Start Aktuelles Japan aktuell: Teilveröffentlichung des TEPCO Notfall-Leitfadens zeigt deutliche Mängel auf

Japan aktuell: Teilveröffentlichung des TEPCO Notfall-Leitfadens zeigt deutliche Mängel auf

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Wälder der Präfektur Fukushima sollen als Lager herhalten (Foto: Higurashi-Wasserfall, Juyoh Tanaka, cc-by)
Wälder der Präfektur Fukushima mussten als illegales Lager herhalten (Foto: Higurashi-Wasserfall, Juyoh Tanaka, cc-by)
Wälder der Präfektur Fukushima sollen als Lager herhalten (Foto: Higurashi-Wasserfall, Juyoh Tanaka, cc-by)
Wälder der Präfektur Fukushima sollen als Lager für radioaktiven Abfall herhalten (Foto: Higurashi-Wasserfall, Juyoh Tanaka, cc-by)

Das Versagen eines Notfallplans ist immer kritisch, besonders jedoch, wenn es sich bei dem Objekt um ein Atomkraftwerk handelt. Tatsächlich ist genau dieser Umstand eines der aktuellen Themen in Japan und damit auch ein Thema dieses Artikels. Darüber hinaus behandelt der heutige Artikel Versuche zur Lösung der Probleme bei der Lagerung von radioaktiv kontaminiertem Abfall – eines der vielen Probleme die in Fukushima aktuell noch ungelöst sind.  Alle Informationen nun detailliert im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Oktober 2011.

Minister beeindruckt durch Bereitschaft zum Zwischenlager: Japans Umweltminister Goshi Hosono zeigt sich durch das Angebot des Dorfes Okuma beeindruckt, dort ein Übergangslager für radioaktiv belastetes Erdreich einzurichten. In einem Treffen am Montag teilte eine Gruppe von Bürgern dem Minister ihre Entscheidung mit. Man sei nicht glücklich über den Umstand, aber man denke, dass es sich bei Okuma um den einzigen Ort handelt, der hierfür geeignet sei. Als Gegenleistung für ihr Entgegenkommen forderten die Bürger jedoch, die Regierung solle alternative Wohnmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Lagerungskapazitäten für radioaktive Asche örtlich fast erschöpft: Wie die Asahi Shimbun mitteilt, nähern sich in der Müllverbrennungsanlage von Nagareyama (Präf. Chiba) die Lagerungsmöglichkeiten für radioaktiv belastete Asche dem Ende zu. Seitdem im Juli hohe Werte an radioaktivem Cäsium in der Asche der Anlage entdeckt worden waren, ist der bisherige Abtransport zu Mülldeponien eingestellt worden.

Mittlerweile werden in 1.260 Säcken etwa 493 Tonnen Asche in sechs großen Zelten gelagert. Auch wenn nun ein weiteres Zelt gebaut werden soll, so ist immer noch keine Lösung gefunden worden, was mit der Asche letztlich geschehen soll und an welchen Ort sie verbracht werden könnte.

TEPCO-Notfall-Leitfaden mit deutlichen Mängeln: Die japanische Atomsicherheitsbehörde hat einen ersten Teil der unzensierten Version des Notfall-Leitfadens des Fukushima-Betreibers veröffentlicht.

Bei dem jetzt zugänglich gemachten Material handelt es sich um einen Teil des Notfall-Leitfadens für Reaktor 1 und umfasst Maßnahmen zur Kühlung und zum Druckabbau bei Störungen, berichtet die Mainichi Shimbun. Die selbe Anleitung für die Behandlung von Störfällen war zuvor lediglich in einer fast völlig geschwärzten Version der Regierung vorgelegt worden.

Die NHK meldet, die Informationen des rund 200 Seiten umfassenden Teildokuments seien soweit vollständig, lediglich Personennamen seien nicht enthalten (die Nachrichtenagentur jiji spricht von 170 Seiten).

Die Atomsicherheitsbehörde erklärte, die Veröffentlichung sei notwendig, da Transparenz benötigt werde um, den Hintergrund des Fukushima-Unglücks nachvollziehen und bessere Sicherheitsmaßnahmen für die  Zukunft treffen zu können.

Nach diesem ersten Teil soll  gegen Ende des Jahres auch die übrigen Teile des Leitfadens für Reaktor 1, sowie die ähnlichen Dokumente für die Reaktoren 2 und 3 veröffentlicht werden.

In diesem „Handbuch“ wird deutlich, dass bei den möglichen Störfällen die dort behandelt werden, nicht die Möglichkeit eines dauerhaften, oder zumindest längerfristigen Totalausfalls der Elektrizität berücksichtigt wurde.

Die NISA veröffentlichte auch von TEPCO bereitgestellte Dokumente, in denen ein Vergleich zwischen Leitfaden und tatsächlich ergriffenen Notfallmaßnahmen angestellt wird. Das ernüchternde Fazit: Nachdem der Strom ausgefallen war, wurde der gesamte Leitfaden praktisch nutzlos.

Die Asahi Shimbun berichtet jedoch von Quellen, denen zufolge es im Jahr 2006 eine Verbindung der Stromversorgung aller sechs Reaktoren des Kraftwerks geplant gewesen sei, die eine Versorgung mit Elektrizität deutlich sicherer gemacht hätte. Diese Pläne seien jedoch aufgrund von zeitlichem und finanziellen Aufwand als „technisch schwierig“ nie umgesetzt worden.

Ironischerweise war dann auch die Verlegung einer Leitung zum Reaktor 6, dessen Notfall-Dieselgenerator als einziger funktionierte, eine der wichtigen nach der Katastrophe  getroffenen Maßnahmen.

Wälder sollen Lager für radioaktiv belastetes Erdreich werden: Das Amt für Forstwirtschaft hat entschieden, die Nutzung staatlicher Wälder als vorübergehende Lagerungsstätte für radioaktiv kontaminiertes Erdreich und Reisstroh zu genehmigen. Die örtlichen Verwaltungen sind somit für die Arbeiten zur sicheren Lagerung verantwortlich, während die Regierung die Kosten der Maßnahme durch die Rücklagen für Aufbauarbeiten decken will. Das Amt für Forstwirtschaft sieht dies als Möglichkeit, dem Lagerungsproblem für diese Art von radioaktiv belastetem Material zu begegnen.

Das Material soll in wasserdichten Behältnissen aufbewahrt werden und bei großen Mengen auch Behälter aus Beton zum Einsatz kommen, die – mit einem Deckel versehen und abgedeckt – auf gerodetem Waldgebiet,  mehrere zehn- bis hundert Meter von menschlichen Siedlungen  entfernt,  gelagert werden. Falls sich das entsprechende Waldgebiet in der Nähe einer Wasserquelle, wie etwa einem Fluß befindet, sollen zusätzliche Beratungen stattfinden. Das berichtet die Yomiuri Shimbun.

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