Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO eröffnet Fukushima-Krisenzentrum

Japan aktuell: TEPCO eröffnet Fukushima-Krisenzentrum

1267
1
TEILEN
Zugangskontrollle zum J-Village (Foto: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Zugangskontrollle zum J-Village (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Zugangskontrollle zum J-Village (Foto: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Zugangskontrollle zum J-Village (Foto: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

TEPCO erklärte selbst, vom AKW Fukushima aktuell keine nennenswerten Änderungen melden zu können, da dort offenbar bislang keine weiteren Probleme auftraten. Dennoch gibt es im Zusammenhang mit dem Kernkraftwerk in Fukushima heute sowohl über Änderungen, als auch über Probleme zu berichten.

Dabei geht es unter anderem um die Eröffnung einer Fukushima-Zentrale und Finanzleistungen von Kraftwerksbetreibern. Mehr zu den aktuellen Fukushima News und weiteren Neuigkeiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. Januar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Eröffnung von Fukushima-Krisenzentrum durch TEPCO
  • Große Zahl an Hilfesuchenden nach Tohoku-Katastrophen
  • Entschädigungen für AKW-Nachbarschaft werden abgelehnt
  • Aussagen von Überlebenden sollen Katastrophenschutz verbessern

Eröffnung von Fukushima-Krisenzentrum durch TEPCO: Am gestrigen Montag richtete das Betreiberunternehmen TEPCO eine Hauptstelle für den Fukushima-Wiederaufbau  auf dem Gelände des so genannten „J-Village“, einem einstigen Sportkomplex, der nun als Wohnanlage für die Kraftwerksarbeiter dient ein.

Die Verlegung der „Abteilung zur Bewältigung der Atomkatastrophe“, deren Stärke bis Ende 2013 um 500 Personen auf 4.000 Angestellte gesteigert wird, soll dabei helfen, Angelegenheiten, die mit der Bewältigung der Folgen der Fukushima-Krise in Zusammenhang stehen, wie etwa Entscheidungen im Bezug auf Dekontamination und Entschädigungszahlungen, schneller regeln zu können.

Doch das Unternehmen hat weitere Pläne für die Präfektur. Nicht nur, dass in diesem Früjahr ein internationales Forschungszentrum für Reaktor-Stilllegung geschaffen werden soll – auch ein hochmodernes Kohlekraftwerk soll dort entstehen. Dies sind Teile der vom TEPCO-Vorsitzenden Naomi Hirose angekündigten „Erfüllung der Verantwortungen durch TEPCO„.

Durch das Kohlekraftwerk sollen in der Präfektur, die einen rapiden Bevölkerungsschwund erlebte, auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Bereits für den Bau der Anlage würden 2.000 Arbeitskräfte benötigt, insgesamt 200 für den laufenden Betrieb und weitere 1.000 für alle paar Jahre durchgeführte Kontrollen.

Trotz dieser und anderer Aktionen, wie etwa „Mit Fukushima zusammenarbeiten„, bei der Angestellte die dort nicht ständig beschäftigt sind, zwei- bis dreimal im Jahr in die Präfektur kommen, um Bewohnern bei alltäglichen Arbeiten wie Möbeltransporten zu helfen, bestehen Zweifel am Erfolg der Mission in der Präfektur.

Denn wie die Mainichi Shimbun bemerkt, gibt es  in der Tat gibt noch viele ungelöste Hindernisse. Da wäre zum einen die Finanzschwäche des Unternehmens TEPCO, das kontinuierlich auf  Regierungsgelder angewiesen ist. Für die Forschungseinrichtung wäre Unterstützung durch Regierung und Internationale Atomaufsichtsbehörde IAEA erforderlich.

Der AKW-Betreiber gibt sich, trotz der Vorwürfe von Atomkraftgegnern, mit den Maßnahmen wolle man nur einen Reaktorneustart an Kernkraftwerken erwirken, jedoch demonstrativ zuversichtlich und erklärte, man werde alle Maßnahmen durchführen die möglich sind, um den Wiederaufbau voranzutreiben.

Große Zahl an Hilfesuchenden nach Tohoku-Katastrophen: Gemeinden in den drei am schwersten von den Katastrophen des 11. März 2011 betroffenen Präfekturen haben Zahlen zu den Personen vorgelegt, die nach der Katastrophe irgendeine Form von Hilfe benötigen. Nach Angaben der Ortsverwaltungen handelt es sich dabei bislang um 52.000 Personen.

Wie die NHK meldet, stieg die Zahl der neuen Fälle in diesem Gebiet um 16 Prozent und für die Zukunft wird eine Zunahme von Pflegefällen erwartet, da viele Menschen aus der Region, die evakuiert werden mussten, gesundheitliche Probleme haben – nicht zuletzt auch aufgrund von Stress und Zukunftsängsten, die den Menschen zusetzen.

