Start Aktuelles Japan aktuell: Stromausfall an Toren des AKW Fukushima

Japan aktuell: Stromausfall an Toren des AKW Fukushima

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Fukushima: Stromausfall zwang zu Vorsichtsmaßnahmen (Foto: TEPCO)

Das Betreiberunternehmen TEPCO bietet vom AKW Fukushima heute eine ganze Reihe verschiedener Informationen.

Technische Probleme sind ebenso Thema, wie die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Einspeisung von Kühlwasser und die Offenlegung neuer Informationen zur Akutphase der Krise.

Mehr zu dem, was am AKW Fukushima aktuell geschieht, sowie einige Fukushima News zu Ereignissen der Vergangenheit und weitere Meldungen, jetzt wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. September 2012.

  • Stromausfall an Toren der Fukushima-Anlage
  • TEPCO will mehr Videokonferenz-Material freigeben
  • Fremdsubstanz an beeinträchtigtem Fukushima-Kühlsystem festgestellt
  • Trümmerbergung aus Flüssen in Miyagi abgeschlossen
  • Neue Fischereikooperative startet mit Erfolgsfang
  • Yakuza in Verbrechen um AKW Fukushima und Aufbauarbeiten verstrickt
  • Überarbeitung der Regelung für SPEEDI-Daten


Stromausfall an Toren der Fukushima-Anlage:
Am gestrigen Tag kam es gegen 4:25 Uhr zu einem Alarm, der durch einen  Überlastungsauslöser an der Stromversorgung für das erdbebensichere Hauptgebäude ausgelöst worden war. Eine Überprüfung ergab eine Abschaltung der Stromquelle am Haupttor,  dem Westtor und dem Gemeinschafts- und Ruhegebäude eines Unternehmens.

Da aufgrund des Stromausfalls nicht die Anlage zur Kontrolle von Luftwerten am Haupttor zur Bestimmung von Belastungswerten genutzt werden konnte, wurde die Erlaubnis zum Verzicht auf Atemschutzmasken vorübergehend aufgehoben und das Tragen von Atemmasken angeordnet.

Nach dem Start einer Ersatzstromversorgung, lieferte die Luftkontrollanlage wieder Daten, aufgrund derer gegen 6:15 Uhr wieder eine Aufhebung der Schutzmaskenpflicht bekannt gegeben wurde. Auswirkungen auf Messwerte oder die Situation an den Reaktoren 1 bis 6 habe der Zwischenfall nicht gehabt, erklärte TEPCO am selben Tag.

TEPCO will mehr Videokonferenz-Material freigeben: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hat sich offenbar dazu entschlossen, den Medien mehr Material als bislang aus den Videokonferenzen zwischen dem Büro des Premierministers, des Unternehmenssitzes in Tokyo und den beiden Fukushima-Kraftwerken zugänglich zu machen.

Tepco-Videokonferenz: 14 März - Wasserstoff-Explosion an Reaktor 3 (0:05:50 mit Sound)
TEPCO will mehr Aufnahmen der Videokonferenzen zur Verfügung stellen

Zuvor hatte TEPCO der Öffentlichkeit lediglich ein etwa einstündiges Video zur Verfügung gestellt, das vom Unternehmen zusammengeschnitten und in dem die Identität eines Großteils der beteiligten Personen verschleiert worden war (Spreadnews berichtete am 7. August 2012). Auch das bisherige Videomaterial zur Sichtung durch die Presse wurde stark verfremdet.

Mit der jetzigen Ankündigung reagiert man offenbar auf die heftige Kritik, Journalisten nur Material von 150 Stunden der ersten fünf Tage der Krise zugänglich gemacht zu haben. Jetzt sollen weitere Aufnahmen gezeigt werden, die einen einmonatigen Zeitraum bis zum 11. April abdecken sollen. Das Verbot Kopien anzufertigen, bleibt jedoch bestehen.

Fremdsubstanz an beeinträchtigtem Fukushima-Kühlsystem festgestellt: Vor einigen Tagen begannen Probleme bei der kontinuierlichen Einspeisung von Kühlwasser in die Anlage, was kurzzeitig auch zu Einspeisungen unter dem kritischen Mindestwert führte. Als Ursache vermutete man Fremdkörper in den Leitungen.

Am Dienstag entfernte man für den Zeitraum von 11:55 Uhr bis 13:00 Uhr den Kolben auf der Innenseite der Standard-Reaktorwasserpumpe, die auf einem Hügel steht, um eine Untersuchung im Inneren des Geräts durchzuführen. Im Laufe der von 12:00 Uhr bis 12.50 Uhr dauernden Kontrolle wurden weisse und braune Fremdsubstanzen festgestellt.

