Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO verteidigt Krisenmanagement der Fukushima-Katastrophe

Japan aktuell: TEPCO verteidigt Krisenmanagement der Fukushima-Katastrophe

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TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Manager heute angeklagt (Symbolfoto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Wie zu erwarten, gab es von TEPCO heute zu den Brandspuren an einer Pumpe im AKW Fukushima aktuell etwas detalliertere Informationen. Doch auch im Fall des letzten bedeutenden Mitglieds der  „Giftgas-Sekte“ Omu Shinrikyo, das sich weiterhin auf der Flucht befindet, gibt es neue Meldungen.

Von einigem Interesse dürften die Ausflüchte des Atomkraftwerksbetreibers TEPCO sein, bringen diese zwar keine unmittelbar neuen Erkenntnisse, bieten jedoch ein Beispiel für die besondere Sichtweise auf die eigenen Fehler.

Neben den Fukushima News gibt es auch Material zur Entsorgung der Katastrophentrümmer und weitere Punkte – jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO verteidigt eigenes Management der Fukushima-Krise
  • TEPCO-Angaben zu den Brandspuren am Fukushima-Kühlsystem
  • Vorschlag zur Verwendung von Trümmerschutt als Parkgrundlage
  • Prinz Tomohito von Mikasa stirbt mit 66 Jahren
  • Fahndung nach flüchtigem Giftgas-Sektenmitglied läuft
    • Flüchtiges Sektenmitglied lebte alleine in Kawasaki
    • Mitglied der Giftgas-Sekte nutzte Identitätsdiebstahl für Tarnung

TEPCO verteidigt eigenes Management der Fukushima-Krise: TEPCO, Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hat sein Krisenmanagement während der Krise vor dem Untersuchungssausschuss der Regierung verteidigt. Bereits Ende des Monats will das Unternehmen einen eigenen Bericht vorlegen, dessen Grundlage auch die Befragung von Angestellten ist. Thema beider Berichte ist das Vorgehen des Unternehmens im Zuge der Krise, bei der nach Schäden durch Erdbeben und Tsunami die Wasserstoffverpuffungen an drei der Reaktoren praktisch die gesamte Stromversorgung gekappt hätten.

Der Untersuchungsausschuss der Regierung hatte in einem ersten Zwischenbericht im vergangenen Jahr betont, dass die Arbeiter in Reaktor 1 des Atomkraftwerk über nicht ausreichend Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt hätten, da ihnen nicht bewusst gewesen sei, dass die Ventile des Notkühlsystems geschlossen und es deshalb nicht funktionieren konnte.

Doch der bisherige Zwischenbericht der Betreiberfirma erklärt dagegen, dass es den Angestellten unmöglich gewesen sei die Ventile zu überprüfen, da die Elektrizitätsversorgung zusammengebrochen war. Dennoch, so räumt das Unternehmen ein, sei eine erneute Überprüfung des ausfallsicheren Systems für vollständige Stromausfälle notwendig und auch die Richtlinien und die Ausbildung der Angestellten müssten entsprechend angepasst werden.

Ein weiterer Kritikpunkt des Untersuchungsausschusses der Regierung betrifft den Umstand, dass das Notkühlsystem von Fukushima-Reaktor 3 annähernd sieben Stunden nicht arbeiten konnte, da das entsprechende Ventil aufgrund zu schwacher Batterien nicht geöffnet wurde. Die Arbeiter hätten zudem kein Wasser eingeleitet, da man das Risiko einer schwächer werdenden Batterie unterschätzt habe. Doch auch in diesem Fall hält TEPCO dagegen und erklärte, man habe das System so schnell wie möglich anhalten müssen, um einen Wassereinspeisungsmechanismus zu schützen. Das berichtete die NHK am gestrigen Dienstag.

TEPCO-Angaben zu den Brandspuren am Fukushima-Kühlsystem: Am heutigen Mittwoch machte TEPCO dann auch in Material für die internationale Presse noch einmal detalliertere Angaben zu den Brandspuren am Motorgehäuse einer Wasserpumpe am Reaktor 4, der am Montag festgestellt worden war.

Fukushima-reaktor 4: Wasserpumpe mit Brandstelle am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Die betroffene Wasserpumpe in Fukushima-Reaktor 4 am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Demnach sei um 20:03 Uhr durch einen Überlastungsauslöser der Alarm an einer Wasserpumpe des alternativen Kühlsystems von Fukushima-Reaktor 4 ausgelöst worden.

Bei einer anschließenden Inspektion habe man den Brandfleck nahe dem Motorengehäuse der Pumpe  entdeckt und um 21:27 Uhr die örtliche Feuerwache in Naraha, die zur Feuerwehr von Tomioka gehört, informiert.

