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Japan aktuell: Stadt Sendai will Bezirksteile wegen Tsunami verlagern

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Die Stadt Sendai am Fluss Hirose (Foto: pd)
Blick auf die Stadt Sendai (Symbolfoto: pd)
Die Stadt Sendai am Fluss Hirose (Foto: pd)
Sendai plant Großprojekt zum Tsunamischutz (Foto: pd)

Japan bemüht sich in vielerlei Hinsicht um Normalität, nachdem die Akutphase der Krise nun mehr als ein Jahr zurückliegt. Sowohl die Arbeiten die am AKW Fukushima aktuell andauern, als auch die Dekontaminationsmaßnahmen suggerieren eine gewisse Kontrolle der Situation.

Doch nach wie vor sind die Schäden sichtbar – und könnten nun sogar zu einer Klage führen. An anderer Stelle versucht man, der Jugend das zu bieten, was ihr während der Krise verwehrt blieb. Details jetzt zum Ende der Woche im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. Mai 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Sendai will Tsunami-Gebiete höher verlagern
  • Freiluft-Sportfeste an allen Grundschulen in Fukushima
  • Nördliche Marianen bieten Übernahme von Katastrophentrümmern an
  • Möglicherweise erste Klagen wegen Tohoku-Erdbebenschäden

Sendai will Tsunami-Gebiete höher verlagern: Die Option, vom Tsunami betroffene Gebiete weiter im Inland neu aufzubauen wurde bereits von mehreren Stellen genannt. Nun scheint die Stadt Sendai (Präf. Miyagi) ernst machen zu wollen und insgesamt 1.700 Haushalte in höher gelegene Bereiche zu verlegen.

Der Plan für das Vorhaben, soll der Regierung im Laufe des Monats vorgelegt werden. Bei einer Genehmigung würde es sich bei des kollektive Standortverlagerung der Küstenbereiche in den Bezirken Miyagino and Wakabayashi  um das bislang größte, von der Regierung geförderte Wiederaufbauprogramm für betroffene Gemeinden handeln.

Die Kosten sind dabei mindestens so immens wie das Vorhaben: Die Stadt rechnet für den Aufkauf der bisherigen Standorte und die Schaffung von Inlandbauplätzen mit einer Belastung von umgerechnet 750 Millionen US-Dollar, so die Meldung der NHK. Bürger die ihre Häuser selbst bauen wollen, sollen von der Stadt neue Bauplätze an insgesamt zehn Standorten erhalten können.

Nach dem Wunsch der Stadt Sendai soll mit dem Bau neuer Häuser bereits im Herbst diesen Jahres begonnen werden. Der Abschluss des gesamten Projekts wird auf Ende 2015 datiert.

Freiluft-Sportfeste an allen Grundschulen in Fukushima: Wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet, sollen ab Samstag alle 51 von den Gemeinden geführten Grundschulen Sportfeste im Freien abhalten,

Tauziehen an japanischer Grundschule (Foto: 御玉素猫 cc-by)
Tauziehen an japanischer Grundschule (Foto: 御玉素猫 cc-by)

nachdem im vergangenen Jahr, als unmittelbare Auswirkung der Fukushima-Krise, zwei Drittel der üblicherweise in Frühling oder Herbst unter freiem Himmel stattfindenden Veranstaltungen entweder nur in Hallen abgehalten (22 Schulen), oder gänzlich abgesagt wurden (11 Schulen).

Nach Angaben des Bildungsausschusses entschieden sich alle Schulen dafür, nach dem Sinken der Radioaktivitätswerte durch Dekontamination, die Veranstaltung unter freiem Himmel abzuhalten. Allerdings werde man auch weiterhin auf die Sicherheit achten, so dass einige Schulen die Dauer begrenzen, oder Disziplinen ausschliessen, bei denen die Kinder in Kontakt mit dem Boden kommen könnten (wie etwa Tauziehen).

Nördliche Marianen bieten Übernahme von Katastrophentrümmern an: Froilan Tenorio, Mitglied des örtlichen Unterhauses, bot während einer Pressekonferenz an, man sei bereit, Katastrophentrümmer aus den japanischen Krisenrgionen zur Lagerung zu übernehmen. Diese Geste des unter Selbstverwaltung stehenden Außengebietes der Vereinigten Staaten ist sehr großzügig, allerdings mit juristischen Problemen behaftet.

Japans Gesetzgebung verbietet die Ausfuhr von Abfällen, es sei denn, die Entsorgung in Japan selbst sei unmöglich und der Importeur dazu in der Lage, den gelieferten Müll weiterzuverwenden. Hierüber berichtete die Nachrichtenagentur jiji.

Möglicherweise erste Klagen wegen Tohoku-Erdbebenschäden: Die Polizei der Präfektur Tokyo erwägt, Ermittlungen gegen  mehrere Personen, darunter zwei Architekten, verbunden mit einer Klage wegen „Nachlässigkeit mit Todesfolge und Körperverletzung“ einzuleiten.

Hintergrund ist der Einsturz einer Parkplatzauffahrt an einem Supermarkt in Tokyo während des schweren Tohoku-Erdbebens im März vergangenen Jahres. Dieses Unglück ist mit großer Wahrscheinlichkeit durch einen Fehler bei den Bauberechnungen zurückzuführen, berichtet die Mainichi Shimbun.

Bei dem Zusammenbruch des Gebäudebestandteils an der Filiale der Supermarktkette Costco’s in der Stadt Machida, die zur Präfektur Tokyo gehört, waren zwei Menschen getötet und acht verletzt worden. Die Ermittler vermuten, dass die baulichen Berechnungen eines Architekten nicht mit der technischen Zeichnung übereinstimmten, was zum Bau eines Gebäudes führte, das nicht den Erdebenstandards entspricht.

Die Bauberechnungen werden von spezialisierten Architekten durchgeführt und umfassen auch eine seismische Analyse der geplanten Gebäude, sowie eine Einschätzung ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Wetterfaktoren. Ausgehend von den technischen Zeichnungen legt der Architekt Faktoren wie den Umfang tragender Stützelemente fest. Eine Vorlage der Bauberechnungen ist bei der Baugenehmigung durch eine Gemeindeverwaltung vorgeschrieben.

In diesem Fall habe der Bauentwurf ein Abflussrohr gezeigt, dass zwischen dem Boden des Parkplatzes und dem der darum verlaufenden Auffahrt verlief. Zudem war laut Plan die Böden beider Bauelemente durch sechs Metallplatten verbunden.

Der Architekt der die baulichen Berechnungen durchführte, ging dabei von der Annahme aus, dass beide Elemente aus einem einzigen Stück bestehen würden. Als Folge davon fanden Träger an der Verbindung zwischen Parkdeck und Auffahrt Verwendung, die nicht ausreichend erdbebensicher waren.

Weder dem Architekten der die Bauberechnungen durchführte, noch den Architekten die das Gebäude entwarfen, fiel die Abweichung zwischen dem Plan und den Berechnungen auf. So befand sich das Gebäude seit der Öffnung im August 20o2 in einem erdbebenunsicheren Zustand, bis der Teil der Abfahrt schließlich während des Tohoku-Erdbebens zusammenbrach.

Die Polizei vermutet, dass das Unglück somit durch menschliches Versagen verursacht wurde und bei größerer Sorgfalt hätte verhindern werden können. Sollte es tatsächlich zu einer Verhandlung kommen, so würde es sich um den ersten Fall dieser Art sein, der sich mit dem Zusammenbruch eines Gebäudes durch das Tohoku-Beben  befasst.

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