro Liter auf Cäsium-137.

Die Probe stammt aus einem Areal innerhalb der Abgrenzung durch den Schlickzaun. Noch am Vortag waren dort lediglich 90 Becquerel pro Liter nachgewiesen worden.

Der Anstieg der Cäsiumwerte wird auf Bauarbeiten zurückgeführt. Um zu verhindern, dass radioaktiv kontaminiertes Grundwasser ins offene Meer gelangt, wird dort eine Barriere aus Erdreich mit Chemikalien ausgehärtet. Da im Zuge der Arbeiten bereits belastete Erde in die Bucht gelangte, habe dies zum Anstieg der Werte geführt. Hierüber berichtete die jiji.

Cäsiumbelastung außerhalb des Hafens: Seit dem 14. August führt der Kraftwerksbetreiber Kontrollen der Meerwasserbelastung vor dem Hafenbereich der Anlage durch. In einem Bereich der ein Kilometer östlich der Anlage liegt, waren zuvor im Mai diesen Jahres dort Cäsium-137 nachgewiesen worden. Geringe Konzentrationen finden sich dort nach wie vor.

Heute wurde bekannt gegeben, dass in einer Wasserprobe vom 8. Oktober ein Wert von 1,4 Becquerel pro Liter an radioaktivem Cäsium-137 nachgewiesen werden konnte. Nach Darstellung von TEPCO liegt dieser Wert nur wenig über dem Nachweiswert von 0,72 Becquerel pro Liter.

Zudem würden weder der Sicherheitswert von 90 Becquerel, noch der Trinkwasserwert der internationalen WHO-Richtlinien von 10 Becquerel pro Liter erreicht. Bereits in der heutigen Probe habe der Wert wieder unter dem regulären Nachweiswert, erklärte TEPCO.

Dagegen berichtet die Asahi Shimbun, unmittelbar außerhalb des Schlickzauns in der Nähe von Reaktor 2 habe es einen Anstieg auf 160 Becquerel pro Liter gegeben – was über dem Grenzwert liegt und auch die Werte vom Vortag übersteige.

TEPCO will Bau von Lagertanks zwei Jahre früher fertigstellen: Gestern gab der Elektrizitätskonzern TEPCO bekannt, man werde versuchen, den Bau zusätzlicher Lagertanks für insgesamt weitere 800.000 Tonnen radioaktives Wasser, bis Ende März 2015 beenden und damit zwei Jahre früher fertigstellen, als bislang geplant.

AKW Fukushima: Leck an temporärem Grunwasser-Lagertank am 5. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Anzahl der Lagertanks soll steigen (Symbolfoto: TEPCO)

Dies soll durch einen Anstieg der Fertigungsquote bei den Behältern erreicht werden. Die bisherige Rate von 15 Behältern pro Monat, was einem Kapazitätenzuwachs von 800.000 Tonnen entspricht, soll nun angehoben werden.

Grundlage für diese neue Einschätzung ist allerdings die Bedingung, dass das Multinuklid-Filtersystem ALPS wie geplant funktioniert, berichtet die jiji. In der Vergangenheit musste diese Anlage jedoch bereits mehrfach abgestellt werden. So hatte es im Juni aufgrund falschen Materials zunächst Korrosionsschäden gegeben.

Bei einem erneuten Testlauf Ende September, waren dann durch Unachtsamkeit der Arbeiter einige Gummimatten in einem Behälter des Systems geblieben und hatten ebenfalls zu einem Halt des Betriebs geführt. Die weitere Entwicklung der neuen Pläne bleibt somit abzuwarten.

Fukushima-Gemeinde akzeptiert temporäre Müllverbrennung: Das Umweltministerium und die Verwaltung der Ortschaft Iitate einigten sich auf die Errichtung einer übergangsweisen Müllverbrennungsanlage auf dem Gelände der Gemeinde, um die Masse an radioaktiv kontaminierten Abfällen zu reduzieren.

Rathaus der Ortschaft Iitate in der Präfektur Fukushima (Foto: Townphoto cc-by)
Gemeindehaus von Iitate (Foto: Townphoto cc-by)

Um zur Lösung des Lagerungsproblems beizutragen, soll parallel dazu eine versuchsweise Einrichtung dazu dienen, fertige Asche und kontaminiertes Erdreich in Material für den Bausektor und andere Verwendungszwecke umzuwandeln, indem radioaktives Cäsium herausgefiltert wird. Beide Einrichtungen sollen bis Ende des Fiskaljahrs 2014 fertiggestellt sein.

