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Japan aktuell: TEPCO plant neuen Fukushima-Ursachenbericht

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Büro im Verwaltungsgebäude am 29. März 2011
AKW Fukushima: Büro im Verwaltungsgebäude am 29. März 2011 (Foto: TEPCO)

Während sich Spreadnews in einem neuen Gewand präsentiert, sind niedrige Sicherheitszäune und mangelnde Personenkontrollen nur zwei der alten Probleme, die am AKW Monju nachgewiesen wurden. Dagegen meldet der Betreiber des AKW Fukushima aktuell neuen Willen zur Aufarbeitung.

Mehr Fukushima News und dem, was abseits des AKW Fukushima heute noch geschah, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. November 2013.

Update: Um unseren Lesern die Suche zu diesem Thema zu erleichtern, wird die Artikelserie künftig unter dem Titel „Fukushima aktuell“ fortgesetzt. Zudem findet sich in Kürze eine entsprechende Kategorie in der Menüleiste.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO bereitet neuen Fukushima-Ursachenbericht vor
  • NRA warnt Betreiber des AKW Monju wegen Sicherheitsmängeln
  • IAEA entsendet Meeresexperten nach Fukushima
  • Verbesserung von Gesundheitsmaßnahmen bei Störfällen geplant

TEPCO bereitet neuen Fukushima-Ursachenbericht vor: Nach eigener Auskunft arbeitet die Führung des Kraftwerksbetreibers an der Zusammenstellung eines neuen Berichts, der die Ursachen der Katastrophe am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi vom 11. März 2011 behandeln soll.

TEPCO-Präsident Naomi Hirose erklärte gegenüber einem Ausschuss des Unterhauses, das Unternehmen habe weiterhin Ursachenforschung betrieben und dabei auf einen Expertenausschuss zurückgegriffen, an dem auch Fachleute aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien beteiligt gewesen seien.

Es handelt sich um den zweiten Bericht des Unternehmens, in dem die eigene Beurteilung der Ereignisse dargelegt wird. Ein erster Bericht vom Juni 2012 hatte nach allgemeiner Ansicht viele Fragen offen gelassen.

Nach Einschätzung der NHK ist der Bericht ein Teil der Bemühungen des Unternehmens, mehr Verständnis für den Neustart von zwei Reaktoren am AKW Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata) zu erhalten, an denen die Präfektur gerade Sicherheitsmaßnahmen prüfen lässt. Der TEPCO-Präsident erklärte tatsächlich, man werde den Bericht auf der Präfekturleitung zur Durchsicht vorlegen.

Nach Informationen der Kyodo geht das Unternehmen davon aus, die Reaktoren im kommenden Juli neu starten zu können.

NRA warnt Betreiber des AKW Monju wegen Sicherheitsmängeln: Die Atomaufsichtsbehörde NRA kritisiert mangelhafte Sicherheitsmaßnahmen am Forschungsreaktor Monju – und bezieht sich dabei nicht auf die bekannt gewordenen Schlampereien bei den Kontrollen von sicherheitsrelevanten Reaktorkomponenten.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Vielmehr habe die Japanische Atomenergiebehörde JAEA als Betreiber der Anlage, nur unzureichende Maßnahmen gegen terroristische Anschläge, oder anderweitig kriminelle Akte getroffen. Insgesamt betrachtet habe die JAEA vier grundlegende Antiterrormaßnahmen für Kernkraftwerke vernachlässigt und damit gegen Bestimmungen verstoßen.

So weisen einige Zäune, die unbefugten Zutritt auf bestimmte Bereiche der Anlage verhindern sollen, eine Höhe auf, die 30 Zentimeter unter der vorgeschriebenen Mindesthöhe liegt. Sicherheitsrelevante Ausstattung, wie etwa Überwachungskameras, ist nach Angaben der NRA keinen regelmäßigen Kontrollen unterzogen worden.

Auch habe es Mängel bei den Background-Checks von Besuchern der Anlage gegeben. Sogar der Zutritt zu Bereichen, in den radioaktives Material gelagert wird, war ohne Vorlage von Ausweisen möglich. Die erforderlichen  Standardkontrollen eines Systems, das den Zutritt von Personen und Fahrzeugen auf das Gelände aufzeichnet, sind in den vergangenen drei Jahren nur mangelhaft erfolgt.

