Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO veröffentlicht Bericht zu Rissen an Fukushima-Reaktor 4

Japan aktuell: TEPCO veröffentlicht Bericht zu Rissen an Fukushima-Reaktor 4

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Fukushima-Reaktor 4: Innenwand im vierten Stock auf der Westseite des Abklingbeckens für abgebrannte Brennstäbe am 22. Augst 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Innenwand im vierten Stock auf der Westseite des Abklingbeckens für abgebrannte Brennstäbe am 22. Augst 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Innenwand im vierten Stock auf der Westseite des Abklingbeckens für abgebrannte Brennstäbe am 22. Augst 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Innenwand im vierten Stock auf der Westseite des Abklingbeckens für abgebrannte Brennstäbe am 22. Augst 2012 (Foto: TEPCO)

Gestern berichteten wir an dieser Stelle ausführlich über die Auswirkung von Naturkatastrophen auf AKW in Japan.

Neue Informationen und bekannt gewordene Hintergründe machen das AKW Fukushima heute wieder zu einem Hauptthema der Berichterstattung.

Sowohl alte Organisationsmängel, als auch neue Untersuchungsergebnisse zeigen, dass das Kernkraftwerk in Fukushima aktuell bleiben wird.

Daher auch heute wieder Fukushima News im Detail, sowie weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. September 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO veröffentlicht Daten der zweiten Zustandskontrolle an Fukushima-Reaktor 4
  • Lage bei Wassereinspeisung am AKW Fukushima verbessert
  • Fukushima-Krise begann mit 3.000 Angestellten ohne Dosimeter
  • Wiederaufbauprogramm für Gemeinden in Präfektur Fukushima
  • Wissenschaftler entwickeln Eiweiß zur Behandlung von Strahlenkrankheit

TEPCO veröffentlicht Daten der zweiten Zustandskontrolle an Fukushima-Reaktor 4:   Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte heute einen Bericht, in dem die Ergebnisse der zweiten Inspektion, die zwischen dem 20. und 28. August 2012 stattfand, veröffentlicht und mit zuvor festgestellten Daten verglichen werden.

Von besonderem Interesse war dabei die zuvor entdeckte Ausbeulung der Außenwände des Reaktorgebäudes. Zunächst fasste TEPCO die bisherigen Ergebnisse vorangegangener Untersuchungen zusammen.

Die erste standardmäßige Inspektion vom 17. bis 25. Mai 2012  umfasste Wasserstandsmessungen und Kippmessung der Außenwand, sowie eine visuelle Inspektion und eine Prüfung der Betonstärke.

Als Ergebnis wurde seinerzeit festgestellt, dass zwar der obere Teil der Außenwand teilweise beschädigt, jedoch kein Riss oder eine Neigung des Abklingbeckens (von 140 bis 185 Zentimeter Dicke) festgestellt werden konnte. Durch ausreichende Betonstärke könnten dort abgebrannte Brennstäbe sicher gelagert werden.

Eine Prüfung aufgrund der teilweisen Ausbeulung der Außenwände fand vom 6. bis 21. Juni 2012 statt. Die Ergebnisse waren am 25. Juni der Atomsicherheitsbehörde NISA übermittelt wurden. Gegenstand der Untersuchung waren die Art der Veränderungen, eine Prüfung der Betonstärke, sowie eine visuelle Kontrolle.

Die damaligen Ergebnisse zeigten eine teilweise Ausbuchtung der Wände im Westen und Südwesten. Es wurden bei der Betonkontrolle und der visuellen Überprüfungen keine Schäden festgestellt, die die Struktur des Gebäudes schwächen würden.

Nach dieser Zusammenfassung begann TEPCO den eigentlichen Bericht und visualisierte die geschilderten Sachverhalte mit zahlreichen Diagrammen, Tabellen und fotografischen Aufnahmen aus dem Inneren des Gebäudes.

Wasserkontrolle: Die aktuelle Kontrolle der Wasserbecken bestätigt die in den Vormonaten gemachten Angaben. Eine Abstandsmessung zwischen der Oberfläche des fünften Stockwerks und des Wasserspiegels im Reaktorraum und Abklingbecken, sowie ein Abgleich der Parallelen der Raumecken, ergab keine Neigung oder Schieflage.

