Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO kämpft mit Pannen am AKW Fukushima

Japan aktuell: TEPCO kämpft mit Pannen am AKW Fukushima

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Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Verschiedene Pannen auf der Anlage (Foto: TEPCO)

TEPCO hat am AKW Fukushima aktuell mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen.

Sowohl das Filtersystem ALPS, als auch eine weitere Anlage bereiteten Sorgen.

Allerdings musste sich der Betreiber des AKW Fukushima heute auch harter Kritik und Forderungen stellen.

Schließlich dürfte auch die Finanzpolitik des Unternehmens nicht gerade auf Zuspruch stoßen. Die Fukushima News vom heutigen Freitag im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. Oktober 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • ALPS-Filtersystem nach ungeklärten Problemen abgeschaltet
  • Leck am Wärmeabfuhrsystem des AKW Fukushima
  • Atomsicherheitsbehörde staucht TEPCO-Führung zusammen
  • NRA will Informationen zum TEPCO-AKW Kashiwazaki-Kariwa
  • Erneut Sichtung von Dampf über Fukushima-Reaktor 3
  • Entschädigungsgelder werden von TEPCO zweckentfremdet

ALPS-Filtersystem nach ungeklärten Problemen abgeschaltet: Am heutigen Freitag ertönte am AKW Fukushima Daiichi gegen 6:40 Uhr ein Alarm, der auf Probleme am Multinuklid-Filtersystem ALPS hinwies. Die Filteranlage wurde daraufhin abgeschaltet und somit setzt sich die Serie an Rückschlägen weiter fort.

AKW Fukushima: Bedienung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Bedienung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)

Nach dem Start des ersten Testlauf des ALPS im März war es im Juni zu einem Leck gekommen. Nachdem als Ursache eine Korrosion festgestellt und in Folge korrosionsbeständiges Material eingesetzt wurde, war am vergangenen Freitag die Einheit C der Anlage zunächst wieder in den Testbetrieb genommen worden (Spreadnews berichtete am 27. September 2013).

Bereits am folgenden Tag musste das System jedoch zum zweiten Mal angehalten werden.

Als Ursache erwies sich eine Gummimatte, die man nach Arbeiten im Tank der Anlage vergessen hatte (Spreadnews berichtete am 30. September 2013).

Nach Entfernung der Matte war der bislang letzte Neustart des Systems am Montag erfolgt – der heute ebenfalls ein ungeplantes Ende fand. Es handelt sich somit um den dritten ungeplanten Stopp seit Juni.

Sowohl Kraftwerksbetreiber TEPCO, als auch Regierungssprecher Yoshihide Suga erklärten am Freitagmorgen, dass bislang keine Unregelmäßigkeiten an der Anlage entdeckt wurden. Auch für einen Austritt von kontaminiertem Wasser gebe es keine Hinweise.

Später erklärte das Unternehmen, die Ursache sei gefunden. Das System war zum halten gekommen, nachdem gleichzeitig zwei widersprechende Befehle an einen Behälter mit kontaminiertem Wasser  übertragen wurden. Ein Signal ordnete das Gerät an, die Einspeisung externen Wassers abzulehnen, damit Chemikalien eingefüllt werden konnten – zur Einbindung von Chemikalien abzulehnen.

Als die Arbeiter jedoch die Substanzen und das Wasser im Inneren mischten, sank der Wasserspiegel und ein zweites Signal, das die Einspeisung von weiterem Wasser zuliess, wurde ausgelöst. TEPCO sieht den Zwischenfall als durchaus mögliches Ereignis während eines Testlaufs an. Es gälte nun das System zu verbessern.

Der Betrieb der Anlage konnte am Abend wieder aufgenommen werden. Dennoch plant das Unternehmen vom Samstag an einen dreitägigen Stopp um Wartungsarbeiten und Anpassungen vornehmen zu können.

Das Multinuklid-Filtersystem ist in der Lage 62 radioaktive Nuklide mit Ausnahme von Tritium zu filtern und gilt als entscheidender Faktor zur dauerhaften Bewältigung der Probleme mit kontaminiertem Wasser am AKW Fukushima. Jede der drei Einheiten aus denen das ALPS besteht, kann täglich 250 Tonnen an Wasser filtern. Dies gilt als Bedingung, um das Wasser sicher entsorgen zu können.

Über den jüngsten Zwischenfall berichteten neben dem Kraftwerksbetreiber unter anderem auch Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Leck am Wärmeabfuhrsystem des AKW Fukushima: Am gestrigen Donnerstag entdeckte ein Angesellter gegen 9:57 Uhr, das ein Rinnsal, etwa von der größe eines Bleistifts, aus den Kühlleitungen eines Pumpenmotors drang. Es handelt sich dabei um die Pumpe D für das verbliebene Wärmeabfuhrsystem von Reaktor 6.

