Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO plant Testbergung von Brennstäben am AKW Fukushima

Japan aktuell: TEPCO plant Testbergung von Brennstäben am AKW Fukushima

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Fukushima-Reaktor 4: Ansicht nach Entfernung der Trümmerstruktur am 5. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Ansicht nach Entfernung der Trümmerstruktur am 5. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

 

Fukushima-Reaktor 4: Ansicht nach Entfernung der Trümmerstruktur am 5. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Ansicht nach Entfernung der Trümmerstruktur am 5. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

TEPCO macht offenbar ernst mit den Plänen zur Stilllegung des AKW Fukushima, will das Unternehmen doch entsprechende Tests zur Bergung von Brennstäben durchführen.

Die neue Atomaufsicht Japans verspricht dagegen bereits jetzt stärkere Transparenz – doch gewiss nicht jene, die Wasser in unterirdische Lagerräume für radioaktiven Abfall gelangen lässt, wie dies am  AKW Fukushima aktuell der Fall ist.

Nachdem im selben Reaktor zuvor sogar Strahlungsdurchschnittswerte über denen im Reaktor 2 gemessen worden waren, scheint sich das Gebäude zum Problemkind für TEPCO zu entwickeln.

Bleibt zu hoffen, dass der Betreiber mit der Brennstäbe-Bergungsversuchen an Reaktor 4 mehr Glück hat. Weitere Fukushima News und andere Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Juli 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO will Testlauf zur Entfernung von Brennstäben durchführen
  • Ansammlungen in Lager für radioaktiven Abfall AKW Fukushima
  • Neue Atomaufsicht will freiwillig Material veröffentlichen
  • Mindestens 20 Todesopfer nach heftigen Regenfällen auf Kyushu
  • Erschöpfung häufigste Todesursache bei Japans Flüchtlingen
  • Sitz des Premierministers vor Atomkraft-Freitagsdemonstration abgeriegelt

TEPCO will Testlauf zur Entfernung von Brennstäben durchführen: Der Betreiber des AKW Fukushima hat am gestrigen Tag von der Atomaufsichtsbehörde NISA die Bestätigung für die Sicherheitsmaßnahmen zur Entfernung von Brennstäben aus Fukushima-Reaktor 4 erhalten. Das berichtet die NHK.

TEPCO will in naher Zukunft erste Testläufe zur Entfernung von Brennstäben aus dem Abklingbecken von Reaktor 4 durchführen. Der Testlauf sowie die endgültige Bergung der 1.535 Brennstäbe aus dem Becken sind Teil der Bestrebungen zur entgültigen Stilllegung des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi.

Bei der Durchführung des ersten Testlaufs will das Unternehmen mit einem Kran zwei ungenutzte Brennstäbe aus dem Abklingbecken heben. Dabei soll zuvor mit einer Unterwasserkamera die Strahlung der Brennelemente festgestellt werden, um eine versehentliche Bergung stark radioaktiver Brennstäbe während des Testlaufs zu verhindern.

Ein erster Kran wird die Brennelemente dann in einen Sicherheitscontainer transportieren, der zunächst im fünften Stock des Reaktors abgestellt werden soll. Der Behälter verhindere dabei eine Rekritikalität der Brennstäbe. Dann soll ein zweiter Kran den Behälter auf den Erdboden führen, wo er auf einem Truck zu einem so genannten „common pool.“ gebracht werden wird.

Da bei der Notkühlung des Reaktors im vergangenen Jahr salzhaltiges Meerwasser zum Einsatz kam, will TEPCO auch die Metallbehälter der Brennstäbe auf mögliche Schäden testen. Wenige Tage zuvor waren erstmals in der Geschichte der japanischen Atomkraftwerke Abplatzungen an Behältern in einem anderen AKW festgestellt worden (Spreadnews berichtete am 10. Juli 2012).

Aus Sicherheitsgründen könne man den genauen Zeitpunkt des Tests nicht öffentlich machen, erklärte das Betreiberunternehmen. Zuvor hatte es bereits Besorgnis über den Zustand des Reaktorgebäudes und des Abklingbeckens gegeben (Spreadnews berichtete etwa am 8. Juli 2012 und dem 2. Juli 2012)

Ansammlungen in Lager für radioaktiven Abfall AKW Fukushima: Gegen 13:30 Uhr (Ortszeit) wurde am gestrigen Donnerstag bei der Untersuchung von Wassereinfluss in das Gebäude der neu gebauten unterirdischen Lagereinheit für radioaktiven Abfall von Reaktor 3 im Bereich um den Behälter für kontaminiertem Schlamm und den Lagerbehälter für abgenutztes Harz eine Wasseransammlung festgestellt.

Fukushima-Reaktor 3: Spuren einlaufenden Wassers am Sandhaufen unter dem Eintrittspunkt am 12. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Spuren einlaufenden Wassers am Sandhaufen unter dem Eintrittspunkt in der Decke am 12. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Unter dem Eintrittspunkt des Wassers in der Decke des Raumes für den Lagerbehälter für Schlamm hatte sich zudem Sand angesammelt.

Die Menge des angesammelten Wassers im Gesamtgebäude wird auf etwa  155 Kubikmeter geschätzt. Das Wasser sei nicht in die Umwelt gelangt.

Die Belastung in der Raumluft oberhalb des Behälters habe 0,06 Millisievert pro Stunde betragen.

Die Überprüfung einer Probe, die im Raum des Behälters für genutztes Harz durchgeführt wurde, ergab eine Gesamtbelastung an Gamma-Nukliden von 3.8×101Becquerel pro Kubikzentimeter.

