Start Aktuelles Japan aktuell: Störung am SARRY-Filtersystem des AKW Fukushima

Japan aktuell: Störung am SARRY-Filtersystem des AKW Fukushima

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Zweite Cäsiumfiltereinheit nach dem Umbau am 9. August 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: SARRY-Anlage nach dem Umbau am 9. August 2012 (Foto: TEPCO)
Zweite Cäsiumfiltereinheit nach dem Umbau am 9. August 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: SARRY-Anlage nach dem Umbau am 9. August 2012 (Foto: TEPCO)

Mit der Störung eines Cäsiumfiltersystems, der Gefährdung durch das Grundwasser und dem Eingeständnis, Daten verschwiegen zu haben, hat der Betreiber des AKW Fukushima heute wieder keine positive Bilanz vorzuweisen.

Meldungen zur Nachlässigkeit bei der Finanzierung des Wiederaufbaus und der Gefahr eines Fuji-Ausbruchs tragen ebenfalls nicht zu besseren Nachrichten bei.

Einzelheiten zu dem was am AKW Fukushima aktuell sonst noch geschah, sowie den weitere Fukushima News und sonstigen Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Juli 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • SARRY-System stoppt nach Alarm am AKW Fukushima
  • TEPCO verschwieg erneuten Grundwasseranstieg
  • Präfektur Fukushima verstärkt Meerwasser-Kontrollen
  • Ein Drittel der Wiederaufbaugelder ungenutzt
  • Nankai-Großbeben könnte zu Fuji-Ausbruch führen

SARRY-System stoppt nach Alarm am AKW Fukushima: Am gestrigen Dienstag wurde gegen 9:53 Uhr ein Alarm ausgelöst, der auf den Ausfall einer Drucksteigerungspumpe, sowie ein Leck am zweiten SARRY-System (System B) hinwies. Die Anlage dient der Filterung von radioaktivem Cäsium aus dem Kühlwasser.

TEPCO wies darauf hin, das selbst bei dem jetzigen Ausfall der SARRY-Filteranlage immer noch ein Zeitrahmen von sieben Tagen bestehe, bevor es bei der Aufnahme von Wasser aus der Hauptanlage zur Abfallentsorgung zu Problemen käme. Zusätzlich wären in einem Lagertank und dem Entsalzungssystem ausreichend Wasser für eine zwölftägige Reaktoreinspeisung verfügbar.

Eine Untersuchung durch einen Angestellten vor Ort konnte jedoch kein Leck nachweisen. Weder die Wasserfilterung, noch die Einspeisung von Wasser in die Reaktoren sei durch den Zwischenfall beeinträchtigt worden. TEPCO kündigte an, die genauen Umstände zu ermitteln.

Bereits in der Vergangenheit hatte es Probleme mit SARRY gegeben.

TEPCO verschwieg erneuten Grundwasseranstieg: Wie am heutigen Mittwoch bekannt wurde, verabsäumte es der Kraftwerksbetreiber TEPCO, die Atomaufsichtsbehörde NRA bei einem Treffen am Montag über einen erneuten Anstieg des radioaktiv kontaminierten Grundwassers in Kenntnis zu setzen.

AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt 1-1 vom 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt 1-1 vom 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Dem Unternehmen seien die entsprechenden Daten bekannt gewesen, habe am Montag jedoch nur angegeben, das Wasser sei 2,5 Meter über die bisherige Höhenmarke gestiegen.

Das berichtet die jiji unter Bezug auf ungenannten Quellen. Die Atomaufsicht kritisierte das Vorgehen von TEPCO und erklärte, man habe dort noch immer kein Bewusstsein für die Krise.

In einer heutigen Pressekonferenz räumte TEPCO ein, dass die wasserdichte Barriere im Boden zwei Meter tief reiche und das Grundwasser daher dennoch ins Meer gelangen könne.

Zudem bestehe das Risiko, dass im schlimmsten Fall das radioaktive Grundwasser sogar an die Oberfläche gelangen könnte. Hierzu gebe es jedoch noch keine Berechnungen oder Einschätzungen.

Präfektur Fukushima verstärkt Meerwasser-Kontrollen: Nachdem Kraftwerksbetreiber TEPCO in der vergangenen Woche zugegeben hatte, dass radioaktiv kontaminiertes Grundwassers ins Meer gelangt sei, hat die Präfekturleitung von Fukushima die Beobachtung der Meerwasserbelastung in der Nähe das AKW verstärkt.

Zu den getroffenen Maßnahmen gehört sowohl die Erhöhung der Stellen, an denen Wasserproben entnommen werden, von bislang zwei auf sechs, als auch die Häufigkeit der Probeentnahme, die nun monatlich, statt wie bislang alle drei Monate erfolgt. Die Proben, die bis zu einer Distanz von 3,5 Kilometern vor der Küste entnommen werden, werden auf vier radioaktive Substanzen getestet.

Nach Angaben der NHK will die Strahlungskontrolle der Präfektur, die heute ein Schiff aus dem Hafen von Iwaki auslaufen ließ, ihre eigenen Ergebnisse so schnell wie möglich veröffentlichen.

Ein Drittel der Wiederaufbaugelder ungenutzt: Der Aufbau der Regionen, die besonders schwer von den Tohoku-Katastrophen betroffen sind, war eines der jüngsten Wahlversprechen. Nun berichtet die Behörde für Wiederaufbau, insgesamt 3.427 Miliarden Yen – oder 35,2 Prozent – des Wiederaufbauetats von 9.740,2 Milliarden Yen für das Fiskaljahr 2012 seien bislang ungenutzt.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Wiederaufbauhilfen durch Verzögerungen ungenutzt (Symbolfoto: pd)

Als Gründe für diesen fehlenden finanziellen Einsatz im Wiederaufbau nennt die Behörde, dass sowohl der Mangel an Arbeitskräften und benötigtem Material beim Wiederaufbau hinderlich gewesen sei, als auch Dekontamination und Absprachen mit Einwohnern zu lange gedauert hätten, was zu Verzögerungen und Problemen bei der Umsetzung der Finanzmittel geführt habe.

Insgesamt 2,203 Milliarden Yen der bislang ungenutzten Gelder flossen in das Fiskaljahr 2013 ein. Der Rest wird in ein Sonderkonto der Regierung einfließen und für künftige Projekte zum Tohoku-Wiederaufbau genutzt werden. Über die Mängel bei den finanziellen Zuwendungen berichteten jiji und NHK.

Nankai-Großbeben könnte zu Fuji-Ausbruch führen: Nach einem Vergleich mit Daten aus der Vergangenheit warnen Wissenschaftler, ähnlich wie beim letzten Hoei-Erdbeben im Jahr 1707, als der Fuji 49 Tage nach dem Großbeben der Stärke 8,6 ausbrach,  könnte auch jetzt bei einem schweren  Erdbeben ein Ausbruch des Vulkans Fuji folgen.

Fujisan mit Shinkansen
Der Fuji: Nankai-Großbeben könnte zu Ausbruch führen (Foto: pd)

Forscher am AIST hatten unter Nutzung von fotografischen Aufnahmen und Untersuchungen an Orten, an denen es in der Vergangenheit zu derartigen Ausbrüchen gekommen war, die Daten für einen Zeitraum von 10.000 Jahren ausgewertet.

Dabei stellten sie nach Angaben der Mainichi Shimbun fest, dass sich der Fuji gegenwärtig in einem ähnlichen Zustand befindet, wie er sowohl vor dem Hoei-Ausbruch 1707, als auch bei einem weiteren Ausbruch nach einem Großbeben 1703 bestanden habe.

 

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