In dem entsprechenden Untersuchungsbericht kommt die Atomaufsicht zu dem Schluss, dass die Verantwortlichen offenbar ein mangelndes Sicherheitsbewusstsein für Nuklearanlagen hätten. Das mangelhafte Sicherheitssystem sei auf die Organisationsmängel der JAEA zurückzuführen, müsse umgehend verbessert und eine Wiederholung derart eklatanter Sicherheitslücken verhindert werden.

Solche Nachlässigkeiten an einer Anlage, in der Plutonium verarbeitet wird, sei unverantwortlich. Über die Rüge der NRA berichteten Kyodo und NHK.

IAEA entsendet Meeresexperten nach Fukushima: Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA wird zwei Experten nach Japan schicken, die sich mit den Auswirkungen der radioaktiven Belastung befassen und Hinweise für der Handhabung des Wassers geben sollen, das in den Pazifik gelangt.

Atomsymbol
AKW Fukushima: IAEA entsendet Wasserexperten (Grafik: pd)

Die Mitarbeiter aus einem Labor in Monaco, werden ab heute die kommende Woche bis zum 12. November in Japan verbringen und sich am Donnerstag und Freitag ein Bild machen, indem sie Wasserproben entnehmen und diese analysieren, so dass die Konzentration radioaktiver Substanzen ermittelt werden kann.

Teil der Mission ist auch der Austausch mit den Verantwortlichen der japanischen Regierung, die um die Entsendung der ausländischen Experten gebeten hatten. IAEA-Chef Yukiya Amano hatte Japan zur Kooperation mit Internationalen Organisationen aufgerufen.

Ende November soll eine weitere Expertengruppe der IAEA die Anlage besuchen. Wie bei einer Besichtigung im April soll dann ebenfalls die Stilllegung der Reaktoren im Mittelpunkt stehen. Über die Maßnahmen der Internationalen Atomenergiebehörde berichteten jiji und NHK.

Verbesserung von Gesundheitsmaßnahmen bei Störfällen geplant: Die Atomaufsichtsbehörde NRA will durch ein neues System zur Verbesserung der Maßnahmen bei Atomunfällen beitragen und strebt eine Ergänzung der bisherigen Regelung für Personen mit niedriger Strahlungsbelastung an.

AKW Fukushima: Erste-Hilfe-Übung (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erste-Hilfe-Übung (Foto: TEPCO)

Die neuen Maßnahmen sollen in den neuen Katastrophenmanagementplan einfliessen, der für kommenden Sommer geplant ist.

Die Fukushima-Krise hatte die medizinische Versorgung in massive Schwierigkeiten gebracht und auch wenn niemand aufgrund direkter Strahlungseinwirkung starb, waren sogar Kliniken, die mit strahlungsbezogenen Problemen bereits Erfahrung hatten, durch die Umstände überfordert. Evakuierungen von Pflegeeinrichtungen führten zu späteren Todesfällen aufgrund von Erschöpfung.

Im Rahmen des neuen Systems, das Erkenntnisse aus der Fukushima-Katastrophe berücksichtigt, soll aus Krankenhäusern mit täglich verfügbaren Notpflegeplätzen, die sich in einem 30-Kilometer-Radius um ein AKW befinden, einzelne nach nationalen Standards ausgewählt und als „Zentralkrankenhäuser bei Atomunfällen“ dienen.

Das Personal dieser Kliniken soll dann regelmäßig in Kontamination und Behandlung von Strahlungspatienten ausgebildet werden, so dass Personen mit geringer Strahlungsbelastung dort behandelt werden können. Neben der Entfernung zu den AKW wird damit auch die Fähigkeit zur Notfallversorgung ein Kriterium.

Eine weitere Gruppe von Krankenhäusern wird in jeder Region für die Behandlung von Patienten mit schwerer Belastung ernannt. Zu den Kandidaten zählen Universitätskliniken, unter anderem in Fukushima und Nagasaki. Bislang hatten nur die Universität Hiroshima und das Nationale Institut für Strahlungswissenschaften derartige Kapazitäten.

Über die aktuellen Pläne berichtete die Asahi Shimbun.

2 KOMMENTARE

  1. iteressanter wäre es endlich zu Wissen wieviele der 14.365 brennelemente dort schon verbrannt sind.

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