Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO verweigert Fukushima-Arbeitern Gefahrenzulage

Japan aktuell: TEPCO verweigert Fukushima-Arbeitern Gefahrenzulage

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Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Daten zur Strahlungsbelastung der AKW-Arbeiter veröffentlicht (Symbolfoto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Auf dem Weg zum Kraftwerk: Gleiche Arbeit, zweierlei Maß (Foto: TEPCO)aaaddd

Die Woche beginnt mit Meldungen die alles andere als beruhigend sind. Nicht allein die Zahlen zur Kontamination der Umwelt durch das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi sind konsternierend, die aus Fukushima aktuell gemeldeten Umstände bei der Zahlung einer Gefahrenzulage sind ebenfalls geeignet, den Start in die Woche äußerst ernüchternd ausfallen zu lassen.

Mehr hierzu, sowie zu einem beunruhigenden Hotspot der sich erneut in Tokyos Stadtteil Setagaya fand und weitere Fukushima News, nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Oktober 2011.

Ungewöhnlicher Hotspot in Setagaya: Nachdem der letzte Hotspot im Stadtteil Setagaya offiziellen Medienberichten zufolge noch ausschließlich auf mit Radium gefüllte Behälter in einem leerstehenden Gebäude zurückzuführen war, wurde nun ein weiterer stark radioaktiv belasteter Bereich entdeckt – und auch in diesem Fall sei ein Bezug zum Reaktorunglück am AKW Fukushima Daiichi unwahrscheinlich.

Dem Hinweis eines Bürgers nachgehend, hätte die Stadtverwaltung einen Wert von 110 Mikrosievert pro Stunde im Bereich des Supermarkts „Powerlarks Setagaya“ festgestellt und den Behörden gemeldet worden, erklärte der Bürgermeister des Stadtbezirks. Der Supermarkt sei aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen worden. Die mögliche Ursache ist noch unklar, allgemein ist von einer unterirdischen Strahlungsquelle die Rede.

Das Wissenschaftsministerium entdeckte auf einem Bürgersteig, 60 Zentimeter von der Grundstücksgrenze des Supermarkts entfernt einen noch stärkeren Hotspot von 170 Mikrosievert pro Stunde. Die höheren Werte seien durch den Einsatz von technisch höherwertigem Gerät („Ionisationskammern“) durch das Wissenschaftsministerium entdeckt worden.

Auch die Werte von 30 bis 40 Mikrosievert, die von der Stadtverwaltung in 25 Metern Entfernung vom ersten Hotspot auf dem Grundstück des Supermarkts gemessen worden waren, wurden durch das Wissenschaftsministerium  korrigiert.

Dort habe man 110 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Daraufhin erfolgte eine Aufforderung an den Supermarktbetreiber und die Präfekturverwaltung Tokyo, die rechtlich für den Bürgersteig verantwortlich ist dazu auf, durch die Entfernung des Betonbodens die Suche nach der Ursache einzuleiten.

Messungen an einem Gebüsch des Supermarktgebäudes hatten Werte von 4,7 in einem Meter Distanz zum Boden und 110 Mikrosievert auf dem Boden selbst aufgezeigt.

Nach Meldung von  Yahoo! News Japan sei zudem an der ersten Stelle Europium-152 nachgewiesen worden. Europium findet unter anderem  neben Dysprosium und Holmium auch bei der Herstellung von Kontrollstäben für Kernreaktoren Verwendung.

Freisetzung von radioaktivem Cäsium in Fukushima höher als gedacht: Der erste Vorbericht einer Studie zum Ausmaß der Reaktorkatastrophe am japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zeigt, dass praktisch doppelt so viel radioaktives Material in die Atmosphäre freigesetzt wurde als von der japanischen Regierung vermutet. Demnach betrage die radioaktive Belastung von Fukushima bislang 40 Prozent dessen, das seinerzeit im Kernkraftwerk Tschernobyl freigesetzt worden war.

Die deutlich höheren Schätzungen zu den Werten an radioaktivem Cäsium-137 sind vor allem durch die Einbeziehung von Messwerten weltweiter Sensoren zurückzuführen. Die japanische Regierung hatte für ihre eigenen Beurteilungen lediglich auf nationale Daten zurückgegriffen und damit Emissionen die auf das Meer hinausgetragen worden waren, nicht berücksichtigt.

In der Tat sind die Unterschiede frappierend. Im Sommer war die Regierung von einem Gesamtwert in Höhe von 15.000 Terabecquerel Cäsium ausgegangen, der durch das Fukushima-Unglück freigesetzt worden sei. Der neue Bericht von Andreas Stohl vom norwegischen Institut für Air Research und seiner Kollegen kommt dagegen auf Schätzungen von 36.000 Terabecquerel bis zum April diesen Jahres, was 42 der  geschätzten Tschernobyl-Freisetzung entspricht. Dieser Unterschied sei jedoch nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass derartige Schätzungen im Allgemeinen extrem ungenau seien und einige vorangegangene Schätzungen sogar höher als die eigenen gelegen hätten.