Diese befanden sich an am Ansaugfilter, der am Einlass der Kühleinheiten für die Puffertanks befestigt ist. Im Inneren der Zuleitung der Wasserpumpe selbst wurde jedoch kein Fremdmaterial festgestellt. Nach Angaben von TEPCO beobachte man die Wassereinspeisung, die erneut zurückging und durch weitere Einspeisung kompensiert werden musste.

Hier die aktuellen Daten der Wassereinspeisung vom 5. September 2012 um 10:30 Uhr

  • Reaktor 1: keine Angaben
  • Reaktor 2: Speisewasseranstieg von 1,2 auf 2,0 Kubikmeter pro Stunde. Änderung am Reaktor-Kernsprühsystem: Unverändert bei 5,0 Kubikmeter pro Stunde. (Gesamtanstieg von 6,2 auf 7,0 Kubikmeter pro Stunde).
  • Reaktor 3: Speisewasseranstieg von 4,3 auf 4,5 Kubikmeter pro Stunde. Änderung im Reaktor-Kernsprühsystem: Anstieg von 2,0 auf 2,5 Kubikmeter pro Stunde (Gesamtanstieg von 6,3 auf 7,0 Kubikmeter pro Stunde).

Als ursprüngliche Grenzwerte für die Reaktoren galten im August  4,3 bzw. 4,3 und 6,2 Kubikmeter pro Stunde. Diese Vorgaben waren am 1. September angepasst wurden und betragen nun 3,8 bzw. 5,4 und 5,4  Kubikmeter pro Stunde.

Trümmerbergung aus Flüssen in Miyagi abgeschlossen: Bei den Arbeiten zur  Reparatur von Folgeschäden des Tohoku-Erdbebens, kann die Präfektur Miyagi nach Angaben der NHK einen Erfolg vorweisen. Demnach konnte am heutigen Donnerstag der letzte Rest großer Katastrophentrümmer aus den Flüssen der Präfektur geborgen werden.

Nach Angaben des Ortsbüros des Landwirtschaftsministeriums wurden seit Beginn der Arbeiten im August vergangenen Jahres insgesamt 84 Autos, 37 Boote und vier Fälle von schweren Gerät aus den Flüssen der Präfektur geborgen.

Als letztes großes Trümmerteil wurde heute der acht Meter lange Bootskörper eines Frachtkahns mit Hilfe eines Krans aus einem Bereich, etwa sechs Kilometer von der Mündung des Kitakamigawa, geborgen. Das auf dem Fluss feststeckende Schiff war zum einfacheren Abtransport zuvor in Einzelteile zerlegt worden.

Da kein Eigentümer ermittelt werden konnte, wird das Schiff nun verschrottet und ist damit als letztes aller großen Hindernisse beseitigt. Da nun der natürliche Fluss des Wassers nicht mehr behindert werde, senke dies möglicherweise auch das Risiko von Überschwemmungen, heisst es von der Behörde.

Neue Fischereikooperative startet mit Erfolgsfang: Nachdem in Folge des Tohoku-Erdbebens und des damit verbundenen Tsunami die bisherige Fischereikooperative in Otsuchi (Präf. Iwate) mit Schulden in Höhe von 1,1 Milliarden bankrott ging, übernahm im März 2012 eine neue Kooperative die Arbeit.

Jetzt hat sie, nach der Übernahme der rechte zur Fischerei mit einem fest installierten Netz, beim  ersten Fang am gestrigen Mittwoch insgesamt über drei Tonnen Fisch einfahren können – auch wenn nur eines der ursprünglich vier Festnetze zum Einsatz kam. Bis zum Jahresende will man bereits über drei verfügen, so die Mainichi Shimbun.

Etwa 20 Personen waren auf drei reparierten Booten unterwegs um den Fang auf den Markt zu bringen, wo die gefangenen Makrelen für mehr als das1,5-fache des üblichen Preises verkauft wurde. Anlässlich des ersten Fangs dankte Yoshinori Shimomura, Leiter der Fischereikooperative für die Unterstützung die man erfahren habe und durch die eine Wiederaufnahme ermöglicht worden sei.

Yakuza in Verbrechen um AKW Fukushima und Aufbauarbeiten verstrickt:  Japans organisierte Kriminalität, die Yakuza, präsentierte sich im Zuge der schweren Naturkatastrophen vom Mär2011 bewusst als unbürokratische und schnelle Hilfe. Neue Statistiken belegen jedoch Delikte im Zusammenhang mit diesen Ereignissen.

Das Vergnügungsviertel Kabukicho (Foto: KJ)
Die Yakuza mit dunklen Geschäften (Abb. symbolisch, Foto: KJ)

Am Donnerstag vorgestellte Statistiken  zeigen, mit Stand vom Juni diesen Jahres einen Anstieg von Straftaten im Bezug auf Wiederaufbauarbeiten auf 27 Fälle.

