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Japan aktuell: Temperatur von Kühlwasser in Fukushima Reaktor 4 steigt

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Fukushima Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima: Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima: Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)

Zu den jüngsten Temperaturanstiegen gibt es vom AKW Fukushima aktuell neue Informationen, aber auch die Sicherheitspolitik der Betreiberfirma TEPCO, sowie die Laufzeitverlängerung eines überalteten Kernkraftwerks sind Meldungen am heutigen Donnerstag.

Diese Themen zeigen, dass die Situation an japanischen Atomkraftwerken, die Handhabung und die Folgen der Atomkrise weit über die eigentliche Reaktorkatastrophe oder das Anschwemmen spektakulären Strandguts wie das zuletzt in den USA angespülte 21 Meter lange Dock aus dem japanischen Hafen Misawa (Präf. Aomori) hinausgeht. Mehr Fukushima News und weitere Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Temperatur von Kühlwasser in Fukushima Reaktor 4 steigt
  • 40 Jahre alter Reaktor erhält Laufzeitverlängerung
  • Ex-NISA-Leiter war gegen größere AKW-Sicherheitszonen
  • Beisetzung von Prinz Tomohito am kommenden Donnerstag
  • Giftgas-Sektenmitglied entkam in letzter Minute

Temperatur von Kühlwasser in Fukushima Reaktor 4 steigt: Die von Spreadnews in den vergangenen beiden Tagen bereits erwähnten Temperaturänderungen im Abklingbecken am Fukushima-Reaktor 4, die sich durch die Abschaltung von zwei Pumpen des Kühlwassersystems entwickelt hatten, nachdem es an der ersten Pumpe offenbar zu einer Überhitzung gekommen und die zweite offiziell aus Kontrollzwecken angehalten worden war, sind japanischen Medien nun noch einmal Grund genug für eine Extra-Meldung mit mehr Details.

Fukushima-Reaktor 4: Wasserpumpe mit Brandstelle am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Wasserpumpe in Fukushima-Reaktor 4 am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Wie TEPCO am gestrigen Mittwoch mitteilte, ist im Zuge der Probleme an zwei Pumpen die Wassertemperatur im Abklingbecken von Reaktor 4 gegen 11:00 Uhr (Ortszeit) auf 40 Grad Celsius und dann um 17:00 Uhr auf 42 Grad Celsius gestiegen.

Am Dienstagmorgen lag die Temperatur zuvor bei 34 Grad Celsius. Nachdem jedoch eine der Pumpen wieder in Betrieb genommen wurde, werde die Temperatur nun voraussichtlich fallen, erklärte TEPCO-Sprecher Junichi Matsumoto. Man rechne innerhalb der nächsten 12 bis 24 Stunden mit einem Abfall der Temperatur um 10 Grad Celsius.

Die beiden Pumpen sind Teil des Kühlsystems in dem das Wasser, dass die Hitze aus den abgebrannten Brennstäben aufnimmt, abgekühlt wird. Die Hauptpumpe hatte sich am Dienstag aufgrund eines Alarms selbst abgeschaltet, die zweite Pumpe dann am Mittwoch gestoppt (Spreadnews berichtete).

An der zweiten Pumpe habe man Mängel an der Wärmedämmung bzw der Isolierung festgestellt, so sei etwa das Metall des Geräts durch die Isolierung hindurch zu sehen. Man vermute nun, dass es auch an der ersten Pumpe derartige Probleme geben könnte erklärte TEPCO und kündigte an, die Reparatur der ersten Pumpe könnte mehrere Tage bis zu einer Woche benötigen. Das berichtet etwa die Nachrichtenagentur Kyodo und die NHK.

