Start Aktuelles Japan aktuell: Starke radioaktive Belastung des Bodens in Fukushima

Japan aktuell: Starke radioaktive Belastung des Bodens in Fukushima

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Rathaus der Ortschaft Iitate in der Präfektur Fukushima (Foto: Townphoto cc-by)
Das Rathaus von Iitate (Foto: Townphoto cc-by)
Rathaus der Ortschaft Iitate in der Präfektur Fukushima (Foto: Townphoto cc-by)
Rathaus von Iitate (Foto: Townphoto cc-by)

Die Überlegungen über einen möglichen Abschuss der für April geplanten nordkoreanischen Rakete durch die Selbstverteidigungsstreitkräfte Japans bleibt eines der Themen japanischer Medienlandschaft –  doch auch wenn vom AKW Fukushima aktuell keine spektakulären Dinge zu hören sind, so zeigen sich dennoch erneut die Auswirkungen des Atomunfalls. Die Möglichkeit, dass auch andere Kernkraftwerke außer der Anlage in der Präfektur Fukushima aktuell Probleme bereiten können, geht dabei fast ein wenig unter – zu Unrecht wie sich jetzt zeigt. Somit gibt es an dieser Stelle auch nicht nur Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. März 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Erdboden in Iitate hoch mit radioaktivem Cäsium belastet
  • Schwach radioaktives Wasser am AKW Tokai ausgetreten
  • Stresstest-Ergebnisse des AKW Ikata von NISA akzeptiert
  • Ergebnisse der Stresstest des AKW Oi vor Wochenende erwartet
  • Erneut Flüssigkeit aus Brustraum des Tenno entfernt
  • Jahrestag des Sarin-Anschlags der Giftgas-Sekte

Erdboden in Iitate hoch mit radioaktivem Cäsium belastet: Einer Meldung des Umweltministeriums zufolge, wurde mit 154.000 Becquerel an radioaktiven Cäsium im Erdreich an den Ufern des Niidagawa der bislang höchste gemessene Wert ermittelt.

Diese im Sperrgebiet erreichte Zahl übersteigt damit den Grenzwert von 100.000 Becquerel für radioaktiv kontaminierte Asche, die aus der Verbrennung von Katastrophentrümmern entsteht und eine  Lagerung in Deponien mit Abschottungen aus Stahlbeton erforderlich macht.

Die dritte Untersuchung dieser Art wurde vom 5. Januar bis 27. Januar an insgesamt 179 Stellen durchgeführt und umfasste sowohl Proben aus dem Erdreich als auch aus dem Wasser. Im Rahmen der Wasseruntersuchung wurde zwar im Fluss Hirose der Stadt Date acht Becquerel an radioaktivem Cäsium gemessen, an den meisten übrigen Stellen wurde dann jedoch kein Cäsium im Wasser nachgewiesen, so das Ministerium der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge.

Schwach radioaktives Wasser am AKW Tokai ausgetreten:Wie die Atomsicherheitsbehörde NISA am gestrigen Montag meldete, sind am AKW Tokai (Präf. Ibaraki), das von der Japan Atomic Power betrieben wird, etwa 1,5 Tonnen an schwach radioaktivem Wasser ausgetreten.

Das Wasser wurde zur Dekontamination von Schutzanzügen sowie anderer Arbeitsgeräte genutzt und wurde bis zu 33 Becquerel pro Gramm kontaminiert. Der Austritt ereignete sich  bereits am Mittwoch, während der Leitung von Wasser aus einem Aufbewahrungstank in einen Zweiten. Das Leck war in einem Gebäude aufgetreten, das über eine Leitung mit dem zweiten Wassertank verbunden ist.

Nun wird untersucht, ob kontaminiertes Wasser ins Meer gelangte, erklärte die Behörde nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo.

Stresstest-Ergebnisse des AKW Ikata von NISA akzeptiert: Die NISA kommt in einem Bericht vom gestrigen Montag zu dem Schluss, dass die Ergebnisse des Stresstests an Reaktor 3 des AKW Ikata (Präf. Ehime) den Sicherheitsbedingungen entsprechen. Zur Beurteilung hatte man auch Expertenmeinungen eingeholt.

Es handelt sich um den zweiten Beurteilungsbericht zu Stresstest-Ergebnissen, die von Kraftwerksbetreiber durchgeführt worden waren. Im Februar 2012 hatte man zuvor die Testergebnisse für die Reaktoren 3 und 4 des AKW Oi (Präf. Fukui), das von Kansai Electric betrieben wird, anerkannt. Mit einer Weiterleitung des Berichts an die Atomsicherheitskommission (NSC) kan Ende März gerechnet werden, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Allerdings gibt es hierbei zumindest eine Einschränkung: Aufgrund des Umstands, das die Regierungskommission und die Behörde im April, oder zu einem späteren Zeitpunkt in eine neue Atomaufsicht umgewandelt werden sollen, um sie der Einflussnahme durch das bislang übergeordnete Industrieministerium zu entziehen, sei nicht ausreichend Zeit für die NSC vorhanden, um den Bericht zu prüfen, so Haruki Madarame, Vorsitzender der Kommission. Man werde diskutieren, wie mit der Angelegenheit verfahren werde, wenn man den Bericht erhalte.

