Start Aktuelles Japan aktuell: Strahlung durch AKW Fukushima höher als offiziell gemessen

Japan aktuell: Strahlung durch AKW Fukushima höher als offiziell gemessen

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Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Fukushima-Sperrzone: Langzeitbetroffene planen erstmals Klage (Symbolfoto: pd)
Japan-Karte: Präfektur-Fukushima radioaktiv (Foto: pd)
Offizielle Strahlungsmessung vielfach zu niedrig (Foto: pd)

Verheimlichung und Fehleinschätzung von Strahlungsdaten waren im Laufe der Geschichte des AKW Fukushima immer wieder ein Problem. Nun scheint es ein nicht beachtetes Detail zu sein, das die Strahlungsmessung nach der Katastrophe von Fukushima aktuell wieder einmal in Frage stellt.

Ansonsten präsentiert sich die Kernkraftanlage in Fukushima heute mit den bereits bekannten kleineren Problemen, was jedoch Teile von Japans Politik nicht davon abhält, einen landesweiten Neustart der Atomkraftwerke zu fordern.

Mehr Fukushima News und sonstige Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. November 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Falsche Strahlungsmesswerte zu niedrig angegeben
  • Wiederholt Anpassung der Wassereinspeisung erforderlich
  • Vize-Industrieminister bettelt um AKW-Neustart
  • USA haben erste japanisch-amerikanische Senatorin
  • Ablehnung und Kooperation zwischen Inselstreit-Beteiligten
    • Gemeinsames Tourismusministertreffen abgesagt
    • Gemeinsame Übung  von Japan und Südkorea
    • Keine Entschärfung unter Chinas neuer Führung


Falsche Strahlungsmesswerte zu niedrig angegeben: Wie die Leitung für Atomunfälle im Büro des Premierministers gestern mitteilte, haben mehrere hundert Strahlungsmessposten in der Präfektur Fukushima, sowie sechs angrenzenden Präfekturen, über mehrere Monate hinweg falsche Werte gemessen, die zehn Prozent unter der tatsächlichen Höhe der Strahlung lagen.

Diese Messwerte waren, als Reaktion auf die Katastrophe am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi,  zur Information der Bevölkerung seit April auf der Webseite des Wissenschaftsministeriums veröffentlicht worden.

Insgesamt werde man nun 150 Millionen Yen aufwenden müssen, um die insgesamt 675 Geräte auszutauschen. Ursache für die Verfälschung der gemessenen Werte waren Angaben der Behörden zufolge, die Metallbehälter für Batterien, die sich neben den Messgeräten der Kontrollposten befanden und so die Strahlung blockierten.

Die Messposten waren unter anderem an öffentlichen Gebäuden, sowie touristisch frequentierten Orten angebracht worden. Allein in der Präfektur Fukushima befinden sich 545 der Geräte, die übrigen verteilen sich zu je zehn bis 30 Stück auf die angrenzenden Präfekturen.

Das Wissenschaftsministerium hatte Kontrollen an den Messstationen durchgeführt, nachdem sowohl besorgte Bürger, als auch die Ortsverwaltungen deutliche Abweichungen von den selbst gemessenen Strahlungswerten festgestellt hatten. Die Fehlmessungen seien dann bei einer Überprüfung der eingegangenen Meldungen bestätigt worden.

Noch in der kommenden Woche will man mit Gegenmaßnahmen beginnen. Über die Entdeckung berichteten etwa NHK und Kyodo. Kritiker hatten zuvor bereits bemängelt, dass einige der Messstationen von Unternehmen wie Fuji Denki (Fuji Electric), die auch in der Kernkrafttechnik tätig sind, stammen.

Wiederholt Anpassung der Wassereinspeisung erforderlich: Erneut musste die Einspeisung von Kühlwasser nachreguliert werden, da es zu Schwankungen gekommen war. Diese hatten in der Vergangenheit auch zu Besorgnis geführt, so dass diese nun genauer beobachtet werden. Hier nun die Anpassungen vom Dienstag 16:15 Uhr.

