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Japan aktuell: TEPCO bohrt zweite Öffnung in Torus von Fukushima-Reaktor 2

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Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

TEPCO liefert zu Beginn der Woche erneut die ersten Schlagzeilen. So sind nicht allein Arbeiten am AKW Fukushima heute Thema, sondern auch die Verpflichtung, weiteren Geschädigten nun Hilfen zukommen zu lassen.

Doch auch durch zweifelhafte Propaganda macht der Betreiber des Kernkraftwerks in Fukushima aktuell auf sich aufmerksam.

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Meldungen, die sich auf Katastrophenschutz, Atomkraftgegner und die Jahreszeit beziehen.

Wenn Sie einen Eindruck davon haben wollen, welche Umstände die Arbeit nach Naturkatastrophen bestimmen, empfiehlt sich der achte Teil unserer Serie: „Katastrophenhelfer in Japan: Sieben Monate im Krisengebiet“

Ausführliche Fukushima News und die weiteren Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. März 2013

Unsere heutigen Meldungen:

  • TEPCO bohrt zweites Loch in Torus von Fukushima-Reaktor 2
  • Premierminister Abe besucht Präfektur Fukushima
  • TEPCO weitet Entschädigungen auf Miyagi und Iwate aus
  • Tsunami-Rettungstreppe in Rikuzentakata fertig
  • Tomioka übernimmt Zonenmodell
  • Zelte von Atomkraftgegnern sollen geräumt werden
  • Hausfrauen-Puppentheater als TEPCO-Propaganda enttarnt
  • Kirschblüte begleitet Studentenfeiern

TEPCO bohrt zweites Loch in Torus von Fukushima-Reaktor 2: Nachdem die Bohrung einer Öffnung in der Nordseite des ersten Stocks, um Zugang zur Kondensationskammer zu haben am 27. und 28 Januar 2013 aufgrund von Hindernissen durch Rohre und Gitter nicht erfolgreich war, unternahm TEPCO einen neuen Versuch.

Da die Kontrolle durch einen Roboter ergab, dass an der Südseite keine derartigen Hindernisse zu erwarten sind, wurden am gestrigen Sonntag und dem heutigen Montag nun dort die Bohrungen durchgeführt. Ziel der Untersuchung  ist, grundlegende Informationen über die Belastung der Luft, angesammeltes Wasser und Sedimente in der Kammer zusammeln.

Diese Daten sollen die Grundlage für weitere Arbeiten, wie etwa die Untersuchung der Sicherheitsbehälters und die Schaffung von geeigneten Reparaturwerkzeuge werdn. Außerdem soll die Verbreitung von möglichen Brennelementetrümmern in der torusförmigen Kondensationskammmer ermittelt werden.

Untersuchung bestätigt Spuren von Elektroschock an Ratte: Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO heute bekannt gab, spricht auch die Untersuchung der toten Ratte für die bisherige Theorie,  das Tier habe einen Kurzschluss ausgelöst, der dann in Folge die elektrische Versorgung für mehrere Abklingbecken-Kühlsysteme und weitere Geräte unterbrochen habe.

AKW Fukushima: Rattenkadaver (o.) Brandnarbe (m.) und Plane gegen Kleintiere (u.) am 20. März 2013 (Fotos: TEPCO)
AKW Fukushima: Rattenkadaver (o.) Brandnarbe (m.) und Plane gegen Kleintiere (u.) am 20. März 2013 (Fotos: TEPCO)

So wurden an dem Tier eine Brandnarbe festgestellt, wie sie bei einem schweren elektrischen Schock auftreten kann.

Für den Umstand, dass sich häufiger Tiere in der Nähe des LKW mit der Stromversorgung aufhielten und möglicherweise auch innerhalb, spricht die Entdeckung von tierischem Kot in der Umgebung.

Eine Kontrolle im Inneren der mobilen Anlage ergab, dass sich dort keine Kleintiere mehr aufhalten.

Um die Wiederholung eines derartigen Zwischenfalls auszuschließen, soll die Öffnung des Geräts effektiver abgedeckt werden, um weiteren Kleintieren den Zugang zu verwehren.

Ein Ersatz von mobilen Anlagen durch stationäre Versorgung  mit Elektrizität für die Abklingbecken ist geplant. Einige der bisher genutzten Geräte sind seit Beginn der Fukushima-Krise und damit seit mehr als zwei Jahren im Einsatz.