Der geplante Standort der Anlage ist derzeit unbewohnt und der dortige Betrieb soll drei Jahre laufen. Asche, die aufgrund ihrer Strahlungswerte nicht zweckgebunden weiterverwendet werden kann, soll vorübergehend in Betonbehältern aufbewahrt werden, bevor der Transport zu einem Zwischenlager erfolgt. Wo sich dieses Zwischenlager befinden soll, ist indes unklar.

Neben den Abfällen aus der Ortschaft selbst, sollen in der Müllverbrennung auch kontaminiertes Material aus der Stadt Fukushima, sowie fünf weiteren Gemeinden entsorgt werden. Die Verwaltung von Iitate will insgesamt 30 Prozent der radioaktiven Abfälle aus diesen sechs Standorten übernehmen und versteht dies als gegenseitige Hilfe.

Es wird sich damit um das erste derartige System handeln, in dem radioaktiv belastete Abfälle aus anderen Gemeinden verarbeitet wird. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Verlorengegangene TEPCO-Dokumente in Park gefunden: Seit dem Ausbruch der Fukushima-Katastrophe hatten Betroffene mehrfach den Umgang des Kraftwerksbetreibers mit Entschädigungsforderungen und anderen Anliegen der Bürger kritisiert.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO verlor Dokumente mit personenbezogenen Informationen (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Die jetzt von TEPCO veröffentlichte Mitteilung dürfte daher nicht unbedingt dazu beitragen, die Meinung im Bezug auf den Elektrizitätskonzern zu verbessern.

Am Dienstag waren in einem Grüngürtel in der Nähe des Gebäudes, in dem sich das Entschädigungs-Büro des Unternehmens befindet, Dokumente mit persönlichen Informationen der Antragssteller entdeckt, die offenbar verloren gegangen waren.

Es handelt sich um 70 Seiten im Format A4.

Insgesamt befinden sich Name und Anschrift von 227 Personen auf der Liste, bei denen es sich vor allem um Grundstückseigentümer handelt. Nach dem festgestellten Verlust wurde umgehend die Polizei Tokyo informiert.

Im weiteren Verlauf konnte die Mehrzahl der Dokumente bei der Suche in angrenzenden Straßen wiedergefunden werden.

Einige Schriftstücke, auf denen sich die Informationen von 49 Personen befinden, sind bislang nicht wieder aufgetaucht. Verantwortlich für die Vorbereitungen bei Gesprächen zur Entschädigung von Eigentümern und damit auch für die Dokumente ist ein männlicher Angestellter von 60 Jahren.

Es gibt allerdings bislang keinen Hinweis darauf, wie die Dokumente in den Park gelangten.

IAEA soll Meeresbelastung am AKW Fukushima untersuchen: Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA werden ab der zweiten Novemberhälfte in Japan eintreffen, um gemeinsam mit Japans Atomaufsichtsbehörde NRA, die Strahlungsbelastung des Meeres zu überwachen.

Die Entscheidung ist das Ergebnis von Gesprächen zwischen Vertretern beider Behörden. Die ausländischen Experten werden vor allem die Messungen und Kontrollen der japanischen Behörden, sowie des Kraftwerksbetreibers beobachten. Das berichtete die Kyodo.

Ölleck an Hydraulikschlauch: Am heutigen Donnerstag entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens, das an schwerem Gerät aus einem Hydraulikschlauch tropfenweise Öl austrat. Der Bereich befindet sich nördlich der Reaktoren 5 und 6.

Das Öl breitete sich auf einer Fläche von etwa 40 x 40 Zentimetern aus. Die Feuerwehr Tomioka wurde über den Zwischenfall unterrichtet und das ausgetretene Öl aufgewischt. Unterhalb der Leckstelle wurde Adsorptionsmittel ausgebracht. Die gesamte Aktion war gegen 11:40 Uhr abgeschlossen.

Dampf an Reaktor 3: Wie Kameraaufnahmen zeigen, trat heute gegen 7:00 Uhr erneut Dampf aus dem fünften Stock von Reaktor 3 aus. Der Vorgang dauerte etwa 43 Minuten. Wie bereits bei den Geschehnissen zuvor wurden keine Abweichungen an den Werten der Messposten festgestellt.

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