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Japan aktuell: Strahlungsrekord in Fukushima-Abflussgraben

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AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt 1-1 vom 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasserkontrollposten im Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt 1-1 vom 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt 1-1 vom 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Wieder ist ein Wassertank an der Anlage übergelaufen und auch ein neuer Strahlungsrekord im Bereich eines Abflussgrabens ist am AKW Fukushima aktuell gemeldet worden.

Somit hat der Taifun Wipha zwar keine Katastrophe ausgelöst, Probleme macht der Sturm dem Betreiber der Anlage von Fukushima heute dennoch.

Trotz aller Fukushima News sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der Taifun nicht nur das Kernkraftwerk betraf, sondern an anderer Stelle auch Menschenleben forderte und große Zerstörungen anrichtete.

Die Details nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. Oktober 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Lokaler Strahlungsrekord in Fukushima-Abflussgraben
  • Erneut Fukushima-Wassertank übergelaufen
  • Offizielle Taifun-Erklärung von TEPCO
  • Zahl der Taifunopfer steigt auf 22

Lokaler Strahlungsrekord in Fukushima-Abflussgraben: Im Verlauf der Taifun-Kontrollen wurden am gestrigen Mittwoch auch Wasserproben aus einem Abflussgraben entnommen. In der Probe, deren Entnahmestelle sich etwa 150 Meter vom Meer befindet, wurden 1.400 Becquerel an Betastrahlern, wie etwa radioaktivem Strontium-90 nachgewiesen.

Es handelt sich um den bislang höchsten Wert an Betastrahlung, der an dieser Stelle gemessen wurde. Vor Ort werden regelmäßig Proben entnommen und noch am Dienstag hatte der dortige Wert bei 19 Becquerel pro Liter gelegen. Nach Angaben von TEPCO sei nicht auszuschließen, dass das kontaminierte Wasser durch den Graben ins Meer gelangt sein könnte.

Der gesetzliche Grenzwert zum Austritt von Strontium liegt bei 30 Becquerel pro Liter.

Der Kraftwerksbetreiber geht davon aus, dass durch die schweren Regenfälle des Taifuns Wipha radioaktives Material aus dem Boden gewaschen wurde und so zur erhöhten Strahlungsbelastung geführt habe.

Man werde daher den Graben nun reinigen und mögliche Auswirkungen auf das Meer untersuchen. Neben TEPCO berichteten auch jii, Asahi Shimbun und NHK über den Fund.

Erneut Fukushima-Wassertank übergelaufen: Gegen 7:40 Uhr entdeckte ein TEPCO-Angestellter auf den Bildern einer Überwachungskamera, dass Wasser aus einem temporären Wassertank, östlich der Reaktoren 1 und 2 überlief.

AKW Fukushima: Tankkontrollen während des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Aufnahme: TEPCO)
AKW Fukushima: Tankkontrollen während des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Aufnahme: TEPCO)

In dem Behälter wird übergangsweise Grundwasser, das zu Kontrollen an Messposten heraufgepumpt wird, eingelagert.

Als Reaktion auf den Fund stoppte TEPCO gegen 7:43 Uhr den Pumpvorgang an allen Grundwasserkontrollpunkten in der Nähe.

Das ausgetretene Wasser gelangte nicht in die Umwelt, sondern blieb im Bereich um den Wassertank, dessen unterer Bereich zuvor durch Schutzplanen abgesichert worden war. Das Wasser innerhalb der Barriere wird nun wieder in die Grundwasserpunkte abgepumpt.  Daher könne eine Gefahr für die Umwelt ausgeschlossen werden.

Die Messwerte an den Kontrollposten ergaben keine signifikanten Änderungen.

Einen ähnlichen Zwischenfall hatte es bereits zuvor gegeben. Anfang des Monats wurde durch menschliches Versagen zu viel Wasser in einen Lagertank gepumpt, so dass das darin befindliche radioaktiv kontaminierte Regenwasser überlief (Spreadnews berichtete am 1. Oktober 2013).

Hintergrund: Seit August pumpt TEPCO Grundwasser nach oben, um die Kontamination des Meeres durch radioaktive Abwässer zu verringern. Das Grundwasser kommt aus den Bergen, wird unter dem Gelände der Anlage radioaktiv kontaminiert und gelangt schließlich in den Pazifik.

Um diesen Vorgang und die Effektivität von Schutzmaßnahmen besser einschätzen zu können, wurden an mehreren Stellen Grundwasserkontrollposten eingerichtet, an denen regelmäßig Grundwasser entnommen und analysiert wird. Zu diesen Schutzmaßnahmen zählt derzeit die chemische Aushärtung des Erdbodens. Eine unterirdische Barriere durch Bodenfrostung ist geplant.

Offizielle Taifun-Erklärung von TEPCO: Der Elektrizitätskonzern TEPCO veröffentlichte noch gestern einen offiziellen Bericht, der sich mit Auswirkungen und Gegenmaßnahmen im Fall des Taifuns Wipha befasst, der am gestrigen Mittwoch über das Gelände des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi fegte.

