Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO-Präsident soll in die Mangel genommen werden

Japan aktuell: TEPCO-Präsident soll in die Mangel genommen werden

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TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Manager heute angeklagt (Symbolfoto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Ein Erdbeben der Stärke 5,2 das am Freitagnachmittag (Ortszeit) die Hauptstadt Tokyo und andere Teile der Kanto-Region erschütterte, läutete gewissermaßen das Wochenende ein und mit dem heutigen Freitag beginnt auch die Zeit, in der japanische Geschäftsleute dazu angehalten werden, sich weniger förmlich zu kleiden.

Förmlich wird es dagegen noch für Vertreter von TEPCO und der Regierung werden, wenn sie Rede und Antwort stehen müssen. Zumindest können vom AKW Fukushima aktuell Fortschritte gemeldet werden, ist man doch den Problemen der Reaktorthermometer auf der Spur. Sonstige Fukushima News und weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 01. Juni 2012.

Die Themen vom heutigen Freitag:

  • Befragung: Ex-TEPCO Präsident soll zu Evakuierungsvorwürfen aussagen
  • Ursache für Probleme an erdbebensicherem Gebäude behoben
  • Industrieministerium sieht Vollbetrieb von AKW Oi erst im Juli
  • Gouverneur verspricht  Ablehnung von Reaktor-Neubau am AKW Sendai
  • „Super Cool Biz“ Energiesparkampagne gestartet

Befragung: Ex-TEPCO Präsident soll zu Evakuierungsvorwürfen aussagen: Masataka Shimizu, früherer Präsident des Energiekonzerns TEPCO, soll am kommenden Freitag vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Fukushima-Krise aussagen. Eine der wichtigen Fragen an Shimizu, der im Juni letzten Jahres zurückgetreten war, wird den Vorwurf betreffen, TEPCO habe bereits zu Beginn der Krise geplant, alle Arbeiter aus dem AKW Fukushima Daiichi abzuziehen.

TEPCO-Logo (Copyright: tokyoremix.com)
Befragung von TEPCO-Führung wird fortgesetzt (c) by tokyoremix.com)

Bereits am 14. Mai 2012 hatte der jetzige TEPCO-Vorsitzender Tsunehisa Katsumata gegenüber dem Ausschuss gesagt, es habe nie entsprechende Gespräche zwischen der Regierung gegeben. Am Abend des 14. Mai 2011 sei lediglich darüber diskutiert worden, ob Angestellte, die nicht unmittelbar mit den Rettungsarbeiten beschäftigt sind, evakuiert werden sollten. Eine vollständige Evakuierung sei nie geplant gewesen. Denselben Standpunkt wird voraussichtlich auch Shimizu vertreten.

Doch auch die Befähigung von Shimizu in der Konzernführung wird in Frage gestellt werden. Während der kritischen Phase der Krise habe er sich krank gefühlt und war wegen Schwindelgefühlen eine Zeit lang in einem Krankenhaus untergebracht.

Die Befragung weiterer Personen, darunter sowohl gegenwärtige oder frühere Spitzen des Unternehmens TEPCO, sowie mehrerer Politiker durch den Untersuchungsausschuss wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Bislang wurden TEPCO-Vorsitzender Katsumata, sowie Politiker wie der damalige Premierminister Naoto Kan befragt. Über die Pläne zur Befragung von Shimizu berichtete die Kyodo. Zuvor hatte die Asahi Shimbun die Befragung von Katsumata gemeldet.

Ursache für Probleme an erdbebensicherem Gebäude behoben: Am 30. Mai war es bei Messgeräten am Eingang zum erdbebensicheren Gebäude auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi zu Störungen gekommen, nachdem zuvor am 28. Mai an den Thermometern des Reaktor 2 Temperaturschwankungen gegeben hatte (Spreadnews berichtete).

Wie die Betreiberfirma TEPCO heute meldet, habe man am gestrigen Morgen das Übertragungskabel der  Kontrolleinheit repariert, da es abgetrennt worden war. Auch der Kabelverbinder der Leitung wurde entfernt, da dessen Anschluss korrodiert war. Gegen 13:00 Uhr habe man dann die Einheit wieder in Betrieb nehmen können, nachdem der korrodierte Leitungsverbinder entfernt, und das Gerät direkt angeschlossen worden war. Um 18:00 Uhr habe man auch die Datenerfassung über die mobile Kontrolleinheit wieder aufnehmen können, da keine Mängel festgestellt werden konnten.

Test zur Einführung eines Ersatzthermometers am 1. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Test zur Einführung eines Ersatzthermometers am 1. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Doch auch im Bezug auf die Thermometerprobleme am Atomkraftwerk gibt es Neuigkeiten. Der Fukushima-Betreiber präsentierte Aufnahmen, auf denen die Durchführung eines Übungstests zu sehen ist, in dessen Rahmen anhand einer Atrappe die Einführung eines Ersatzthermometers in den Reaktor 2 simuliert wird.

