Start Aktuelles Japan aktuell: Temperaturanstieg in Reaktor 2 des AKW Fukushima

Japan aktuell: Temperaturanstieg in Reaktor 2 des AKW Fukushima

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Abbürsten des Parkplatz-Betons vor Hauptgebäude am 7. Januar 2012 (Foto: TEPCO)
Reinigung des Parkplatz-Betons mit Drahtbürste am 7. Januar 2012
Abbürsten des Parkplatz-Betons vor Hauptgebäude am 7. Januar 2012 (Foto: TEPCO)
Reinigung des Parkplatz-Betons mit Drahtbürste am 7. Januar 2012

Zu Wochenbeginn beziehen sich die Fukushima News neben technischen Problemen an unterschiedlichen Anlagen, auch auf die ökologischen Folgen, die nach der Atomkatastrophe von Fukushima aktuell immer deutlicher werden.

TEPCO bietet unterdessen Aufnahmen, wie durch die Entfernung von Schutt und Staub in zwei Schritten – manuelle Entfernung von Erdschichten und das Abkratzen von Betonflächen mit Metallspateln, sowie den Einsatz von schwerem Gerät – zwischen dem 7. und 30. Januar der Pegel an Radioaktivität auf dem Parkplatz vor dem Hauptgebäude der Arbeiter am AKW, die Höchstbelastung  bei Luft/Boden von vorher 355/240 auf 115/181 Mikrosievert pro Stunde gesenkt werden konnte.

Aufschlussreichere Informationen über die Situation in Japan und weitere Fukushima News im heutigen Spreadnews Japan-Ticker vom 6.Februar 2012.

Temperatur in Fukushima-Reaktor stieg: Als Reaktion auf einen möglichen Temperaturanstieg am Druckbehälter von  Reaktor 2 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, hat der Betreiber TEPCO die Menge an Kühlwasser, das in den Reaktor geleitet wird, auf 9,6 Tonnen und damit eine Tonne mehr erhöht.

Ausschlaggebend war ein Anstieg von 52,0 Grad einige Tage zuvor auf 71,7 Grad am Sonntag. Nach Angaben der NHK stieg die Temperatur damit innerhalb von etwa zehn Tagen um 25 Grad. Über diesen Zwischenfall berichteten NHK und die Nachrichtenagentur jiji, allerdings ist TEPCO durch die neuen gesetzlichen Regelungen ohnehin verpflichtet, die Leitung der Gemeinden zu informieren, wenn entweder die Temperatur im Reaktor auf 80°C steigt, oder die Menge von Kühlwasser um mehr als eine Tonne pro Tag erhöht wird.

Nach Einschätzung von TEPCO könnte jedoch auch eine Störung des Hauptthermometers vorliegen, da zwei weitere Thermometer die auf selber Höhe am Boden des Behälters angebracht sind, konstante Temperaturen um die 45°C anzeigen. Allerdings wird auch die Möglichkeit erwogen, dass es am 26. Januar bei einer kurzen Unterbrechung der Kühlung aufgrund von Arbeiten an den Rohren, zu Veränderungen im Verlauf des Kühlkreislaufs gekommen war, welche die ausreichende Kühlung behindern.

Einem heutigen Bericht von TEPCO zufolge beträgt die aktuelle Temperatur am Montag um fünf Uhr Ortszeit nunmehr 70,6 Grad Celsius. Das Unternehmen berichtete heute zudem in einer Pressekonferenz, das es keine Verschlechterung der Situation des Reaktors gegeben habe. Eine eingeleitete Untersuchung habe gezeigt, dass die Werte Xenon-135 oder andere Substanzen, die für einen Kontrollverlust sprechen könnten, unterhalb des Messbereichs gelegen hätten.

TEPCO-Sprecher Junichi Matsumoto mutmaßte, der Nachrichtenagentur jiji zufolge, der durch das Thermometer angezeigte Temperaturanstieg könnte irrtümlich durch die Änderung des Wassereinflusses hervorgerufen worden sein.

Hohe radioaktive Belastung in Würmern aus Fukushima nachgewiesen: Ein wissenschaftliches Team, zu dem auch Motohiro Hasegawa, Forschungleiter für Bodenzoologie am japanischen Forschunsinstitut für Forst- und Holzwirtschaft zählt, hat bei Untersuchungen von Würmern eine starke radioaktive Belastung bei Exemplaren festgestellt, die in einem Umkreis von 20 Kilometer um das Katastrophen-AKW Fukushima Daiichi gesammelt wurden.

Die Forscher, die für ihre Zwecke zwischen Ende August und Ende Dezember des Vorjahres 40 bis 100 Würmer in Wäldern von Kawauchi, das teilweise im Sperrgebiet des Kraftwerks liegt, sowie in Otama und Tadami, die 60 bzw. 150 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt liegen, sammelten, wollen ihre Erkenntnisse nun auf einem Treffen der japanischen Fachgesellschaft für Ökologie in Otsu (Präf. Shiga) am 17. März vorstellen.

Während in den entfernter gelegenen Orten Tadami (150km) und Otama (60km) Werte von 290 und 1000 Becquerel gemessen wurden, erreichte die Strahlungsdosis aus Kawauchi 20.000 Becquerel pro Kilogramm.

Die Forschungen zeigten außerdem, dass die Belastung mit radioaktivem Cäsium dort am höchsten –  und wo auch das in der Luft übertragene Material am höchsten war – mit 3,11 Mikrosieviert pro Stunde in Kawauchi, 0,33 Mikrosievert in Otama und 0,12 Mikrosievert in Otami.

