Start Aktuelles Japan aktuell: Strontiumfund in Yokohama – 250 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt

Japan aktuell: Strontiumfund in Yokohama – 250 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt

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Nach Angaben des japanischen Verkehrsministeriums sind mittlerweile 93 Prozent der wichtigsten Bahnhöfe des Landes als barrierefrei und können damit als behindertenfreundlich eingestuft werden.

Zudem verstarb Shikan VII, ein Kabuki-Theaterschauspieler, der als Onnagata (Darsteller weiblicher Rollen) berühmt war.

Auch könnte möglicherweise künftig in Japan einheitlich ein bei Menschen genutztes gasförmiges Anästhetikum zur Einschläferung von Tieren genutzt werden, da dies schmerzfreier sei, als der bisherige Einsatz von Kohlenstoffdioxid.

„Ja und?“ mag da mancher Leser angesichts dieser Informationen fragen und tatsächlich sind es gerade aufgrund der mangelnden Berichterstattung der übrigen Medien nach wie vor Meldungen darüber, wie die Lage nach dem Unglück am AKW Fukushima aktuell aussieht, die auf besonderes Interesse treffen.

Demnach geht es auch heute mit den Fukushima News weiter – im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Oktober 2011.

Radioaktives Strontium in Yokohama gefunden: Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, wurde nun auch in Yokohama, wo sich einer unserer freien Mitarbeiter befindet und das insgesamt 250 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi entfernt ist, radioaktives Strontium nachgewiesen.

Mit einem Wert von 195 Becquerel, das in Ablagerungen auf einem Hausdach im Bezirk Kohoku in der Stadt nachgewiesen werden konnte, ist es das erste Mal das radioaktives Material von über 100 Becquerel pro Kilogramm in einer Entfernung von mehr als 100 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi festgestellt wurde. Die Belastung mit Cäsium habe 63 Bq/kg betragen. Die Stadtverwaltung versicherte,  man untersuche nun auch Proben in der Nähe des Fundortes. Das Wissenschaftsministerium sagte unterdessen, man sei sich noch unsicher, ob das Strontium tatsächlich vom Kraftwerksunfall stamme.

Bei einer Aufnahme etwa durch Einatmung oder Nahrungsaufnahme, lagert sich Strontium in den Knochen ab und kann zu Knochenmarkskrebs und Leukämie führen.

Stadtverwaltung von Yokohama verschwieg Strontium offenbar: Einem Blogeintrag eines Mitglieds der kommunistischen Partei Japans namens Yasuhiko Furuya zufolge,  hatte der Chef der zuständigen städtischen Behörde in Yokohama, ein Herr Kuramochi erklärt: „Wir wussten bereits, dass wir dort wo wir Cäsium finden, auch Strontium finden würden, also trafen wir keine besonderen Maßnahmen gegen Strontium„. Zumal sei keine gefährliche Dosis erreicht worden.

Möglicherweise hat Herr Kuramochi sich regelrecht verplappert als er fortfuhr: „Ich habe gehört, in Fukushima habe man an 2.200 verschiedenen Orten Strontium gefunden“ von daher sei es nicht verwunderlich auch welches in Yokohama zu finden.

Doch nicht nur dass die japanische Regierung bislang behauptet hatte, Strontium würde nach der Fukushima-Katastrophe nicht über so große Distanzen durch die Luft transportiert werden und lediglich bei Cäsium sei dies der Fall –  die offizielle Zahl der Fundstellen von Strontium hat nie 100 überschritten.

Damit würde, sollte die Aussage zutreffen, die neue Zahl von 2.200 Stellen nicht nur die bisherigen Behauptungen widerlegen, sondern auch die Frage aufwerfen, wie viel TEPCO und die Regierung möglicherweise weiterhin verschweigen. Wie gesagt handelt es sich jedoch lediglich um einen Blogeintrag eines Politikers, nicht um eine offizielle Erklärung oder Stellungnahme.

Wasserstoff auch in Rohren an Reaktor 2 nachgewiesen: Nachdem zunächst nur am Reaktor 1 der Wasserstoff in Rohren festgestellt worden war und TEPCO nach eigenen Angaben erfolgreiche Maßnahmen durchführte, meldet die Yomiuri Shimbun nun auch in Rohren an Reaktor 2 im AKW Fukushima Daiichi den Fund von Wasserstoff. Die Konzentration soll nach Angaben von TEPCO 6,5 Prozent betragen.

Ab einem Mischungsverhältnis von vier Prozent Wasserstoff zu fünf Prozent Sauerstoff besteht die Gefahr einer Verpuffung und der damit verbundenen Explosion. Wie zuvor bei Reaktor 1 soll auch hier zunächst ein Filter gegen radioaktive Partikel eingesetzt werden, bevor man dann versuche den Wasserstoffgehalt zu reduzieren. Als Ursache für den Wasserstoff im Rohr gelten auch hier die Explosionen im März 2011. Das meldet die Yomiuri Shimbun.