Entschädigungen für AKW-Nachbarschaft werden abgelehnt: Anwohner von Kernkraftwerken erhalten seit 1981 finanzielle Leistungen der Kraftwerksbetreiber.

50 Yen Münze (Foto: pd)
Bürger verweigern AKW-Entschädigung (Foto: pd)

Was einst als Mittel für mehr Verständnis und Kooperation begann und eine kurzfristige Maßnahme gedacht war, hat bislang 30 Jahre lang Anwendung gefunden.

Doch immer mehr Anwohner verweigern seit der Fukushima-Katastrophe den Bezug der Gelder, um ihren Protest gegen die weitere Nutzung der Atomkraft auszudrücken.

Tatsächlich hat sich die Zahl der konsequenten Empfangsverweigerer seit dem Unglück annähernd verdoppelt.

Die Asahi Shimbun hat durch eine Anfrage unter Berufung auf eine Regelung zur Informationsfreiheit nun Zahlen hierzu erhalten:

  • Im Fiskaljahr 2011 zahlten 14 Präfekturen 7,6 Milliarden Yen an 1,03 Milionen Haushalte
  • Im selben Jahr lehnten 171 Haushalte die Leistung ab. Im Vorjahr waren es noch 94

Das bedeutet einen Anstieg von 80 Prozent. In den Vorjahren lag die Zahl der ablehnenden Haushalte zwischen 80 und 100.

Nicht in diesen Zahlen enthalten ist die Präfektur Fukui, die keine Statistiken zu Verweigerern führt. Ironischerweise ist Fukui die Präfektur mit den meisten Atomkraftwerken des Landes. Insgesamt stehen dort 14 Anlagen.

Auch wenn sogar Atomkraftgegner erklären, da es sich bei den Zahlungen, die abhängig vom Standort im Jahr 2011 zwischen 2.172 und 36.000 Yen betrugen, um eine Entschädigung für die Gefahr dort zu wohnen handelt und damit keineswegs eine Befürwortung der Atomenergie signalisiert wird, lehnen viele Menschen den Bezug nun ab.

Sie sehen die Zahlungen als Versuch an, sie moralisch unter Druck zu setzen, denn bekanntlich beisst nur wer undankbar ist, die Hand die ihn füttert.

Auch könnten die AKW-Betreiber die Verweigerungen, die schriftlich eingereicht werden müssen dazu nutzen, um überzeugte Atomkraftgegner identifizieren, so die Gegner der Zuwendungen.

Am stärksten war der Zuwachs an ablehnenden Haushalten 2011  in den Präfekturen Aomori (50 Haushalte), Fukushima (46 Haushalte) und Ibaraki (25 Haushalte). Im Jahr 2010 waren es noch 28 in Aomori, 28 in Fukushima und 25 in Ibaraki. Damit ist beispielsweise die Rate in Aomori um 80 Prozent angestiegen.

Aussagen von Überlebenden sollen Katastrophenschutz verbessern: Japans größe Rundfunkanstalt NHK will gemeinsam mit Katastrophenschutz-Experten die Aussagen von Überlebenden des großen Kanto-Erdbebens 1923 nutzen, um eine bessere Vorbereitung auf künftige Beben zu ermöglichen.

Tokyo: Ginza nach nach dem Kanto-Erdbeben 1923 (Foto; pd)
Tokyo: Ginza nach nach dem Kanto-Erdbeben 1923 (Foto; pd)

Zu diesem Zweck werden nun Audioaufnahmen von mehr als 200 Überlebenden, die Professor Osamu Hiroi vor etwa 20 Jahren aufnahm, untersucht. Da der Professor vor sieben Jahren verstarb, war es ihm nicht möglich gewesen, seine Arbeit abzuschließen.

Aus den Tonaufnahmen lässt sich nun das Verhalten der Flüchtenden angesichts der Verbreitung der Brände rekonstruieren.

So flohen offenbar eine große Menge an Menschen auf einen Platz im Tokyoter Bezirk Sumida. Dort gab es jedoch die meisten Opfer zu beklagen.

Vermutlich handelt es sich bei der Auswertung um die erste ausführliche Untersuchung zur psychologischen Verfassung von Menschen während einer großen Katastrophe und zum menschlichen Evakuierungsverhalten. Die Analysen sollen laut NHK bis zum 1. September, dem 90. Jahrestag der Katastrophe, abgeschlossen sein.

1 KOMMENTAR

  1. Das ist ja interessant, daß die Kraftwerksbetriebe Schweigegeld an die umliegenden Bewohner zahlen. Die Metapher mit dem undankbaren Hund ist super.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here