40 Jahre alter Reaktor erhält Laufzeitverlängerung: Die dem Industrieministerium unterstehende Atomsicherheitsbehörde NISA hat für den Weiterbetrieb des AKW Mihama (Präf. Fukui), das 1970 ans Netz ging und damit am 25. Juli 40 Jahre alt wird , um weitere zehn Jahre  keine schwerwiegenden Sicherheitsbedenken.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
NISA: Keine Einwände gegen Weiterbetrieb des AKW Mihama (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Kansai Electric, Betreiber der Anlage war zu dem Schluss gelangt, dass der Zustand der Geräte einen Weiterbetrieb von zehn Jahren zulässt und daraufhin die Behörde um eine Einschätzung ersucht. Am gestrigen Mittwoch legte die NISA den Experten einen Entwurf vor, anhand dessen Regelungen eine Laufzeitverlängerung von Reaktor 2 denkbar sei.

Der Entwurf der NISA basiert auf der Einschätzung des Betreibers, dessen Prüfungen nach Angaben der NISA größtenteils in richtiger Weise durchgeführt worden waren und zu einem angemessenen Endergebnis gekommen seien.

Auch wenn die Regierung bereits einen Änderungsentwurf für das Reaktorbetriebsgesetz vorgelegt hat, in dem die Lebenszeit eines Reaktors auf 40 Jahre beschränkt wird, so kann das AKW Mihama nach der geltenden Gesetzgebung auch länger betrieben werden, sofern die Behörde ihr Einverständnis gibt. Die bisherigen Gesetze erlauben bei Reaktoren über 30 Jahren alle zehn Jahre einen Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis zum Weiterbetrieb, sofern die Sicherheitsüberprüfungen der NISA bestanden werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Díe Asahi Shimbun geht ins Detail und zitiert mit Hiromitsu Ino,  emeritierter Professor für Materialwissenschaften, von der Universität und Mitglied des Expertenausschusses auch einen Kritiker der Entscheidung. Nach seiner Ansicht sei es nicht Aufgabe der NISA derartige Schlüsse zu ziehen. Eine derartige Entscheidung könne nur durch die geplante Nachfolgeorganisation der NISA erfolgen.

Selbst wenn der Reaktor 2 am AKW Mihama weitere zehn Jahre laufen dürfte, so würde dieser Zeitraum auf drei Jahre verkürzt, sobald das überarbeitete Gesetz, das eine maximale Lebensdauer von 40 Jahren vorsehen wird, in Kraft tritt. Eine dann nochmals angestrebte Verlängerung wäre nur nach erneuter Prüfung gemäß der seit der Fukushima-Katastrophe gesetzten Standards möglich.

Die Regierung hat einen entsprechenden Entwurf bei der gegenwärtigen Parlamentssitzung eingerecht um die Verbesserung des Gesetztes zur Regelung von nuklearem Quellenmaterial, Atombrennmaterial und Reaktoren zu erreichen. Über das Gesetz wird bislang noch beraten.

Die Regierung geht davon aus, dass die Bestimmung im Januar kommenden Jahres in Kraft treten wird. Ab diesem Zeitpunkt wird allen Reaktoren die über 40 Jahre in Betrieb waren, über eine Sonderausnahme eine drei Jahre dauernde Verlängerung während der Übergangszeit  gewährt.

Obwohl der Gesetzentwurf auch die Bestimmung einer Laufzeiterweiterung von bis zu 20 Jahren vorsieht, erklärte Goshi Hosono, der verantwortliche Minister für Atomregelungen, derartige Ausnahmen sollten ungewöhnlich sein.

Ex-NISA-Leiter war gegen größere AKW-Sicherheitszonen: Der Gedanke als Vorsitzender einer Sicherheitsbehörde auch für die Sicherheit der Anwohner von Atomkraftwerken zuständig zu sein, kam Kenkichi Hirose, früherer Generaldirekter der Atomsicherheitsbehörde NISA offenbar nicht, als er sich im Jahr 2006 den Plänen der Atomsicherheitskommission (NSC), die Evakuierungsplanzonen um Atomkraftwerke auszuweiten, entgegenstellte.

