Start Aktuelles Japan aktuell: Stilllegung des AKW Fukushima soll mindestens 30 Jahre dauern

Japan aktuell: Stilllegung des AKW Fukushima soll mindestens 30 Jahre dauern

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Tsunami Schutzdamm am AKW Fukushima. Foto: TEPCO
Tsunami Schutzdamm am AKW Fukushima. Foto: TEPCO
Tsunami Schutzdamm am AKW Fukushima. Foto: TEPCO
Tsunami Schutzdamm am AKW Fukushima. Foto: TEPCO

Über Fukushima aktuell zu berichten könnte eine langwierige Aufgabe werden – soll doch frühestens in 30 Jahren das AKW Fukushima Daiichi offiziell in stillgelegtem Zustand  sein. Angesichts der Serie von Problemen und  immer wieder aufgedeckten Versäumnissen könnte dies, auch ohne in das Unken einer Kassandra zu verfallen, noch deutlich länger dauern.

Doch anstatt sich in Spekulationen über die Zukunft zu ergehen, an dieser Stelle nun die Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. Oktober 2011.

Regierung erwartet Stilllegungsdauer von mindestens 30 Jahren: Einem der Mainichi Shimbun vorliegenden vorläufigen Bericht der japanischen Atomsicherheitskommission zufolge ist damit zu rechnen, dass die vollständige Stilllegung der Reaktoren am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi mehr als 30 Jahre dauern wird. Es ist dass erste Mal, dass die Regierung eine derartige Einschätzung abgibt.

Die Entfernung der abgebrannten Brennstäbe soll irgendwann nach 2015 beginnen. Die bereits geschmolzenen Brennstäbe aus den Reaktoren zu bergen ist für einen Zeitraum ab 2022 angesetzt. Da die Arbeiten an allen vier Reaktoren durchgeführt werden müssen, handelt es sich um eine schwierige Aufgabe. Die Arbeiten hierzu sollen ab kommendem Jahr beginnen, wenn der Zustand des Cold Shutdown erreicht ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Schäden an den abgebrannten Brennstäben nach offiziellen Angaben eher gering sind, jedoch die vor Ort vorhandenen Kräne nicht genutzt werden können, da die Explosionsschäden an den Gebäuden zu gravierend sind und demzufolge zunächst neue Kräne dorthin verbracht werden müssen.

Insgesamt finden sich noch 1496 Brennstäbe in den Reaktoren und 3108 in den Abkühlbecken. Eine vollständige Stilllegung ist erst nach Bergung, Kühlung und Lagerung unter stabilen Bedingungen möglich. In Anbetracht der Tatsache, dass man im Fall der Kernschmelze im AKW Three Mile Island im Jahr 1979 insgesamt 20 Jahre brauchte um die Brennstäbe zu bergen, sind die Einschätzungen des Vorberichts in der jetzigen Form womöglich noch zu optimistisch.

TEPCO will nun doch keine Schutzwand gegen Meereskontamination: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hat den Plan auf der Landseite eine Staumauer gegen das Sickern von radioaktivem Wasser in das Grundwasser zwar aufgegeben, man werde jedoch meerseitig eine Dammmauer errichten, um die Belastung des Meeres durch kontaminiertes Wasser zu verhindern. Die Arbeiten hierzu sollen am morgigen Freitag beginnen.

Der zuvor geplante unterirdische Damm zum Schutz des Grundwassers hätte alle vier Seiten der Reaktoren 1 bis 4 sowie die Turbinengebäude umschlossen. Dieses Konzept wurde nun jedoch als „ineffektiv“ verworfen. Unter anderem hätte solch eine landseitige Grundwasser-Schutzmauer auch den Grundwasserpegel um die Anlage herum gesenkt, was das Risiko, radioaktives Wasser könne heraussickern erhöht hätte. Zudem wäre die Entfernung oder Standortänderung von Einheiten, die um die Gebäude herum liegen, notwendig geworden.

Um nun das Alternativ-Dammprojekt durchführen zu können, will TEPCO nun vor Beginn der Arbeiten die zwei Jahre andauern werden Probebohrungen durchführen, um die Tiefe des Grundwassers dort zu ermitteln. Für den Bau sollen insgesamt 700 Teile, jeweils 22 bis 24 Meter lang und einem Gewicht von zwei Tonnen zu einer Wand mit einer Gesamtlänge von etwa 800 Metern zusammengefügt werden Das berichten die Mainichi Shimbun sowie die Nachrichtenagentur jiji.

Kansai Electrics wird Stresstest-Ergebnisse übermitteln: Am morgigen Freitag will Kansai Electrics als erster Elektrizitätsanbieter Japans überhaupt der Regierung die ersten Ergebnisse der Sicherheitsüberprüfungen der zur Zeit heruntergefahrenen Reaktoren übermitteln. Der Bericht bezieht sich nach Angaben der NHK auf das AKW Oi (Präf.  Fukui).

Allerdings bedeutet die Übermittlung der Ergebnisse des Tests, der unter anderem auch aus Computersimulationen verschiedener Bedrohungsszenarien und ihre Auswirkungen auf die Atomanlagen  besteht keineswegs, dass die Anlage umgehend wieder in Betrieb genommen werden kann. Die Durchsicht, Kontrolle und Auswertung durch die NISA wird mehrere Monate in Anspruch nehmen, bevor ein finaler Entschluss gefasst werden wird.