Ergebnisse der Stresstest des AKW Oi vor Wochenende erwartet: Noch vor Ende der Woche wird erstmals eine abschliessende Beurteilung eines von der NISA eingereichten erststufigen Stresstests bei der NSC erwartet. Die Atomsicherheitsbehörde NISA hatte zuvor die Stresstests der Reaktoren 3 und 4 am AKW Oi als ausreichend akzeptiert und den Bericht an die Atomsicherheitskommission weitergeleitet.

Nach Anhörung von Experten wird der Ausschuss der NSC die Einschätzung der NISA begutachten. Eine Anerkennung der Stresstests ist eine der Vorbedingungen, um einen Reaktoren der zu Inspektionszwecken heruntergefahren worden war, wieder in Betrieb nehmen zu dürfen, so die Meldung der NHK.

Haruki Madarame erklärte jedoch auch, dass der allgemeine Stresstest alleine nicht die Sicherheit eines Kraftwerks sicherstelle, die Durchführung weiterer, umfangreicher Tests sei hierfür notwendig. Darüber hinaus seien in anderen Ländern Stresstests allgemein an Reaktoren üblich, unabhängig davon, ob sie auf einen Neustart warten, oder nicht.

Dennoch gilt der Bericht der Kommission als Basis für die endgültige Entscheidung der Regierung über einen möglichen Neustart.

Erneut Flüssigkeit aus Brustraum des Tenno entfernt: Wie gestern angekündigt, unterzog sich der Tenno erneut einem Eingriff, um die nach einer Bypass-Operation im Brustraum angesammelte Flüssigkeit entfernen zu lassen. Nach Angaben des kaiserlichen Hofamtes wurde die Maßnahme im Krankenhaus des Hofamts durchgeführt und verlief wie geplant, heisst es. Die Maßnahme war notwendig geworden, nachdem bei einem ersten Eingriff noch Flüssigkeit verblieben war, welche dem Tenno Kurzatmigkeit verursachte.

Dennoch wird er am morgigen Mittwoch ein Treffen mit dem Emir vom Kuwait im Kaiserpalast wie angekündig absolvieren. Weitere Pflichten im Zusammenhang mit dem Staatsbesuch werden jedoch in Vertretung durch Kronprinz Naruhito wahrgenommen werden.

Jahrestag des Sarin-Anschlags der Giftgas-Sekte: Am 20. März 1995 verübten Mitglieder der Endzeit-Sekte Omu Shinrikyo (deren Name meist fälschlich als Aum-Sekte angegeben wurde) mitten in der Rush-Hour einen koordinierten Anschlag mit dem Nervengift Sarin auf das U-Bahnnetz von Japans Hauptstadt Tokyo. Damals starben 13 Menschen. 6.300 erlitten gesundheitliche Schäden und viele leiden noch heute an den Folgeschäden.

Tokyo: Eingang zum Bahnhof Kasumigaseki (Foto: Nyao148 cc-by)
Eingang zum Bahnhof Kasumigaseki (Foto: Nyao148 cc-by)

Die Opferzahlen wären vermutlich noch höher ausgefallen, wäre das von der Sekte gefertigte Sarin von besserer Qualität gewesen und alle genutzten, in Zeitungspapier gewickelten Beutel mit der Substanz stärker perforiert worden.

Heute fand eine Gedenkfeier anlässlich des 17. Jahrestages auf dem Bahnhof Kasumigaseki statt. Dort gedachten Angestellte um acht Uhr Morgens, dem Zeitpunkt der terroristischen Anschläge, der Todesopfer.  Neben den Angehörigen der Opfer nahmen auch andere Personen an der Zeremonie teil – darunter auch Verkehrsminister Takeshi Maeda. Dies berichtet die NHK.

In Folge des Anschlags wurden 1995 die Zentren des Kultes durchsucht und dabei sowohl chemische als auch bakteriologische Kampfstoffe sichergestellt. Es kam zu Verhaftungen. 13 führende Mitglieder, sowie das Sektenoberhaupt Shoko Asahara (Realname CHizuo Matsumoto) wurden zum Tode verurteilt und warten seitdem auf ihre Hinrichtung.

Erst zu Beginn des Jahres 2012 stellten sich ein früheres Führungsmitglied und dessen Komplizin nach fast 17 Jahre dauernder Flucht den Behörden (Spreadnews berichtete).  Zwei weitere Sektenmitglieder befinden sich weiterhin auf der Flucht und werden landesweit gesucht.

Der Anschlag 1995 war für Japan auch von besonderer Bedeutung, da bis zu diesem Zeitpunkt neue religiöse Bewegungen quasi unantastbar waren – aus Angst gegen den Grundsatz der Religionsfreiheit in der von den Amerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg diktierten Verfassung zu verstoßen.

Die Gruppierung existiert unter dem Namen „Aleph“ weiterhin. Sie steht, ebenso wie die Splittergruppe „Hikari no Wa“ unter besonderer Beobachtung durch die Behörden. Entsprechende Sonderbefugnisse wurden bislang stets verlängert.

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