Start Aktuelles Japan aktuell: Stärkere Strahlungsausbreitung bei Störfallen auch an AKW Fukushima Daini befürchtet

Japan aktuell: Stärkere Strahlungsausbreitung bei Störfallen auch an AKW Fukushima Daini befürchtet

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AKW Fukushima Daini in Japan. Foto: Tepco
AKW Fukushima-Daini: NRA kritisiert fehlende Behebung von Sicherheitsmängeln (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Daini in Japan. Foto: Tepco
Nur eines mehrerer Risiko-Kraftwerke: AKW Fukushima Daini (Foto: TEPCO)

Dass die Präfektur Fukushima aktuell immer noch mehr als ein einziges Kernkraftwerk besitzt, ist nicht jedem bewusst.

Wenn jetzt jedoch Aufsichtsbehörden im Fall von Störfällen an mehreren AKW von einer höheren Strahlungsausbreitung sprechen und auch das Fukushima Daini (Fukushima 2) genannt wird, lässt dies aufhorchen.

Doch sind neben den Kraftwerken in der Präfektur Fukushima heute auch weitere Nachrichten von Interesse. So finden sich dementsprechend auch Meldungen über Japans Atomausstieg und Hindernisse beim Wiederaufbau. Somit wieder Fukushima News und sonstige Themen im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Oktober 2012. Unsere heutigen Themen:

  • Leck in Feuerwehrleitung am AKW Fukushima
  • Vier AKW könnten hohe Strahlungswerte über Sicherheitszone hinaus verbreiten
  • Atomenergie ist notwendiges Übel
  • Fremdpflanzen erschweren Rückkehr in Evakuierungszone
  • Kinder-Sorgentelefon leidet an Kapazitätsmängeln
  • EU lockert Bestimmungen für Lebensmittelimporte aus Japan

Leck in Feuerwehrleitung am AKW Fukushima: Am gestrigen Montag entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens gegen 12:15 Uhr an der Feuerwehrleitung im dritten Stock des Lagergebäudes für abgebrannte Brennelemente, einen Wasseraustritt. Es handelt sich um bereits gefiltertes Wasser, dessen weiterer Austritt durch das Schließen eines Ventils verhindert wurde.

Der Bereich, der durch das ausgetretene Wasser betroffen ist, wird derzeit untersucht.

Vier AKW könnten hohe Strahlungswerte über Sicherheitszone hinaus verbreiten: Neue Berechnungen der Atomaufsicht NRA zufolge, könnten schwere Reaktorunfälle vom Fukushima-Typ an vier Atomkraftwerken, sogar in einem Umkreis von mehr als 30 Kilometern zu Strahlungswerten von 100 Millisievert während der ersten sieben Tage der Katastrophen-Akutphase führen

Bei den vier fraglichen Kernkraftwerken von denen diese besondere Gefahr ausgeht handelt es sich um folgende Anlagen:

  • AKW Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata)
  • AKW Fukushima Daini (Präf. Fukushima)
  • AKW Oi (Präf. Fukui)
  • AKW Hamaoka (Präf. Shizuoka)

Als Grundlage der Behauptung, einer stärkeren Belastung über den als neue Grenze geplanten Bereichs von 30 Kilometern hinaus, dienten zwei Szenarien. In der ersten Simulation wurde die Menge der radioaktiven Substanzen bei der Fukushima-Katastrophe 2011 genutzt und in der zweiten die Freisetzung nach schweren Unfällen an allen Reaktoren jedes Kraftwerks.

Im Fall des AKW Kashiwazaki-Kariwa würden sogar innerhalb dieses Zeitraums von sieben Tagen noch Gebiete eines 40 Kilometer-Radius eine Belastung mit 100 Millisievert erfahren. Nicht berücksichtigt wurden dagegen geologische Strukturen in der Umgebung der Kraftwerke, berichtet die Kyodo.

Gegenwärtig arbeitet die NRA an der Ausarbeitung neuer Richtlinien zur Katastrophenvorsorge und zur Verringerung von Auswirkungen eines Störfalls. Dabei waren bislang 30 Kilometer als grober Standard für Sicherheitszonen angesehen worden, innerhalb derer besondere Maßnahmen getroffen werden müssten.

