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Japan aktuell: Täglich dringen 300 Tonnen radioaktives Wasser aus AKW Fukushima ins Meer

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Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. (Foto: TEPCO)
Aufnahme vom Mai 2011: Erste Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser (Foto: TEPCO)
Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erste Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)

Der vom AKW Fukushima aktuell gemeldete Anstieg des radioaktiv kontaminierten Grundwassers und die Gefahr einer Belastung des Meeres, sind auch für jene internationale Medien die das Thema Fukushima lange Zeit völlig ausklammerten, nun wieder Grund genug für eine Berichterstattung.

Auch wir befassen uns in den Fukushima News weiterhin mit dem Thema, berichten im Zusammenhang mit der Präfektur Fukushima heute aber auch über die Folgen der Geschehnisse. Einzelheiten und weitere Neuigkeiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Tonnenweise radioaktive Abwässer aus Fukushima belasten Pazifik täglich
  • Regierung greift in Krise um verstrahltes Fukushima-Wasser ein
  • Testfang vor Fukushima-Küste verschoben
  • Hitzewelle in Japan hält an

Tonnenweise radioaktive Abwässer aus Fukushima belasten Pazifik täglich: Wie die Behörde für Natürliche Ressourcen und Energie heute mitteilte, dringen bereits jetzt täglich 300 Tonnen an stark radioaktiv belastetem Wasser von der Kraftwerksanlage Fukushima Daiichi in den Pazifischen Ozean.

Goishi-Küste am Pazifik (Foto: estel, cc-by)
Steigende Kontamination des Pazifik durch AKW Fukushima (Foto: estel, cc-by)

Nach Angaben der Behörde, die dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) untergeordnet ist, bleibt bislang noch unklar, ob es sich tatsächlich ausschließlich um kontaminiertes Grundwasser handelt, oder ob möglicherweise auch Kühlwasser aus den Reaktoren ins Meer gelangt.

Die Regierung betont jedoch, bislang ist lediglich auf den zum Meer gelegenen Seiten der Anlage ein Strahlungsanstieg nachgewiesen worden.

Da bereits beim normalen Betrieb im Kühlkreislauf und dem standardmäßigen Abpumpen aus den Untergeschossen der Reaktor-Turbinengebäude täglich Tonnen an radioaktivem Wasser anfallen, dessen Menge durch das geplante Abpumpen des Grundwassers noch vervielfacht werden wird, sind die Lagerkapazitäten von TEPCO bedroht.

Schon jetzt dringt radioaktives Wasser über die unterirdischen Barrieren aus chemisch gehärtetem Boden – aktuelle Daten über den gegenwärtigen Grundwasserpegel gibt es von TEPCO nicht.

In einer heutigen Pressekonferenz erklärte das Unternehmen, man werde noch heute mit der Anbringung einer Pumpe auf der Küstenseite von Reaktor 2 beginnen und ab Freitag das Hochpumpen des Wassers starten. Die Leistung der Pumpe ist jedoch beschränkt und wird nach Einschätzung von TEPCO nicht ausreichen um den Bereich von 3200 Quadratmetern abzudecken.

Das heraufgepumpte Wasser soll dann zurück in einen Schacht südlich der Pumpe geleitet werden – dieser liegt jedoch ebenfalls in der Nähe zur Küste. Hierüber berichteten Kyodo und Asahi Shimbun. Fraglich bleibt, ob es hierbei nicht ebenfalls undichte Stellen geben könnte und ob das herausgepumpte Wasser nicht an anderer Stelle für Probleme sorgt.

Regierung greift in Krise um verstrahltes Fukushima-Wasser ein: Premierminister Shinzo Abe nannte den steigenden Pegel an radioaktivem Wasser heute eine dringende Angelegenheit die es zu lösen gelte, besonders da auch die japanische Öffentlichkeit ein Interesse an den Geschehnissen um das kontaminierte Wasser habe.

Japans Premierminister Shinzo Abe im Juli 2013 (Foto: pd)
Will Fukushima-Grundwasser zur Chefsache machen: Japans Premier Shinzo Abe (Foto: pd)

Die Regierung werde sich nicht mehr auf TEPCO verlassen, sondern eigene Maßnahmen ergreifen

Premier Abe erklärte, er habe bereits Industrieminister Toshimitsu Motegi angewiesen, sich der Angelegenheit anzunehmen und sicherzustellen, dass das Unternehmen geeignete Maßnahmen ergreife, um die endgültige Stilllegung der beschädigten Fukushima-Reaktoren  zu ermöglichen. Die Stilllegung der Anlage wird mehr als 40 Jahre dauern und mehr als 5,81 Billionen Yen kosten.

