Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO-Daten zeigen hohe radioaktive Belastung von Fukushima-Fisch

Japan aktuell: TEPCO-Daten zeigen hohe radioaktive Belastung von Fukushima-Fisch

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Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)
Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)
Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)
Fukushima-Fisch: Grünlinge stark radioaktiv belastet (Foto: TEPCO)

TEPCO meldet vom AKW Fukushima heute ausnahmsweise keine Meldungen über Lecks – muss jedoch mit neuen Daten einräumen, dass die Strahlungsbelastung durch die Anlage von Fukushima aktuell ein Thema bleibt.

Somit dürften die Augen von Verantwortlichen, Fischern und Verbrauchern weit weniger glänzen, als jene der japanischen Olympioniken, die sich gestern auf einer Parade im Tokyoter Stadteil Ginza feiern lassen konnten.

Auch die seit Juli ermittelten 33.000 Personen mit gesundheitlichen Hitzefolgen werden sich sicherlich weniger feierlich fühlen. Weitere Fukushima News und sonstige Neuigkeiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO-Daten zeigen Fukushima-Fischbelastung über 20.000 Becquerel
  • TEPCO-Führung inspiziert Tokyoter Notfallzentrale
  • Japanische Journalistin in Syrien getötet
  • Weitere Entwicklungen im Streit um Senkaku- und Takeshima-Inseln
    • Erneute Entschuldigungsforderung an Tenno durch Südkorea
    • Japans Politik diskutiert über Takeshima-Provokation
    • Japan bittet Korea offiziell um Zustimmung für Internationalen Gerichtshof
    • Bürgermeister von Osaka bestreitet Zwang bei Trostfrauen-Rekrutierung

TEPCO-Daten zeigen Fukushima-Fischbelastung über 20.000 Becquerel: Am heutigen Dienstag veröffentlichte der Energiekonzern TEPCO ein Dokument, in dem tabellarisch die Belastung von 20 Meereslebewesen, die zwischen Mitte Juli und Anfang August 2012 an fünf Standorten innerhalb des 20 Kilometer Sperrgebiets um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi gefangen worden waren.

Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Hohe radioaktive Belastung bei Fischen nachgewiesen (Grafik; pd)

Dabei werden Gattungsname und getestetes Körperteil ebenso angegeben, wie Ort und Zeitpunkt des Fangs. In den Tabellen ist die Belastung durch Cäsium-134 und Cäsium-137 separat, sowie die Gesamtbelastung festgehalten. Anderes radioaktives Material wird nicht aufgelistet.

Die stärkste Belastung wies TEPCO zufolge das Muskelgewebe von Grünlingen auf, die am 1. August 2012 im Küstengebiet des Flusses Ota gefangen worden waren. Die Belastung mit Cäsium-134 betrug 9.800 Becquerel pro Kilogramm Rohware. Bei Cäsium-137 lag der Wert bei 16.000 Becquerel pro Kilogramm.

Dadurch ergibt sich eine Gesamtbelastung der Fische von 25.800 Becquerel radioaktives Cäsium pro Kilogramm Rohware.

Die zweitstärkste Belastung wiesen Raubfische der Gattung Sebastes schlegelii auf, die drei Kilometer vom Küstenbereich des Ukedogawa im Bereich von Namie am 18. Juli 2012 gefangen worden waren. Deren Muskelgewebe war mit 180 Becquerel von Cäsium-134 und 310 Becquerel von Cäsium-137 pro Kilogramm belastet. Dies ergibt eine Gesamtbelastung von 490 Becquerel pro Kilogramm.

Die NHK geht in ihrer Meldung über die für ausländische Medien veröffentlichten Angaben hinaus und berichtet, TEPCO habe in einem Fisch, der am 1. August 2012  etwa einen Kilometer vor der Küste von Minamisoma gefangen worden war, insgesamt 38.000 Becquerel an radioaktivem Cäsium festgestellt.

