Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO präsentiert weiteres Material aus Fukushima-Videokonferenzen

Japan aktuell: TEPCO präsentiert weiteres Material aus Fukushima-Videokonferenzen

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Fukushima-Videokonferenz: Gespräche zu Wasserabwürfen von Helikoptern (Video: TEPCO)
Fukushima-Videokonferenz: Gespräche zu Wasserabwürfen von Helikoptern (Video: TEPCO)
Fukushima-Videokonferenz: Gespräche zu Wasserabwürfen von Helikoptern (Video: TEPCO)
Fukushima-Videokonferenz: Gespräche zu Wasserabwürfen von Helikoptern (Video: TEPCO)

Die Betreiberfirma liefert vom AKW Fukushima heute eine ganze Menge an Material. Zum einen gibt es weitere Aufnahmen aus den Videokonferenzen zwischen Unternehmenssitz und Kraftwerksleitung.

Desweiteren wurde eine Einschätzung zur Stabilität von Reaktor 4 vorgelegt.

Darüber hinaus dokumentiert TEPCO seine, an der Anlage in Fukushima aktuell getroffenen Maßnahmen gegen einen weiteren Austritt von radioaktiv kontaminiertem Wasser.

Somit zum Wochenende erneut umfangreiche Fukushima News, wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. November 2012.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • TEPCO veröffentlicht erneut Fukushima-Videokonferenzen
  • Stabilitätsbeurteilung von Fukushima-Reaktor 4
  • Maßnahmen gegen SARRY-Lecks getroffen
  • Neue Evakuierungszonenregelung für Okuma

TEPCO veröffentlicht erneut Fukushima-Videokonferenzen: TEPCO, Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hat zum zweiten Mal seit August weiteres Videomaterial aus der Akutphase der Krise veröffentlicht. Dabei wurde den Medien das Material von zwei Wochen zugänglich gemacht.

Zum einen die Woche vom 16. bis 23 März 2011 und damit fünf Tage nach Ausbruch der Krise, sowie die Woche ab dem 30. März 2011.

Wie in den Fällen zuvor, war es den Journalisten nicht erlaubt, Kopien der Videoaufnahmen zu machen. Stattdessen wurde der Öffentlichkeit ein insgesamt zwei Stunden dauerndes Video, auf dem die Identität von Beteiligten aus Gründen der Privatsphäre unkenntlich gemacht worden war, zur Verfügung gestellt.

Video zum Einsatz der Kühlhubschrauber: In den ersten Wochenaufnahmen ist nach Angaben der NHK am 17. März zu sehen, wie Kraftwerksarbeiter die Helikopter der Selbstverteidigungsstreitkräfte dabei beobachten, wie diese Versuchen, durch den Abwurf von Wasser, das Abklingbecken in einem der Reaktoren zu kühlen.

Allerdings weicht die anfängliche Begeisterung bald der Enttäuschung, als deutlich wird, wie viel Wasser verdunstet und wie gering der tatsächliche Effekt auf den Wasserstand des Beckens ist. Die Bildaufnahmen konzentrieren sich dabei jedoch weiterhin auf den Videokonferenzraum.

Einspeisung von verstrahltem Wasser ins Meer: Die Aufnahmen die ab dem 30. März gemacht wurden zeigen dagegen, wie der Kraftwerksleiter Masao Yoshida die Unternehmensführung in Tokyo zur Erlaubnis drängt, radioaktives Wasser in das Meer einzuleiten, da die Lagerkapazität praktisch erschöpft sei.

Fukushima-Videokonferenz: Diskussion zur Wassereinleitung (Video:  TEPCO)
Fukushima-Videokonferenz: Diskussion zur Wassereinleitung (Video: TEPCO)

Offenbar teilt die Firmenspitze zu diesem Zeitpunkt die Besorgnis nicht, sondern begegnet den Forderungen von Yoshida vielmehr mit der Information, man suche nach Wegen, wie verhindert werden könne, das Wasser aus den Reaktoren hinausgelangt. Weitere Aufnahmen belegen dann die Verschlimmerung der Situation.

In den Aufnahmen vom 4. April beschwert sich Kraftwerksleiter Yoshida, er sehe sich außerstande die Situation unter Kontrolle zu bekommen, wenn  ihm „Hände und Füße gebunden sind“. Nicht zuletzt aufgrund dieses Drängens wurde schließlich schwach radioaktives Wasser in das Meer eingeleitet.

Diese Maßnahmen werden im Pressematerial auf zwei Videodateien aufgeteilt, auf denen die Einleitung über einen südlichen Abflusskanal und den Abflusskanal der Reaktoren 5 und 6 beschlossen wird. TEPCO kündigte an, gegen Ende Januar 2013 die Videoaufnahmen von zwei weiteren Wochen zum April 2011 zu veröffentlichen.

Stabilitätsbeurteilung von Fukushima-Reaktor 4: Im Oktober diesen Jahres kursierten inoffizielle Meldungen über ein mögliches Absinken von Fukushima-Reaktor 4, die eine weltweite Katastrophe heraufbeschworen. Die bislang dritte Inspektion zur seismischen Stabilität des Gebäudes von Reaktor 4 zeigt jedoch, dass die Anlage noch nicht vom Erdboden verschwunden ist.

TEPCO informiert in seinem Bericht vom gestrigen Donnerstag darüber, dass vier Mal im Jahr eine standardmäßige Untersuchung der Stabilität von Gebäude und Abklingbecken von Reaktor 4 erfolgt. Bislang wurden in diesem Jahr bereits Untersuchungen im Mai und August durchgeführt. Dabei umfasste die Prüfung folgende Punkte:

  • Messung des Wasserstands zur Gebäudeneigung
  • Vermessung der Außenwände
  • Visuelle Inspektion
  • Beurteilung der Betonstabilität

 Messung des Wasserstands: Bei der Messung des Wasserstands, wurde an den Messpunkten an Reaktorbecken und dem Becken für abgebrannte Brennelemente ergab, das an allen Stellen, der Wasserspiegel der Becken parallel verläuft und keine einseitigen Höhenunterschiede der Wasseroberfläche nachgewiesen werden konnten.