Taifun Wilpha: Abpumpen im Norden von Bereich B am 16. Oktober 2013 (Aufnahme: TEPCO)
AKW Fukushima: Abpumparbeiten während Taifun Wilpha am 16. Oktober 2013 (Aufnahme: TEPCO)

Aufgrund mehrerer Sicherheitsmaßnahmen, wie dem Herablassen von Kranauslegern, der Fixierung von Kabeln, Rohren und Leitungen, sowie der Einstellung aller Arbeiten vor der Küste, sowie Einschränkungen der Arbeiten im Küstenbereich, habe es keine schweren Schäden an der Anlage gegeben.

Auch an den Reaktoren der Kraftwerksanlage sei es nicht zu Zwischenfällen gekommen. Sowohl die Reaktorkühlsysteme, als auch die Kühlsysteme der Abklingbecken und die Wasseraufbereitungsanlage befinden sich alle im Regelbetrieb und zeige keine Auffälligkeiten.

Um zu verhindern, dass sich Regenwasser hinter den Barrieren um die Wassertanks ansammelt, habe man das Wasser abgelassen, nachdem zuvor sichergestellt worden sei, dass der provisorische Grenzwert zur Verklappung eingehalten wird. Dieser Grenzwert wurde von Japans Regierung und TEPCO entworfen und ist sogar strenger als der allgemeine Standardwert zur Verklappung ins Meer.

Während etwa die provisorischen Grenzwerte für Cäsium-134 und Cäsium-137 bei unter 15 bzw. 25 Becquerel pro Liter liegen, betragen sie im Allgemeinen 60 bzw. 90 Becquerel pro Liter. Im Fall von Strontium-90 ist der provisorische Grenzwert auf unter 10 Becquerel pro Liter festgelegt. Der normale Verklappungsgrenzwert liegt bei 30 Becquerel pro Liter.

Fazit von TEPCO: Dank guter Vorbereitung keine schweren Schäden.

 Zahl der Taifunopfer steigt auf 22: Die gestern gemeldete Zahl von 17 Personen, die im Zusammenhang mit dem Taifun Wipha ums Leben kam, ist auf 20 gestiegen. 27 Personen gelten noch als vermisst. Bislang gibt es 83 Verletzte.

Schriftzug: Japanisches Rotes Kreuz (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Helfer arbeiten weiter in Taifun-Katastrophengebiet (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Unterdessen setzten de Rettungskräfte ihren Einsatz weiter fort. Besonders schwer betroffen ist die Insel Izu-Oshima, südlich von Tokyo.

An einer Wetterstation in der Ortschaft Oshima wurden gestern innerhalb eines Zeitraums von drei Stunden 335 Millimeter an Niederschlag gemessen, das ist die zweithöchste Menge seit Beginn der Aufzeichnungen in Japan.

Auf der Insel kam es am Berg Mihara zu einem schweren Erdrutsch. Auf der Westseite ging eine Lawine von 950 Metern Breite und 1.200 Metern nieder, die aus Erdreich und Bäumen bestand. Sie verwüstete ein Gebiet mit einer Fläche von 114 Hektar. Insgesamt 283 Häuser wurden beschädigt, 30 davon schwer.

Über 1.100 Helfer – Feuerwehr, Polizei und Selbstverteidigungsstreitkräfte durchsuchen das Gebiet, auf der Suche nach weiteren Opfern. Für die Überlebenden ist das Leben derzeit schwierig, sind doch in einigen Teilen der Insel nach wie vor Strom und Wasser ausgefallen. Nach Angaben der Behörde für Brand- und Katastrophenschutz wurden mehr als 400 Häuser überschwemmt.

Dagegen muss sich die Verwaltung der Ortschaft Oshima offenbar Fahrlässigkeit  vorwerfen lassen, die zum Tod von Menschen führte.

Obwohl die Japanische Wetterbehörde der Ortsverwaltung neun Stunden vor dem Hereinbrechen der großen Schlammlawinen insgesamt dreimal eine Warnung vor Erdrutschen zukommen liess, wurden de Einwohner nicht durch die Verwaltung zur Evakuierung aufgefordert. Rechtlich besteht keine Grundlage dafür, bei einer derartigen Wetterwarnung auch Maßnahmen zu erlassen.

Nachdem die erste Mitteilung der Wetterbehörde am Dienstag um 18:05 Uhr erfolgte, gab die Verwaltung von Oshima erst am Mittwoch um 3:20 Uhr, nachdem erste Überflutungen gemeldet wurden, den Alarm an die Bevölkerung weiter.

Als Rechtfertigung nannte Bürgermeister Masafumi Kawashima am gestrigen Mittwoch, da es um 3:00 Uhr noch stockdunkel gewesen sei, war man der Ansicht, eine Evakuierungsaufforderung würde nur zu noch mehr Schäden führen. Kawashima selbst war auf Dienstreise und erfuhr kurz nach 3:00 Uhr telefonisch von der Warnung, und traf dann  die Entscheidung.

Über die Folgen des Taifuns berichteten unter anderem Kyodo, jiji. Mainichi Shimbun undAsahi Shimbun.

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