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Japan aktuell: TEPCO erkennt Tod von Fukushima-Flüchtling an

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jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)

Nach dem Geburtstag des Tenno am 23. Dezember, dem darauf folgenden Heiligen Abend und dem ersten Weihnachtsfeiertag, berichtet Spreadnews weiterhin wie gewohnt. Tatsächlich gibt es am AKW Fukushima aktuell eine ganze Reihe neuer Entwicklungen

Neben drei unterschiedlichen technischen Problemen am Kraftwerk selbst, sind auch die Folgen der Reaktorkatastrophe, sowie Ereignisse in der Präfektur Fukushima heute von Interesse.

Neben den Fukushima News gibt es jedoch auch eine Reihe weiterer Neuigkeiten. Die aktuellen Ereignisse und jene der letzten Tage jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Dezember 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO erkennt erstmals Tod durch Flucht nach Fukushima-Katastrophe an
  • Wasseraustritt aus Fukushima-Lagertanks
  • Schwache Lagertanks führen zu Verzögerungen
  • Leck an Fukushima-Entsalzungsanlage
  • Spray zum Cäsium-Nachweis entwickelt
  • Fukushima-Kinder stark übergewichtig
  • Tokyoter Vorort führt Cäsium-Lebensmitteltests ein
  • Dammbau in Iwate verzögert sich
  • Senkaku-Provokationen durch China halten an
    • Chinas Flugzeug und Schiffe vor Senkaku
    • Erneut chinesisches Flugzeug vor Japan

TEPCO erkennt erstmals Tod durch Flucht nach Fukushima-Katastrophe an: Insgesamt 14,65 Millionen Yen erhalten die Angehörigen einer Frau, die im April, nach ihrer Flucht aus Minamisoma gestorben war.

Kraftwerksbetreiber TEPCO und die Familie einigten sich durch Vermittlung einer staatlichen Streitbeilegungsstelle für den Atomunfall. Insgesamt 12 Millionen der Summe sind eine direkte Entschädigung für den Todesfall, berichtete die jiji am Wochenende. Es ist das erste Mal, dass der Konzern einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Tod eines Flüchtlings und der Nuklearkatastrophe von Fukushima anerkennt.

Der Schlichtungsstelle liegen jedoch noch weitere Fälle vor, so dass sich der Kraftwerksbetreiber TEPCO wohl auch in Zukunft mit finanziellen Forderung von Opfern, oder deren Hinterbliebenen auseinanderzusetzen haben wird.

Wasseraustritt aus Fukushima-Lagertanks: Am 25. Dezember entdeckte ein TEPCO-Angestellter im Bereich der Reaktoren 5 und 6 gegen 11:04 Uhr am Probeentnahmerohr der im Freien stehenden Behälter für Wasser mit geringer Radioaktivität, einen Wasseraustritt, der umgehend durch Ventilschließung gestoppt wurde.

AKW Fukushima: Leck im Bereich der Wassertanks an den Reaktoren 5 und 6 am 25. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leck im Bereich der Wassertanks an den Reaktoren 5 und 6 am 25. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Da das ausgetretene Wasser lediglich einen Bereich von 1m x 1m betraf und in den Kies des Bodens versickerte, gelangte das Wasser nicht in angrenzende Gebiete.

Es wird geschätzt, das maximal zehn Liter ausgetreten sind und beruft sich dabei auf die Durchflussrate der Pumpe von 20 Kubikmetern pro Stunde und der Dauer des Wasseraustritts von zwei Sekunden.

Eine Untersuchung der Wasserproben an den Behältern ergab eine Gesamtstrahlungsdichte von 4,3 x 10-¹ Becquerel pro Kubikzentimeter.

Als Vergleichswert führt TEPCO den Wert aus den Wasserbehältern an, der am 3. Oktober getestet worden war. Der damals gemessene Wert betrug  6,6 x 10̣-¹ Becquerel pro Kubikzentimeter. Damit bestehe keine wesentliche Differenz, so TEPCO.