Premierminister Abe besucht Präfektur Fukushima: Japans Premier Abe besuchte am Sonntag die Präfektur, um sich einen Eindruck vom Fortschritt beim Wiederaufbau in den Katastrophengebieten zu machen. Es ist nach Dezember 2012 der zweite Besuch von Abe seit er das Amt des Premierministers übernahm.

Eine Besichtigung der Ortschaften Namie und Tomioka, die gegenwärtig noch zum Sperrgebiet gehören, jedoch aufgrund der Neubeurteilung der Gebiete, die am 1. April 2013 in Kraft tritt, künftig zumindest zeitweise in einigen Teilen besucht werden kann, war Teil von Abes Besuch.

In Gesprächen mit Vertretern der Verwaltung erklärte er, seine Regierung unternehme alles was möglich sei, um durch einen zügigen Wiederaufbau eine schnelle Rückkehr der früheren Einwohner zu ermöglichen. Über den vierten Besuch Abes in der Region Tohoku berichteten etwa jiji, Asahi Shimbun und Kyodo

TEPCO weitet Entschädigungen auf Miyagi und Iwate aus: Wie TEPCO heute bekannt gab, sollen auch Produzenten aus den beiden anderen Katastrophenpräfekturen Iwate und Miyagi vom Konzern Entschädigungszahlungen für Handelseinbußen durch Gerüchte über Strahlungsbelastung fordern können.

Reistrocknung nach Ernte in Kurihara, Präf. Miyagi (Foto: pd)
Reistrocknung nach Ernte in Kurihara, Präf. Miyagi (Foto: pd)

Bislang können Produzenten aus Landwirtschaft, Fischerei und Forsten aus sechs Präfekturen die Zahlung von Entschädigungen beantragen. Ab Mittwoch wird TEPCO die Antragsdokumente verteilen und diese entgegennehmen.

Daneben sollen auch mehrere Produkte durch den Anspruch auf die Entschädigung erfasst werden. Die Entschädigung stehen dabei sowohl den Herstellern, als auch den verarbeitenden Betrieben und den Händlern der Produkte zu. Die Zahlungen sollen sowohl Kundenschwund und Warenrücknahmen kompensieren, als auch die Kosten für Strahlungskontrollen ausgleichen

So sollen künftig auch die Produzenten von Teeblättern aus den Präfekturen Tokyo und Miyagi beispielsweise ebenso Anspruch haben, wie die Hersteller von Meeresprodukten die in Hokkaido, Aomori, Iwate und Miyagi  produziert wurden und Forstprodukte wie Pilze aus insgesamt sieben Präfekturen.

Tsunami-Rettungstreppe in Rikuzentakata fertig: Nach dem Tohoku-Erdbeben hatte das Minsiterium für Infrastruktur die Schaffnung von Tsunami-Rettungstreppen an neun Stellen entlang der Pazifikküste der Präfektur angeordnet. Heute konnte eine erfolgreiche Fertigstellung vermeldet werden.

Einwohner der Präfektur konnten in Rikuzentakata die zwei Meter breite Betontreppe, die auf eine Straße etwa neun Meter über den Boden führt  ausprobieren und so ihre Evakuierungsrouten neu planen.Um bei einem Erdbeben in der Nacht nicht auf Notstromaggregate zur Beleuchtung angewiesen zu sein, wird die Anlage nachts durch Strom aus Solarenergie beleuchtet. Das berichtet die NHK.

Durch die neue Maßnahme wird das bisher erforderliche Erklettern der höher gelegenen Gebiete deutlich erleichtert und für körperlich eingeschränkte Personen wurden auch Geländer in die Struktur integriert, die im Fall eines Erdbebens die Einwohner vor den folgenden Fluten des Tsunami schützen soll.

Tomioka übernimmt Zonenmodell: Am heutigen Montag hob die Regierung die pauschale Einstufung von Tomioka (Präf. Fukushima) auf und gliederte die Stadt als achte von insgesamt elf Gemeinden in das Zonenmodell ein. Durch die Einteilung in drei Zonen können zumindest Teile wieder temporär betreten werden.

Auch wenn die Präfekturpolizei nach Angaben der jiji nicht mehr den Zugang zur Stadt beschränkt, so wird die Kontrolle an Nationalstraßen nun an Kontrollpunkten durch die Regierung übernommen. Trotz dieser Bemühungen wird die Verwaltung von Tomioka den bisherigen Evakuierungsstatus noch mindestens vier Jahre aufrechterhalten.

Grund hierfür sind die notwendigen Reparaturen an der Infrastruktur, die durch das Tohoku-Erdbeben und den damit verbundenen Tsunami beschädigt wurden.

