Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO versucht Radioaktivität in Abklingbecken zu senken

Japan aktuell: TEPCO versucht Radioaktivität in Abklingbecken zu senken

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Fukushima: Bild einer Entsalzungsanlage vom Okotber 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Bild einer Entsalzungsanlage vom Okotber 2011 (Foto: TEPCO)

Nach dem der vergangene Freitag keine besondere Kenntnisse erbracht hatte, beginnt die heutige Woche mit mehreren Meldungen zu den Maßnahmen und Planungen des Energiekonzerns TEPCO, sowie weite Informationen, die in direktem Zusammenhang stehen was in Fukushima aktuell geschieht.

Hinter den Ereignissen im AKW Fukushima Daiichi steht natürlich die allgemeine Situation in Japan nicht so sehr im Mittelpunkt des Interesses.

Das etwa Masazumi Soejima, der erste japanische Gewinner des Rollstuhlrennens der Männer beim diesjährigen New York City Marathons ist, dürfte praktisch unbemerkt geblieben sein.

Auch dass das geistige Oberhaupt der tibetischen Gelugpa-Tradition, der 14. Dalai Lama zunächst an Ritualen auf dem Koyasan teilnahm, der für die Anhänger der buddhistischen Schulen des Shingon und Tendai von besonderer Bedeutung ist und am Samstag an Gedenkfeierlichkeiten in Ishinomaki (Präf. Miyagi) teilnahm, ist hierzulande wenig bekannt geworden.

Fukushima News und Weiteres nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 07. November 2011.

Kostengünstige Geigerzähler aus  Fukushima auf dem Markt: Die japanische Industrie hat sich einen Namen mit der Miniaturisierung und Herstellung leistungsfähiger und gleichzeitig kostengünstiger Elektronikgeräte gemacht – und auf diese Tugenden scheint die Sanwa Corporation zurückzugreifen, wenn sie nun den „Geiger Fukushima“ vorstellt, ein Geigerzähler im Miniaturformat der mit Batterien betrieben wird.

Das in Otama (Präf. Fukushima) ansässige Unternehmen hofft nach eigenen Angaben den Bürgern eine Möglichkeit geben zu können, sich selbst vor radioaktiven Hotspots schützen können. Über mangelnde Nachfrage kann der Hersteller jedenfalls nicht klagen. Zum Angebot gehören neben Zubehör zur Nutzung mit einer iPhone-App auch ein so genanntes Geiger-Müller-Zählrohr – es handelt sich damit um dass erste Mal, dass ein derartiges Gerät in Japan selbst gefertigt wird. Das meldet die Mainichi Shimbun.

TEPCO bemüht sich um Dekontamination der Abklingbecken: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, der Energiekonzern TEPCO erklärte am Sonntag, er werde seine Kriterien zur Beurteilung von Kettenreaktionen, die neulich offiziell als „spontane Kernreaktion“ für Beunruhigung gesorgt hatte und ihre Einstufungen überdenken.

Unterdessen hat das Unternehmen damit begonnen, Cäsium aus dem Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe zu extrahieren. Ein entsprechendes Gerät war am gestrigen Sonntag im Becken von Reaktor 2 in Betrieb genommen worden. Bereits seit Juli reinigt TEPCO das Kühlwasser von Cäsium und anderem radioaktiven Material. Beim Reaktor 2 handelt es sich jedoch um das erste Mal, dass dieser Vorgang in einem Abklingbecken durchgeführt wird.

Das Unternehmen teilte mit, die Entfernung von radioaktivem Material sei eine Vorraussetzung zur Entsalzung des Wassers. Auch wenn der Salzgehalt vergleichsweise gering sei und nur rund einem Zehntel dessen von Meerwasse entspräche, so gelte es dennoch eine mögliche Korrosion oder Abnutzung zu verhindern, da andernfalls langfristig Löcher hervorrufen könnten. Der Plan sieht vor, innerhalb eines Monats den Gehalt von radioaktivem Material im Wasser innerhalb eines Monats von einem Hunderstel auf ein Tausendstel zu senken.

Auch im Reaktor 3 sei der Salzgehalt vergleichbar und auch dort werde man entsprechende Dekontaminationsmaßnahmen durchführen, um das Wasser entsalzen zu können.  Im Akutverlauf der Krise waren die Reaktoren 2, 3 und 4 vorübergehend als Notfallmaßnahme mit Meerwasser gekühlt worden, Während die Entsalzungsarbeiten an Reaktor 4 bereits seit August laufen, sei eine entsprechende Maßnahme bei Reaktor 1 nicht erforderlich, da er nicht mit Meerwasser gekühlt wurde und daher der Salzgehalt entsprechend gering sei.  Meldungen hierzu stammen von der Mainichi Shimbun, der NHK, sowie der Nachrichtenagentur Kyodo.

Tenno aufgrund von Fieber und Bronchitis ins Krankenhaus: Nachdem Prinzessin Aiko bereits am Dienstag vergangener Woche mit Husten und Fieber in ein Krankenhaus eingeliefert und eine Lungenentzündung diagnostiziert worden war, gibt es nun einen weiteren Krankheitsfall in der kaiserlichen Familie.

