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Japan aktuell: Stahlträger stürzt in Becken von Fukushima-Reaktor 3

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Fukushima-Reaktor 3: Blick von oben auf Abklingbecken am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Blick von oben auf Abklingbecken am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Blick von oben auf Abklingbecken am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Blick von oben auf Abklingbecken am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)

TEPCO veröffentlicht heute eine Bilderserie zu den bereits von uns gemeldeten Arbeiten am AKW Fukushima Daini. Doch während dort offenbar alles planmäßig verlief, kam es am AKW Fukushima Daiichi zu einem Arbeitsunfall. Somit gibt es aus der Präfektur Fukushima heute wieder interessante Berichte.

Was sich um die Kernkraftwerke in Fukushima aktuell sonst noch ereignet hat, sowie weitere Meldungen aus Japan, gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. September 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Stahlträger stürzt in Fukushima-Abklingbecken
  • AKW-Schutzdamm von 18 Meter soll 23 Meter Tsunami standhalten
  • Tsunami-Trümmer bei Hawaii angeschwemmt
  • Ohigan in Fukushima
  • China provoziert in Senkaku-Inselstreit
    • Senkaku-Defacement von Webseite entfernt
    • Möglicherweise Luftdruckwaffen gegen Japans Botschaft in Peking eingesetzt
    • Antijapanische Proteste in Taiwan
    • Neun chinesische Schiffe nahe Senkaku
    • Siebzig taiwanesische Fischerboote zu Senkaku unterwegs
    • Drei chinesische Schiffe in Japans Gewässer eingedrungen
    • Japan protestiert gegen Grenzverletzung
    • Vier chinesische Schiffe verlassen japanische Gewässer
    • Defacement von Kulturwebseite
    • Chinas Zoll schikaniert durch verschärfte Kontrolle japanischer Waren
    • China sagt 40-Jahre-Freundschaftstreffen ab
    • Japanische Wirtschaftsvertreter sagen Peking-Besuch ab

Stahlträger stürzt in Fukushima-Abklingbecken: Wie die Betreiberfirma TEPCO mitteilte, stürzte am Samstag bei Bauarbeiten am AKW Fukushima Daiichi ein 7 Meter langer und 470 Kilogramm schwerer Stahlträger in ein Abklingbecken von Reaktor 3.

Fukushima-Reaktor 3: Luftaufnahme von Abklingbecken am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Luftaufnahme von Abklingbecken am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)

Der Zwischenfall ereignete sich während Arbeiten mit einem Kran, der zur Entfernung von Trümmern am Reaktorgebäude eingesetzt worden war. Dabei traf das Ende des Krans versehentlich den Stahlträger, so dass dieser in ein Abklingbecken stürzte in dem sich 566 abgebrannte Brennelemente befinden.

Wie TEPCO mitteilte, gebe es trotz des Zwischenfalls keine Probleme und das Kühlsystem arbeite weiterhin normal. Auch die Dosimeter am Becken zeigten keine Auffälligkeiten. Sowohl Wasserstand, als auch Strahlungshöhe seien unverändert.

Die neu eingesetzte Atomaufsicht sprach von einem schweren Arbeitsfehler und kündigte eine Untersuchung der Umstände an. TEPCO kündigte an, man werde eine Unterwasserkamera einsetzen um mögliche Schäden an Brennstäben feststellen zu können. Kamerauntersuchungen hatte es bereits am 13. September 2012 gegeben.

AKW-Schutzdamm von 18 Meter soll 23 Meter Tsunami standhalten: In einer geschlossenen Anhörung vor dem Obergericht Tokyo am Donnerstag vergangener Woche diskutierten Bürger mit dem Betreiber des AKW Hamaoka über eine mögliche Klage. Im Rahmen einer solchen Anhörung ist das Vorbringen zumeist technischer Fakten vor einem Prozess möglich.

Atomkraftwerk Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Das AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)

Die Vertreter der Betreiberfirma Chubu Electric behaupten vor Gericht, dass ein 18 Meter hoher Wellenbrecherdamm, der derzeit am Kernkraftwerk gebaut wird, ausreichend Schutz vor Tsunami von bis zu 23 Metern bieten soll.

Das liegt sogar über der Einschätzung von Experten, die in ihren Berechnungen das großen Nankai-Erdbebens von einem 19 Meter hohen Tsunami vor Omaezaki, wo sich das Kraftwerk befindet, ausgehen. Die tatsächliche Effektivität wird voraussichtlich einer der wichtigen Punkte der Klage werden.

