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Japan aktuell: Störungen an Pumpanlagen in drei Atomkraftwerken

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Japan: Pumpenprobleme an mehreren AKW (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Nachdem wir bereits gestern ausführlich über den schweren Sturm in Japan berichteten, ist die Zahl der Todesopfer auf vier gestiegen. Die NHK berichtet, eine 28 Jahre alte Frau sei Dienstagnacht von einem entwurzelten Baum begraben worden. Die Zahl der Verletzten wird mit etwa 400 angegeben.

Doch auch Japans Atomkraftwerke bereiten Probleme, kam es doch neben einer Störung am AKW Fukushima aktuell auch zu Ausfällen an weiteren AKW.

Somit neben den Fukushima News auch weitere Meldungen zu Atomproblemen in Japan – wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. April 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Ausfall der Stickstoff-Einleitung am AKW Fukushima
  • Ausfall von Kühlpumpen am AKW Higashidori und AKW Onagawa
  • Neuer Lebensmittel-Grenzwert bei Fisch aus Gunma überschritten
  • Notfall-Telekonferenzsystem war nicht mit Premierminister-Büro verbunden
  • Langfristige Untersuchungen zu Fukushima-Folgen an Mensch und Natur geplant
  • Regierung könnte pauschale Rückkehrverbotszone planen
  • Überlegungen zu höherem Standort des Rathauses Shimoda
  • Weitere Folgen des Sturms über Japan

Ausfall der Stickstoff-Einleitung am AKW Fukushima: TEPCO teilte am heutigen Mittwoch mit, dass ein System, das Stickstoff in Schutzbehälter und Druckbehälter der Reaktoren 1 bis 3 am AKW Fukushima Daiichi pumpt, für die Dauer von anderthalb Stunden ausgefallen war. Die Einspeisung von Stickstoff dient dazu, die Ansammlung von explosionsgefährdetem Wasserstoff zu verhindern. Derartige Wasserstoffverpuffungen hatten zu Beginn der Fukushima-Krise mehrere Reaktorgebäude schwer beschädigt.

Der Zwischenfall sei gegen 10:55 Uhr Ortszeit von einem Angestellten nahe des Erdbebenschutzgebäudes entdeckt und der Stopp der Pumpen aufgrund eines Fehlalarms eines Kompressors kurz darauf später offiziell bestätigt worden, erklärten TEPCO und die Atomsicherheitsbehörde NISA übereinstimmend. Um 12:26 Uhr wurde ein Backup-System gestartet, so dass die Einspeisung um 12:30 Uhr wieder aufgenommen werden konnte.

Die Konzentration von Wasserstoff in den Behältern sei trotz des Ausfalls nicht angestiegen, da die weitere Zufuhr von Stickstoff rechtzeitig erfolgte, erklärte das Betreiberunternehmen.

Unabhängig davon habe man am Reaktor 4 kurzzeitig die Kühlung für das Abklingbecken eingestellt, um nach der Feststellung nachlassenden Saugdrucks an einer Zirkulationspumpe des Kühlsystems, den Ansaugfilter zu kontrollieren. Zu diesem Zeitpunkt habe die Temperatur im Becken bei etwa 26°Celsius gelegen, man gehe von einer Temperatursteigerung von 0,5 Grad pro Stunde aus. Der Eingriff soll zwei Stunden dauern, ein Einfluss auf die Kontrolle der Wassertemperatur wird nicht erwartet.

Ausfall von Kühlpumpen am AKW Higashidori und AKW Onagawa: Am Mittwochmorgen fiel gegen 6:44 Uhr  im AKW Higashidori (Präf. Aomori) eine Pumpe für das Kühlwasser eines Abklingbeckens für etwa 40 Minuten aus. Das teilte die Betreiberfirma Tohoku Electric mit. Eine Temperaturänderung habe es im Abklingbecken des Reaktor 1 nicht gegeben. Als Ursache wird der Abfall der externen Netzspannung, durch die Beschädigung von Stromleitungen aufgrund des starken Sturms, der das Land seit Dienstag verwüstet.

Die Kühlpumpe wurde nach einer formalen Feststellung des Schadens um 7:23 Uhr manuell neu gestartet.

In einem hiervon unabhängigen Fall war bereits Dienstagnacht kurzfristig eine der Kühlwasserpumpen für den Reaktor 1 des AKW Onagawa (Präf. Miyagi), das ebenfalls von Tohoku Electric betrieben wird ausgefallen. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Neuer Lebensmittel-Grenzwert bei Fisch aus Gunma überschritten: Nachdem die neuen Lebensmittelgrenzwerte am Sonntag in Kraft getreten waren, meldete die Präfektur Gunma gestern eine Überschreitung. Die im See Akagi Onuma gefangenen Stinte wiesen eine Belastung von 426 Becquerel an radioaktivem Cäsium auf.

Shishamo - gegrillter Stint (Foto: yomi yomi cc-by)
Cäsium über Grenzwert bei Stint ((Foto: yomi yomi cc-by)

Damit liegen sie deutlich über dem Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm. Zuvor hatte der Grenzwert 500 Becquerel pro Kilogramm betragen.

