Start Aktuelles Japan aktuell: Störungen bei Messungen von Atemluft und Reaktortemperatur am AKW Fukushima

Japan aktuell: Störungen bei Messungen von Atemluft und Reaktortemperatur am AKW Fukushima

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erneut Störungen und Probleme (Foto: TEPCO)

Die vom AKW Fukushima aktuell durch TEPCO gemeldeten Ereignisse der vergangenen Tage, gehören erneut in die Kategorie „Pleiten, Pech und Pannen“. Doch auch der Atomlobbyismus zeigt erneut Wirkung und die weiteren Befragungen eines Untersuchungsausschusses zur Fukushima-Krise zeichnen noch einmal das Bild von Überforderung und mangelnder Sicherheit.

Einzelheiten zu diesen Fukushima-News und Atomenergie-Neuigkeiten gibt es auch heute wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. Mai 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Fehler bei Überwachungseinheit am erdbebensicheren Gebäude
  • Atemschutzalarm am erdbebensicheren Gebäude des AKW Fukushima
  • TEPCO meldet Temperaturschwankungen von Reaktor-Thermometern
  • Bewertung von Japans Atomrichtlinien  wegen Atomlobbyismus aufgeschoben
  • Befragung: Fukushima-Gouverneur schwammig über AKW-Sicherheit
Portable Durchgangskontrolle im erdbebensicheren Gebäude (Foto: TEPCO)
Portable Durchgangskontrolle im erdbebensicheren Gebäude (Foto: TEPCO)

Fehler bei Überwachungseinheit am erdbebensicheren Gebäude des AKW Fukushima: Am gestrigen Dienstag kam es gegen 12:30 Uhr am Westeingang des erdbebensicheren Gebäudes, das als Einsatzzentrum vor Ort dient, zu einem Fehler beim Auslesen der Daten der Kontrolleinheit.

Das gleiche Problem ereignete sich an der kabellosen Überwachung, die für zusätzliche oder ersatzweise Überwachung genutzt werden kann. Nach diesem Zeitpunkt gab es keine Probleme mehr mit der Überwachung der Daten.

Atemschutzalarm am erdbebensicheren Gebäude des AKW Fukushima: Um 13:10 Uhr erfolgte ein Alarm an den Messgeräten die vor dem erdbebensicheren Gebäude durchgehend die Dichte von radioaktivem Material in der Luft messen. Gegen 13:15 Uhr erfolgte die Aufforderung, das ganze Gesicht bedeckende Atemmasken zu tragen. Eine Überprüfung ergab keine signifikanten Unterschiedene in den gemessenen Daten. Nachdem der Filter der Einheit ersetzt worden war, wurde das Gerät durch einen Reset neu gestartet.

Fukushima: Erdbebensicheres Gebäude am Reaktor4 (26. Mai 2012, Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erdbebensicheres Gebäude (26. Mai 2012, Foto: TEPCO)

Eine separate manuell durchgeführte Messung der Dichte des radioaktiven Materials in der Luft vor dem Erdbebengebäude, ergab Werte unterhalb der Nachweisgrenze  (1×10-4[Becquerel pro Kubikzentimeter]) und des Wertes der das Tragen einer Gesichts-Atemschutzmaske erforderlich macht (1×10-5 [Becquerel pro Kubikzentimeter]). Um 13:53 Uhr wurde die Anordnung zum Tragen einer Atemschutzmaske aufgehoben.

TEPCO meldet Temperaturschwankungen von Reaktor-Thermometern:  Wie TEPCO in einem Pressebericht erklärt, zeigten die Thermometer  im Reaktorschutzbehälter von Reaktor 2 am Montag deutliche Temperaturschwankungen. Diese äußerten sich in einem schrittweisen abfallen und steigen der Temperatur. Nachdem man eine Bewertung der  Temperaturentwicklung durchgeführt habe, sei man zu der Überzeugung gelangt, die angezeigten Schwankungen seien auf Störungen der Therrmometer zurückzuführen.

Am gestrigen Dienstag wurde eine direkte Widerstandsmessung an den Thermometern durchgeführt und eine Bewertung der Funktionsfähigkeit erfolgen. Eine Verschärfung der Reaktorsituation wird aufgrund entsprechender Daten ausgeschlossen.

Die Temperaturen veränderten sich dabei an verschiedenen Stellen unterschiedlich stark. Die ingesamt niedrigste Temperatur lag bei 43,7°Celsius, die höchte bei 64,7°Celsius.

Bewertung von Japans Atomrichtlinien wegen Atomlobbyismus aufgeschoben: Japans Atomenergiekommission (JAEC) hat die Bewertung der Atomrichtlinien des Landes durch einen Expertenausschuss aufgeschoben, nachdem bei einem Treffen am gestrigen Dienstag  einige der Ausschussmitglieder Bedenken über die Wahl einiger Mitglieder des Organs geäußert hatten. Unter den Personen befinden sich auch Vertreter von Energierzeugern und Forschungsinstituten, die Nutzung von Atomkraft befürworten.

