Start Aktuelles Japan aktuell: Taifunsorgen und neue Leckgefahren beschäftigen Fukushima-Betreiber

Japan aktuell: Taifunsorgen und neue Leckgefahren beschäftigen Fukushima-Betreiber

1648
0
TEILEN
Karte Japans (Grafik: pd)
Japan: Taifunsorgen auf drei von Japans Hauptinseln (Grafik: pd)
Karte Japans (Grafik: pd)
Japan: Taifunsorgen und neue Leckgefahren (Grafik: pd)

Neben dem Taifun Wipha sieht sich der Betreiber des AKW Fukushima heute auch weiteren Problemen gegenüber. So besteht offenbar das Risiko, auch vermeintlich sichere Lagertanks könnten sich als unsicher erweisen.

Andere Themen die für die Bewohner der Präfektur Fukushima aktuell sind, umfassen unter anderem auch den Anbau von Reis in einem Gebiet mit starker radioaktiver Kontamination.

Einzelheiten der Fukushima News, sowie weitere Neuigkeiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. Oktober 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • AKW Fukushima bereitet sich auf Taifun Wipha vor
  • Japan wappnet sich gegen Sturmfront
  • Großleck könnte auch an verschweißten Tanks auftreten
  • Fukushima-Einwohner fordern spätere Aufhebung des Evakuierungsbefehls
  • Uneinigkeit über Demontage von Katastrophentrümmern
  • Reis-Testernte in Sperrgebiet

AKW Fukushima bereitet sich auf Taifun Wipha vor: Nachdem in diesem Monat bereits ein Tropensturm zu Problemen an der Anlage geführt hatte und etwa Wasser über eine Betonbarriere gelangte, will der Betreiber des Kernkraftwerk Fukushima Daiichi nun besonders sichern.

AKW Fukushima: Inspektion und Kontrollgang an den Wassertanks (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Inspektion und Kontrollgang an den Wassertanks (Foto: TEPCO)

Insbesondere geht es darum, die Verbreitung von radioaktiv kontaminiertem Wasser zu verhindern.

Zu diesem Zweck wurden sowohl Pumpen als auch Leitungen für die Reaktorkühling mit Seilen gesichert. Außerdem habe man, zusätzlich zu Standardmaßnahmen, wie dem Abpumpen von angesammeltem Wasser hinter Betonbarrieren, neue Lagertanks dafür reserviert, bei steigendem Wasserpegel bis zu 4.000 Tonnen Wasser aufzunehmen.

Das Unternehmen hat mehr als 50 Arbeiter für die Ableitung des Wassers eingeteilt. Für die Region Tohoku, zu der auch die Präfektur Fukushima zählt, werden derzeit bis zu 300 Millimeter an Niederschlag im Verlauf von 24 Stunden erwartet. Hierüber berichtete die Kyodo, jiji und NHK.

Gleichzeitig warnt der Elektrizitätskonzern die Bürger, man solle bei stürmischem Wetter ein Auge auf die Überlandleitungen haben und bei Schäden an den Leitungen das Unternehmen informieren.

Japan wappnet sich gegen Sturmfront: Nachdem der Taifun Danas sein Werk nicht vollenden konnte, ist die Meldung, dass der Taifun Wipha nicht nur zu einer Reihe schwerer Stürme gehört, die das Gebiet um Tokyo nur alle zehn Jahre trifft, sondern auch den Nordosten Japans treffen könnte, erneut Wasser auf die Mühlen jener, die einen Weltuntergang durch Schäden am AKW Fukushima befürchten.

Tokyo: Wartezeit im Regen am 3, April 2012 (Foto: KJ)
Tokyo: Regenschauer am 3, April 2012 (Symbolfoto: KJ)

Statt Untergangsprognosen hat man vor Ort allerdings konkretere Probleme.

Unter anderem rief die Wetterbehörde dazu auf, sich aus bedrohten Gebieten zu evakuieren, bevor das Wetter dies nicht mehr ermögliche.

Für Mittwoch wird stürmisches Wetter prognostiziert und auch die Zahl schwerer Gewitter, sowie ein Anstieg der Tornadogefahr sind zu erwarten.

Auch Folgeschäden schwerer Regenfälle und starker Winde, wie etwa Überflutungen, Erdrutsche und hoher Wellengang machen es nach Behördenangaben sinnvoll, in Gebäuden zu bleiben und keine Arbeiten im Freien zu unternehmen. Bereits heute wurden 18 Inlandsflüge am Flughafen Tokyo Haneda gestrichen.

Der Taifun bewegt sich gegenwärtig mit einer Geschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde in nord-nordöstliche Richtung. Die Windgeschwindigkeit in der Nähe des Zentrums beträgt bis zu 126 Kilometer pro Stunde.

Einzelne Windböen erreichen Geschwindigkeiten bis 180 Kilometer pro Stunde.

Für die Präfektur Fukushima gilt, ebenso wie etwa für den Großraum Tokyo, eine Wetterwarnung.

Großleck könnte auch an verschweißten Tanks auftreten: Der Kraftwerksbetreiber TEPCO hatte bereits erklärt, die Ursache für ein Leck gefunden zu haben, aus dem 300 Tonnen radioaktives Wasser gedrungen waren. Nun stellt TEPCO die Situation genauer dar. Die Atomaufsicht sieht die Situation jedoch noch kritischer.