Dieses soll feststellen, ob die kürzlich aus dem Reaktor gemessenen Temperaturschwankungen tatsächlich vorliegen, oder es sich wie vermutet, um einen technischen Defekt der Reaktorthermometer handelt.

Industrieministerium sieht Vollbetrieb von AKW Oi erst im Juli: Japans Industrieminister Yukio Edano erklärte am heutigen Freitag, mit einem vollständigen Betrieb der Reaktoren 3 und 4 am AKW Oi (Präf. Fukui) sei nicht vor Juli zu rechnen. Ursächlich hierfür sei, dass der Betreiber Kansai Electric nicht in der Lage sein werde die volle Leistung vor dem Beginn der freiwilligen Energiesparsaison am 2. Juli, die das Unternehmen seinen Kunden nahegelegt hatte.

Auch weitere Betriebe und Haushalte die vom Elektrizitätsanbieter mit Sitz in Osaka versorgt werden, sollen um die Bereitschaft zur freiwilligen Teilnahme an Energiesparmaßnahmen gebeten werden, erklärte der Minister. Es ist das erste Mal, dass der Industrieminister sich öffentlich zur voraussichtlichen Dauer bis zum Vollbetrieb beider Reaktoren äußert, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Das gegenwärtig anvisierte Energiesparziel geht von der Annahme aus, dass alle Reaktoren im Land, inklusive der das AKW Oi weiterhin in heruntergefahrenem Zustand bleiben.

Gouverneur verspricht  Ablehnung von Reaktor-Neubau am AKW Sendai: Auf einem Treffen der Präfekturversammlung Kagoshima versprach der amtierende Gouverneur Yuichiro Ito, solange er im Amt sei, werde er weiterhin die Pläne von Kyushu Electric, dort einen neuen Reaktor zu bauen, weiterhin einfrieren. Ito erklärte im Anschluss an das Treffen gegenüber Reportern, die Ablehnung des Baus von Reaktor 3 am AKW Sendai, das in der Stadt Satsumasendai liegt, werde auch Teil seines Wahlkampfprogramms für die am 8. Juli stattfindenden Gouverneurswahlen in Kagoshima sein. Ito kandidiert für eine dritte Amtszeit. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

„Super Cool Biz“ Energiesparkampagne gestartet: Am heutigen Freitag startete das Umweltministerium ihre „Super Cool Biz“ Kampagne – eine Steigerung der sonst üblichen „Cool Biz“ Aktion, die in diesem Jahr einen Monat früher als üblich begann. Bei letzterer ist es Angestellten gestattet ohne Krawatte zu arbeiten, während die Klimaanlage auf 28°C gesetzt wird. Dies dient jedoch weniger dem Wohlbefinden der Mitarbeiter, sondern stellt eine Energiesparmaßnahme dar.

Die jetzt begonnene „Super Cool Biz“ Kampagne steigert den Grad der informellen Kleidung und erlaubt den Angestellten auch das Tragen von Hawaiihemden, Polohemden  und einfarbigen T-Shirts sowie unzerrisener Jeans und Sandalen während ihrer täglichen Arbeit. Diese deutlich über das bisherige Maß herausgehende Maßnahme wurde erstmals im vergangenen Sommer ausgerufen, um die Energieeinbußen durch die Fukushima-Katastrophe zu kompensieren.

Hawaiihemd (Foto: Peng, cc-by)
Super Cool Biz bringt Casual Wear (Foto: Peng cc-by)

Um mit gutem Beispiel voranzugehen und die sonst förmlich gekleideten japanischen Geschäftsleute zu motivieren, präsentierten sich alle Kabinettsmitglieder bei einem Treffen in „Kariyushi“ – eine traditionelle Hemdenform von Japans südlicher Präfektur Hokkaido, deren Sandstrände und Palmen teils tropisches Hawaii-Feeling vermitteln.

Nach dem Treffen appelierte Umweltminister Goshi Hosono an die Öffentlichkeit, sich an der Kampagne zu beteiligen. Auf diese Weise könne man Strom einsparen und verringere außerdem das Risiko eines Hitzschlags.

Über den Kampagnenstart berichteten mehrere Medien, wie etwa die NHK und die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Kampagne dauert bis Ende September an.

Bereits am gestrigen Donnerstag war ein Energiesparberatungsdienst vorgestellt worden. Dieser bietet Bürgern nach Beantragung und Beantwortung von 42 Punkten eines Fragebogens ein Beratungsgespräch zu möglichen Möglichkeiten zum Einsparen von Elektrizität und Wasser im eigenen Haushalt an. Auch Hausbesuche sind möglich.

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