Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO gibt erneut Messfehler bei radioaktivem Fukushima-Grundwasser zu

Japan aktuell: TEPCO gibt erneut Messfehler bei radioaktivem Fukushima-Grundwasser zu

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Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima (Foto: TEPCO)
Die Fukushima-Reaktoren 1 und 2 am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima
AKW Fukushima: Erneut Irrtum bei Grundwasser-Strahlungswerten ( Foto: TEPCO)

Der Betreiber TEPCO muss nun erneut zugeben, die Strahlungswerte von Grundwasser auf dem Kraftwerksgelände nicht korrekt ermittelt zu haben.

Doch auch anderweitig bleibt das AKW Fukushima aktuell im Gespräch, wurden doch Opfer der Reaktorkatastrophe von offizieller Stelle beleidigt und neue Erkenntnisse zu kontaminiertem Fisch gewonnen.

Neben den Fukushima News sind auch die Meldungen über Kritik an den Kriterien zum Strahlungsschutz beim japanischen Roten Kreuz interessant. Weitere Informationen zu dem, was im Bezug auf diese Meldungen und das AKW Fukushima heute berichtenswert ist, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Juni 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO korrigiert zum zweiten Mal Strahlungswerte von Grundwasser
  • Mitarbeiter für Fukushima-Katastrophenhilfe beleidigt Betroffene
  • Nur Fisch nahe des AKW Fukushima radioaktiv kontaminiert
  • Strahlungsgrenzwert für Rotkreuz-Helfer kritisiert
  • Fukushima-Gouverneur fordert Abschaltung aller Präfektur-AKW

TEPCO korrigiert zum zweiten Mal Strahlungswerte von Grundwasser: Kraftwerksbetreiber TEPCO muss bereits zum zweiten Mal die Angaben zur radioaktiven Belastung von Grundwasserproben der Anlage korrigieren. Der Werte betrage lediglich ein Zehntel des Wertes, der zu Beginn des Monats veröffentlicht worden war, erklärte das Unternehmen am gestrigen Mittwoch.

Im Mai hatte das Unternehmen noch behauptet, die Belastung mit radioaktivem Cäsium liege unter der Nachweisgrenze. Anhand modernerer Messgeräte konnten am 3. Juni jedoch in einer Wasserprobe 0,61 Becquerel pro Liter nachgewiesen werden. Die gestrige Korrektur ergab nun einen Maximalwert von 0,055 Becquerel.

Zwar liegen diese Zahlen alle deutlich unterhalb von einem Becquerel pro Liter, den TEPCO als zulässigem Höchstwert für die Verklappung von Grundwasser in das Meer genannt hatte – gerade die ständigen Korrekturen könnten jedoch dass dringend erforderliche Vertrauen der Fischereikooperativen erschüttern, berichtet etwa die Kyodo.

Mitarbeiter für Fukushima-Katastrophenhilfe beleidigt Betroffene:Die Wiederaufbaubehörde hat sich für das Verhalten des 45 Jahre alten  Yasuhisa Mizuno entschuldigt. Der seit August 2012 beschäftigte Berater der Behörde, soll Opfern der Fukushima-Katastrophe unterstützen, insbesondere im Rahmen eines Gesetzes, das im Juni vergangenen Jahres in Kraft trat.

Grund für die Entschuldigung sind Nachrichten, die der Mitarbeiter im März diesen Jahres nach einem Treffen mit Bürgern, bei dem er ausschließlich ausgebuht und verspottet worden war, über den Mikroblogging-Dienst Twitter veröffentlichte.

Dort nannte er diese Personen „linke Dummköpfe“ und das einzige wofür er Mitleid empfinde, sei „ihr Mangel an Intelligenz„.

Derzeit leben immer noch etwa 150.000 Einwohner der Präfektur als Evakuierte und sind auf Hilfen der Regierung angewiesen.

Bei einer Befragung durch Vertreter des Ministeriums räumte er die Aussagen zwar ein, verweigerte jedoch bei einer Anfrage der Mainichi Shimbun am Dienstag jeden Kommentar, sondern verwies nur darauf, dass er den Account privat betreibe und sich nicht mehr erinnere.

Der fragliche Twitter-Account wurde kurz darauf vom Nutzer gelöscht und der Minister für Wiederaufbau, Takumi Nemoto erklärte, derartige Aussagen seien für einen Regierungsvertreter unangemessen.

Aus der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei Japans (SDP) wurden Forderungen zur Entlassung des Mitarbeiters laut. Über den Fall berichteten NHK und Mainichi Shimbun.

Nur Fisch nahe des AKW Fukushima radioaktiv kontaminiert: Die japanische Fischereibehörde veröffentlichte nun einen Bericht, der sich mit der Belastung von Fischen in Folge der Fukushima-Katastrophe befasst und dabei interessante Entwicklungen zeigt.

Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)
Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)

Durch die Untersuchung so genannter Otolithen („Ohrsteine“) aus Fischen, die in der Nähe des AKW Fukushima Daiichi gefangen worden waren, konnten japanische Forscher nun neue Aussagen über Ausmaß und Verbreitung radioaktiver Belastung von Fischen machen.

Da diese Strukturen im Körper in Schichten wachsen, konnten ähnlich wie bei den Jahresringen eines Baumes, der Zeitpunkt der größten Kontamination ausgemacht werden.

Demnach waren die Fische unmittelbar nach der Katastrophe am 11. März 2011 am stärksten belastet -was für eine schnelle Aufnahme und nicht, wie bislang vermutet, eine langsame Ansammlung radioaktiven Materials spricht.

