Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO meldet starken Rückgang von Radioaktivität aus AKW Fukushima

Japan aktuell: TEPCO meldet starken Rückgang von Radioaktivität aus AKW Fukushima

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Reaktor 2 Südseite des 5. Stocks: Blick nach Norden am 27. Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Reaktor 2 Südseite des 5. Stocks: Blick nach Norden am 27. Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Reaktor 2 Südseite des 5. Stocks: Blick nach Norden am 27. Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Reaktor 2 Südseite des 5. Stocks: Blick nach Norden am 27. Februar 2012 (Foto: TEPCO)

Während die japanischen Medienberichte sich vor allem mit den alten und neuen Verfehlungen und Versäumnissen der japanischen Regierung und denen des Energiekonzerns TEPCO befassen, bietet letzterer aus dem AKW Fukushima aktuelle Aufnahmen, die vom neuen Kameraroboter Quince 2 stammen und im Reaktor 2 gemacht wurden. Diese wollen wir unseren Lesern natürlich nicht vorenthalten.

Darüber hinaus berichtet der AKW-Betreiber über den dramatischen Rückgang freigesetzter Radioaktivität am Kraftwerk. Weitere Fukushima-News und sonstige Nachrichten aus Japan jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Februar 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Austritt von Cäsium aus AKW Fukushima drastisch gesunken
  • Regierung wusste angeblich nichts von SPEEDI
  • TEPCO verschwieg Änderungen am Notfallkühlsystem
  • Sicherheits-Inspektionen AKW als Formalität kritisiert
  • TEPCO zahlt höhere Summen an freiwillig evakuierte  Schwangere
  • Erdbeben der Stärke 5,1 erschüttert Osten Japans
  • Nanking sagt aus Protest Judo-Turnier ab


Reaktor 2: Blick nach Osten von Südseite des Abklingbeckens aus  am 27. Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Reaktor 2: Blick nach Osten von Südseite des Abklingbeckens aus am 27. Februar 2012 (Foto: TEPCO)

Austritt von radioaktivem Cäsium aus AKW Fukushima drastisch gesunken: Wie TEPCO am Montag mitteilte ist die Menge an radioaktivem Cäsium, dass seit Beginn der Katastrophe aus den Reaktoren 1 bis 3 in die Umwelt gelangt, auf 10 Millionen Becquerel pro Stunde gefallen.

Im Dezember 2011 hatte der Wert noch bei 60 Milllionen Becquerel und im Januar 2012 bei 70 Millionen Becquerel pro Stunde gelegen. Als ursächlich wird die Abdeckung der Eingänge der drei Reaktoren, durch die sperrige Geräte gebracht werden, mit Vorhängen genannt, so TEPCO bei einem Treffen mit Vertretern der Regierung. Der neuste Strahlungslevel werde schätzungsweise zu einer jährlichen Dosis von 0,02 Millisievert um das Kraftwerk herum führen.

Bislang hatten die Dekontaminationsarbeiten für stark radioaktiv belastetes Wasser sich vornehmlich auf die Entfernung von Cäsium-Isotopen die Gamma-Strahlen aussenden, konzentriert. Nun soll im September ein neues System seine Arbeit aufnehmen, mit dem auch weiteres spaltbares Material, wie etwa das Beta-Strahlen aussendende Strontium aus dem Wasser gefiltert werden. Durch den Einsatz des neuen Systems sollen auch die Strahlungslevel in Wassertanks gesenkt werden, so dass im Falle eines Austritts, die Umwelt weniger stark belastet wird. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Die Asahi Shimbun berichtet darüber hinaus von einer Demonstration des „ALPS“ genannten Systems, das von der Toshiba Corporation entwickelt worden war. Bei der Vorführung reduzierte die Einheit 45 Gamma-Nuklide auf eine Menge die unterhalb des Grenzwertes für die sichere Verklappung in das Meer liegt.TEPCO erklärte jedoch, man werde nur dann die Entscheidung zur Freisetzung des dekontaminierten Wassers in das Meer treffen, wenn von den örtlichen Verwaltungen und Fischereiverbänden ein Einverständnis bestehe.

Auch über weitere technische Pläne wurde gesprochen. So plant der Kraftwerksbetreiber, man werde Anfang März eine zweite Untersuchung des Druckbehälters vornehmen. In diesem Falle soll dann ein Endoskop mit einem längeren Kabel, als dem bei der Inspektion am 19. Januar 2012 genutzten Modells stattfinden.

