Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO-Führung verliess während Höhepunkt der Fukushima-Krise die Zentrale

Japan aktuell: TEPCO-Führung verliess während Höhepunkt der Fukushima-Krise die Zentrale

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Tepco-Videokonferenz: 14 März - Wasserstoff-Explosion an Reaktor 3 (0:05:50 mit Sound)
TEPCO will mehr Aufnahmen der Videokonferenzen zur Verfügung stellen
Tepco-Videokonferenz: 14 März - Wasserstoff-Explosion an Reaktor 3 (Aufnahme mit Ton 0:05:50 mit Sound)
Tepco-Videokonferenz: 14 März - Vor Wasserstoff-Explosion an Reaktor 3 (Aufnahme mit Ton 0:05:50)

Auch wenn TEPCO im Fall der Krise am AKW Fukushima aktuell noch keine Fotos erlaubt, so stellt der Kraftwerksbetreiber zumindest eher symbolisch Videomaterial zur Verfügung, das von Medien als Teil der öffentlichen Berichterstattung genutzt werden darf. Spreadnews stellt seinen Lesern mit Interesse an der Katastrophe von Fukushima heute einige dieser Aufnahmen vor.

Natürlich nehmen die bekannt gewordenen Informationen den größten Teil der heutigen Fukushima News ein, doch daneben gibt es wie üblich auch weitere Themen im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO-Führungsspitze verliess Videokonferenz
  • Video-Konferenz belegt katastrophales Krisenmanagement
  • TEPCO mit Pressematerial zur Veröffentlichung
  • Reinigung der großen Todaiji-Buddhastatue vor Bon-Fest

TEPCO-Führungsspitze verliess Videokonferenz: Die Unternehmensleitung hat kurz nach Ausbruch der Katastrophe am Kernkraftwerk Daiichi und damit zu einem kritischen Zeitpunkt die Zentrale, von der aus mit der Leitung des Kraftwerks kommuniziert wurde, verlassen.

Wie die NHK berichtet, ist auf dem gestern von TEPCO veröffentlichten Video-Aufzeichnungen zu sehen, wie die Führung des Unternehmens darunter auch der damalige Präsident Masataka Shimizu am 12 März 2011 und damit einen Tag nach Beginn der Krise, das Büro im Hauptsitz des Unternehmens im Tokyoter Stadtteil Chiyoda, verlässt.

TEPCO erklärte, die Techniker und Ingenieure seien vor Ort geblieben, um die Krise zu bewältigen. Es bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse die Sichtung des 150 Stunden umfassenden Videomaterials durch die Presse sonst noch mit sich bringen wird.

Nach wie vor ist Medienvertretern lediglich die Sichtung an Computern vor Ort gestattet. Das Kopieren oder die Aufnahme des Materials ist bislang weiterhin untersagt.

Video-Konferenz belegt katastrophales Krisenmanagement: Das Videomaterial scheint den Vorwurf des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Fukushima-Krise, die Kommunikation zwischen den einzelnen Stellen habe versagt, zu bestätigen. Das zeigen die Aufnahmen, die den Medien zugänglich gemacht wurden.

Am 12. März gegen 23:00 Uhr beschwert sich Ichiro Takekuro, der von TEPCO als Verbindungsmann ins Büro des damaligen Premierministers Naoto Kan entsandt worden war, über den Tonfall des Regierungschefs: Er sei sehr oft, sehr wütend geworden und habe ihn barsch angebrüllt.

Am 13. März 2011 gegen 19:00 Uhr legt ein Telefongespräch zwischen dem TEPCO-Vorsitzenden Tsunehisa Katsumata und Verbindungsmann Takekuro die Vermutung nahe, dass der Vorsitzende eine Wasserstoffexplosion nicht vorausgesehen habe. In diesem erklärte Katsumata: „Es sieht so aus, als könnten wir in der Lage sein, die Entlüftung an Nummer 3 zu öffnen. Ich denke das P roblem des Wasserstoffs ist sehr gering„.

Am 14. März 2011 kam es zu Spannungen zwischen Kraftwerksleiter Masao Yoshida und der Zentrale in Tokyo.

Während der damalige TEPCO-Präsident Masataka Shimizu und Sakae Muto, verantwortlicher Vizepräsident für Atomenergie still auf ihren Plätzen saßen, bombardierten die übrigen Mitglieder der Führung, Yoshida mit Bemerkungen, die jedoch keinen praktischen Nutzen hatten, sondern im wesentlichen lediglich die Arbeiter von Fukushima-Reaktor 2 zu größerer Eile bei den Arbeitdrängten.