Nach Ansicht von Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga muss die Regierung finanzielle Unterstützung leisten, wenn TEPCO nun versuche, nach der fehlgeschlagenen chemischen Bodenaushärtung auf die im Mai begonnenen Überlegungen und Pläne, den Boden durch ein Kühlsystem gefrieren zu lassen, wieder aufzunehmen. Ähnliche Techniken werden beim Bau von U-Bahn-Tunneln genutzt.

Allerdings könnte das von der Kajima Corporation derzeit anvisierte System auch leicht zu einem Millionengrab werden, wenn über Monate, eventuell sogar über einen Zeitraum von mehreren Jahren, auf diese Weise eine dauerhafte Kühlung des Bodens erforderlich werden würde. Bislang ist nicht einmal ein brauchbarer Entwurf vorhanden.

Während versucht wird Finanzmittel zu mobilisieren und über alternative Lösungskonzepte nachgedacht wird, ist die Atomaufsichtsbehörde NRA damit beauftragt, die tatsächlichen Hintergründe des Strahlungsanstieg, des Anstiegs des Grundwasserpegels und der Strecke ins Meer zu ermitteln und effektive Gegenmaßnahmen auszuarbeiten.

Über die jüngsten Schritte der Regierung berichteten Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Testfang vor Fukushima-Küste verschoben: Die Fischereikooperative der Stadt Iwaki (Präf. Fukushima) hat sich angesichts der jüngsten Berichte über eine anhaltende Kontamination durch das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi bei einer heutigen Sitzung dazu entschlossen, den ursprünglich für September geplanten Testfang von Fischen vor der Küste zu verschieben.

Bahnhof von Iwaki (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Stadt Iwaki: Stillstand für Fischfang (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Viele Fischer aus dem Ort, der gerade einmal 30 Kilometer von der Anlage entfernt liegt, begründeten ihre Entscheidung damit, dass die eingeleiteten Schritte gegen eine weitere Belastung des Meeres derart unzureichend seien, dass Kunden die Entscheidung zum gewerblichen Fischfang nicht unterstützen und Produkte nicht kaufen würden.

Nach Meldung der NHK soll eine Entscheidung über eine mögliche Fortführung der Fischerei erst nach Kontrollen der Strahlungsbelastung im Meerwasser erfolgen. Es ist bereits das zweite Mal, dass der Termin zum Testfang dort verschoben wird.

Hitzewelle in Japan hält an: Während am AKW Fukushima Daiichi ein Anstieg von Grundwasser derzeit das Hauptproblem darstellt, wünscht sich manch anderer nicht so sehr ein kühlendes Nass, sonder vielmehr niedrigere Temperaturen. Am heutigen Mittwoch stieg das Thermometer in vielen Landesteilen auf über 35 Grad Celsius. Stellenweise wurden über 37 Grad gemessen.

Girls in Tokyo-Ikebukuro (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo-Ikebukuro: Lachend der Hitze trotzen (Foto: Copyright by KJ)

Zwischen dem Beginn der diesjährigen Statistiken am 27. Mai und Sonntag, dem 4. August 2013 wurden 29.729 Personen wegen gesundheitlicher Probleme durch Hitze in Krankenhäuser eingeliefert. In 772 Fällen wurden Krankenhausaufenthalte von mehreren Wochen erforderlich, 34 Personen starben.

In Japans Hauptstadt Tokyo wurde mit 2.199 Einlieferungen die zweithöchste Zahl an Patienten mit Hitzefolgen erreicht. Unser freier Mitarbeiter aus dem Großraum Tokyo meldete  dort um 22:00 Uhr Ortszeit noch Temperaturen von 27 Grad Celsius, in anderen Teilen der Stadt wurden selbst am Abend 30 Grad erreicht.

Für insgesamt 38 der 47 Präfekturen des Landes gelten Warnungen wegen schwerer Hitze. Einwohner werden aufgerufen, sich durch geeignete Maßnahmen vor den Folgen der hohen Temperaturen zu schützen.

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