Kippmessung: Die horizontalen Abweichungen zwischen dem Fixpunkt im Erdgeschoss und den Fixpunkten im zweiten, dritten und fünften Stock, wurden mit einem optischen Gerät an den Ober- und Unterseiten der Wände gemessen und eine Berechnung der Deformationseigenschaften durchgeführt.

Dabei wurde zwar die Ausbuchtung der Außenwände bestätigt, das Gebäude selbst weise jedoch keine Neigung auf. Auch in diesem Fall wurden die vorangegangenen Kontrollergebnisse vom Mai und Juni 2012 bestätigt.

Die geringfügigen Abweichungen von vorhergehenden Untersuchungen könnten auf die kalkulierbare Abweichung optischer Geräte (die Toleranzspanne beträgt hier etwa plus/minus 2 Millimeter, was in der Horizontalmessung eine maximale Abweichung von 4 Millimetern entspricht, und die Reaktion des Betons auf Temperaturunterschiede zwischen den Monaten, zurückzuführen sein.

Fukushima-Reaktor-4:  Rissstelle an der Innenseite der westlichen Außenwand im zweiten Stock (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor-4: Rissstelle an der Innenseite der westlichen Außenwand im zweiten Stock am 10. August 2012 (Foto: TEPCO)

Visuelle Risskontrolle: Die aktuelle Außenwandkontrolle fand keine Risse, die eine Breite von einem Millimeter oder mehr aufweisen. Derartige Risse würden die strukturelle Stärke des Gebäudes beeinträchtigen.

Auch Betonstärke und die seismische Sicherheit stellten kein Problem dar.

Die maximal gemessene Rissbreite betrug 0,3 Millimeter und die festgestellten kleinen Risse sollten keine wesentliche Auswirkung auf die Stabilität des Gebäudes haben.

Messung der Betonstärke: Die Messungen der Betonstärke wurde mit einem so genannten Rückprallhammer (Schmidt-Hammer) und anderen Techniken durchgeführt, welche keine Schäden an den Wänden verursachen.

Die Messungen ergaben keine Probleme bei der Erfüllung der notwendigen Sicherheitsstandards.

An allen Messpunkten lag die Stärke über dem Designstandard von 22,1 Newton pro Quadratmillimeter, vergleichbar den Ergebnissen der vorherigen Kontrollen.

Fukushima-Reaktor 4: Innenwand auf der Westseite -des dritten Stocks am Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe am 23. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Innenwand auf der Westseite -des dritten Stocks am Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe am 23. August 2012 (Foto: TEPCO)

Zusammenfassung der Inspektion: Als Ergebnis der durchgeführten zweiten Inspektion stellt das Unternehmen fest, dass das Gebäude sich nicht geneigt hat und eine ausreichende Betonstärke aufweist, die nicht nur Risse beeinträchtigt wird.

Es gebe im Vergleich zur ersten Kontrolle keine wesentlichen Veränderungen der Situation.

Das Gebäude ist nach Ansicht des Betreibers weiterhin zur Lagerung von Brennstäben geeignet, ohne das die Sicherheit hierdurch gefährdet wird.

Weitere Kontrollen sollen regelmäßig erfolgen, um mögliche, im Laufe der Zeit auftretende Veränderungen ermitteln und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können.

Lage bei Wassereinspeisung am AKW Fukushima verbessert: Wie die Betreiberfirma TEPCO am gestrigen Montag bekannt gab, habe man Erfolge bei der Kontrolle der Einleitung von Kühlwasser in die Reaktoren verzeichnen können. Nach Angaben von TEPCO-Sprecher Junichi Matsumoto zeigten die jüngsten Maßnahmen einen „gewissen Effekt“.

Ende vergangener Woche war es zu ungeklärten Verringerungen der Wassereinspeisung an den Fukushima-Reaktoren 1 bis 3 gekommen, die sich zudem zeitgleich ereigneten. Dabei wurde teilweise auch der kritische Mindestwert für die Kühlung von geschmolzenen Brennstäben unterschritten. Einen Temperaturanstieg im Reaktor habe es jedoch nicht gegeben.