Als Ursache wird vermutet, dass die Ventile am Probeentnahmerohr nicht richtig geschlossen waren, obwohl die Ventile zuvor nach dem Ausdtausch der Wasserleitungen durch Polyethylen-Schläuche als geschlossen gemeldet worden waren.

Schwache Lagertanks führen zu Verzögerungen: TEPCO hatte jüngst die Sicherheit von Behältern durch Sturztests aus verschiedenen Winkeln und Oberflächen getestet (Spreadnews berichtete am 18. Dezember).

Beschädigter HIC-Behälter nach Sturztest am 13. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Beschädigter HIC-Behälter nach Sturztest am 13. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Nun gibt es jedoch Probleme, die den bisherigen Zeitplan zurückwerfen. Wie TEPCO in einem Bericht meldet, sind die Behälter, in denen später radioaktives Filtrat gelagert werden soll, zu zerbrechlich für diesen Zweck.

Da die Behälter bei Befüllung und Austausch durch einen Kran angehoben und wieder abgesetzt werden, müssen sie bei einem möglichen Arbeitsunfall, etwa bei einem Erdbeben, einen Sturz unbeschadet überstehen könnten. Die Sturztests hätten gezeigt, dass ein direkter Sturz aus sechs Metern keine Gefahr darstelle.

Allerdings sei bereits bei einem Sturz aus gerade einmal drei Metern Höhe der Behälter beschädigt worden, als dieser im Rahmen der Tests kopfüber fallen gelassen worden war.  Eine Verstärkung der Tanks, sowie deren Tests werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen und so geplante Arbeiten verzögern.

Eine Multinuklid-Filteranlage für kontaminiertes Wasser sollte im kommenden September eingesetzt werden. Doch die Sturztest hätten gezeigt, dass die Behälter, welche dann die entfernten radioaktiven Substanzen aufnehmen sollten, in ihrer jetzigen Form zu unsicher sind. Wann die Anlage in Betrieb nehmen kann, bleibt vorerst unklar, so TEPCO.

Nach Angaben der Asahi Shimbun wurde das Unternehmen nun von einem Rat zur mittel- bis langfristigen Stilllegung des Kraftwerks, der sich sowohl aus Regierungsvertretern als auch aus TEPCO-Mitarbeitern zusammensetzt, angewiesen, die Verstärkungen und deren Tests durchzuführen. Diese sollen im Januar 2013 beginnen.

Leck an Fukushima-Entsalzungsanlage: Am 26. Dezember stieß der Angestellte eines Partnerunternehmens gegen 10:10 Uhr bei Reparaturen an der Kälteschutz-Abdeckung im temporären Lagerhaus für die Entsalzungsanlage mit der Abdeckung gegen das Entlüftungsrohr.

AKW Fukushima: Leck durch Kälteschutzabdeckung der Entsalzungsanlage am 26. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leck durch Kälteschutzabdeckung der Entsalzungsanlage am 26. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Dabei wurde das Rohr beschädigt und Wasser trat aus. Der Wasseraustritt konnte jedoch umgehend gestoppt werden, indem die Ventil vor- und hinter dem betroffenen Bereich geschlossen wurden.

Nachdem um 10:16 Uhr bestätigt wurde, dass kein Wasser mehr austrat, wurde der Zwischenfall TEPCO gemeldet. Schätzungsweise sind auf einer Fläche von 5m x 1m und einer Tiefe von 2mm etwa zehn Liter Wasser ausgetreten.

Die Flüssigkeit sei jedoch nicht ins Freie gelangt. Eine Strahlungskontrolle der Umgebungsluft ergab Werte zwischen 0,5 bzw. 2,0 Millisievert pro Stunde. Um eine Wiederholung derartiger Zwischenfälle zu verhindern wird erwogen, um schmale Anschlussleitungen eine Schutzummantelung anzubringen.

Spray zum Cäsium-Nachweis entwickelt: Wissenschaftler am Nationalen Institut für Materialwissenschaften haben ein Spray entwickelt, das unter ultraviolettem Licht den Nachweis von radioaktivem Cäsium ermöglicht. Dieses ist dann durch ein bläuliches Leuchten identifizierbar.