Kraftwerksleiter Yoshida hatte schließlich genug davon und erklärte: „Stellen sie uns keine Fragen! Stören Sie uns nicht, denn wir sind mitten im Versuch die Entlüftung für den Sicherheitsbehälter zu öffnen„.

Gegen 12:30 Uhr meldete sich Kraftwerksleiter Masao Yoshida bei der Unternehmensleitung in Tokyo. Zuvor war es gegen 11:00 Uhr zur Wasserstoffexplosion am Fukushima-Reaktor 3 gekommen. Dabei teilte Yoshida mit: „Die Strahlungsdosis erreicht ihren Grenzwert. Ich möchte dass sie darauf achten!“.

Präsident Shimizu erklärte Yoshida dann in beschwichtigendem Tonfall: „Bitte versuchen Sie es weiter auf die eine oder andere Weise!“

Gegen 13:00 Uhr am selben Tag bat der Kraftwerksleiter die Führung in Tokyo, Maßnahmen zu Treffen um Wasserstoff aus Reaktor 2 freizusetzen: „Ich möchte, dass sie sich Möglichkeiten überlegen, wie man schnell eine Öffnung in das Reaktorgebäude öffnen könnte – mit einem Helikopter oder was auch immer„.

Nach Ausfall des Kühlkreislaufs und sinkendem Wasserstand in Fukushima-Reaktor 2, habe Yuichi Hayase, ein TEPCO-Vertreter im Haupsitz des Unternehmens, sich das Mikrofon gegriffen und den damaligen Leiter des AKW Fukushima Daiichi, Masao Yoshida zu einem Druckausgleich durch Entlüftung gedrängt.

Einer der Anwesenden gab zu bedenken, wenn der Reaktorkern bereits aufgrund des hohen Drucks beschädigt sei, würde es nur wenige Stunden dauern, bis auch der Sicherheitsbehälter beschädigt werde. Die rasche Folge schlechter Nachrichten habe viel der Anwesenden dazu gebracht, die Hände vors Gesicht zu schlagen, oder laut aufzuseufzen.

Doch mit zunehmender Bedrohlichkeit, kam es zu Differenzen zwischen dem Vorsitzenden der Atomsicherheitskommission (NSC) Haruki Madarame und Kraftwerksleiter Yoshida.

Um 16:15 Uhr nannte Yoshida der TEPCO-Führung seine Bedenken. Madarame habe ihm telefonisch vorgeschlagen, es müsse Dampf aus dem Druckbehälter abgelassen werden, damit man Wasser in den Behälter, in dem sich  die Brennstäbe befanden, pumpen könne.

Yoshida vertrat die Ansicht, dass der Druck nicht sinken werde, solange die Temperatur des Wassers im Kühlbecken nicht gesenkt werden könne. Andernfalls könnten die Brennstäbe schneller freiliegen, als dies bei Wasserkühlung der Fall wäre.

Der Kraftwerksleiter bat die TEPCO-Führung dann, Madarame zu überzeugen. Kurz darauf wurde deutlich, dass die von Yoshida genannten Maßnahmen nicht funktionieren würden. Schließlich verfügte TEPCO-Präsident Shimizu, man solle nach den Plänen von Madarame vorgehen.

Da sich das Ventil jedoch nicht sofort wie angeordnet öffnen liess, sei wertvolle Zeit verloren gegangen, ohne dass sich der Ernst der Lage gebessert habe.

  • Um 16:57 Uhr gab Shimizu Anweisung die Arbeiten fortzuführen. Im AKW Fukushima Daiichi war man der Ansicht, dass sich der größte anzunehmende Unfall in etwa zwei Stunden ereignen werde, wenn man keine Maßnahmen ergreife.
  • Um 19:27 Uhr und damit mehr als zwei Stunden später wurde im Firmensitz diskutiert, ob die Möglichkeit bestehe, dass bereits alle Brennstäbe frei liegen könnten.

Erste Evakuierungsüberlegungen: Etwa zur selben Zeit brachte der in einer Außenstelle in Okuma (Präf. Fukushima) anwesende geschäftsführende Direktor Akio Komori erstmals den Begriff der Evakuierung ins Spiel.

Man solle beim weiteren Vorgehen auch an die Evakuierungsrichtlinien denken, denn sofern nicht irgendwo eine Entscheidung über den Verbleib der Arbeiter im Hauptkontrollraum getroffen würde, könne bereits Schlimmes geschehen.

Man stimmt darin überein, dass um 18:22 Uhr, während man über die mögliche  Evakuierung der Arbeiter diskutierte, die Brennstäbe von Fukushima-Reaktor 2 über dem Wasserspiegel frei lagen.

Akio Takahashi, ein leitender Angestellter fragt dann in dem Video, ob irgendjemand im Hauptsitz die Evakuierung aller Arbeiter von Fukushima Daiichi (Fukushima 1) in die Empfangshalle von Fukushima Daini (Fukushima 2) bestätigen könne.