Hachiko hat Geburtstag: Der Hund Hachiko, dessen bekannteste Statue wohl am Bahnhof Shibuya in Tokyo steht, würde heute seinen 88. Geburtstag feiern. Hachiko, der nach dem Umzug seines Besitzers nach Tokyo dort jeden Tag treu am Bahnhof Shibuya auf die Rückkehr seines Herrchens nach Arbeitsschluss gewartet hatte und auch nach dessen Tod noch 10 Jahre lang täglich wartete, gilt in Japan als Inbegriff der Treue.

In Hachikos Geburtstadt Odate wurde nun seine Statue mit Girlanden geschmückt und ein „Geburtstagskuchen“ serviert. Die Stadt selber lebt auch vom Tourismus. Es gibt dort mehrere Produkte der Marke Hachiko zu kaufen.

Belastetes Erdreich aus Sperrrzone soll in 2 1/2 Jahren beseitigt sein: Einem Entwurf des Umweltministeriums soll bis Ende März 2014 das mit radioaktivem Material kontaminierte Erdreich aus der Sperrzone und der erweiterten Evakuierungszone um das KKW Fukushima Daiichi vollständig entfernt und auf Übergangsdeponien entsorgt sein, berichtet die Yomiuri Shimbun. Ziel sei es, die dortige Jahresbelastung auf unter 20 Bq/kg zu senken.

Ausgenommen von diesem 2 1/2 Jahresplan sind lediglich Bereiche in denen die Strahlung für derartige Arbeiten zu hoch ist. Allerdings sind sowohl die hierfür angesetzten Werte, als auch der Verbleib des stärker belasteten Erdreichs und Schutts unklar. Einen Zeitplan für dieses Problemmaterial gibt es offenbar ebenfalls noch nicht.

Die Regierung werde ausserdem die Verantwortung für die Lagerung radioaktiv belasteter Asche und Schlamm aus Müllverbrennung und Kläranlagen übernehmen und dabei ausdrücklich auch Material aus Gegenden außerhalb der beiden Zonen entsorgen, sofern der Gehalt von radioaktivem Cäsium über 8000 Bq/kg liegt. Aufgrund dieses Entwurfs wäre nicht nur die Präfektur Fukushima, sondern praktisch die ganze Tohoku-Region inklusive des Großraums Tokyo hiervon betroffen.

Besonders die Schaffung von Deponien für radioaktiv belastetes Erdreich stößt jedoch bei der Mehrzahl der Präfekturalverwaltungen auf scharfe Kritik.

Bürgermeister von Tokai fordert Stilllegung von AKW: Tatsuya Murakami, Bürgermeister des Ortes Tokai  (Präf. Ibaraki) in dem sich auch das gleichnamige Kernkraftwerk Tokai befindet, fordert die Stilllegung der Anlage und führte in einem Gespräch mit Minister Goshi Hosono das hohe Alter des Atomkraftwerks, das seit 1978 in Betrieb ist und die Nähe zu Siedlungen an, wohnten doch immerhin eine Million Menschen in einem Umkreis von 30 Kilometer um das Kraftwerk herum –  zudem bestehe mit 110 Kilometer Distanz eine räumliche Nähe zu Tokyo. Das berichten NHK und die Nachrichtenagentur Kyodo.

Zwar produziert das im Besitz von Japan Electrics befindliche Kraftwerk etwa 1,1 Millionen Kilowatt an Elektrizität und hatte sich während des Tohoku-Erdbebens automatisch abgeschaltet, so dass es nun einer standardmäßigen Untersuchung unterzogen wird. Allerdings war das AKW Tokai auch das erste Kraftwerk  mit einem schweren Zwischenfall, bei dem es 1999 zu einem großen Störfall mit zwei Todesopfern gekommen  war.

Freisetzung radioaktiver Partikel am AKW Fukushima sinkt unter Limit:  Wie TEPCO, der Betreiber der Fukushima-Kraftwerke am gestrigen Dienstag bekannt gab, sei die Konzentration von radioaktivem Material innerhalb des Reaktorgebäudes von Reaktor 1 weiter unter den Grenzwert für Arbeiter in Atomkraftwerken gefallen. Aufgrund der nahenden Fertigstellung des Schutzmantelbaus habe man sich entschlossen, zuvor noch eine Messung durchzuführen. Die letzten Messungen im September seien noch über dem Kraftwerksgebäude gemacht worden.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen laut TEPCO, das die Konzentration von radioaktivem Cäsium-134 und Cäsium-137 zwischen einem tausendstel und einem zehntausendstel Becquerel pro Kubikzentimetern liege. Ein Zehntel sei bereits der Grenzwert für die Atemluft von Atomkraftpersonal. Der Wert von Jod-131 habe sich aufgrund seines niedrigen Standes nicht mehr nachweisen lassen, so das Unternehmen.

Bewohner von Übergangshäusern bereiten sich auf Winter vor: Sieben Monate nach dem Erdbeben und Tsunami bereiten sich die Bewohner der Übergangshäuser auf den nahenden Winter vor. Angesichts der langsamen Reaktionen der örtlichen Behörden, treffen sie ihre eigenen Maßnahmen gegen die Kälte, nachdem es bereits zu Beginn des Monats  in den Präfekturen  Iwate und Miyagi nächtliche Temperaturstürze unter 10 Grad Celsius gegeben hatte. Besonders in Miyagi sei man noch an den Arbeiten. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

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