Da das neue errichtete Gebäude für das unterirdische Lagereinheit für radioaktiven Abfall von Reaktor 3 die Schuttentsorgung vom oberen Bereich des Reaktorgebäudes beeinträchtigt, wurde die ground portion der unterirdischen Lagereinheit entfernt.

Fukushima-Reaktor 3: Eintrittspunkt über dem Sandhaufen am 12. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Eintrittspunkt über dem Sandhaufen am 12. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Daher wird vermutet, dass Regenwasser durch die Eintrittspunkte in der Decke des Lagerkellers in den unterirdisch gelegenen Raum gelangt und dort zur Wasseransammlung beigetragen habe.

Maßnahmen um das weitere Eindringen von Wasser durch die Arbeiten in den Obergeschossen aufzuhalten werden diskutiert, berichtet die Betreiberfirma TEPCO.

Neue Atomaufsicht will freiwillig Material veröffentlichen: Die neue Atomaufsichtskommission deren Start für den September geplant ist, wird nach Aussage von Katastrophenmanagement-Minister Goshi Hosono im Laufe ihrer Tätigkeit so weit wie möglich auch freiwillig Dokumente veröffentlichen, ohne das hierfür Anträge für die Aufdeckung von Informationen gestellt werden müssen.

Nach Ansicht von Hosono sind dies und weitere Schritte ein wichtiger Teil der Transparenzpolitik, die zu den drei Grundpfeilern der neuen fünfköpfigen Kommission gehört. Nur auf diese Weise könne die Kommission sowohl im Inland- als auch im Ausland das notwendige Vertrauen sicherstellen.

Zu den Maßnahmen der neuen Transparenz gehört auch die prinzipiell durchgeführte Veröffentlichung der Inhalte von Versammlungen der Kommission, sobald diese drei oder mehr Mitglieder umfassen. Auch die Inhalte bei Treffen mit Vertretern von Atomunternehmen oder anderen, der Regulierung durch die Kommission unterliegende Einrichtungen, sollen zugänglich gemacht werden.

Mindestens 20 Todesopfer nach heftigen Regenfällen auf Kyushu: Die Zahl der Personen, die bei den schweren Regenfällen und den damit verbundenen Überschwemmungen und Erdrutschen auf Japans südlicher Hauptinsel Kyushu ums Leben kamen, ist weiter gestiegen. Die Nachrichtenagentur Kyodo sprach um 17:47 Uhr von 20 Toten und 7 Vermissten. Diese Zahl wird von der jiji bestätigt, die um 16:26 Uhr von 19 Toten und 8 Vermissten sprach.

Erschöpfung häufigste Todesursache bei Japans Flüchtlingen: Sie sind vor dem Erdbeben, den Fluten des Tsunami und der Explosion des Atomkraftwerks geflohen, mussten  mehrmals evakuiert werden, wurden dabei durch stark verstrahlte Gebiete dirigiert, lebten in Notunterkünften – und starben an Erschöpfung.

Tatsächlich handelt es sich um eine der häufigsten Todesursachen bei Flüchtlingen der Katastrophen vom März 2011. Mit 47 Prozent wurde somit bei fast der Hälfte aller Todesfälle die sich nach den Unglücken ereigneten, Erschöpfung als Ursache festgestellt.

Das ist das Ergebnis eines Zwischenberichts der Behörde für Wiederaufbau, der am Donnerstag den Vertretern mehrerer Ministerien und Behörden mit Bezug zu diesen Umständen vorgelegt wurde. Er beruht auf Untersuchungen in den drei Katastrophen-Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi.

Dabei wurden 529 der insgesamt 1.632 Todesfälle, die sich nach dem 11. März letzten Jahres ereigneten untersucht. Während bei einigen Personen verschiedene Ursachen zum Tod beigetragen hatte, konnten einige Ursachen klar definiert werden:

  • Bei 47,1 Prozent der Fälle konnte die Erschöpfung in Auffanglagern festgestellt werden.
  • Bei 37,1 Prozent starben durch körperliche und geistige  Entkräftung während der Evakuierung
  • Bei 24,0 Prozent starben wegen fehlender medizinischer Versorgung

In Fukushima lag der Prozentsatz der Erschöpfungstoten mit 56,4 Prozent am höchsten. Dies weisst darauf hin, dass die Menschen dort aufgrund der Verbreitung der Radioaktivität besonders oft flüchten mussten. Hierüber berichteten Mainichi Shimbun und jiji.

Sitz des Premierministers vor Atomkraft-Freitagsdemonstration abgeriegelt: Der Ruf gegen den Neustart von Reaktoren – „Saikado Hantai“ – dürfte das charakteristischste Merkmal der „Ajisai Kakumei“ (Hortensien-Revolution) genannten Demonstrationsbewegung sein.

Offenbar wurden die jeden Freitag stattfindenden Rufe nach Atomfreiheit Japans Premierminister Noda jetzt zu laut, liess er doch bereits gestern durch Stahlgitter sowohl die Fahrbahnen abzuriegeln, als auch U-Bahnstationen zu kontrollieren. Dennoch sei es Demonstranten gelungen, trotz der Absperrungen auf die Fahrbahn zu gelangen.

Da der Sitz des Premierministers diesmal von der Polizei abgeriegelt worden war, konnte der Protest nicht wie gewohnt dort stattfinden. Stattdessen zogen die Atomkraftgegner um das Regierungsviertel Nagata, heisst es in Privatmeldungen.

Die Polizei soll in der Vergangenheit bei Atomprotesten bereits ruppig vorgegangen sein.Am heutigen Freitag scheint es bei dem von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr geplanten Protest zu keinen Zusammenstößen gekommen zu sein. Auch über Festnahmen oder Krankenhausaufenthalte sei nichts bekannt geworden.

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