Bei der Anhörung berief sich Chuba Electrics auf ein Experiment, das belegen soll, dass sogar ein 23 Meter hoher Tsunami keine schweren Schäden anrichten könne, was unter anderem auch auf die wasserdichten Türen zurückzuführen sei.

Diese würden selbst bei einer Überschwemmung der Anlage die Reaktoren vor Schaden bewahren. Da die Atomsicherheitskommission vor ihrer Auflösung noch gefordert hatte, dass nicht einmal das Gelände eines Kraftwerks von einem Tsunami überspült werden dürfe.

Neben der Klage könnte also bereits diese Regelung ein Anlass dafür sein, zusätzliche Maßnahmen zur Erfüllung dieser Forderung zu treffen.

Tsunami-Trümmer bei Hawaii angeschwemmt: Ein vor Waomanalo, der südöstlichen Küste von Oahu, von einem Angestellten gesichtete großer blauer Plastikbehälter, der anschließend von einem Meeresforschungslabor sicher gestellt wurde, ist der erste offizielle Fund eines aus Japan angeschwemmten Trümmerteils, dass die Hawaii-Inseln erreicht.

Der 1,2 Meter lange und ebenso breite Behälter, der  dem Unternehmen Y.K. Suisan Co. Ltd. gehörte, diente ursprünglich dem Transport von Meerestieren – und seine Ankunft entspricht nach Angaben der Asahi Shimbun den Berechnungen von Wissenschaftlern.

Das bislang zwölfte Trümmerteil das eine US-amerikanische oder kanadische Küste erreicht, wird jedoch nicht das letzte seiner Art bleiben, berichten doch Fischer von einem großen Dock mit Maßen von über 15 Metern und japanischen Schriftzeichen, dass auf Oahu zutreibt. Im Juni war ein 165 Tonnen schweres Dock im US-Bundesstaat Oregon angespült worden.

Ohigan in Fukushima: Ein ausschließlich in Japan gepflegter buddhistischer Brauch, ist die Ahnenverehrung anlässlich der Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst (Ohigan). Das erste Mal seit 116 Jahren fällt sie diesmal auf den 22. September. Für die buddhistischen Priester bedeutet dies Arbeit bei der Pflege der Friedhöfe und des Warmhaltens der Kohlebecken, an denen Besucher die Räucherstäbchen entzünden.

Für Kraftwerksangestellte, die das Erdbeben in den Anlagen des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi erlebten und für die Bürger der Küstenregionen bedeutet Ohigan, ihrer Angehörigen zu Gedenken, deren Körper sie nach der Rückkehr von der Arbeit in den weit verstreuten Trümmern des eigenen Hauses fanden – wenn sie nicht vom Tsunami fortgespült wurden.

China provoziert im Senkaku-Inselstreit: Die Woche beginnt mit provokativer Missachtung japanischer Seehoheit durch Schiffe der Volksrepublik China und auch Taiwan macht sich mit einer Propaganda-Aktion auf den Weg zu den Inseln. Die neusten Meldungen hier zusammengefasst:

JS Kurama: Zerstörer der Shirane-Klasse (Foto: pd)
Japan wehrt sich gegen Chinas Provokation im Senkaku-Streit (Foto: symbolisch, pd)

Senkaku-Defacement von Webseite entfernt: Die am 14. September offenbar von chinesischen Internetkriminellen mit Propaganda verunstaltete Webseite eines Gerichts ist am Freitag wiederhergestellt worden, allerdings sind noch nicht alle Funktionen wieder nutzbar.

Möglicherweise Luftdruckwaffen gegen Japans Botschaft in Peking eingesetzt: Die insgesamt acht Fenster im ersten Stock und drei im sechsten Stock der japanischen Botschaft in Peking, die zwischen dem 15. und 17. September bei antijapanischen Protesten zu Bruch gingen, wurden möglicherweise durch kleine Metallkugeln aus Luftdruckwaffen zerstört.

Da das Gebäude für derartige Treffer vom Boden aus zu hoch ist, vermutet man Schüsse von benachbarten Dächern. Die Polizei von Peking erklärte, man werde in der Angelegenheit ermitteln.

Antijapanische Proteste in Taiwan: Am Sonntag fanden in Taipeh eine Protestaktion gegen Japans Politik statt. Insbesondere Gruppen, die einen Anschluss des unabhängigen Taiwan an die Volksrepublik fordern, organisierten die Proteste. Veranstalter sprechen von bis zu 3.000, die Polizei von 1.000 Teilnehmern. Nach Schätzungen der Kyodo waren es etwa 800.