Die neuen Ergebnisse könnten nun Konsequenzen für Städte und Gemeinde haben, sollten die Testergebnisse dann Einfluss in die Katastrophenrichtlinien finden. Bei dem AKW Oi handelt es sich derzeit um das einzige Kernkraftwerk an dem Reaktoren zur Elektrizitätserzeugung in Betrieb sind.

Atomenergie ist notwendiges Übel: Die Nutzung der Atomenergie sei ein notwendiges Übel, wenn Japan seinen bisherigen Lebensstil beibehalten wolle. So jedenfalls lautet die Überzeugung von Kazuo Imamori, Ehrenvorsitzender der Japan Airlines (JAL), die er Anlässlich einer Pressekonferenz im Foreign Correspondents Club am heutigen Dienstag äußerte.

Der 80 Jahre alte Imamori, Gründer des Konzern Kyocera (Multifunktionsgeräte und Photovoltaikanlagen)  erklärte, eine Gesellschaft ohne Atomkraft stelle eine ideale Vorstellung dar. Bis zur Schaffung brauchbarer Alternativen sei jedoch die Atomkraft weiter erforderlich, wolle man den hohen Lebensstandard beibehalten.

Die Mainichi Shimbun, die neben der Kyodo und anderen Medien über die Äußerungen berichtete, hob dessen geschäftliche Erfahrung hervor. So trug er maßgeblich an der Stabilisierung der krisengeschüttelten Japan Airlines bei, weshalb er zeitweise unentgeltlich arbeitete, um dann auch das Sozialsystem für Angestellte zu verbessern.

Fremdpflanzen erschweren Rückkehr in Evakuierungszone: Eine ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanze macht sich auf den verlassenen Reisfeldern der einstigen Evakuierungszone breit und erschwert so die Rückkehr landwirtschaftlicher Betriebe.

Kanadische Goldrute (Foto: pd)
Kanadische Goldrute bedroht Reisfelder in früherem Sperrgebiet (Foto: pd)

Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) erreicht nicht nur eine Höhe von bis zu zwei Metern, sondern hat aufgrund der bis zu 50 Zentimeter tief in die Erde reichenden Wurzeln und der schnellen Verbreitung auch Folgen für das Ökosystem.

Die Ortsfremde und äußert invasive Pflanzenart, hatte fast zwei Jahre Zeit ohne Einflussnahme durch den Menschen zu wachsen und in Anbetracht des Umstandes, dass viele evakuierte Reisbauern zunächst einen langen Anfahrtsweg haben und die Übernachtung aufgrund der Strahlung nicht erlaubt ist, bleibt nur wenig Zeit, den Bewuchs zu bekämpfen.

Daneben werden die Reispflanzen, die zu Testzwecken angebaut werden, auch durch Wildtiere wie etwa Wildschweinen gefressen – ein Problem das zuvor nur in bergnahen Gebieten beobachtet worden war, sich dem Bericht der Yomiuri Shimbun zufolge, durch die fehlende Jagd jedoch auf die menschenleeren einstigen landwirtschaftlichen Flächen ausgebreitet hat.

Ob es Landwirten möglich sein wird, wieder Kulturpflanzen anzubauen und ein natürliches Ökosystem zu retten, bevor der Boden durch Fremdpflanzen gänzlich ausgelaugt ist, steht bislang noch in den Sternen.

Kinder-Sorgentelefon leidet an Kapazitätsmängeln: Die Kinderseelsorge in Japan hat Schwierigkeiten den Ansturm zu bewältigen. Von den insgesamt 800.000 Anrufen im vergangenen Fiskaljahr, die vom Hauptverband Child Linie gezählt worden, konnten gerade einmal 210.000, oder 25 Prozent, der Anrufe entgegengenommen werden.

Die Mainichi Shimbun berichtete am Sonntag etwa von einem Zentrum in Hiroshima, wo 40 Freiwillige in Schichten von fünf Tagen pro Woche die Anrufe entgegennehmen und dennoch gerade einmal ein Drittel aller Anrufe bewältigen kann. Bei der Aufrechterhaltung der Dienste spielt auch Geld eine Rolle. Die landesweiten kostenlosen Rufnummern sind ihrerseits mit jährlichen Kosten von rund 20 Millionen Yen pro Jahr beziffert, so dass an einigen Stellen um Spenden gebeten wird.