Aus der Präfektur Shizuoka, in dem einige der wichtigsten Teeanbaugebiete des Landes liegen, gibt es dagegen andere Nachrichten.

Die Teeblätter, die als Proben für die mögliche Belastung der Pflanzen untersucht wurden, wiesen zwar eine geringe Menge an radioaktivem Cäsium auf, der jedoch unterhalb des neuen Grenzwerts von 10 Becquerel pro Kilogramm liegt. Die Pflanzen waren zu Untersuchungszwecken  in einem Gewächshaus eines Präfekturlabors in Kikugawa aufgezogen worden.

Notfall-Telekonferenzsystem war nicht mit Premierminister-Büro verbunden: Unter Bezug auf Regierungsquellen berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo, zum Höhepunkt der Fukushima-Krise war das Büro des Premierministers nicht mit dem Katastrophen-Telekonferenzsystem verbunden. Lediglich in einem Konferenzraum im vierten Stock befand sich die notwendige Ausrüstung, nicht jedoch im Krisenmanagement-Zentrum im Erdgeschoss.

Das 1999 nach dem Störfall an der Wiederaufbereitungsanlage in  Tokai eingerichtete System dient dazu, das Büro des Premierministers mit der Atomsicherheitsbehörde (NISA) Außenstellen in der Nähe von Atomkraftwerken und den örtliche Verwaltung, in deren Gebiet Kernkraftwerke stehen, miteinander zu vernetzen, um den Austausch von Informationen und die Weitergabe von Anordnungen zu ermöglichen. Eine Direktverbindung mit den Betreibern der Atomkraftanlagen war zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht eingeplant worden.

Die Fukushima-Krise zeigte erneut die Ineffektivität des Krisenmanagements. Das Kabinettssekretariat und die staatliche japanischen Atomenergiesicherheitsorganisation (JNES) sind beide für die Verbindungen zum Büro verantwortlich. Die Instandhaltung der Anlage kostet jährlich 500 bis 600 Yen.

Die JNES gab an, aufgrund seiner Aufgabe Notfallmaßnahmen zu treffen, zu sehr mit der Unterstützung der Zweigstellen in der Nähe des AKW Fukushima Daiichi beschäftigt gewesen sei, da zwei davon – eine am AKW und eine in Okuma – aufgrund der Erdbebenschäden nicht erreichbar waren  und es zudem weder vom Büro, noch von der NISA Anfragen zur Verbindung des Telekonferenzsystems mit dem Büro gegeben habe.

Das  Kabinettssekretariat erklärte dagegen, es sei nicht bekannt, wieso das Büro des Premierministers nicht die Möglichkeit des Telekonferenzsystems genutzt habe und betonte, viele Verantwortliche der NISA seien dort hingegangen um per Telefon und Fax den Kontakt zu mehreren Organisationen aufzunehmen. Das System ist Bestandteil von Katastrophenübungen der Regierung und der damalige Premierminister Naoto Kan hatte es zuletzt bei einer Übung im Oktober 2012 genutzt.

Als Reaktion kündigte das Kabinettsbüro an, das Büro werde nun eine ständige Verbindung zum Telekonferenzsystem erhalten. Auch die Einbindung der Betreiberfirmen der Atomkraftanlagen soll nun erfolgen.

Langfristige Untersuchungen zu Fukushima-Folgen an Mensch und Natur geplant:  Das japanische Umweltministerium sieht sich vermehrt mit Forderungen nach einer langfristigen Überwachung der ökologischen Folgen in der Nähe des AKW Fukushima Daiichi konfrontiert. Ursache hierfür sind die Berichte über anhaltende genetische Auswirkungen des Tschernobyl-Unglücks im Jahr 1986, die bis zum heutigen Tage andauerten.

Daher will das Umweltministerium nun langfristig die Ansammlung von radioaktivem Cäsium in Tieren und Pflanzen überprüfen, während man Änderungen in den Chromosomen und Probleme bei der Fortpflanzung beobachten wolle. Eine seit November laufende Untersuchung habe keine Besonderheiten bei etwa 25 Arten ergeben. Untersucht wurden etwa Pflanzen wie die japanische Rotkiefer, Zedern und Zypressen, als auch Tiere wie die große japanische Feldmaus und amerikanische Ochsenfrösche.

Die Ergebnisse waren bei der Untersuchung unauffällig – allerdings wurde in einem Schwalbennest, dass sich in einem 20 Kilometer Radius um das AKW Fukushima Daiichi befand, Werte an radioaktivem Cäsium in Höhe von 1,4 Millionen Becquerel pro Kilogramm gemessen.

Mit den gesundheitlichen Langzeitfolgen des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami auf den Menschen befasst sich dagegen die Universität Tohoku. Von insgesamt 150.000 Personen jeden Alters aus den verwüsteten Gebieten im Nordosten Japans sollen über die nächsten zehn Jahre an der Universität in Sendai gesundheitliche und genetische Informationen gesammelt werden Die „Tohoku Medical Megabank“ ist die zweitgrößte Biobank des Landes.