Die Behörden warnen davor, Kriminelle könnten die Hilfsmaßnahmen für ihre Zwecke missbrauchen. Die Besorgnis ist nicht unbegründet, wie Fälle aus dem ersten Halbjahr zeigen.

So wurde etwa in der Präfektur Iwate im Januar ein hochrangiges Mitglieder einer Gruppierung mit Verbindung zum größten Yakuza-Syndikat der Yamaguchi-gumi festgenommen, da der Verdacht des Betrugs einer Sozialeinrichtung um finanzielle Hilfen für Katastrophenopfer bestehe.

Im Mai  kam es in der Präfektur Fukushima zur Verhaftung eines Führungsmitglieds einer Gruppe, die ebenfalls einem großen Yakuza-Clan, der Sumiyoshi-kai nahe stehen soll. Ihm wird vorgeworfen, illegal Arbeiter zum AKW Fukushim Daiichi gesandt zu haben und sie zu Arbeiten vor Ort zu zwingen, meldet die Nachrichtenagentur jiji.

Die Strafverfolgungsbehörden haben ihre Zusammenarbeit sowohl mit den Behörden vor Ort, als auch mit Bauunternehmen vertieft, um eine Verwicklung krimineller Organisationen im Wiederaufbauprojekt zu verhindern.

Überarbeitung der Regelung für SPEEDI-Daten:  Nachdem im Dezember 2011 erste Überarbeitungen stattgefunden hatten, überarbeitet ein Katastrophenschutzrat unter Vorsitz von Premierminister Yoshihiko Noda die gegenwärtigen Regelungen über die Veröffentlichung von Daten aus Vorauskalkulationen.

Die Regierung war von verschiedenen Untersuchungsausschüssen, die sich mit dem Verlauf der Fukushima-Krise befassten, dafür kritisiert worden, die Prognosen über die Verbreitung radioaktiven Materials, die vom SPEEDI-System errechnet worden waren, weder verwendet, noch veröffentlicht zu haben.

Die jetzt angestrebte Neuregelung zielt darauf ab, die Maßnahmen gegen Atomunfälle und Naturkatastrophen zu verbessern und  soll genaue Richtlinien zur Freigabe der Daten an die Öffentlichkeit festlegen, so eine Meldung der jiji.

Magmakammern  des Fuji unter Druck: Eines von Japans bekanntesten Wahrzeichen, der Fuji, steht unter stärkerem Druck als im Jahr zuvor. Dies ist jedoch nicht auf die Touristenströme zurückzuführen, die jedes Jahr den etwa 3776 Meter hohen Berg besteigen, sonder an den tektonischen Bewegungen des Tohoku-Erdbebens.

Fujisan (富士山) mit Shinkansen (新幹線)
Vulkan Fuji vom Tohoku-Erdbeben geschüttelt (Foto: pd)

Dieses und ein sich vier Tage später ereignendes Erdbeben der Stärke 6,4 haben nach Ansicht von Vulkanologen den Druck im Inneren des Vulkans steigen lassen.

Dennoch gibt es bislang keine offiziellen Meldungen über weitere Anzeichen, die einen möglichen Ausbruch, oder erhöhte Aktivität nahe legen würden.

Auch das Forschungsinstitut für Geowissenschaften und Katastrophenschutz ist der Ansicht, dass von dem Vulkan, der etwa hundert Kilometer westlich von Japans Hauptstadt Tokyo liegt und  dessen letzter Ausbruch im Jahr 1707 erfolgte, keine Anzeichen gemeldet werden.

Dennoch warnen Wissenschaftler, das Beben das 1707 dem Vulkanausbruch vorausgegangen war, habe deutlich weniger Druck ausgeübt als das Erdbeben im vergangenen Jahr, so dass man zumindest in den Folgejahren mit Reaktionen rechnen müsse, berichtet die Kyodo.

In der Vergangenheit hatten durchschnittliche tektonische Druckwerte von 0,1 bis mehreren Megapascal zu Vulkanausbrüchen am Fuji geführt. Das Tohoku-Erdbeben vom März 2011 habe dagegen einen Druck von 1,6 Magapascal aufgewiesen. Dabei handele es sich um „keinen geringen Wert„, heisst es vom Institut.

Dieser Druck, der einem atmosphärischen Druck von etwa 15,8 Kilogramm pro Qudratzentimeter entspricht. habe auf die Magma-Kammer des Vulkans eingewirkt, die sich etwa 15 Kilometer unter der Erdoberfläche befindet.  Neben den Folgen für Mensch und Umwelt hätte ein Ausbruch des Fuji auch extreme wirtschaftliche Folgen von bis zu 2,5 Billionen Yen.

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