Über mögliche gesundheitliche Folgen macht die Studie die offiziell noch nicht abgeschlossen ist, jedoch nach Durchsicht von Experten bereits vorab vom „Journal Atmospheric Chemistry and Physics“ im Internet zur Diskussion veröffentlicht worden war zwar keine Angaben, enthüllt jedoch ein weiteres interessantes Detail:

Die Höhe der Cäsiumwerte in der Luft war schlagartig gesunken, nachdem die provisorische Kühlung der abgebrannten Brennstäbe durch das Besprühen der mit Wasser begonnen hatte. Damit wird augenscheinlich die bisherige Überzeugung, aus dem Abklingbecken sei kein Cäsium freigesetzt worden, widerlegt.

Einen Kommentar der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA hierzu gibt es bislang noch nicht, da man die Inhalte noch nicht durchgesehen hätte, so das Ministerium.

Belastung des Pazifiks möglicherweise 30 Mal höher: Dem Bericht eines französischen Forschungsinstitus nach ist es möglich, das mehr als 30 Mal höhere Werte an radioaktivem Cäsium-137 in das Meer gelangten, als zuvor vom Fukushima-Kraftwerksbetreiber TEPCO angegeben.

Das Institut für Strahlenschutz und Atomsicherheit kommt in seinem Bericht zu dem Schluss, dass sich die Isotopenzahl der radioaktiven Isotope die zwischen dem 21. März und Mitte Juli in den Ozean gelangt sei, auf schätzungsweise 27.1 Quadrillionen Becquerel beläuft. Eine Quadrillion entspricht 1.000 Trillionen.

Die Kontamination sei dabei außergewöhnlich schnell vor sich gegangen, da das Kraftwerk sich in einem Küstengebiet mit starken Strömungen befindet. Der Studie nach seien 82 Prozent des Materials zum 8. April ins Meer gelangt, insgesamt sei die Menge der durch das Unglück freigesetzten Menge bislang beispiellos.

Zudem warnt das Institut, dass sich noch ein signifikanter Grad von radioaktiver Belastung im Küstengebiet der Präfektur Fukushima und damit nordöstlich von Tokyo befinde. Zwar habe das Ausmaß der Kontamination auf Meereslebewesen in tieferen und weiter entfernten Gebieten seit August vermutlich abgenommen – dennoch gilt es zu bedenken, dass Cäsium über eine Halbwertszeit von 30 Jahren verfügt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Fukushima Dekontamination durch Freiwillige – Einwohner fordern Kostenerstattung: Insgesamt 108 freiwillige, unter ihnen Personen von Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido, sowie den Präfekturen Gifun und Osaka begannen am Samstag im Stadtteil Onami (Fukushima) mit der größtenteils manuellen Dekontamination. Dort waren vergleichsweise hohe Werte gemessen worden.

So sammelten sie altes Laub ein und ersetzten die abgetragenen obersten Erdschichten mit unbelasteter Erde. Die wichtigste Sicherheitsmaßnahme für die freiwilligen Helfer, die bei der Arbeit Handschuhe und Schutzmasken tragen, belief sich auf den Hinweis, niemals den Atemschutz abzunehmen und sich nicht zu verletzten. Das meldet die Asahi Shimbun.

Andererseits sind zunehmend Einwohner wütend darüber, für die Kosten der eigenen freiwilligen Arbeit –  unter anderem den Kauf von teuren Hochdruckreinigern – nicht entschädigt zu werden, berichtet die Mainichi Shimbun. So sehen etwa auch die bisherigen Entschädigungsregelungen zwischen dem Wissenschaftsministerium und dem AKW Betreiber TEPCO keinen finanziellen Ausgleich  für private Dekontaminationsausgaben vor. Auf diesen Umstand verwies das Unternehmen auch angesichts der Bürgerproteste.

Keine Gefahrenzulage für Teil der Fukushima-Arbeiter: Zunächst von den Medien als Helden von Fukushima glorifiziert, wurden später die teils katastrophalen Umstände von Unterbringung und Versorgung der Arbeiter am AKW bekannt. Auch wenn sich dies nun gebessert haben mag – einem Teil der Arbeiter soll nun die Gefahrenzulage nicht gezahlt werden. Grund hierfür ist ihre Unterbringung außerhalb der Anlage, doch TEPCO weist die Verantwortung hierfür von sich.

Zunächst waren die Arbeiter in einem erdbebensicheren Gebäude untergebracht, doch dort wurde es zunehmend enger, so dass Toshiba Inc. im Mai ein Gebäude außerhalb des Westtores einrichtete. Im August folgte das Unternehmen Kajima Inc. und eröffnete ein weiteres Gebäude, südlich der von  Toshiba gebauten Anlage.  Beide befinden sich damit etwa zwei Kilometer westlich der Reaktoren. Damit befinden sich die Lager zwar außerhalb des Betriebsgeländes, doch dafür näher an den Reaktoren.