Angaben des kaiserlichen Hofamtes zufolge sind beim 77 Jahre alten Tenno Fieber, sowie eine Bronchitis festgestellt worden. Auch er wurde ins Krankenhaus gebracht – als Präventivmaßnahme wie das Amt erklärte. Am Donnerstag habe er Fieber gehabt und sein Arzt habe eine Erkältung diagnostiziert. Man gehe nun von einer leichten Bronchitis aus, wie er sie bereits einige Male gezeigt habe. Die Unterbringung sei vor allem zur Erholung und aufgrund des anhaltenden Fiebers geschehen. Unterdessen übernimmt Kronprinz Naruhito alle Verpflichtungen des Tenno, bis zu dessen Genesung.

Rechtsextreme und Polizei schüchtern Frauenproteste ein: Die Sitzproteste der Frauen vor dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie, die sich gegen eine Fortführung der Atomenergienutzung richten,verliefen  bis zu ihrem offiziellen Ende am 5. November friedlich. Während Frauen aus Fukushima nun ihre Proteste beendeten, planten Aktivistinnen aus Tokyo jedoch die Proteste fortzuführen.

Uyoku Gaisensha: Lautsprecherwagen japanischer Extremisten
Japan: Rechtsextreme schüchtern Atomprotestler ein

Das schien jedoch jemandem nicht zu passen – wenn man den Tweets unter dem Namen „tentohiroba“ gepostet wurden glauben schenkt, die von regelrechten Angriffen auf ihr Zelt berichten:

Demnach sind die in Japan als Uyoku Dantai bekannten politisch extrem rechten Gruppierungen, die sowohl dafür bekannt sind in ihren, meist dunklen Lautsprecherwagen (Gaisensha) herumzufahren und ohrenbetäubende Propaganda und Militärmusik zu spielen, als auch anderen ihre Kräfte zur Einschüchterung unliebsamer Personen anzubieten, offenbar gegenwärtig dabei, die friedliche Demonstration mit Duldung der Polizei durch Präsenz, Drohungen und Lautsprecherlärm zu stören. Die Frauen sind in ihrem Zelt daher in der Unterzahl und bitten andere Aktivisten um Hilfe.

Landwirt fordert Untersuchung seiner Rinder: Masami Yoshizawa, ein 57 Jahre alter Rinderzüchter aus der Ortschaft Namie (Präf. Fukushima) und damit nur 14 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt, weigert sich, seine Tiere töten zu lassen- eine Maßnahme die von der Regierung eingeleitet worden war, um eine Verbreitung von Rindern außerhalb der Sperrzone zu verhindern. Stattdessen füttert er seine Kühe weiterhin mit örtlichem Futter und hofft, dass sie stattdessen dazu genutzt werden, die Auswirkungen von Strahlung und Dekontamination auf die Gesundheit zu untersuchen. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Regierung will kostenlose Touristenvisa vergeben: Touristen die nach Japan reisen und dabei die drei Katastrophenpräfekturen Iwate, Miyagi oder Fukushima besuchen, sollen ab dem 15. November  von den Kosten für Visa befreit werden, berichten die NHK un die Nachrichtenagentur Kyodo. Um einen Missbrauch zu verhindern, muss der Reisende sein Vorgehen durch dortige Hotelreservierungen oder entsprechende Flugtickets, sowie Reiserouten belegen. Die Ersparnis liegt dabei bei einem einmaligen Visum bei 3.000 Yen  bzw. bei Mehrfachvisa bei 6.000 Yen.

Präfektur Iwate mit Tsunami-Schutzübungen:
Die von den Naturkatastrophen vom 11. März besonders schwer getroffene Präfektur Iwate führte eine Übung durch, bei der das richtige Verhalten geübt wurde. Nach Angaben der Yomiuri Shimbun wurde die Übung auf den 5. November gelegt, da dies als Tsunami-Schutzübungstag gilt.

Vorbild hierfür ist laut der Zeitung ein Geschehnis aus dem Jahr 1854, als ein wohlhabender Bewohner der heutigen Präfektur Wakayama das Herannahen eines Tsunami bemerkt hatte, und die Bürger mit dem Anzünden der frisch geernteten Reisbündel signalisierte, zu evakuieren.  In Erinnerung an diesen Tag, der nach dem Mondkalender dem 5. November entspricht,  werden die Katastrophenübungen heute zu diesem Datum durchgeführt.

3 KOMMENTARE

  1. Danke, daß Ihr immer noch berichtet. Leider ist Fukushima schon lange aus den Weltnachrichten heraus und in Vergessenheit geraten. Deswegen großes Lob an Euch und bitte bitte weiterberichten!

  2. Auch von mir ein großes Danke!!! Ihr seid mein täglicher Anlaufpunkt in Sachen Fukushima-Berichterstattung. Weiter so!

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