Das Unternehmen habe dann die Einschätzung der Feuerwehr, es habe kein Brand vorgelegen, übernommen. Wie lange der Ausfall der Pumpe dauern wird, ist noch nicht klar.

Noch am selben Tag wurde die sekundäre Pumpe gegen 20:27 Uhr gestartet, es habe weder signifikante Temperaturänderungen des Wassers noch Probleme mit der Stabilität des Kühlzustands gegeben.

Am gestrigen Dienstag wurde dann um 10:30 Uhr auch die sekundäre Pumpe des Kühlsystems kurzzeitig angehalten, um den Zustand zu überprüfen. Dabei habe es an dieser Pumpe angeblich keine Auffälligkeiten gegeben und auch ein möglicher Anstieg der Wassertemperatur sei kein Problem, da er schätzungsweise nur 0, Grad Celsius pro Stunde betrage. Man werde zusätzlich den Zustand der beiden Pumpen des Kühlsystems von Reaktor 1 prüfen, da diese ähnlich aufgebaut seien, wie die Anlage in Reaktor 4.

In einer Pressekonferenz am heutigen Mittwoch teilte das Unternehmen mit, man habe das Kühlsystem am Abklingbecken von Reaktor 4 um 18:16 Uhr (Ortszeit) neu gestartet. Die aktuelle Temperatur betrage 42 Grad Celsius.

Vorschlag zur Verwendung von Trümmerschutt als Parkgrundlage: Längst verfügt Japan über mehrere künstliche Inseln von denen einige bereits eine lange Geschichte aufweisen können. Diese Tradition hatte Hideki Matsuzaki, Bürgermeister von Urayasu (Präf. Chiba) möglicherweise im Hinterkopf, als er am gestrigen Dienstag sein Konzept zur Entsorgung der Katastrophentrümmer des Tohoku-Erdbebens 2011 vorstellte. Dem Entwurf des Politikers nach, soll ein Teil der Trümmer dazu dienen, eine Enge in der Bucht von Tokyo in räumlicher Nähe zum Vergnügungspark Tokyo- Disney- Sea aufzufüllen und dort einen öffentlichen Park zu errichten.

Yamashita-Park in Yokohama (Foto: 外国人 cc-by)
Vorbild für das Projekt: Yamashita-Park in Yokohama (Foto: 外国人 cc-by)

Die Stadtverwaltung liess ihren Plan, bei dem etwa 1,2 bis 2,5 Millionen Kubikmeter genutzt würden, auch dem Umweltministerium zukommen. Doch hier stößt man auf Widerstand. Unter Berücksichtigung des eng gesetzten Zeitplans für die Entsorgung der Trümmer, die bereits im März 2014 fertig gestellt sein soll, sei es sehr schwierig ein derartiges Projekt zu realisieren.

Als Argument für das Vorhaben bei dem mit dem Schutt eine sieben Meter tiefe, dreieckige Wasserfläche aufgefällt und mit einem 900 Meter langem Wellenbrecherdamm abgetrennt werden und so eine bewaldete Parkfläche von 27 Hektar entstehen soll, führt  Bürgermeister Matsuzaki den beliebten Yamashita Park von Yokohama an – der auf den Trümmern des großen Kanto-Erdbebens von 1923 erbaut worden war. Man plane damit also lediglich eine Art Yamashita Park – Teil Zwei.

Das Umweltministerium hält dennoch dagegen und erklärte, einer der Grundsätze sei es, dass Katastrophentrümmer immer entweder recycled oder auf Abfalldeponien entsorgt werde. Auch juristisch ergäben sich Hindernisse – etwa durch den Umstand, dass derartige Landgewinnungsprojekte prinzipiell Sache der Präfekturalverwaltung seien. Selbst bei Genehmigung durch die Präfektur Chiba und Anstrengungen der Stadt Urayasu würden Planung und Bau mindestens zwei Jahre dauern. Über die Angelegenheit berichtete die Mainichi Shimbun.

Prinz Tomohito von Mikasa stirbt mit 66 Jahren: Prinz Tomohito von Mikasa, Cousin des Tenno und sechster in der Thronfolge, verstarb am heutigen Mittwoch gegen gegen 15:35 Uhr (Ortszeit) im Alter von 66 Jahren im Kyoundo Krankenhaus in Tokyo. Das teilte das Kaiserliche Hofamt mit. Bereits seit Dezember vergangenen Jahres war er dort untergebracht, wo er nun verschied.