Da sie aber nicht in den von TEPCO vorgelegten „Radiation Management Zones“ gelistet werden, bekommen die dort untergebrachten Arbeiter keine Gefahrenzulage – und das obwohl in den Lagern die Strahlung sogar die zulässigen Grenzwerte übersteigt.

Die gesetzlich festgelegte Höchstgrenze  liegt für „Radiation Management Zones“ bei 1,3 Milisievert pro Monat, was pro Stunde 2,6 Mikrosievert pro Stunde entspricht. Diese Regelung soll dem Schutz vor gesundheitlichen Schäden durch ionisierende Strahlung dienen TEPCO teilte jedoch mit, am 7. Oktober habe die Strahlung im Toshiba Gebäude zwischen 2 und 16 Mikrosievert pro Stunde betragen, in der von Kajima eingerichteten Anlage zwischen 2 bis 8,5  Mikrosievert pro Stunde.

Der Fukushima-Betreiber behauptet nun, die Firmen, welche die Lager aufbauten, seien dafür zuständig, die Gebiete als „Radiation Management Zones“ zu kennzeichnen, während die beiden Firmen erklärt hatten, dass es aus ihrer Sicht die Aufgabe von TEPCO sei.

Ein Sprecher von Toshiba kommentierte auf Anfrage, die Firma sei nicht in der entsprechenden Position um derartige Bereiche festzulegen. Kajima Inc. erklärte, der Bereich sei zwar nicht als solcher festgelegt worden, man habe jedoch alle Kontroll- und Dekontaminationsrichtlinien wie von TEPCO vorgeschrieben, eingehalten

Rein juristisch gesehen ist nach dem Gesetz der „Betreiber“ sei für die Kennzeichnung der Zonen verantwortlich und damit TEPCO.  Allerdings können auch die Erbauer der beiden Gebäude als deren „Betreiber“ bezeichnet werden. Somit hat man es mit juristischen Spitzfindigkeiten und Kompetenzgerangel zu tun die zu Lasten der Arbeiter, ihrer Gesundheit und ihrer Gehälter gehen. Das meldet die Mainichi Shimbun.
Erneut Shiitake aus Gewächshaus über Grenzwert hinaus belastet: Spreadnews berichtete erstmals am 16. Juli über Gewächshaus-Pilze die den Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm überschritten. Nun meldete die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag einen weiteren Fall.  Bei im Gewächshaus gezüchteten Pilzen aus Soma (Präf. Fukushima) waren 850 Becquerel Cäsium pro Kilogramm nachgewiesen.
Sowohl die Stadt als auch die Händler wurden angewiesen, die Pilze nicht weiter in den Handel gelangen zu lassen. Seit Montag waren 1070 Packungen von ja 100 Gramm versandt worden. Es wird angenommen, dass sie seit Dienstag in insgesamt neun Supermärkten der Präfektur verkauft wurden.

Senkung der Lebensmittelhöchstwerte: Bereits am Donnerstag hatte ein Ausschuss zur Lebensmittelsicherheit in einem Bericht dazu aufgerufen, die Maximaldosis an inkoprorierten Strahlung, der ein Mensch während seines Lebens ausgesetzt werden darf, unter 100 Milisievert festzulegen, da andernfalls das Risiko von Krebs zunehme.

Als Reaktion darauf plant die Regierung eine Senkung des bisherigen Jahreshöchstwertes von Radioaktivität die durch Nahrung aufgenommen werden darf, von bislang fünf Milisievert auf ein Milisievert pro Jahr. Die Maßnahme solle dann im April 2012 in Kraft treten und alle nach diesem Datum gehandelten landwirtschaftlichen Produkte umfassen. Das berichten die Mainichi Shimbun und die Nachrichtenagentur Kyodo.

Kashiwa bittet Regierung um Hilfe bei Dekontamination eines Hotspot: In einer Meldung von Freitag berichtete die Yomiuri Shimbun, die Stadtverwaltung habe erklärt, die Dekontamination eines Bereiches mit einem derart hohen Wert radioaktiver Belastung läge außerhalb der Möglichkeiten einer lokalen Verwaltung, daher bitte man um die Unterstützung der Regierung.

Der vor einer Woche entdeckte Hotspot mit einer Strahlung von 75,5 Mikrosievert pro Stunde  ist bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin aktiv. Die Strahlung sei in 30 Zentimeter über dem Boden gemessen worden. Bei der anschließenden Untersuchung habe man eine  Belastung des Erdreichs mit Cäsium bis zu 276.000 Becquerel pro Kilogramm festgestellt.

Am Sonntag erklärte das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie, es sei wahrscheinlich, dass der Hotspot von Kashiwa auf den Unfall am AKW Fukushima Daiichi zurückzuführen sei. Vermutliche Ursache ist die Ansammlung radioaktiv belasteten Niederschlags. Vergleichbare Funde an anderer Stelle seien möglich, da unmittelbar nach der Katastrophe das radioaktive Cäsium in Wolken reicht weit im Großraum Tokyo verbreitet worden sei.

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