Wie im März 2012 bekannt wurde, lehnte Hirose, 2006 Generaldirektor der NISA eine Überarbeitung der Notfallrichtlinien, die während eines gemeinsamen Essens von NSC und NISA besprochen wurden, ab. „Weshalb wollen Sie ein schlafendes Baby wecken?“ wird er gegenüber den Vertretern der NSC zitiert.

Die jüngsten Enthüllungen stammen aus einer internen Niederschrift eines Treffens leitender Beamter der NISA, das im Mai 2006 vor dem Mittagessen abgehalten worden war. In dem Dokument heisst es, einer der Führungsmitglieder habe die Notwendigkeit der Verbesserung von bestehenden Richtlinien deutlich befürwortet.

Japans Notfallschutz für Atomkatastrophen liege weit hinter den internationalen Standards und das Gesetz für Sondermaßnahmen bezüglich der Notfallvorsorge bei Atomunfällen sei nach einem Unfall beim Unternehmen JCO Corporation, im Jahr 1999 bei dem zwei Personen starben, hastig zusammengeschustert worden und weise deutliche Mängel auf, wird der Beamte in dem Dokument zitiert.

Doch Hirose blieb hartnäckig und argumentierte weiter dagegen und war der Ansicht, die damals geltenden Richtlinien sollten zumindest die kommenden zehn Jahre weiterhin gelten. Die NSC müsse man daher um äußerste Umsicht und Besonnenheit  bei der Diskussion von Überarbeitung der Notfallschutzrichtlinien bitten.

In dem Memo wird als möglicher Grund für die Ablehnung vermutet, dass Hirose befürchtet haben könnte, dass es Schwierigkeiten in den Beziehungen zu Gemeinden, in deren Gebiet sich Atomkraftanlagen befinden, geben könnte. Man müsse sich im Fall des Notfallschutzes bei Atomunfällen auf die örtlichen Behörden verlassen, so seine Aussage.

Nach den geltenden Notfallrichtlinien ist lediglich eine Notfallplanzone mit einem Radius von acht bis zehn Kilometern vorgesehen – was deutlich zu wenig ist, wie die Nuklearkatastrophe vom AKW Fukushima Daiichi gezeigt hat. Erst nach dem Unglück legte die NSC einen Entwurf der überarbeiteten Richtlinien vor, die eine Sicherheitszone von 30 Kilometern empfehlen. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Beisetzung von Prinz Tomohito am kommenden Donnerstag: Wie das kaiserliche Hofamt bekannt gab, werden die Begräbnisfeierlichkeiten für Prinz Tomohito von Mikasa am kommenden Donnerstag stattfinden. Er war gestern im Alter von 66 Jahren nach langem Krebsleiden an multiplem Organversagen gestorben (Spreadnews berichtete).

Die Zeremonie, ein shintoistischer Begräbnisritus der den Namen „Renso-no-Gi“ trägt, wird auf dem kaiserlichen Friedhof Toshimagaoka im Tokyoter Bezirk Bunkyo stattfinden. Anwesend wird dabei auch Prinzessin Akiko (30), älteste Tochter des Prinzen sein, nachdem sie ihre Reise nach Europa abgebrochen hatte. Dem zuvor geäußerten Wunsch des Verstorbenen folgend, soll die Veranstaltung bescheiden sein, da das Land mit dem Wiederaufbau nach dem Tohoku-Erdbeben und dem Tsunami 2011 beschäftigt sei. Das berichten japanische Medien, darunter etwa die Kyodo.

Giftgas-Sektenmitglied entkam in letzter Minute: Katsuya Takahashi, letztes noch flüchtiges Mitglied des fälschlicherweise „Aum-Sekte“ genannten Endzeitkults der Omu Shinrikyo, ist offenbar nur um Haaresbreite dem Zugriff der Polizei entkommen.