Die Würmer haben das radioaktive Material vermutlich hauptsächlich durch das Essen von organischen Stoffen der am Boden liegenden Blätter aufnahmen, an deren Oberfläche bereits zuvor ein großer Teil des radioaktiven Niederschlags haftete. Der Umstand ist deshalb problematisch, da Würmer einer Vielzahl weiterer Lebewesen als Nahrung dienen und sich die radioaktive Belastung so durch die Nahrungskette fortsetzen könnte.

Störung am Abklingbecken des AKW Monju: Wie die japanisch Atomenergiebehörde JAEA am 3. Februar bekannt gab, war am 1. Februar eine Pumpe am Abklingbecken im Versuchsreaktor vom Typ eines schnellen Brüters am AKW Monju für die Dauer von 22 Minuten ausgefallen. Dies berichtete die Mainichi Shimbun am Samstag.

Die kurzfristig ausgefallene Pumpe dient dazu, flüssiges Natrium zwischen dem Becken und einem separaten Tank zirkulieren zu lassen um so Verunreinigung aus dem Kühlmaterial zu filtern.  Ursache sei ein Fehler des Herstellers beim Austausch von Geräten gewesen. Die JAEA gab jedoch bekannt, die Sicherheit der Anlage sei nicht gefährdet gewesen.

Leck an Brandschutz von Fukushima-Reaktor 6: Nach Angaben der Betreiberfirma TEPC entdeckte am Sonntag ein patroullierender Angestellter bei einem Kontrollgang um 8:05 Uhr Ortszeit ein Leck am Ventilflansch der Leitung des Brandschutzsystems an Reaktor 6. Gegen 8:31 Uhr wurde das Ventil geschlossen und der Wasseraustritt gestoppt. Das Wasser sei bereits dekontaminiert gewesen und auch einen Austritt in das Meer gab es nicht.

Zahl der anerkannten Fukushima-Folgetoten: In einer am Sonntag herausgegebenen Befragung, gibt die Yomiuri Shimbun die Zahl der Toten die in 13 Gemeinden als offiziell mit der Fukushima-Katastrophe in Verbindung gebracht werden, mit insgesamt 573 Personen an. Diese Zahl könnte jedoch weiter steigen, sind doch die Bescheinigungen für 29 Personen noch ausstehend, während weitere Untersuchungen laufen. Alle 13 Orte befinden sich in der Präfektur Fukushima.

Neben den drei Städten Iwaki, Minamisoma und Tamura gehören auch weitere Dörfer und Ortschaften hierzu. Acht von ihnen, nämlich Futaba, Hirono und Katsurao sowie Kawauchi und Namie, Naraha, Okuma und Tomioka bilden den Landkreis Futaba, daneben kommen noch Iitate und Kawamata hinzu. All diese Gemeinden befinden sich in der Sperrzone, oder eine der beiden Evakuierungszonen um das Kraftwerk.

Vorraussetzung für die Anerkennung als „Katastrophen-bezogenes“ Todesopfer gilt, wer nicht direkt aufgrund eines Unglücks, sondern durch Erschöpfung oder die Verschlimmerung einer chronischen Krankheit durch die Fukushima-Katastrophe verstarb. Familien, die diesen Status für ihre Angehörigen beantragen, erhalten bei Anerkennung eine Beileidszahlung.

Von den bislang 748 Verstorbenen, für die man Statusanerkennung beantragte, wurden  634 Prüfungen unterzogen.  573 erhielten die Bestätigung als Katastrophenopfer. 28 Anträge wurden abgelehnt und vier müssen aufgrund von Fehlern der Dokumente neu beantragt werden. In 29 Fällen ist noch nicht entschieden.

Überprüfungsergebnisse zu radioaktiv belastetem Reis: Die Nachrichtenagentur Jiji berichete am Samstag, die Präfekturverwaltung Fukushima habe am Freitag nach der seit November 2011 laufenden Durchführung von Überprüfungen bei 23.600 Landwirtschaftsbetrieben  in Teilen der Präfektur jetzt bei 22.657 Betrieben in 86 Gebieten die Beschränkungen für den Vetrieb von  Reis wieder aufgehoben. In diesen liege die Belastung unter dem ab 1. April geltenden Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm.

Für 65 Gebiete gilt jedoch weiterhin ein Vetriebsverbot. Die Asahi Shimbun vom selben Tag fasst es noch stärker in Zahlen, wenn sie meldet, dass etwa 2,3 Prozent der Landwirte in der Präfektur Fukushima Reis mit Werten über dem neuen Grenzwert ernteten. Ab April wird des bisher gültige provisorische Standard von 500 Becquerel durch den strengeren Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm ersetzt.

Die Ergebnisse der Untersuchung der Präfekturverwaltung die am 3. Februar veröffentlicht wurden, werden nun von der Regierung in Tokyo dazu genutzt werden, über die Regionen, für die dieses Jahr ein Anbauverbot gelten soll, zu entscheiden. Die Ergebnisse zeigen, dass von den 23.600 getesteten Betrieben in den 29 Städten und Ortschaften insgesamt 545 Betriebe in 12 Gemeinden, dem neuen Standard nicht entsprachen –  während 38 Betriebe in drei Städten sogar den alten Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilo übertrafen.

Bei 84,3 Prozent der Landwirte lag die Belastung unter den messbaren Grenzwerten.  Die Reisbauern fürchten dennoch, dieses Jahr könnten kritische Verbraucher den Gewinn drücken.

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