Die verwendete Flüssigkeit  besteht aus drei Substanzen die problemlos im Handel erhältlich sind. Daher sind die Kosten vergleichsweise gering – Flüssigkeit für die Untersuchung eines Quadratmeters an Erdreich kostet lediglich 2.500 Yen. Der Betrag würde im Fall einer Massenproduktion weiter sinken.

Mit dem Mittel, zu deren Grundsubstanzen Ethylenglycol zählt, das zumeist als Frostschutzmittel Verwendung findet, konnte bei Fischen sogar nachgewiesen werden, in welchen Organen sich besonders viel radioaktives Cäsium angesammelt hat.

Bevor das Spray jedoch in Masse gefertigt werden kann, sollen zuvor noch genauere Untersuchungen durchgeführt werden, welche Auswirkung das Nachweismittel auf Mensch und Umwelt hat. Mit einer kommerziellen Einführung sei in zwei bis drei Jahren zu rechnen, berichtete die Asahi Shimbun am 23. Dezember.

Fukushima-Kinder stark übergewichtig: Zunächst war es die offizielle Anordnung und später die Sorge der Eltern, die Kinder in der Präfektur Fukushima davon abhielten, sich im Freien, etwa auf Spielplätzen, oder Sportanlagen auszutoben. Auch in den Auffanglagern blieb kein Platz für kindlichen Spieltrieb. Dies hat nun gesundheitliche Auswirkungen.

Eine am 25. Dezember vorgelegte vorläufige Statistik zeigt, das Kinder aus der Präfektur Fukushima die höchste Rate an Fettleibigkeit in sieben Kinder-Altersgruppen in ganz Japan zeigen (Die Gruppen der (5, 6, 7, 8, sowie  9, 14 und 17 Jahre alten Kinder) aufweisen. Die Daten waren bei Gesundheitstests zwischen April und Juni 2012 erfasst worden.

Als übergewichtig wurden dabei Kinder definiert, die mehr als 20 Prozent des für Alter und Geschlecht typischen Gewichts aufweisen. Zur Fukushima-Katastrophe als Ursache des unfreiwilligen Hausarrests und der ungewollten Unsportlichkeit passt, dass insbesondere die Region Tohoku die höchste Rate an übergewichtigen Kindern aufweist.

Die Präfektur war bereits in Vorjahren negativ führend gewesen, etwa 2006 (höchstes Übergewicht der Sechzehnjährigen), sowie in den Jahren 2008 (Fünfjährige), 2009 (Neunjährige) und 2010 (Fünfzehnjährige). Doch noch nie zuvor war die Präfektur in derart vielen Altersgruppen gleichzeitig führend.

Nach der Fukushima-Katastrophe hatte die Mehrheit der Grundschulen den Sportunterricht im Freien und weitere Aktivitäten unter freiem Himmel eingestellt, während weitere die Aufenthaltsdauer auf vier Stunden pro Tag begrenzten. Selbst im Mai 2012 hatten noch 21 Prozent aller Schulen nach wie vor Einschränkungen für derartige Aktivitäten.

Dabei bemühten sich die Verwaltungen nach Beginn der Krise, zumindest überdachte Spielplätze zu schaffen und mittlerweile gibt es 37 Indoor-Spielplätze in 18 Gemeinden. Über das Gewichtsproblem berichtete unter anderem die Kyodo, Asahi Shimbun und Mainichi Shimbun.

Tokyoter Vorort führt Cäsium-Lebensmitteltests ein: Die im Großraum Tokyo liegende Stadt Higashimurayama will ab Januar kommenden Jahres seinen Bürgern die kostenlose Überprüfung von Lebensmitteln auf Belastungen durch radioaktives Cäsium ermöglichen.

Tokyoter Vorort: Higashimurayma (Foto: Nyao148 cc-by)
Tokyoter Vorort Higashimurayma führt Lebensmitteltests ein (Foto: Nyao148 cc-by)

Bereits jetzt können sich die Bürger für die am 15. Januar beginnenden Tests anmelden. Damit ist Higashimurayama die zweite Stadt im Tama-Gebiet, westlich von Tokyo, die einen derartigen Dienst anbietet. Zuvor hatte Kunitachi bereits mit dieser Maßnahme begonnen.