Nach Angaben der NHK verschafften sich am Montag bereits eine Stunde nachdem der Flüchtige praktisch das gesamte Geld von einem unter falschen Namen geführten Kontos abgehoben und dabei von den Überwachungskameras gefilmt worden war, Polizeibeamte Zutritt zum Zimmer des Mannes, der seit Oktober letzten Jahres im Wohnheim der Baufirma lebte.

Schild: Bahnhof Kawasaki der JR Nanbu-Linie (Foto: pd)
Kawasaki: Sektenmitglied entkam Polizei knapp (Foto: pd)

Dort fanden sie lediglich noch den roten Rucksack vor, mit dem dieser das Geld von der Bank aus transportiert hatte. Offenbar hatte Takahashi das Geld abgehoben, wobei der den Bankangestellten zur Eile gedrängt hatte, bei seinem Arbeitgeber angerufen und den Krankheitsfall eines Angehörigen als Vorwand genannt, um der Arbeit fern zu bleiben und muss unmittelbar daraufhin geflohen sein.  Die Polizei wertet nun die Aufnahmen für Überwachungskameras an den Bahnhöfen im Gebiet der Stadt Kawasaki aus.

Hintergründe zum Fluchtverlauf des Giftgas-Sektenmitglieds: Nach Angaben der Asahi Shimbun floh Katsuya Takahashi vier Stunden, bevor die Beamten sein Versteck in Kawasaki entdeckten und durchsuchen konnten. Sein überstürzte Fluchtaktion begann, nachdem er von der Festnahme des früheren Sektenmitglieds Naoko Kikuchi (40) am Sonntag erfahren hatte.

Anhand von Hinweisen, die sich durch die Aussage des Mannes mit dem Kikuchi zusammengelebt und ihr Unterschlupf gewährt hatte, konnte die Polizeibehörde die Wohnung im Stadteil Saiwai ausfindig machen, in der Takahashi bis Oktober letzten Jahres gelebt hatte. Ein Zugriff am frühen Montagmorgen brachte keinen Erfolg, da er bereits ausgezogen war.

Nachdem dann ermittelt werden konnte, dass er offenbar seit Oktober 2011 im Wohnheim der Baufirma im Bezirk Kawasaki lebte, suchten die Polizeibeamten noch am selben Tag das Wohnheim gegen 18:30 Uhr auf, trafen den Flüchtigen jedoch dort nicht mehr an.

Am gestrigen Mittwoch teilte die Polizeibehörde des Großraum Tokyo mit, anhand von DNA-Spuren in einem Mülleimer des Wohnheimzimmers, habe man die Identität des früheren Bewohners bestätigen können.

Die Flucht stellt sich nach den Erkenntnissen, die der Mainichi Shimbun aus Ermittlerkreisen zugetragen wurden, wie folgt dar: Am Montag dem 4. Juni kam Takahashi um 12:10 Uhr bei einer Bank in der Nähe des Wohnheimes an und hob insgesamt dreimal Geld ab – Beträge von 900.000, 900.000 und 580.000 Yen, die sich auf eine Gesamtsumme von 2,38 Millionen Yen summieren.

Er musste auf diese Vorgehen, da es Beschränkungen bei der maximal abhebbaren Geldmenge gibt. Nach Angaben der Bankangestellten habe er gewirkt, als habe er es eilig und sich außerdem über die Abbuchungsbeschränkung beschwert. Nach 44 Minuten, gegen 12:54 Uhr habe er die Bank verlassen und lediglich einen Yen auf dem Konto zurückgelassen. Im Anschluss kehrte er noch einmal zum Wohnheim zurück.

Da Bank und Wohnheim lediglich 250 Meter voneinander entfernt liegen, geht die Polizei davon aus, dass Takahashi von dort zwischen 14:00 Uhr und 15:00 Uhr floh – nur vier Stunden bevor die Ermittler eintrafen. Quellen aus Ermittlerkreisen zufolge habe niemand Takahashi beim Verlassen der Anlage gesehen.

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