Mit Erhitzung soll Cäsium von Erdreich getrennt werden: Einer Meldung der Asahi Shimbun zufolge testeten Experten der Japanischen Atomenergiebehörde und der Nationalen Forschungsorganisation für Landwirtschaft und Lebensmittel  am gestrigen Mittwoch die starke Erhitzung von Erdreich das mit radioaktivem Cäsium belastet ist, um den Boden zu dekontaminieren.

Dabei wurden 10 Kilogramm Erde die mit 3.580 Becquerel radioaktivem Cäsium pro Kilogramm kontaminiert waren, mit einem elektrischen Heizgerät zehn Stunden lang auf 800 Grad Celsius erhitzt. Der aufsteigende Dampf wurde dabei durch Filter wie sie in Kernkraftwerken Verwendung finden geleitet.

Cäsium verdampft dem Bericht der Zeitung  zufolge, bei einer Temperatur von etwa 640 Grad Celsius, so dass dies zumindest in der Theorie eine Möglichkeit darstellt, die radioaktive Belastung durch das Reaktorunglück zu verringern. Zudem müsste entsprechend gereinigtes Erdreich nicht mehr als radioaktiver Sondermüll behandelt werden, was das Lagerungsproblem verringern würde. Es soll noch getestet werden, ob sich die Erde dann wieder zum normalen Anbau nutzen lässt. Es ist das erste Mal, dass dieses Verfahren in Japan getestet wurde.

Behörden besorgt über Brandgefahr in Übergangssiedlungen: Die Behörden in den von den Naturkatastrophen verwüsteten Nordosten des Landes sind besorgt über das Risiko von Bränden in den Siedlungen der Übergangshäuser. Mit dem nahenden Winter greifen immer mehr Bewohner der vergleichsweise dünnwandigen Gebäude zu Ölöfen um zu heizen. Auch wenn ihre potentielle Gefährlichkeit bekannt ist, tun sich viele Verwaltungen schwer damit ihre Nutzung zu untersagen, meldet die Nachrichtenagentur jiji.

Am 7. Oktober hatte es bereits in Kesennuma (Präf. Miyagi) einen zehnminütigen Brand gegeben, als ein Bewohner den Ofen irrtümlich mit Benzin statt Öl gefüllt hatte. Zwei Frauen zogen sich dabei Verbrennungen zu. Die Japaner haben nicht zuletzt aufgrund ihrer traditionellen Bauweise bereits historisch sehr oft die Folgen von Bränden zu spüren bekommen.

Psychologisches Kinderhilfszentrum für Katastrophenregion geplant: Psychiater und Therapeuten entschieden sich, in Tokyo eine entsprechende Einrichtung zu eröffnen, um den Kinder die das Tohoku-Erdbeben und den Tsunami überlebt haben, psychologisch betreuen zu können, nachdem in den Katastrophengebieten ein Mangel an Experten besteht, so ein Bericht der NHK.

Ende Dezember will man damit beginnen auf einer Langzeitbasis Experten in die Gebiete zu entsenden. Zum einen zeigen viele der Kinder, besonders im Nordosten von Japans Hauptinsel Honshu, psychische Auffälligkeiten wie Schreianfälle in der Nacht, oder die Weigerung im Freien zu spielen. Zum anderen sollen aber auch die Lehrer dort im Umgang mit diesen Kindern geschult werden.

Stadt Kashiwa warnt vor Dekontaminations-Betrug: Die Angst vor radioaktiver Strahlung könnte von Betrügern ausgenutzt werden, warnt die Verwaltung der Stadt Kashiwa ihre Bürger per E-Mail und Twitter. Im Bezirk Nedo, woe eine ungewöhnlich starke Strahlung von 57,5 Mikrosievert festgestellt worde war, hatte ein Unbekannter Flyer in Briefkästen geworfen und gegenüber Einwohner behauptet er sei Beschäftigter der Stadtverwaltung. Als angebliche Dienstleistung bietet der Betrüger die Messung von Radioaktivität für 5000 Yen und die Entfernung radioaktiven Materials für 10.000 Yen an.

Sowohl Behörden als auch seriöse Anbieter von Dekontaminationsdiensten erklärten, weder gäbe es einen Vertrag mit einem bestimmten Anbieter, noch sei eine Dekontamination für derart geringe Summen möglich. Bislang gibt es keine Berichte über erfolgreichen Betrug, dennoch gilt es vorsichtig zu sein.

Bericht zur gefährlichen Strahlungsdosis in Lebensmitteln: In einem Bericht vom heutigen Donnerstag, der an die Gesundheitsbehörde gerichtet ist, erklärt die Japanische Lebensmittelbehörde (JFSA), dass eine Gesamtbelastung von 100 Milisievert durch Nahrungsmittel einen Einfluss auf die Gesundheit der Person habe. Diese Zahl basiert auf der Annahme, dass sich die externe Radioaktivität nicht deutlich erhöhe .

Die Regierung hat seit dem Fukushima-Unglück bislang lediglich provisorische Strahlungsgrenzwerte erlassen, so liegt etwa die Grenze für die Jahresdosis an radioaktivem Cäsium bei fünf Milisievert. Ausgehend vom neuen Bericht, plant das Gesundheitsministerium neue Grenzwerte für die Strahlungsbelastung durch Lebensmittel festzulegen. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

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