Dies sei nach Angaben der Stadtverwaltung dadurch möglich geworden, dass die Stadt eine Ausschreibung für den kostenlosen Verleih von Strahlungsmessgeräten durch die Verbraucherschutzbehörde gewonnen habe.

Wie die Mainichi Shimbun berichtet plant die Stadt eine gemeinsame Durchführung in Zusammenarbeit mit der Bürgerrechtsbewegung „Geiger Higashimurayama„. Die Messgrenze liegt bei 10 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm Testware. Die Ergebnisse sind bereits kurz nach der Kontrolle verfügbar.

Personen über 20 Jahre dürfen dann Lebensmittel für den persönlichen Verzehr testen lassen – ausgenommen davon ist lediglich Trinkwasser. Nun hoffe man, dass die Maßnahme die Angst der Menschen vor den Lebensmitteln verringere.

Dammbau in Iwate verzögert sich: Mehr als die Hälfte der Projekte zum Wiederaufbau von Dämmen und Deichen in der Präfektur Iwate könnten deutlich später fertig werden als zunächst geplant.

Die Arbeiten verlauen langsamer als vorgesehen. Zum einen habe der Entwurf neuer Dämme mehr Zeit in Anspruch genommen, als erwartet. Außerdem müsse zusätzlich Grundstücke erworben werden, um die Dämme höher und breiter zu bauen.

Der verheerende Tsunami vom März 2011  hatte Dämme auf einer Länge von 63 Kilometern zerstört. Da jedoch viele der einstigen Besitzer entweder durch den Tsunami starben, oder in andere Landesteile flohen, ist auch der Kauf der benötigten Flächen schwieriger als zuvor abzusehen war.

Diese Hindernisse, führen dazu, dass Ende März 2013 lediglich an 52 der geplanten 88 Stellen mit den Arbeiten begonnen werden kann,, so dass das Ziel, bis März 2016 den Wiederaufbau abgeschlossen zu haben, in weite Ferne zu rücken scheint.

Die Einwohner der Präfektur sehen dies mit Sorge, fürchten sie doch den Tsunami des erwarteten Nankai-Großbebens. Nach Angaben der NHK vom gestrigen Dienstag will die Präfekturleitung nun bei der Regierung in Tokyo eine Vereinfachung des Landkaufverfahrens fordern.

Senkaku-Provokationen durch China halten an: Auch am Weihnachtstag setzte die kommunistische Diktatur der Volksrepublik China ihre plumpen Provokationen durch Schiffsmanöver und Flugzeugaktionen fort. Die aktuellen Neuigkeiten, die im Widerspruch zu Chinas angeblichem Wunsch nach Besserung diplomatischer Beziehungen stehen, jetzt im Überblick:

F-15-Kampfjets der japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte (Foto: pd)
F-15-Kampfjets der japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte (Foto: pd)

Chinas Flugzeug und Schiffe vor Senkaku: Am Montag, dem 24. Dezember sichtete die japanische Küstenwache vier chinesische Schiffe, sowie eine Propellermaschine vom Typ Harbin Y12 der staatlichen chinesischen Meeresverwaltung etwa 100 Kilometer nördlich des japanischen Luftraums. Das Verteidigungsministerium entsandte Abfangjäger.

Die chinesische Maschine verletzte jedoch anders als am 13. Dezember, als es ihr offenbar gelungen war, den japanischen Radar zu unterlaufen, das japanische Hoheitsgebiet nicht. Das Verteidigungsministerium hatte daraufhin seine Überwachung verschärft und analysiert nun den Hintergrund des Flug.

Erneut chinesisches Flugzeug vor Japan: Nur einen Tag später mussten erneut Abfangjäger gestartet werden, als die gleiche Maschine auf dem Radar der Basis in Naha (Präf. Okinawa) entdeckt wurde. Jedoch erfolgte auch bei dieser Provokation keine Grenzverletzung. Die Maschine flog etwa 120 Kilometer nördlich der umstrittenen Inseln.

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