Dabei handelt es sich um den höchsten bislang im Rahmen der Untersuchung festgestellten Wert, der 380 mal höher ist, als der zulässige Grenzwert. Insgesamt sei bei neun Arten an Fisch und Schalentieren eine Überschreitung des Maximalwerts festgestellt worden.

Im Juni war der Fischfang in Gebieten mehr als 50 Kilometer nordöstlich des Kraftwerks testweise wiederaufgenommen worden. Da jedoch lediglich der Fang von zwei Oktopusarten und einer Art Schalentiere gestattet ist, sind keine Verbraucher von den aktuellen Entdeckungen betroffen.

Nach Angaben von TEPCO werde man ab kommender Woche das gleiche Gebiet bis Ende September untersuchen und dabei die belasteten Arten und ihre Beute, zu denen etwa Shrimps gehören, kontrollieren. Zusätzlich werde man auch Schlamm vom Meeresboden analysieren.

Der Kraftwerksbetreiber gibt in der Tabelle auch die Halbwertszeit beider Substanzen an. Demnach verfügt Cäsium-134 über eine Halbwertszeit von etwa 2 Jahren  und Cäsium-137 von 30 Jahren.

TEPCO-Führung inspiziert Tokyoter Notfallzentrale: Der Vorsitzende des Elektrizitätskonzerns TEPCO besuchte heute eine Einrichtung in Tachikawa, im Westteil von Japans Haupstadt Tokyo, die im Fall von Schäden und Kommunikationsausfall am Unternehmenssitz aufgrund eines Erdbebens, als Notfallstützpunkt dienen soll, berichtet die jiji.

Der Besuch der 2003 gebauten Notfallzentrale, die sich abseits von Tokyos Stadtzentrum befindet, ist Teil einer Überprüfung des Notfallsystems des Unternehmens, um eine stabile Notstromversorgung gewährleisten zu können. Die Katastrophenzentrale bietet Arbeitsplatz für 140 Personen und soll Erdbeben bis zur Stärke 6 bis 7 auf der siebenstufigen Skala standhalten.

Japanische Journalistin in Syrien getötet: Wie die NHK gestern berichtete, ist eine japanische Journalistin der unabhängigen Nachrichtenagentur Japan Press bei ihrer Berichterstattung aus der syrischen Stadt Aleppo ums Leben gekommen. Die 45 Jahre alte Mika Yamamoto arbeitete seit 1995 bei der Agentur und hatte bereits Erfahrung als Kriegsberichterstatterin in Afghanistan, Irak und Kosovo.

Flaggen-Karte von Syrien (Grafik: pd)
Japanische Journalistin stirbt im Syrien-Konflikt (Grafik: pd)

Ein stellvertretender Kommandant der freie syrischen Armee behauptete in einem Telefoninterview, Yamamoto sei bei einem Feuergefecht zwischen Rebellen und syrischen Regierungstreffen ums Leben gekommen, meldete heute die Nachrichtenagentur jiji und gab die Schilderungen der Rebellen  wieder.

Konnte die NHK gestern noch lediglich Angaben über die angebliche Identifizierung der Toten im Krankenhaus berichten, so bestätige die japanische Regierung mitlerweile den Tod der Journalistin.

Wie die jiji dann heute meldete, hätten sie nach Auskunft der Rebellen  die weibliche Leiche zunächst nach Kilis, im Süden der Türkei überführt und anschließend Montagnacht den türkischen Behörden übergeben.

Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura erklärte in einer Pressekonferenz, man habe erfahren, dass sie bei einem Gefecht getötet wurde. Die Identität war von der japanischen Botschaft in der Türkei bestätigt worden.

Fujimura verurteilte den Angriff, der nach Angaben des Journalisten Kazutaka Sato, der sich gemeinsam mit der später getöteten Kollegin im Einsatz vor Ort befand, durch Regierungstruppen erfolgte, welche die Pressevertreter angegriffen hätten, berichtet die jiji und beruft sich dabei auf Quellen aus dem japanischen Außenministerium.