Aufgrund des Verdachts, dass sich etwa Metallpulver, das beim Wechseln der Rohre die zum Reaktor führen, angesammelt haben und diese teilweise verstopft haben könnte, waren am Sonntag mehrere Ventile stärker als sonst geöffnet. Seit diesem Zeitpunkt sei eine so häufige Anpassung der Wassereinspeisung nicht mehr notwendig.

Man belasse die Ventile jedoch vorerst in der weit geöffneten Position, bis die exakte Ursache festgestellt werden kann.

Die letzten Zahlen zur Wassereinspeisung vom gestrigen Montag um 6:56 Uhr

  • Reaktor 1: Speisewasser-Anstieg von 2,9  auf 3,0 Kubikmeter pro Stunde. Änderung im Reaktor-Kernsprühsystem: Anstieg von 1,6 auf 2,0 Kubikmeter pro Stunde (Gesamtanstieg: von 4,5 auf 5,0 Kubikmeter pro Stunde)
  • Reaktor 2:  Speisewasser-Anstieg von 1,5 auf 2,0 Kubikmeter pro Stunde. Änderung im Reaktor-Kernsprühsystem: Abnahme von 5,1 auf 5,0 Kubikmeter pro Stunde (Gesamtanstieg von 6,6 auf 7,0 Kubikmeter pro Stunde.
  • Reaktor 3: Speisewasser-Anstieg von 2,0 auf 2,5 Kubikmeter pro Stunde. Änderung im Reaktor-Kernsprühsystem: Abnahme von 4,9 auf 4,5 Kubikmeter pro Stunde (Gesamtanstieg von 6,9 auf 7,0 Kubikmeter pro Stunde.

Fukushima-Krise begann mit 3.000 Angestellten ohne Dosimeter: Die Legende der tragischen 50 Helden von Fukushima könnte noch tragischer werden als bislang, gibt es doch für die Zeit zwischen dem 15. März und dem 30. März 2011, also über eine Dauer von 15 Tagen, keinerlei Aufzeichnungen über eine Ausgabe von Geräten an Angestellte.

Im Bus zum AKW Fukushima am 26. Mai 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Krisenphase: Zur Arbeit ohne Dosimeter (Foto symbolisch, TEPCO)

Insgesamt 3.077 der zu diesem Zeitpunkt 7.766 dort arbeitenden Kraftwerksangestellten dürften daher in diesem Zeitraum ohne Strahlungsmessung durch Dosimeter an den Reaktorruinen gearbeitet haben, meldeten heute japanische Medien unter Berufung auf Regierungsquellen im Gesundheitsministerium.

Als Notmaßnahme hatten zunächst lediglich die Leiter der Arbeitstrupps ein Dosimeter an ihrem Schutzanzug befestigt. Gesundheitsministerin Yoko Komiyama erklärte auf einer Pressekonferenz, das Ministerium habe am 31. März 2011 eine Anordnung erlassen, die diesen Missstand ausräumen sollte.

Die benötigten weiteren 5.000 Dosimeter waren durch den Tsunami verloren gegangen, so dass das Gesundheitsministerium die Geräte ersetzen musste.

TEPCO rechtfertige diese erste Notfallmaßnahme und versicherte, durch die Dosimeter-Aufzeichnungen des Gruppenführers könne man die Belastung aller Mitglieder der jeweiligen Arbeitergruppe ableiten. Dies bestreiten Arbeiter gegenüber der Asahi Shimbun und führen deutliche Beispiele an.

Einige der betroffenen Arbeiter fürchten nun um ihre Gesundheit, wie etwa ein Mann in den 30ern, der über den Anstieg weißer Blutkörperchen, nun ein Jahr nachdem er am 16. März 2011 der Strahlung ausgesetzt war, besorgt ist. Er bezweifelt die Strahlungsdosis die ihm mitgeteilt wurde und ist unsicher, ob es im Fall einer Krebserkrankung zu Entschädigungsleistungen kommen werde.

Im Fall des besorgten Arbeiters war er mit anderen Kollegen, alle Angestellte eines Subunternehmens, damit beschäftigt, Dieselkraftstoff zu transportieren und die Stromgeneratoren außerhalb eines Reaktorgebäudes zu befüllen.