Sie forderten die Rückgabe der Inseln und beleidigten Taiwans früheren Präsidenten Lee Teng-hui, der die Zugehörigkeit der Inselgruppe zu Japan vertreten hatte.

Neun chinesische Schiffe nahe Senkaku: Die japanische Küstenwache meldete am Sonntag, alle chinesischen Patrouillenschiffe hätten sich aus der Grenzzone um die Senkaku-Inseln entfernt. Allerdings befänden sich noch neun Patrouillenschiffe direkt außerhalb der Zone. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sie das Gebiet verlassen.

Siebzig taiwanesische Fischerboote zu Senkaku unterwegs: Am heutigen Montag legten 70 Fischerboote vom Hafen Yilan ab und kündigten an, mit ihren Booten an denen Propagandabanner befestigt sind, die Inseln umrunden zu wollen. Begleitet werden sie dabei auch von taiwanesischen Journalisten. Mit einer Ankunft im Grenzgebiet wird Dienstagmorgen gerechnet.

Drei chinesische Schiffe in Japans Gewässer eingedrungen: Am Montagmorgen drangen drei chinesische Schiffe in japanische Gewässer ein. Es ist das erste Mal seit vergangenem Dienstag, dass eine derartige Verletzung des japanischen Hoheitsgebiets von chinesischer Seite erfolgt. Japan mobilisiert seinen Beamtenapparat und fordert sofortigen Rückzug.

Japan protestiert gegen Grenzverletzung: Japans Vize-Außenminister Chikao Kawaii protestierte telefonisch bei Cheng Yonghue, Chinas Botschafter in Tokyo, über das Eindringen chinesischer Schiffe in japanische Gewässer. Dies sei inakzeptabel und außerordentlich bedauerlich.

Vier chinesische Schiffe verlassen japanische Gewässer: Nachdem am frühen Montagmorgen zunächst zwei Regierungsschiffe in japanische Gewässer eingedrungen waren, worauf mehrere Stunden später zwei Boote der chinesischen Fischereibehörde folgten, haben nun alle vier Schiffe japanische Gewässer verlassen.

Acht weitere Schiffe befinden sich jedoch immer noch in der Grenzzone vor japanischem Hoheitsgebiet.

Defacement von Kulturwebseite: Seit Mittwoch vergangener Woche, hatte es nach Angaben der japanischen Behörde für kulturelle Angelegenheiten, auf der Webseite der Behörde vermehrten Internetverkehr aus China gegeben – nun wurde ein Verunstaltung der Webseite festgestellt, bei der eine chinesische Flagge auf der Hauptinsel, sowie Propaganda in chinesischer Sprache zu sehen ist.

Die Webseite selbst befasst sich mit Kulturschätzen und hat keinen Bezug zu dem Inselstreit.

Chinas Zoll schikaniert durch verschärfte Kontrolle japanischer Waren: Berichten zufolge haben Zollbehörden in Peking japanische Frachtdienste und Versand-unternehmen davon in Kenntnis gesetzt, dass man die Kontrolle von japanischer Luftfracht am Flughafen Peking verschärfen wolle.

China sagt 40-Jahre-Freundschaftstreffen ab: Die zuvor geäußerten Vermutungen haben sich bewahrheitet. Die Regierung der Volksrepublik China sagte eine für Donnerstag geplante Freundschaftszeremonie anlässlich des 40. Jahrestags der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen beider Länder ab.

Hiromasa Yonekura, Keidanren-Vorsitzender 2011 (Foto: pd)
Hiromasa Yonekura, Keidanren-Vorsitzender 2011 (Foto: pd)

Japanische Wirtschaftsvertreter sagen Peking-Besuch ab: Der Konflikt beider Staaten hat auch Auswirkung auf den wirtschaftlichen Austausch der Länder. So sagte eine Delegation hochrangiger japanischer Wirtschaftsvertreter in letzer Minute ein seit 1975 ununterbrochen jährlich stattfindendesTreffen in Peking ab.

Lediglich der Vorsitzende des Japanischen Wirtschaftsverbands Keidanren, Hiromasa Yonekura und der Vorsitzende von Toyota Motors, Fujio Cho, wollen am Donnerstag Peking besuchen.

Die ursprüngliche Reise werde möglicherweise nachgeholt, sobald die extremen Spannungen abgebaut sind.