Neben Mobbing  sind auch die Folgen des Tohoku-Erdbebens 2011 ein Thema vieler Anrufe.

Berichte über Ängste vor Gewässern, nachdem die jungen Anrufer die Wucht des Tsunami erleben mussten und die Sorge vor den Auswirkungen der Atomkatastrophe gehen auch bei dem im September neu eingerichteten Telefon in Koriyama ein  – und die Zahlen seit Ende August übertreffen innerhalb eines Monats die Zahlen des gesamt Fiskaljahres 2011.

Mit einem weiteren Anstieg sei zu rechnen, da mit dem Verstreichen eines gewissen Zeitraums auch die Bereitschaft über das erlebte zu reden, steigen kann.

EU senkt Hürden für Lebensmittel-Import aus Japan: Wie die Europäische Kommission gestern unter anderem auf ihrer Webseite bekannt gab, wird die EU mit Wirkung zum 1. November 2012 einige Einfuhrbeschränkungen für japanische Lebensmittel wieder lockern.

Japanische Spirituosen (Foto: kontenten cc-by-nd)
Japanische Spirituosen (Foto: kontenten cc-by-nd)

Diese waren in Reaktion auf die Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi angezogen worden.

Grundlage für die Lockerung waren über 40.000 Stichprobenkontrollen der Produkte aus diesjähriger Produktion.

Ab 1. November ist somit die zusätzliche Strahlungskontrolle für einige Produkte aus 11 Präfekturen  aufgehoben. Unter ihnen befinden sich auch die besonders schwer von Tohoku-Erdbeben und Tsunami betroffenen Präfekturen Iwate und Miyagi.

Hier nun die vollständige Liste der Verwaltungen mit Handelserleichterungen:

  • Präf. Chiba
  • Präf. Gunma
  • Präf. Ibaraki
  • Präf. Iwate
  • Präf. Kanagawa
  • Präf. Miyagi
  • Präf. Saitama
  • Präf. Shizuoka
  • Präf. Tochigi
  • Präf. Tokyo
  • Präf. Yamanashi

Nach Angaben der Kyodo gehören zu diesen Produkten etwa Algen/Seetang und einige alkoholische Getränke wie Wein, Bier und der „Umeshu“ genannte Pflaumenwein. Zuvor waren bereits im März die Pflicht zu Strahlungstest für Sake, Whisky und  den „Shochu“-Schnaps aufgehoben worden.

Für die Präfektur Fukushima behalten die bisherigen Regelungen noch bis mindestens Ende März 2014 weiterhin Gültigkeit.

Neben Senkaku bleiben Takeshima ein Thema: Mit einem Besuch auf den von Japans Nachbarn beanspruchten Inseln, trägt Südkorea sicher nicht zur Entspannung der Lage vor Ort bei. Die aktuellen Entwicklungen jetzt im Überblick:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Südkoreanische Politiker betreten Takeshima: Eine 15-köpfige Gruppe südkoreanischer Politiker, alle Mitglieder von Südkoreas National Defense Committee wurden am heutigen Dienstag per Helikopter zu einem „Besuch“ der Takeshima-Inselgruppe geflogen, berichtet die Kyodo unter Berufung auf Parlamentskreise. Es handelt sich um die dritte Aktion dieser Gruppe nach 2005 und 2008.

Japan protestiert gegen Takeshima-Besuch: Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura sprach auf einer später stattgefundenen Pressekonferenz, es handele sich um eine Aktion die sehr bedauerlich gewesen sei und Japans Vize-Außenminister Chiako Kawai, legte bei Südkoreas Botschafter Shin Kak Soo Beschwerde ein.

Chinesische Schiffe in Grenzzone zu Japan: Zum vierten Tag in Folge sind chinesische Beobachtungsschiffe in die Grenzzone zu Japan vorgedrungen. Vier Schiffe hielten sich gegen 8:40 Uhr etwa für 15 Minuten in dem Gebiet, nahe der Insel Uotsurijima, auf.

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