Das Leck war aufgefallen, als der Arbeiter die im Freien gelegene Pumpe im Rahmen eines regelmäßigen Testlaufs aktivierte. Nachdem die betroffene Pumpe abgeschaltet wurde, endete auch der Wasseraustritt. TEPCO teilte mit, man werde den Zwischenfall untersuchen um eine Ursache ermitteln zu können.

Eine zweite Pumpe, sowie eine Meerwasserpumpe des Wärmeabfuhrsystems zur Kühlung des Reaktors blieben störungsfrei im Betrieb.

Atomsicherheitsbehörde staucht TEPCO-Führung zusammen: Nach den jüngsten Zwischenfällen an der Anlage, zitierte der Leiter des Büros der Atomsicherheitsbehörde NRA, den Leiter des Kraftwerksbetreibers in sein Büro und kritisierte das schlechte Sicherheitsmanagement des Unternehmens.

TEPCO-Präsident Naomi Hirose bei Fukushima-Besuch am 4. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
TEPCO-Präsident Naomi Hirose bei Fukushima-Besuch am 4. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

NRA-Vertreter Katsuhiko Ikeda warf TEPCO-Präsident Naomi Hirose vor, das Unternehmen habe elementare Fehler begangen und die Leitung am Kraftwerk selbst sei extrem schlecht.

Daher wäre nun erforderlich, die Maßnahmen vor Ort tatsächlich effektiv umzusetzen – auch wenn es erforderlich werden würde, Mitarbeiter von anderen AKW des Betreibers abzuziehen.

TEPCO-Präsident Hirose entschuldigte sich für den jüngsten Zwischenfall, der durch menschliches Versagen verschuldet wurde und erklärte, zur Verbesserung der Situation habe man erst jüngst das System zur Verarbeitung kontaminierter Abwässer ausgewechselt und die Arbeiter wären noch nicht mit den neuen Arbeitsschritten vertraut.

Er versicherte jedoch, TEPCO werde alle möglichen Ressorcen aufbringen, um diesem Problem zu begegnen. Über die offizielle Rüge berichteten etwa Kyodo, jiji und NHK.

NRA will Informationen zum TEPCO-AKW Kashiwazaki-Kariwa: Die neuste Maßregelung ist jedoch nicht die einzige Forderung, mit der sich der Elektrizitätsanbieter konfrontiert sieht.

AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)
Das AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)

Auch im Bezug auf die Neustartpläne für Japans größtes AKW, die Anlage von Kashwazaki-Kariwa, müsse das Unternehmen vorlegen, in welchem Umfang die strengeren Sicherheitsmaßnahmen bereits umgesetzt wurden.

Zu Monatsbeginn hatte TEPCO den Bau von modernen Entlüftungsanlagen vorangetrieben. Die zum Druckabbau im Rahmen eines Notfalls dienenden Vorrichtungen verfügen über Filter, die eine Freisetzung radioaktiven Materials während dieser Maßnahme verringern soll. Arbeite zur Erhöhung des Tsunami-Schutzdamms von 3,3 auf 8,5 Meter sind ebenfalls im Gang.

TEPCO hatte Ende September die Sicherheitskontrollen für die Reaktoren 6 und 7 beantragt, um einen Neustart durchführen zu dürfen. Die Filteranlagen sollen auch in die Reaktoren 1 und 5 eingebaut werden, um nach Abschluss der Arbeiten auch für diese eine Sicherheitsprüfung beantragen zu können.

Bereits abgeschlossen ist der Bau eines neuen Dammsystems mit einer Länge von 2,5 Kilometern, dessen Höhe mit 15 Metern über dem Meeresspiegel sogar über den Vorgaben liegt. Auch die auf erhöhtem Gelände gelegenen Wassertanks zur Notkühlung der Brennelemente sind fertiggestellt. Dies berichtet die Asahi Shimbun.

Erneut Sichtung von Dampf über Fukushima-Reaktor 3: Am heutigen Freitag kam es gegen 7:00 Uhr wieder zu einer Sichtung von Dampf im fünften Geschoss von Reaktor 3. Wie bereits in den Fällen zuvor, wurden keine Abweichungen an den Messposten festgestellt. Die meteorologischen Werte betrugen 14,9 Grad Celsius Temperatur und eine Luftfeuchtigkeit von 87,1 Prozent. Gegen 11:00 Uhr wurde kein Dampf mehr gesichtet.