Kurz vor diesem Kommentar ist zu sehen, wie TEPCO-Präsident Shimizu gegen 19:48 Uhr ein Gespräch per Mobiltelefon führt und dabei rechts aus dem Blickfeld der Kamera tritt.

Später erscheint Shimizu wieder und erklärt, er wolle zunächst klar stellen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Entscheidung über eine endgültige Evakuierung getroffen sei. Er sei dabei, entsprechende Rückmeldungen der zuständigen Stellen einzuholen, bevor er erneut den Kamerabereich verlässt.

Über die Inhalte der Videokonferenz berichteten Mainichi Shimbun sowie Asahi Shimbun.

TEPCO mit Pressematerial zur Veröffentlichung: Der Kraftwerksbetreiber stellte jetzt der Presse etwas Videomaterial (Gesamtlänge 1:28:58) für die allgemeine öffentliche Berichterstattung zur Verfügung.

TEPCO-Videokonferenz: Premier Kan besucht Firmensitz (00:29:48)
TEPCO-Videokonferenz: 15. März - Vor Besuch von Premier Kan am Firmensitz (Aufnahme ohne Ton 00:29:48)

In den Aufnahmen sind die verschiedenen, an den Videokonferenzen teilnehmenden Gruppierungen und Personen in einzelne Fenster aufgeteilt, es  wird jeweils farblich gekennzeichnet, welche der beteiligten Parteien gerade das Wort hat.

Für die internationalen Medienvertreter liefert TEPCO eine Liste, auf denen der Zeitstempel wesentlicher Ereignisse auf dem Video vermerkt ist.

Auch wird dort angegeben, ob das jeweilige Bildmaterial über Ton verfügt. Was man sieht ist jedoch wenig – denn die Verfremdung der Gesichter macht zumindest auf dem vorliegenden Material eine visuelle Sichtung schwierig.

Premiertreffen mit Atomkraftgegnern nach Kritik verschoben: Am gestrigen Montag berichtete die jiji unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen, dass das angekündigte Treffen zwischen Premierminister Yoshihiko Noda und Vertretern der Atomkraftgegner-Bürgerinitiative „Metropolitan Coalition Against Nukes“ am morgen Mittwoch stattfinden werde. Angeblich werde das Ereignis auch Live als Internet-Stream übertragen.

Heute kritisierte Industrieminister Yukio Edano die Entscheidung des Premiers, sich mit Gegnern der Atomenergie zu treffen. Wie die Bürgeranhörungen zur Zukunft der Atomenergie gezeigt hätten, sei es auch möglich ein System zu nutzen, an dem alle Bürger teilhaben könnten. Dagegen könne ein Treffen zwischen Noda und den Vertretern einer einzelnen Gruppierung in Hinsicht auf Transparenz und Fairness zu Differenzen führen.

Edano argumentierte weiter, es habe in Fragen der Energiepolitik bislang keine Anhörung einzelner Gruppen, auch nicht den Vertretern der Industrie gegeben.

Tatsächlich wurde noch am heutigen Dienstag bekannt, dass der Premierminister das Treffen verschoben habe. Als Hintergrund werden auch die zunehmenden Probleme im Parlament vermutet, da mehrere kleine Oppositionsparteien Misstrauensanträge gegen seine Regierung gestellt hätten.

In einer zuvor am Dienstag durchgeführten Pressekonferenz hatte Chefkabinnettssekretär Osamu Fujimura bereits verlauten lassen, dass ein Treffen unter den gegenwärtig bestehenden Umständen nicht möglich sei.

Reinigung der großen Todaiji-Buddhastatue vor Obon-Fest: In Kürze bricht das Obon genannte buddhistische Fest an, bei dem nach allgemeiner Vorstellungen die Verstorbenen wieder für eine Weile in die Nähe der Angehörigen zurückkehren und mit Opfergaben bedacht werden.

Daibutsu im Todaiji von Nara (Foto: pd)
Daibutsu im Todaiji von Nara (Foto: pd)

Wie üblich, wird daher auch in diesem Jahr am 7. August die 15 Meter hohe Bronzestatue, die sich im Tempel Todaiji in Japans einstiger Hauptstadt Nara befindet, rituell gereinigt. Etwa 150 Priester und Arbeiter kletterten nach einer Zeremonie auf die Hände, sowie die Knie der Buddhastatue, um den Staub zu entfernen und das Bildnis zu polieren.

Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Größe der Statue dar. So macht die Reinigung von Kopf und Schultern es für die Arbeiter erforderlich, in Körben, die von der Tempeldecke hinabgelassen werden, zu arbeiten.

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