Gegenüber der NHK berichtete ihr Kollege Sato, sie hätten die Stadt Aleppo am Montag in Begleitung von Rebellen betreten, um über den Syrien-Konflikt zu berichten. Man habe dann Soldaten passiert, die offenbar zu den Regierungstruppen gehörten und sich plötzlich in einem Kugelhagel befunden. Yamamoto war zuletzt drei Meter hinter ihm gewesen, bevor man sich bei der Deckungssuche trennte.

Nach dem einstündigen Feuergefecht habe er sie tot in einem nahe gelegenen Krankenhaus gefunden. Ein Arzt habe ihm mitgeteilt, dass Yamamoto zu viel Blut verloren hatte und bereits bei der Ankunft in der Klinik tot war. Die Journalistin trug zwar eine kugelsichere Weste, wurde jedoch von den Kugeln an Hals und Armen getroffen. Er sei dann bei der Überführung in die Türkei dabei gewesen.

Mika Yamamoto war die Tochter eines früheren Journalisten und dafür bekannt, ihre Aufnahmen mit einer Handkamera zu machen und das Material selber zu bearbeiten. Für ihre internationale Berichterstattung war sie 2003 mit dem Vaughn-Uyeda Preis ausgezeichnet worden, der als eine Art japanischer Pulitzer-Preis betrachtet wird. Mit ihr steigt die Zahl getöteter Journalisten auf vier.

Japan und Korea im Dispit um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Politische Differenzen im Inselstreit (Grafik: spreadnews.de)

Weitere Entwicklungen im Streit um Senkaku- und Takeshima-Inseln: Der diplomatische Konflikt zwischen den Nachbarstaaten Japan, Südkorea, VR China und Taiwan dauert weiter an. Es kommt immer wieder zu Provokationen und Seitenhieben gegen den Anderen.

Erneute Entschuldigungsforderung an Tenno durch Südkorea: Hatte zuletzt Südkoreas Präsident Lee Myung Bak am 14. August Japan mit der Aussage provoziert, der Tenno müsse sich vor einem Besuch des Landes für Kriegsverbrechen entschuldigen, so erklärte er später, er sei falsch zitiert worden.

Nun hat jedoch Kim Sung Hwan, Minister für Handel und Außenpolitik am heutigen Dienstag ebenfalls behauptet es bestünde „kein Zweifel“ dass eine derartige Entschuldigung bieten müsse und verwies auf die Kriegsschuld von dessen Vater, des Showa Tenno. Kim betonte jedoch auch, bei der Bemerkung Lees habe es sich nicht um eine offizielle Aufforderung gehandelt.

Japans Politik diskutiert über Takeshima-Provokation: Bei einer heutigen Kabinettssitzung einigte man sich zumindest formal darauf, schnelle Protestmaßnahmen zu ergreifen. Als Erstes sagten   sowohl Wirtschaftsminister Yukio Edano, als auch Finanzminister Jun Azumi und Motohisa Furukawa, Minister für nationale Politik Treffen mit koreanischen Ministern ab (NHK).

Japan bittet Korea offiziell um Zustimmung für Internationalen Gerichtshof: Die Regierung hat über den Botschafter in Seoul ein offizielles Schreiben überstellt, in dem die Führung des Nachbarstaats darum gebeten wird, das benötigte Einverständnis für eine Verhandlung des Territorialkonflikts vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu geben.

Bürgermeister von Osaka bestreitet Zwang bei Trostfrauen-Rekrutierung: Der für seine teilweise extrem nationalistischen Ansichten bekannte Bürgermeister von Osaka, Toru Hashimoto, sagte auf gegenübern Reportern, es gebe keine Beweise dafür, dass die kaiserliche japanische Armee jemals Gewalt bei der Rekrutierung von Prostituierten für die Armee ausgeübt habe. Er schränkte jedoch ein, dass er nicht alle Anschuldigungen in der Angelegenheit zurückweise.

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