Prinz Tomohito von Mikasa verstorben (Foto: 2003, pd)
Prinz Tomohito von Mikasa verstorben (Foto: Aufnahme von 2003, pd)

Tomohito hat eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich. Seit 1991 musste er sich insgesamt 16 Operationen wegen Rachen- und Zungenkrebs unterziehen. Der letzte Eingriff, bei der ein Stück Halsknorpel entfernt worden war, fand im März diesen Jahres statt.

Am vergangenen Freitag hatte Tomohiro Blutungen in Mund und Nase aufgewiesen, sein Bewusstsein sei am gestrigen Dienstag stark gesunken und auch die Funktion von Nieren, Leber und die Atemfunktionen hätten sich verschlechtert.

Noch gestern hatte der  medizinische Leiter des Hofamtes zwar die Verschlechterung bestätigt – so habe Tomohito etwa nicht mehr auf Ansprache, sondern nur noch auf extrem starke Reize reagiert –  jedoch bestritten, dass sich der Prinz in einem kritischen Zustand befinde, meldete die Nachrichtenagentur jiji.

Als offizielle Todesursache wurde multiples Organversagen festgestellt. Über den Todesfall berichteten praktisch alle japanischen Medien, wie etwa die NHK, Yomiuri Shimbun, Asahi Shimbunn sowie die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

Fahndung nach flüchtigem Giftgas-Sektenmitglied läuft:Es wird eng für Katsuya Takahashi, das letzte flüchtige Führungsmitglied der Glaubensgemeinschaft Omu Shinrikyo, die nach zahlreichen anderen Verbrechen durch den Sarin-Anschlag auf die Tokyoter U-Bahn im Jahr 1995 international als „Giftgas-Sekte“ in die Medien kam.

Fahndungplakat von Katsuya Takahashi (Foto: KJ)
Fahndungsplakat von Katsuya Takahashi (Foto: KJ)

Seit 2002 soll der Gesuchte noch bis zum Montag dieser Woche unter dem Falschnamen Shinya Sakurai bei einem Bauunternehmen in Kawasaki (Präf. Kanagawa) gearbeitet haben, bevor er, offenbar aufgeschreckt durch die Festnahme von Naoko Kikuchi, erneut untertauchte.

Für diese Annahme sprechen die Aufnahmen von Überwachungskameras, die am Montag aufgenommen worden waren, als Katsuya Takahashi insgesamt 2,4 Millionen Yen von einem Bankkonto abhob. Dabei nutzte er die Direktauszahlung, da die Abhebesumme am Bankautomaten begrenzt ist. Die Polizei untersucht nun die Bankbewegungen des Kontos um zu ermitteln, ob seine Flucht möglicherweise von der Sekte gezielt organisiert worden war ebenso, wie weiteres Videomaterial an Bahnhöfen.

Die Polizei veröffentlichte jetzt Fotos, um die Bevölkerung über sein jetziges Aussehen zu informieren. So sind seine markanten Augenbrauen nun deutlich dünner, zusätzlich trägt er eine Brille. Der auf den Videoaufnahmen zu sehende rote Rucksack in dem er das abgehobene Geld am Montag transportierte wurde mittlerweile leer in der Wohnung in Kawasaki sichergestellt.

Flüchtiges Sektenmitglied lebte alleine in Kawasaki: Über seine bisherige Flucht heisst es aus Kreisen der Polizei, er habe ab 2002 gemeinsam mit Naoko Kikuchi in einer Wohnung in Kawasaki gelebt, bevor diese im Jahr 2006 ausgezogen sei um mit ihrem neuen Partner zusammenzuleben. Takahashi selbst soll noch bis Ende letzten Jahres dort gewohnt haben und in der Stadt seine Arbeit im Baugewerbe nachgegangen sein. Bei einer polizeilichen Befragung habe die inhaftierte Kikuchi ausgesagt, ihn seit sechs Jahren nicht mehr gesehen zu haben, identifizierte ihn jedoch auf den aktuellen Fotos.

Mitglied der Giftgas-Sekte nutzte Identitätsdiebstahl für Tarnung: Wie jetzt bekannt wurde, handelt es sich bei der Tarnidentität „Shinya Sakurai“ nicht um einen Phantasienamen. Vielmehr hat sich das ehemalige Sektenmitglied Takahashi offenbar in den Besitz einer Arbeitserlaubnis eines Firmenangestellten diesen Namens, ausgestellt von der Präfektur Saitama, gebracht. Der wirkliche Shinya Sakurai zeigte sich wütend und bestürzt und erklärte laut Mainichi Shimbun, er habe keine Ahnung, wie seine Identität missbraucht werden konnte.

Über die Fahndung nach Katsuya Takahashi, der im Zusammenhang mit dem Sarin-Anschlag gesucht wird, berichten unter anderem die Mainichi Shimbun, die Yomiuri Shimbun, sowie die Kyodo.

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