Auf diese Weise konnten auch die Umstände der starken Belastung eines Grünlings von 25.800 Becquerel näher erklärt werden (Spreadnews berichtete am 21. August 2012). Da der Fisch in 20 Kilometern Entfernung zur Küste der Präfektur Fukushima gefangen worden war, hatten Fischer gefürchtet, die radioaktive Kontamination könnte sich bereits großflächig ausgebreitet haben.

Eine Untersuchung des Fischs ergab jedoch, dass das Tier zwischen Frühling und Sommer 2011 kontaminiert wurde und der im August gefangene Fisch erst nachher in entferntere Gewässer gelangt sei, was auch plausibel macht, weshalb andere Fische in diesem Gebiet keine ungewöhnliche Belastung aufwiesen.Über diese Entdeckungen berichteten Kyodo und NHK.

Allerdings soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass der Wert 25.800 Becquerel mittlerweile mehrmals überschritten wurde. Die bislang höchste gemessene Belastung liegt bei 510.000 Becquerel und wurde im Februar diesen Jahres nachgewiesen (Spreadnews berichtete am 28. Februar 2013).

Um zu verhindern, dass weitere kontaminierte Fische aus dem Bereich der Bucht gelangen, hat der Kraftwerksbetreiber TEPCO bereits ein Netz gespannt.

Strahlungsgrenzwert für Rotkreuz-Helfer kritisiert: Das japanische Rote Kreuz hat in einer überarbeiteten Richtlinie für medizinische Helfer einen Strahlungswert in Höhe von einem Millisievert als sicheren Grenzwert während Hilfsmaßnahmen festgelegt. Dies führte zu Protesten, da der Wert zu niedrig sei um tatsächlich überhaupt effektive Hilfe bieten zu können.

Schriftzug: Japanisches Rotes Kreuz (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Schriftzug: Japanisches Rotes Kreuz (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Der Generaldirektor des Roten Kreuzes in Japan verteidigte die Entscheidung und erklärte, dieser Grenzwerte wäre sogar für Hilfsaktionen in Gebieten mit hoher Strahlung ausreichend, da jeder Einsatz in der Regel ohnehin nur bis zu einer Woche dauern würde.

Im Rahmen der Neuregelung wurde auch das Tragen von Dosimetern und Jodtabletten bei derartigen Einsätzen verpflichtend

Dieser Notfallgrenzwert ist nach Meinung von Kritikern praktisch nicht als solcher zu betrachten, da ein Millisievert das jährliche Limit für Mitglieder der Zivilbevölkerung außerhalb von Katastrophenfällen darstellt. Er stellt also keine Regelung für Ausnahmesituationen dar.

Begründet wird dies jedoch mit dem Umstand, dass neben medizinischen Mitarbeitern auch Geistliche und damit Normalbürger zu den Einsatzgruppen gehörten, für die ein höherer Wert nicht zumutbar sei. Zudem diene diese Regelung als Basis, die zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf noch einmal überarbeitet und angepasst werden könnte.

Japanisches Rotes Kreuz: Fahrzeug beim Tohoku-Einsatz 2011 (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Japanisches Rotes Kreuz: Fahrzeug beim Tohoku-Einsatz 2011 (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Im Rahmen der Katastropheneinsätze in den Gebieten, die von den Tohoku-Katastrophen 2011 betroffen waren, leisteten die Einheiten des Roten Kreuzes, die jeweils aus einem Mediziner, drei Rettungskräfte, einem Fahrer, sowie einem Geistlichen bestehen, insgesamt 900 Einsätze.

Zu Beginn hatte es jedoch Engpässe gegeben, da man nicht auf eine Reaktorkatastrophe vorbereitet war.

Kritiker, wie Professor Shigenobu Nagataki, der einem beratenden Expertenausschuss für Atomkatastrophen angehört, fürchten nun, dass der niedrige Grenzwert bei anderen Rettungseinrichtungen Schule machen und bei Evakuierungen von Patienten und älteren Personen für Durcheinander sorgen würde, so dass Fukushima-ähnliche Zustände entstünden.

Es sei nicht akzeptabel, dass medizinisches Personal, das Verletzte und Kranke versorgen soll, die Unterstützung für Patienten in radioaktiv stark belasteten Sperrgebieten, anderen Instanzen wie Feuerwehr, Polizei und den Selbstverteidigungsstreitkräften überlassen. Über die kritisierte Neuregelung berichtete die Asahi Shimbun.

Fukushima-Gouverneur fordert Abschaltung aller Präfektur-AKW: Yuhei Sato, Gouverneur der Präfektur Fukushima, reichte am gestrigen Mittwoch beim Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie ein, in dem er die endgültige Stilllegung aller Atomreaktoren in seiner Präfektur fordert. Insgesamt gibt es dort sechs funktionsfähige Reaktoren.

Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Gouverneur will Ende der Atomkraft für Fukushima (Foto:pd)

Nach eigenen Angaben wolle er eine nachhaltige und dauerhafte regionale Entwicklung seines Verwaltungsgebiets, ohne dabei auf Atomenergie angewiesen zu sein. Um die Präfektur wirtschaftlich zu fördern, wolle er Fukushima zu einem Zentrum für die Entwicklung von Medizintechnologie machen und fordert finanzielle Unterstützung um entsprechende Unternehmen anzuziehen.

Minister Toshimitsu Motegi sieht die Medizintechnik als Stützpfeiler für die Wiederbelebung des wirtschaftlichen Wachstums an, zeigte sich im Bezug auf die Reaktorstilllegung jedoch zurückhaltend. Gouverneur Sato erklärte, dass die Regierung auch die Verantwortung für die endgültigen Abschaltungen übernehmen müsse, da es trotz der Fortschritte weiterhin eine schwierige Situation sei.

Der Zeitpunkt des Schreibens ist gut gewählt, arbeitet das Ministerium nach Meldung der NHK derzeit am Budget für das Fiskaljahr 2014.

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