  • Reaktor 1: Speisewassersystem: Zunahme von 2,9 auf 3,0 Kubikmeter pro Stunde. Reaktorkernsprühsystem: Bei etwa 2,0 Kubikmeter pro Stunde.
  • Reaktor 2: Speisewassersystem: Zunahme von etwa 1,7 auf 2,0 Kubikmeter pro Stunde. Reaktorkernsprühsystem: Abnahme von etwa 4,7 auf 4,5 Kubikmeter pro Stunde
  • Reaktor 3: Speisewassersystem: Zunahme von etwa 1,5 auf etwa 2,0 Kubikmeter pro Stunde. Reaktorkernsprühsystem: Abnahme von etwa 4,6 auf 4,5 Kubikmeter pro Stunde.

Gestern wurde eine weitere Anpassung an Reaktor 2 erforderlich, so dass um 14:30 Uhr der Wasserzufluss erhöht werden musste:

  • Speisewassersystem: Zunahme von etwa 1,8 auf 2,0 Kubikmeter pro Stunde. Kernsprühsystem: Zunahme von etwa 4,3 auf 4,5 Kubikmeter pro Stunde.

Vize-Industrieminister bettelt um AKW-Neustart:  Es ist vermutlich eine subtile Art Druck auszuüben, wenn Japans Vize-Industrieminister Isao Matsumiya heute sagt, dass er die Atomaufsicht NRA „anbetteln“ würde, einen Neustart der Atomreaktoren des Landes zu erlauben. Dieser müsse so schnell wie möglich erfolgen.

Seine Bemerkung, die er bei einem Treffen mit Präfekturvertretern von Hokkaido zu Winter-Energiesparmaßnahmen geäußert hatte, steht im Widerspruch zur offiziellen Linie von Industrieminister Yukio Edano, der erklärt hatte, er werde diesbezüglich keine Prognosen abgeben, berichtet die Kyodo.

USA haben erste japanisch-amerikanische Senatorin: Mit dem Sieg der 65 Jahre alten Mazie Hirono bei der US-Senatswahl auf Hawaii, verfügen die USA nun auch über die erste japanischstämmige Senatorin.

US-Senatorin Mazie Hirono (Foto: pd)
US-Senatorin Mazie Hirono (Foto: pd)

Die US-Politikerin wurde im Landkreis Date (Präfektur Fukushima) geboren und reiste 1955  mit ihrer Mutter in die USA, wo sie in Honolulu aufwuchs.

Nach einem Studium der Psychologie bis 1970  studierte Hirono in Washington Jura, bevor sie nach ihrer Zulassung als Rechtsanwältin 1978 nach Honolulu zurückkehrte und dort ihre Arbeit als Juristin aufnahm.

Im Rahmen ihrer politischen Laufbahn in den Vereinigten Staaten war Hirono, die zur Demokratischen Partei gehört, unter anderem als Abgeordnete im Repräsentantenhaus (1981 -1994) und Vize-Gouverneurin des US-Bundeststaats Hawaii tätig.

Ablehnung und Kooperation zwischen Inselstreit-Beteiligten: Japan und seine Nachbarn senden unterschiedliche Signale, so dass die weitere Entwicklung abzuwarten bleibt. An dieser Stelle die aktuellen Meldungen zusammengefasst:

Gemeinsames Tourismusministertreffen abgesagt: Unter der Behauptung einer Unpässlichkeit, hat Chinas Minister ein gemeinsames Treffen zwischen den Tourismusministern von Japan, Südkorea und China in Iwaki (Präf. Fukushima) abgesagt.

Gemeinsame Übung von Japan und Südkorea: Küstenwachkräfte beider Nationen haben trotz politischer Spannungen eine jährlich stattfindende gemeinsame Übung vor Shimonoseki durchgeführt. Szenario war die Brandbekämpfung eines Passagierschiffes.

Keine Entschärfung unter Chinas neuer Führung: In einem Bericht des noch regierenden Präsidenten der Volksrepublik China, Hu Jintao wird deutlich, dass auch sein Nachfolger Xi Jinping am starrsinnigen Kurs seines Vorgängers festhalten wird.

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