Regierung wusste angeblich von SPEEDI nichts: Ein unabhängiger Ausschuss der sich mit der Atomkatastrophe am Kernkraftwerk Fukushima befasst, stellte bei seiner Untersuchung fest, dass der Premierminister nicht über SPEEDI, das von der Regierung genutzte System zur Vorausberechnung der wahrscheinlichen Verbreitung radioaktiven Materials, informiert war.

Japans Ex-Premier Naoto Kan im November 2011 (Foto: Gobierno de Chile cc-by)
Blieb Japans Ex-Premier Naoto Kan uninformiert? (Foto: Gobierno de Chile cc-by)

In einem Bericht, der am heutigen Dienstag von dem sechsköpfigen Expertenteam zusammenstellt wurde, machen der  frühere Premierminister Naoto Kan und vier weitere Politiker die Zuständigen des Wissenschaftsministeriums dafür verantwortlich, sie nicht über das Vorhersagesystem informiert zu haben.

Der frühere Kabinettssekretär Yukio Edano erklärte, er habe erstmal in einem Medienbericht am 15. März 2011 vom System erfahren, als die Krise bereits im Gange war. Auch der ehemalige Industrieminister Banri Kaieda sagte, es sei sehr bedauerlich, dass er von dem System nichts wusste, da er so niemanden instruieren konnte, Daten über die Ausbreitung zu übertragen.

Als Begründung dafür, ihn nicht über SPEEDI informiert zu haben, erfuhr Edano, man habe keine Berechnungen die nicht auf präzisen Daten über die Strahlung beruhte, weitergeben wollen.  Der jetzige Ausschuss kommt zu dem Schluss, dass eine effizientere Nutzung des System notwendig gewesen wäre, um die Strahlungsbelastung der örtlichen Einwohner so weit wie möglich zu verringern.

Ein Experte des Teams kritisierte, die Bürokraten seien für das Versagen des Informationsflusses verantwortlich zu machen, allerdings hätten auch die Kabinettsminister nicht fähig gewesen, der Krise Herr zu werden. Das berichtet die NHK

TEPCO verschwieg Änderungen am Notfallkühlsystem: TEPCO hat offenbar verabsäumt, bauliche Änderungen am System der Leitungen am Kernkraftwerk Fukushima der zuständigen Sicherheitsbehörde mitzuteilen. Die Atomsicherheitsbehörde NISA berichtete am Montag, zwischen dem Verlauf der Rohre der Notfallkühlung wie er im Jahr 1966 und damit kurz vor dem Start von Reaktor 1 im Jahr 1971 offiziell vorgelegt worden war, und dem Aufbau, wie er sich zum Zeitpunkt der Fukushima-Katastrophe im Jahr 2011 darstellte, bestünden deutliche Unterschiede.

Die NISA forderte am 12. März einen Bericht über  das Leitunssystems eines Isolations-Kondensators, der zum passiven Kühlsystem gehört, an.

Der Isolationskondensator, der bei einem Notfall den Dampf aus dem Druckbehälter abkühlt um mit dem entstehenden Kondenswasser den Reaktor weiterhin zu kühlen, funktionierte nachdem der Tsunami am 11. März auf das Kraftwerk geprallt war, nicht mehr. Zudem waren die Verantwortlichen bei TEPCO nicht in der Lage festzustellen, ob ein Ventil als Teil des Systems offen war.

In dem ursprünglichen Plan aus dem Jahr 1966, der zur Genehmigung der Regierungsbehörde vorgelegt worden war, sollten die Leitungssysteme für zwei Einheiten im Isolationskondensator voneinander getrennt verlaufen.

Doch im Antrag für den Bauplan des Reaktors, wie er im Oktober 1967 eingereicht worden war, hatte der Betreiber TEPCO den Verlauf der Leitungen geändert, so dass beide Leitungssysteme außerhalb des Reaktors miteinander verbunden worden waren.

Das Unternehmen hatte diese bauliche Veränderung nicht der Regierung mitgeteilt, was jedoch gegen die Vorgaben der Atomsicherheitsbehörde verstößt, die vorsehen, dass eine bauliche Änderung, die von den ursprünglichen Dokumenten abweicht, mit einem entsprechenden Bericht mitgeteilt werden muss.

Sicherheits-Inspektionen AKW als Formalität kritisiert: Neben der fehlenden Nutzung von SPEEDI, finden unabhängige Prüfer noch weitere Kritikpunkte. So berichtet etwa die Mainichi Shimbun, die verschiedenen Kompetenzen der beteiligten Behörden, führten zu unzureichenden Inspektionsergebnissen.