Fukushima-Wassertanks bleiben Thema für Diskussionen (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Auch verschweißte Tanks könnten unsicher sein (Symbolfoto: TEPCO)

Die bisherige Erklärung zum Fall des Bolzentanks lautete, es seien Lücken im Boden des Behälters entstanden, als kontaminiertes Wasser aufgrund schlechter Isolierung in die Bolzenlöcher gelangt sei. Dies habe zur Korrosion und damit zur Entstehung der undichten Stellen geführt (Spreadnews berichtete am 9. September 2013).

In einem Gespräch mit der Atomaufsichtsbehörde NRA am heutigen Dienstag, spricht das Unternehmen von Fehlern an der Gummidichtung am Boden des Tanks. Diese könnte sich aufgrund des hohen Wasserdrucks und der Temperaturschwankungen gelöst haben.

TEPCO erklärte, derzeit bestehe keine andere Möglichkeit, da es einen Mangel an verschweißten Tanks gebe.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA wies jedoch darauf hin, dass ein ähnliches Problem auch an Wassertanks mit Schweißnähten auftreten könnte. Das berichtet die jiji.

Fukushima-Einwohner fordern spätere Aufhebung des Evakuierungsbefehls: Frühere Bewohner eines Bezirks der Stadt Tamura, hatten nach Ausbruch der Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi ihre Häuser verlassen müssen und wurden evakuiert, da der Bereich zum Teil der 20-Kilometer-Sperrzone ernannt worden war.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

Nachdem im April 2012 der Status des Bezirks Miyakoji geändert wurde und aus dem früheren Sperrgebiet offiziell ein Gebiet mit Aussicht auf mögliche Aufhebung der Evakuierungsanordnung, trat im August eine Übergangsreglung in Kraft, die eine dauerhafte Rückkehr erleichtern sollte.

Bei einem gestrigen Treffen mit Vertretern der Regierung in Tokyo, haben die potentiellen Heimkehrer nun allerdings offenbar eine Verschiebung des Termins zur Aufhebung der Anordnung erwirkt. Diese hatte zuvor am 1. November 2013 fallen sollen.

Damit bleibt die Übergangsregelung vorerst bis zum Frühjahr 2014 gültig und eine uneingeschränkte Rückkehr bis zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Das berichtete die jiji.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Betreiber des AKW Fukushima für November möglicherweise die Bergung erster Brennelemente aus einem Reaktor der Anlage plant, scheint die Skepsis der Bürger vor einer Rückkehr zu diesem Zeitpunkt durchaus verständlich.

Uneinigkeit über Demontage von Katastrophentrümmern: Nachdem am vergangenen Freitag eine Reihe von Menschen am Stahlgerüst des einstigen Katastrophenzentrums von Minamisanriku der 42 Todesopfer vom 11. März 2011 gedacht hatten, folgen die Vorbereitungen für die Abrissmaßnahmen.

Ruine des Verwaltungsgebäudes in Minamisanriku (Foto: Hajime Nakano, cc-by)
Ruine des Verwaltungsgebäudes in Minamisanriku (Foto: Hajime Nakano, cc-by)

Eine Umfrage hatte zuvor ergeben, dass viele der einstigen Bewohner das Gebäudeskelett aus emotionalen Gründen nicht als Denkmal erhalten wollen. Auch die Verwaltung entschied sich schließlich aufgrund von Sicherheitsbedenken gegen den ursprünglichen Plan.

Ein Bus, der auf das  Dach eines Gemeindegebäudes in Ishinomaki endete, war bereits im März vergangenen Jahres entfernt worden, da die Bürger nicht länger an die Katastrophe erinnert werden wollten.

Das bekannteste Beispiel dürfte aber das Schiff „Kyotoku Maru Nr. 18 “ sein, das bei Kesennuma bis zu 750 Meter ins Landesinnere geschleudert worden war und dessen Demontage, die im September begonnen wurde, etwa zur Hälfte abgeschlossen ist.

Doch einer Meldung der Asahi Shimbun zufolge, finden diese Maßnahmen nicht die Zuspruch aller Einwohner. Manche wünschen sich einen Ort, an dem sie ihrer Angehörigen und Freunde gedenken können.

Daher gehen die Bestrebungen teilweise sogar in die andere Richtung. So plant beispielsweise die Ortsverwaltung von Otsuchi (Präf. Iwate) das Ausflugsboot Hamayuri wieder auf das Dach eines Touristenlokals zu heben, nachdem es im Mai 2011 von dort heruntergehoben worden war. Für das Projekt, dass die Höhe des Tsunami verdeutlichen soll, begannen im Juli 2012 die Spendenaufrufe.

Auch soll die sechstöckige Teilruine des Taro Hotels in Miyako (Präf. Iwate) erhalten werden. Während der Betreiber sich so eine Touristenattraktion erhofft, will der Bürgermeister das Gebäude als Katastropheninformationszentrum für künftige Generationen erhalten.

Reis-Testernte in Sperrgebiet: Nachdem im vergangenen Jahr auf einem Reisfeld in Iitate die oberste Erdschicht entfernt worden war und die Testpflanzungen im Juni erfolgten, begann man auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche mit der Ernte.

Eine Reis-Rispe
Testernte in Fukushima-Sperrgebiet (Foto: pd)

Obwohl der Bezirk Nagadoro, in dem sich das Feld befindet, offiziell als „langfristig nicht bewohnbar“ klassifiziert wurde, soll die Analyse der Testpflanzung einen ersten Aufschluss darüber geben, ob dort zumindest kommerzieller Reisanbau möglich wäre.

Wie die Bezirksverwaltung erklärte, werde man den geernteten Reis wegwerfen, sobald die Strahlungskontrollen und der Nachweis von radioaktivem Material durchgeführt sind. Das berichtet die NHK.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here