Aus diesem Grund kommt TEPCO zu dem Schluss, dass keine Neigung oder Schräglage des Gebäudes vorliegt.

Eine weitere Untersuchung der Wasseroberfläche an allen vier Ecken ergab, dass die Höhe des Bodens im fünften Stockwerk, des Reaktorbeckens und des  Lagerbeckens fast parallel verläuft. Es bestehen einige Abweichungen zu vorherigen Messungen, was nach Angaben von TEPCO jedoch den täglich ändernden Umständen der Kühlwassereinspeisung geschuldet ist.

Vermessung der Außenwände: Bei der Vermessung der Außenwände wurde eine teilweise Ausbeulung der Wände festgestellt. In Übereinstimmung mit der ersten Inspektion (Mai 2012) der detaillierten Untersuchung der Außenwände (Juni 2012) und der zweite standardmäßigen Inspektion (August 2012), konnte keine Neigung des Gebäudes festgestellt werden.

Fukushima-Reaktor 4: Außenseite der Südwand am 19. November 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Außenseite der Südwand am 19. November 2012 (Foto: TEPCO)

TEPCO liefert die Erklärung für die erneuten leichten Abweichungen von vorigen Messungen gleich mit und nennt Faktoren wie Messungenauigkeiten (eine Abweichung von zwei Millimetern könne bei Horizontalwerten bereits eine Verfälschung von vier Millimetern hervorrufen, sowie die Wärmeausdehnung des Betons zwischen August und November die zwischen fünf bis neun Millimeter Fehlertendenz mit sich bringt.

Visuelle Inspektion: Bei visuellen Inspektionen von Boden und Wänden in den Stockwerken 1 bis 4 wurden, ebenso wie in den Untersuchungen zuvor, keine Risse mit einer Breite von einem Millimeter oder mehr festgestellt. Ein solcher Fund wäre Grund für Reparaturarbeiten gewesen.

Beurteilung der Betonstabilität: Durch die Nutzung des Schmidt-Hammers (Rückprallhammer) konnte die Druckfestigkeit des Betons ohne Beschädigungen des Materials durchgeführt werden. Sie ergab eine Einhaltung der Standards, wie auch bei den Untersuchungen zuvor.

Mögliche Unklarheiten: Auf den Fotos, die bei der visuellen Inspektion der südlichen Außenwand des Reaktorgebäudes gemacht wurden, sind rechteckige, türartige Bereiche zu sehen, die auch bei den Untersuchungen im August bereits vorhanden waren, jedoch weiterhin ohne explizite Erklärung im Bericht bleiben.

Maßnahmen gegen SARRY-Lecks getroffen: Am 20. und 21. November berichteten wir über den Austritt von radioaktivem Material an der zweiten Cäsiumfilteranlage (SARRY). Nach dem Austritt aus der Belüftung der Anlage, war das Gebiet zunächst durch Sandsäcke gesichert worden. Jetzt schilderte TEPCO weitere Maßnahmen.

SARRY-Leckstelle: Strahlungsabschirmung durch Wolframmatten am 27. November 2012 (Foto: TEPCO)
SARRY-Leckstelle: Strahlungsabschirmung durch Wolframmatten am 27. November 2012 (Foto: TEPCO)

Zu denen bis zum  27. November getroffenen Vorkehrungen gehörte zunächst eine Messung des radioaktiven Materials in der Nähe der Belüftungsöffnung. Da diese unterhalb des Messwerts lagen, ist die dort vorhandene Menge nach Ansicht des Betreibers als gering einzustufen.

Um eine Verringerung der Strahlungsbelastung zu erreichen, wurden die Werte von Betonboden und Erdreich in der Nähe der Leckstelle ermittelt. Vor dem Neustart der Anlage am 22. November waren potentiell belastete Teile des Erdreichs abgetragen worden und der Betonboden durch Gummi- und Wolframmatten abgeschirmt.

Als noch zu treffende Maßnahmen bezeichnet TEPCO die künftige Verhinderung der Ausbreitung radioaktiver Substanzen auf dem Betonboden, durch einen Anstrich und eine Verhinderung eines Austritts aus dem Belüftungsrohr.

Neue Evakuierungszonenregelung für Okuma: In einem heutigen Entschluss verständigte sich Japans Regierung darauf, das neue dreistufige Evakuierungszonenmodell auf die Ortschaft Okuma anzuwenden, die nun Teil des Sperrgebiets ist.

  • Gebiete mit Belastungen ab 50 Millisievert: Rückkehr nicht vor fünf Jahren
  • Gebiete mit Belastungen zwischen 20-50 Millisievert: Rückkehr innerhalb einiger Jahre
  • Gebiete mit Belastungen unter 20 Millisievert: Rückkehr in naher Zukunft

Nach Meldung der jiji betrifft der am schwersten Bereich 96 Prozent der einstigen Bewohner. Doch nicht zuletzt in Anbetracht der Tatsache, dass die Anlage des AKW Fukushima Daiichi auf dem Gebiet von Okuma liegt, sieht die Regierung selbst für die verbliebenen vier Prozent der Bevölkerung Schwierigkeiten bei einer möglichen Rückkehr.

Daher sollen die betroffenen Einwohner für den Verlust ihrer Grundstücke durch TEPCO finanziell entschädigt werden.

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