Zelte von Atomkraftgegnern sollen geräumt werden: Die Regierung hat nun offenbar genug von den Protesten vor dem Gebäude des Industrieministeriums und kündigte an, die Zelte, die den Atomkraftgegnern als Anlaufort dienen, entfernen zu lassen.

Tokyo: Protestler bei nächtlicher Atomkraftgegner-Demonstration am 11. Juni 2011(Foto: KJ)
Tokyo: Protestler bei nächtlicher Atomkraftgegner-Demonstration am 11. Juni 2011 (Foto: KJ)

Am Freitag protestierten nach Angaben der Asahi Shimbun etwa 300 Personen gegen die geplante Maßnahme

Industrieminister Toshimitsu Motegi hatte bereits zuvor, am 15. März erklärt, eine gerichtliche Anordnung zur Räumung der am 11. September 2011 aufgebauten Zelte erwirken zu wollen, nachdem diese auf Anfrage der Behörde nicht entfernt worden waren.

Das Grundstück wird von der Regierung verwaltet, nun will das Ministerium ihr Hausrecht gegen die Demonstranten geltend machen.

Atomkraftgegner kündigten an, sich nicht durch diese Maßnahme in ihren Protesten beeinflussen zu lassen.

Hausfrauen-Puppentheater als TEPCO-Propaganda enttarnt: Die fünfköpfige Puppentheater-Gruppe „Kappa no Kawataro Ichiza“ präsentierte sich bislang als ein Projekt, das im Jahr 2000 von besorgten Hausfrauen gegründet worden war, um die Kinder über Energiegewinnung zu informieren.

Diese Elterngruppe wollte, ihrer Eigendarstellung zufolge, nach dem Besuch der Kinder in einem AKW, zunächst lediglich einfach das Wissen über die Anstrengung für die Energieerzeugung an ihre Kinder weitergeben. Das Projekt wurde als Non-Profit-Organisation anerkannt.

Wie die Mainichi Shimbun heute meldet, gab eines der führenden Mitglieder nun zu, allle fünf Mitglieder seien dann von einer Firma beschäftigt worden, die Öffentlichkeitsarbeit und PR für den Energiekonzern TEPCO – den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi – macht.

Als bei PR-Veranstaltungen in den Privaträumen der Aktivisten unter teilnehmenden Hausfrauen der Wunsch aufkam, ihre Kinder sollten ebenfalls mehr darüber erfahren, . wurde von Seiten des „Japan Industrial Location Center“ (JILC) nach passenden Puppentheatergruppen gesucht

Ob die bislang private Gruppe „Kappa no Kawataro Ichiza“ sich aus eigenen Stücken bewarb, oder von anderen dazu ermuntert wurde, ist unbekannt Nach einer Vorstellung bei der Behörde für Rohstoffe und Energie, die dem JILC übergeordnet ist, wurde die Theatergruppe ab 2002 als Teil der PR-Firma von TEPCO beschäftigt.

Nachdem die jährlichen finanziellen Zuwendungen von bis zu 2,5 Millionen bis 2005 schließlich auf 600.000 Yen pro Jahr sanken, löste sich die Theatergruppe von der Verbindung mit TEPCO – trat jedoch selbst nach der Fukushima-Katastrophe auf Wunsch des Atomuseums in Kashiwazaki (Präf. Niigata) vor Kindern auf.

Kirschblüte begleitet Studentenfeiern: Nicht nur Deutschlands Bundeshauptstadt konnte sich am Wochenende über sonnige Tage freuen. Bereits am Freitag feierten Studenten der Hitotsubashi-Universität in Tokyo ihren Abschluss und die Kirschblüte bot einen angemessenen Rahmen.

Tokyo: Kirschblüte (Sakura) in Kunitachi im März 2013 (Foto: KJ)
Tokyo: Kirschblüte in Kunitachi im März 2013 (Foto: KJ)

Tatsächlich zeigte sich Tokyo mit der Kirschblüte gänzlich anders, als sich mancher eine triste japanische Großstadt vorstellt.

So findet etwa um den Kaiserpalast in Tokyo bis zum 7. April ein Hanami-Festival statt, bei dem Besucher noch bis 20:00 Uhr Boote für den Chidorigafuchi-Graben erhalten können und die dortigen Kirschbäume bis 22:00 Uhr beleuchtet werden.

Selbst vergleichsweise unattraktive Wohnblöcke, die zahlreiche kleine Wohnungen (apato) beherbergen, haben nun einen gewissen Charme (siehe Aufnahme links).

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