Die mangelnde Kommunikation zwischen mehreren Regierungsstellen, die Atomkraftwerke kontrollierten, habe dazu geführt, dass keine effektiven Maßnahmen getroffen worden seien. Zu den Stellen, die unabhängig voneinander Inspektionen durchgeführt haben gehören:

  • Die Atomsicherheitsbehörde (NISA)
  • Ihr Partner, die Atomsicherheitsorganisation Japans (JNES)
  • Das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT)
  • Ihr Partner die japanische Atomenergiebehörde (JAEA)

Auch die Durchführung der Inspektionen wird in dem Bericht kritisiert. Demnach würden die Stellen lediglich alles aus den von den AKW-Betreibern zusammengestellten Berichten abschreiben und überprüfen, ob die Betreiber die Kraftwerke den Regeln entsprechende Kontrollen durchgeführt hätten. Diese Aussage stamme von einem Inspektor der JNES, so das Dokument. Einem leitenden Beamten der JNES zufolge sähen die Kontrollinstanzen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

TEPCO zahlt höhere Summen an freiwillig evakuierte  Schwangere: Der Betreiber des Katastrophen-AKWs Fukushima Daiichi will ab kommendem Monat Schwangeren und Kindern bis einschließlich 18 Jahren eine Entschädigungszahlung von jeweils 600.000 Yen zahlen, wenn diese nach Beginn der Krise freiwillig evakuierten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo am heutigen Dienstag und beruft sich dabei auf ungenannte Quellen.

Mehrere Personen aus den 23 Gemeinden in der Präfektur Fukushima, die von dort ohne Anordnung geflohen waren, hatten gehofft, TEPCO würde die damit verbundenen Kosten zahlen. Dies war jedoch abgelehnt worden, da es dabei zu komplizierten Antragsbearbeitungen und langen Wartezeiten bei der Auszahlung gekommen wäre, so der Betreiber.

Daher habe man die Summe von 400.000 Yen die einer Richtlinie der Regierung, in der die höheren Unterhaltskosten für Schwangeren und Kindern berücksichtigt werden, folgt und für Frauen und Kinder gilt, die in den Ortschaften geblieben waren, jetzt für die Geflüchteten um 200.000 Yen aufgestockt.

Den weiteren Einwohner, wird unabhängig davon ob sie geflohen sind oder nicht, eine Summe von jeweils 80.000 Yen zukommen. Dies entspricht ebenfalls den Richtlinien zur Entschädigung einer bestehenden Angst vor Strahlung.

Da im Zuge der Fukushima-Katastrophe erhebliche Entschädigungsforderungen auf das Unternehmen zukommen werden, habe man die Zahlungsbedingungen vereinfacht. So bedarf es keiner speziellen Dokumente, die als Beweis des Evakuierung dienen müssen. Stattdessen akzeptiere man auch Empfangsbestätigungen, die von  Unterkünften ausgestellt werden.

Erdbeben der Stärke 5,1 erschüttert Osten Japans: Am Dienstagnachmittag um 14:20 Uhr ereignete sich im Osten Japans ein Erdbeben der Stärke 5,1. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben, berichtet die japanische Wetterbehörde.  Betroffen war die Präfektur Ibaraki, vor deren Küste sich das Beben in einer Tiefe von 20 Kilometern ereignete. Auch in andere Präfekturen wie Chiba, Fukushima, Saitama und Tochigi waren die Erschütterungen zu spüren.

Nanking sagt aus Protest Judo-Turnier ab: Als Reaktion auf die Aussage von Takashi Kawamura, Bürgermeister der japanischen Stadt Nagoya, die Kriegsverbrechen des Nanking-Massakers an der Zivilbevölkerung durch die kaiserlich japanische Armee im Jahr 1937, hätten in dieser Form nicht stattgefunden, hat die chinesische Partnerstadt Nanking nun ein chinesisch-japanisches Judo-Turnier abgesagt. Darüber berichteten heute die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

Die Veranstaltung hätte anlässlich des zweiten Jubiläums einer Judohalle in Nanking stattfinden sollen, die mit Unterstützung der japanischen Regierung gebaut worden war.

Kawamura hatte nach Angaben der Mainichi Shimbun auf einer Pressekonferenz am gestrigen Montag erklärt, er habe lediglich ausdrücken wollen, dass er persönlich glaube, dass kein systematisches Massaker an etwa 300.000 Personen stattgefunden habe. Damit zog er jedoch erneut seine ursprüngliche Aussage nicht zurück.

Ob weitere geplante Events wie die dreitägige „Japan-Woche in Nanking“ ab 9. März 2012 wie geplant stattfinden werden, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unklar.

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