Während der offiziell zehn Minuten dauernden Aufgabe, befand sich der beaufsichtigende Gruppenleiter, der bei einem direkten Hauptgeschäftspartner von TEPCO beschäftigt war, in einem Wagen und erklärte den Arbeitern nach der Rückkehr in ein Gebäude, die Dosis an seinem Dosimeter habe einen Millisievert pro 30 Minuten betragen, dieser sei für alle verbindlich.

Der besagt Angestellte hatte Angst, durch Protest bei einem Angestellten eines Hauptgeschäftspartners seine Arbeitsstelle zu verlieren, notiert jedoch zwei Millisievert pro Stunde in seinen Aufzeichnungen. Über den Fall berichteten die Nachrichtenagentur jiji und die Asahi Shimbun.

Wiederaufbauprogramm für Gemeinden in Präfektur Fukushima: Die Behörde für Wiederaufbau präsentierte am heutigen Dienstag ein dreistufiges Programm zum Wiederaufbau von acht Gemeinden, die innerhalb von zwei Jahren baulich repariert, dekontaminiert und mit Infrastruktur versehen werden sollen.

Die acht Dörfer und Ortschaften liegen in Bereichen, die als Evakuierungszone ausgewiesen sind. Dennoch soll als mittelfristiges Ziel, innerhalb von fünf Jahren die Bewerbung von Industrie- und Landwirtschaft der Region unterstützt werden, um so die Schaffung von Lebensgrundlagen zu beschleunigen.

Als langfristige Ziele für einen Zeitraum von zehn Jahren oder länger, will die Behörde dort neue Einrichtungen für Industrie, Forschung und Entwicklung schaffen, sowie Bildung zu fördern und Arbeitsplätze für jene zu schaffen, die ihre Beschäftigung im Verlauf der Krise verloren hatten.

Gemeinden hatten die Regierung zum Aufbau eines derartigen Programms gedrängt, in dessen Planung auch die Sicherung von langfristigen Finanzierungsquellen zur Umsetzung der Maßnahmen betont wird, berichtet die jiji.

Wissenschaftler entwickeln Eiweiß zur Behandlung von Strahlenkrankheit: Am 6. September soll im Rahmen eines Treffens der Strahlungsforschungsgesellschaft Japans eine Entwicklung des nationalen Forschungsinstituts für Industriewissenschaft und Technologie (AIST) vorgestellt werden, welche die Behandlung von Strahlungsschäden verbessern könnte.

Die Forscher hoffen, dass nach einer medizinischen Anerkennung der Unbedenklichkeit der Methode, die Substanz ähnlich wie Jodtabletten in die Vorratsempfehlungen von Katastrophen an Atomkraftwerken Eingang finden werde.

Den Wissenschaftlern des AIST ist es gelungen, ein Protein mit dem Namen FGFC herzustellen, indem sie gentechnisch veränderte Proteine miteinander kombinierten.

Die Wirksamkeit wurde bereits durch Tierversuche mit Mäusen nachgewiesen. Bei den Tests waren acht Tiere durch die Nutzung von Röntgenstrahlung einer Dosis von insgesamt sechs Sievert ausgesetzt worden. Nach zwei Stunden bekamen die Tiere das FGFC-Protein in den Bauch injiziert.

Die Überlebensrate in dieser Gruppe war noch 20 Tage nach dem Versuch sehr hoch – sechs der acht Tiere überlebten. In einer Vergleichsgruppe die nicht behandelt worden waren, überlebten lediglich zwei Tiere.

Auch eine Präventivwirkung konnte in den Versuchen festgestellt werden. Hierbei überlebten die Mäuse auch nach 30 Tagen noch die Strahlungsdosis, während drei Tiere der Vergleichsgruppe nach diesem Zeitraum verstarben.

Setzt man die Tierversuche in Relation zum Menschen, so entsprach die in den Experimenten genutzte Strahlungsdosis der Höhe, der Arbeiter 1999 bei einem Atomunfall in Tokai (Präf. Ibaraki) ausgesetzt waren.

Eine hohe Strahlungsdosis führt im Normalfall zu Schädigung von Stammzeilen, doch die Behandlung half die Zahl überlebender Stammzellen zu steigern, bzw das Absterben der Zellen aufzuhalten, sofern das Protein vorab verabreicht worden war, berichtet die Mainichi Shimbun.

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