Zudem kritisierten die Experten eine Arbeitsgruppe, die durch die Weitergabe eines Berichts über  ein Strategiepapier zur Wiederverwertung von Atommaterial an Regierungsmitglieder und Energiekonzerne die Atomenergie befürworten, negative Schlagzeilen gemacht hatte (Spreadnews berichtete).

Bereits 2004 waren geheime Treffen zum Thema abgehalten worden, wie interne Dokumente, die der Mainichi Shimbun vorliegen, jüngst gezeigt hatten. In diesen wird nach Angaben der Zeitung auch Shunsuke Kondo, der Vorsitzende der Kommission zitiert, der im Januar 2004 bei einer Versammlung in einem Gebäude der Regierung erklärt haben soll, die Treffen seien einzustellen, sobald sie öffentlich bekannt würden. Kondo bestreitet diese Aussage nun.

Nach Angabe der Experten ist der Grund der Weitergabe an Atomlobbyisten weiterhin unklar. Sie kritisierten die Atomenergiekommission scharf und forderten eine unabhängige Untersuchung durch Dritte. Trotz dieser Bedenken soll die Begutachtung der Richtlinien noch diesen Sommer erfolgen. Zunächst wird jetzt jedoch der Vorgang aufgeschoben und alle Personen, die zur Atomindustrie oder entsprechenden Forschungseinrichtungen gehören, vom Ausschuss ausgeschlossen.

Shunsuke Kondo erklärte laut NHK, er plane die gesamte Kommission von Grund auf neu zu durchdenken, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die JAEC wiederzugewinnen. Beim nächsten Treffen des Expertenausschusses sollen konkrete Vorschläge und Anträge erfolgen.

Befragung: Fukushima-Gouverneur schwammig über AKW-Sicherheit: Yuhei Sato, Gouverneur der Präfektur Fukushima, gab bei seiner gestrigen Befragung durch die vom Parlament initiierte unabhängige Untersuchungskommission zur Nuklearkatastrophe von Fukushima unbefriedigende Antworten zu seinen Kenntnissen der Sicherheitssituation am AKW Fukushima während der Krise.

Stadt Fukushima (Foto: pd)
Die Stadt Fukushima (Foto: pd)

Auf die Frage, ob die Präfekturverwaltung, nach dem Beginn der Nutzung von Plutonium im Reaktor 3 im Jahr 2010 bei der Regierung in Tokyo über die Notwendigkeit von Tsunami-Schutzmaßnahmen angefragt habe, antwortete Sato, er habe von einer derartigen Anfrage „nichts gehört“.

Weitere Fragen betrafen mögliche Diskussionen in der Präfekturversammlung über Sicherheitsbeurteilungen vor dem Tohoku-Erdbeben, da einige Mitglieder gefordert hatten, die Einschätzungen sollten nicht nur von der NISA sondern auch von der Atomsicherheitskommision NSC überprüft werden. Unter Berufung auf interne Regierungspapiere erläuterte ein Mitglied des Untersuchungausschusses, der Antrag sei von der Regierung nicht angenommen worden, da ein Vizegouverneur der Präfektur keine „deutliche Anforderung“ gemacht habe.

Sato, der seit 2006 das Amt des Gouverneurs der Präfektur Fukushima inne hat, wiederholte seine Erklärung, er habe von dieser Angelegenheit „nichts gehört“.

Stattdessen entschuldigte er sich für die irrtümliche Löschung der Daten des SPEEDI Systems, das von der Regierung in Tokyo ausgehend, Berechnungen über die wahrscheinliche Verbreitung der Strahlung übermittelt hatte. Die Daten seien aufgrund der großen Zahl an Dokumenten übersehen worden und erklärte dies mit der Überforderung der Mitarbeiter.

Diese hatten zwischen dem 12. und dem 16. März 2011  insgesamt 86 E-Mails des SPEEDI-Systems mit Strahlungsprognosen erhalten. Insgesamt 65 waren von Angestellten ohne Nutzung gelöscht worden. Als Reaktion hierauf waren vier Präfekturbeamte gerügt worden und ein leitenden Beamter hatte eingeräumt, man habe die Daten nicht korrekt gehandhabt.

Neben seiner Entschuldigung, kritisierte er jedoch auch die Regierung in Tokyo. Es sei nicht nachvollziehbar gewesen, auf welcher Grundlage die Evakuierungszonen festgelegt worden waren. Auch die Einwohner waren zum damaligen Zeitpunkt sehr verwirrt, so der Gouverneur. Die selbst höchst inkonsistenten Reaktionen der Regierung auf die Krise und die mangelnde Klarheit, welche Gebiete evakuiert werden sollten, hätten die Situation erschwert.

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