Zweite Gruppe von IAEA-Experten soll beraten: Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA kündigte am heutigen Freitag an, ein aus 16 Experten bestehendes Team vom 14. bis 21. Oktober nach Japan zu entsenden und dort die Auswirkungen AKW Fukushima Daiichi untersuchen zu lassen.

Sitz der IAEA in Wien (Foto: pd)
Sitz der IAEA in Wien (Foto: pd)

Die aus Fachleuten der IAEA und unabhängigen Experten bestehende Gruppe soll die Lage beurteilen und feststellen, ob die Dekontaminationsarbeiten fachgerecht durchgeführt werden. Auch sollen sie den verantwortlichen Stellen in Japan beratend und mit Empfehlungen zur Seite stehen.

Dieses Treffen mit Vertretern des Umweltministeriums und anderen Verantwortlichen, ist das zweite seiner Art. Zuvor hatte es eine derartige Aktion im Oktober 2011 gegeben. Teil der Arbeit vor Ort ist auch eine dreitägige Besichtigung der Präfektur um sich einen Eindruck von den Arbeiten zu verschaffen.

Bereits jetzt ist jedoch deutlich, dass der bislang gesetzte Zeitrahmen von der Regierung nicht eingehalten werden kann. Eines der wichtigsten Probleme ist die Ermangelung von Zwischenlagern für bereits gesammeltes radioaktiv kontaminiertes Material. Hierüber berichtete die NHK.

Entschädigungsgelder werden von TEPCO zweckentfremdet: Viele Betroffene der Fukushima-Katastrophe sind immer noch nicht von TEPCO entschädigt worden. Der Betreiber nutzt seine Gelder jedoch, um die Arbeit einer Atomanlage  finanziell zu unterstützen.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO gab Entschädigungsgelder für Atomindstrie aus (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Trotz des Versprechens vom Mai 2012, derartige Maßnahmen zu unterlassen und sich finanziell auf die Entschädigungen von Opfern zu konzentrieren, hat der Kraftwerksbetreiber gemeinsam mit Tohoku Electric im August 2013 eine Summe von insgesamt 200 Millionen Yen für die Förderung der Verwaltung von Rokkasho (Präf. Aomori) gespendet.

Dort befindet sich eine Wiederaufarbeitungsanlage für Brennelemente.

Beide Unternehmen führten zudem am AKW Higashidori in der Präfektur Aomori jeweils eigene Reaktorbauarbeiten durch.

TEPCO rechtfertigt sich für die Atomausgaben mit einer Vereinbarung, die im Jahr 2010 und damit vor der Katastrophe getroffen worden war. Beide Firmen hatten sich bereit erklärt, für Rokkasho über fünf Jahre hinweg Zahlungen von 200 Millionen Yen pro Fiskaljahr zu leisten. Offiziell dienen diese Gelder der Unterstützung der Fischereiindustrie vor Ort.

Bis zum Fiskaljahr 2012 hatte TEPCO eine Summe von 133,4 Millionen Yen geleistet.

Im Mai 2012, als die Regierung Steuergelder für TEPCO bereit stellte, hatte das Unternehmen versprochen, derartige Zahlungen an örtliche Verwaltungen einzustellen und sich auf die Entschädigung zu konzentrieren.

Dieses Versprechen wurde jedoch nicht eingehalten, wie die weitergehenden Zahlungen beider Unternehmen belegen.

Als TEPCO 2012 die Genehmigung zur Strompreiserhöhung einholte, um die eigene finanzielle Belastung nach der Katastrophe abzudämpfen, versuchte das Unternehmen, die Zahlungen als Teil der Reaktorbaukosten in Rokkasho zu deklarieren und damit als Grund für die Strompreiserhöhung einzubeziehen.

Das Industrieministerium lehnte damals jedoch die Kostenübertragung in die Preiserhöhung ab, da sie nicht direkt zur Elektrizitätsversorgung beitragen würden und daher Spendencharakter hätten.

Die diesjährige Zahlung an die Verwaltung von Rokkasho war ursprünglich für Mai oder Juni erwartet worden, jedoch erst Ende August 2013 geleistet worden. Nach Angaben des Industrieministeriums wurden Entschädigungszahlungen an die Fischer aufgrund des Reaktorbaus separat gezahlt.

Die Verwaltung von Rokkasho erwartet auch für das kommende Jahr weitere Zahlungen, da die Gelder bereits verplant seien. Über das Vorgehen beider Elektrizitätsanbieter berichtete die Asahi Shimbun.

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