Dort werde man die verschiedenen Gesundheitszustände von Personen die innerhalb  der selben Umgebund leben ebenso vergleichen, wie die Gesundheit von drei Familiengenerationen um herauszufinden, ob Kinder die nach der Fukushima-Katastrophe aufwachsen, besondere Krankheitsdispositionen zeigten. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Regierung könnte pauschale Rückkehrverbotszone planen: Wie Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura am heutigen Mittwoch mitteilte, zieht die Regierung in Betracht, Gebiete die in Nähe zum AKW Fukushima liegen, im Rahmen des Drei-Zonen-Systems pauschal als „langfristig nicht für die Rückkehr geeignet“, zu klassifizieren, auch wenn das Strahlungsniveau dort gering ist.

Aufgrund dieser pauschalen Einstufung wäre es Bewohnern selbst dann nicht möglich zurückzukehren, wenn die Strahlung in diesem Bereich eigentlich eine andere Zonen-Klassifizierung rechtfertigen würde. Vorraussetzung für diese Regelung ist der Aufkauf der Gebiete durch den Kernkraftwerksbetreiber TEPCO.

Mit seinen Aussagen gibt Fujimura die indirekt angedeuteten Überlegungen von Tatsuo Hirano, Minister für Wiederaufbau wieder, der diesen Schritt nach Regierungsgesprächen im vergangenen Monat offenbar in Erwägung zieht. Hirano machte eine entsprechende Anmerkung bei gestrigen Gesprächen mit dem Gouverneur der Präfektur Fukushima, Yuhei Sato und dem Bürgermeister von Futaba, Katsutaka Idogawa.

Die Überlegungen weichen damit deutlich von der offiziellen Linie der Regierung ab, die mit dem Zonenmodell eine Bewohnbarkeit der Gebiete wiederherstellen will.

Hirano kommt mit seinen Überlegungen allerdings den Ängsten möglicher Rückkehrer vor den großen Mengen radioaktiv kontaminiertem Wassers entgegen, das auf dem AKW-Gelände gelagert wird. Auch Gemeindevertreter hatten in der Vergangenheit gesagt, es sei unvermeidlich, dass manchen Personen keine Heimkehr mehr möglich sein wird. Zudem kann diese Zone dann auch zu einem späteren Zeitpunkt bei der Demontage der Reaktoren genutzt werden. Berichte hierüber gab es bei der NHK und den Nachrichtenagenturen jiji und Kyodo.

Überlegungen zu höherem Standort des Rathauses Shimoda: Nicht zuletzt die Untersuchungen eines Expertenteams, das für die Südspitze der Halbinsel Izu einen Tsunami bis zu 25,3 Metern prognostiziert, führten bei Naoki Ishii, dem Bürgermeister der Stadt Shimoda (Präf. Shizuoka) zu der Überlegung, das Rathaus von seinem jetzigen Standort in höher gelegene Bereiche zu versetzen.

Dem Artikel der Mainichi Shimbun zufolge befindet sich das zweistöckige Betongebäude, dessen älteste Teile aus dem Jahr 1957 stammen, lediglich in einer Höhe von 2,5 Metern über dem Meeresspiegel und zudem etwa 700 Meter direkt vom Hafen entfernt. Dies ist für Bürgermeister Ishii Grund genug, eine Versetzung des Rathauses in einem Bereich von 50 Metern Höhe in Erwägung zu ziehen.

Die Idee hat vergleichsweise gute Aussichten auf Erfolg, sollte doch das Gebäude aufgrund seines Alters ohnehin abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut werden. Als Grund für den Standort wird die Nähe zum Bahnhof  Izukyu-Shimoda genannt. Nach dem Tohoku-Erdbeben stoppte der Bürgermeister jedoch den Plan und berief stattdessen ein Bürgerkommittee ein, das alternative Standorte erarbeiten sollte.

Im Januar wurden zwei Vorschläge eingereicht: Einer befürwortet den alten Standort, während ein zweiter den Neubau in höherer Lage empfiehlt. Die endgültige Entscheidung solle jedoch der Bürgermeister fällen. Eine Entscheidung wird frühestens diesen Monat erwartet.

Weitere Folgen des Sturms über Japan:  Die Auswirkungen der heftigen Sturmwinde über Japan dauern an. Die ungewöhnliche Stärke Windböen – in der Stadt Wakayama wurden bis zu 150,8 km/h gemessen und selbst in Tokyo kam es bis zu 106,6 km/h festgestellt – sorgten für weitere Schäden und Verletzte, wie die Kyodo berichtet.

An der als Weltkulturerbe anerkannten Burg Himeji, die im Jahr 1609 erbaut worden war, wurde ein Torbereich beschädigt und ein Mann der bewusstlos vor seiner Garage liegend aufgefunden wurde, erlitt seine Kopfverletzungen nach Polizeiangaben vermutlich, als der Wind das Garagentor aufriss und ihn dieses am Kopf traf. In mindestens acht Präfekturen gab es Stromausfälle, die etwa 15.500 Haushalte betrafen, teilten die Elektrizitätsanbieter Chubu Electric und Hokuriku Electric mit.