Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO will Krisenmanagement nach Fukushima verlegen

Japan aktuell: TEPCO will Krisenmanagement nach Fukushima verlegen

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Allgemeines Meeting im Fukushima-Katastrophenzentrum. Foto: Tepco
Katastrophenmanagement soll gänzlich nach Fukushima (Foto: TEPCO)
Allgemeines Meeting im Fukushima-Katastrophenzentrum. Foto: Tepco
Katastrophenmanagement soll gänzlich nach Fukushima (Foto: TEPCO)

Zu Beginn der Woche ist das Thema Fukushima aktuell wie immer und auch im Bezug auf das AKW Oi gibt es neue Entwicklungen, wartete man doch auf die Entscheidung zur Sicherheit der Anlage. So kommt es, das neben dem Kernkraftwerk Fukushima heute auch eine weitere Reaktoranlage von besonderem Interesse ist.

Weitere Meldungen, etwa zu Zahlungen beim Wiederaufbau gibt es neben den Fukushima News ebenso – im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. November 2012.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • TEPCO will Krisenverwaltung gänzlich in Präfektur Fukushima verlegen
  • Katastrophenübungen in Kesennuma und Ishinomaki
  • Entscheidung über Verwerfungseinschätzung am AKW Oi verschoben
  • Sonderzahlungen für Aufbauarbeiter nicht ausgezahlt
  • Informationsveranstaltung über Schilddrüsen-Belastung zeigt Unzufriedenheit
  • UN fordert Gesundheitsschutz nach Fukushima-Krise
  • Abriss von geschädigten Wohnkomplexen nur mit Zustimmung
  • Sea Shepherd beginnt Aktionen gegen Japans Walfang
  • Äußerungen des Dalai Lama und wiederholte Grenzverletzungen im Inselstreit
    • Dalai Lama empfiehlt größeren Blickwinkel
    • USA und Japan halten Manöver ab
    • Dritte Grenzverletzung in Folge
    • Japan protestiert gegen wiederholte Grenzverletzungen
    • China und Japan wollen Gespräche fortsetzen
    • Streit mit Russland um Nördliche Territorien soll geklärt werden

TEPCO will Krisenverwaltung gänzlich in Präfektur Fukushima verlegen: In seinem mittelfristigen Zukunftsplan sieht der Energiekonzern TEPCO die Verlegung der Abteilung zur Bewältigung der Atomkatastrophe direkt in die Präfektur Fukushima vor. Hier sollen bis zu 4.000 Angestellte die Abwicklung von Entschädigungsleistungen und Dekontaminationsmaßnahmen effizienter gestalten.

Bislang werden die entsprechenden Anträge und Anordnungen zwischen der Firmenzentrale in Tokyo und der Niederlassung in Fukushima ausgetauscht, was zu den viel kritisierten Verzögerungen bei Zahlungen und Wiederaufbau geführt habe. Das bisherige Team wird von bislang 3.500 aufgestockt und unter offizieller Leitung agieren.

Die Zahl der Angestellten, die in der Dekontamination tätig sind, soll mit einem Anstieg von 100 auf 300 ebenfalls erhöht und eine Forschungseinrichtung samt Personal, die eine Verbesserung der technologischen Möglichkeiten der Reaktorstilllegung ermöglichen soll eingerichtet werden.

Diese Maßnahmen sollen in den neuen Zeitplan des Management-Konzepts einfliessen, dass in dieser Woche veröffentlicht werden soll. Voraussichtlich ab Januar kommenden Jahres soll die Verlegung der Atomkrisen-Abteilung nach Fukushima erfolgen.  Hierüber berichteten jiji, Asahi Shimbun, Kyodo und Yomiuri Shimbun.

Katastrophenübungen in Kesennuma und Ishinomaki:Am Samstag fanden in zwei Orten der Präfektur Miyagi große Katastrophenübungen statt.  Es sind die ersten großen Übungen in der Region seit den Tohoku-Katastrophen. Allein in Kesennuma nahmen etwa 3.100 Personen teil.

Szenario der Übung war ein Erdbeben der Stärkte 9 vor der Sankriku-Küste gegen 9:00 Uhr Morgens. Teil der  Übung war sowohl die Nutzung des drahtlosen Alarmsystems und der Mobiltelefonwarnungen, als auch der Transport von Verletzten von der Insel Oshima in das Rotkreuz-Krankenhaus von Ishinomaki. Über die Übungen berichteten NHK und Yomiuri Shimbun.

Entscheidung über Verwerfungseinschätzung am AKW Oi verschoben: Am Sonntag hatte sich Japans Atomaufsicht NRA mit einer unabhängigen Expertengruppe getroffen, um anhand deren Einschätzung einer unter dem Kernkraftwerk Oi verlaufende geologische Verwerfung, über Weiterbetrieb oder Stilllegung der Anlage entscheiden zu können.

Doch  nun wurde die Entscheidung verschoben.

Die Experten sind sich zwar darüber einig, im Gestein deutliche Merkmale dafür gefunden zu haben, dass eine Schicht des Untergrunds der Kernkraftanlage vor etwa 125.000 Jahren verschoben wurde, über die Ursache besteht jedoch noch Uneinigkeit

Während Professor Mitsuhisa Watanabe (Universität Tokyo),  die als F-6 bezeichnete Verwerfung als aktiv klassifizierte, da sie in den vergangenen 120.000 bis 130.000 geologische Aktivität gezeigt habe, zieht sein Kollege Atsumasa Okada (Ritsumeikan Univ.) auch die Möglichkeit in Betracht, die Merkmale, die im Gestein für eine Bewegung sprächen, könnten auch durch Erdrutsche entstanden sein und warnt vor übereilten Entschlüssen.

Auch zwei ihrer Kollegen sind geteilter Ansicht.

Daisuke Hirouchi, Dozent für Geographie (Universität Shinshu) ist der Ansicht, eine mögliche Aktivität der Verwerfung könne in der Tat nicht ausgeschlossen werden, während Norio Shigematsu, leitender Forschungswissenschaftler am Nationalen Institut für Industrietechnik (JAIST) favorisiert dagegen die Wahrscheinlichkeit einer nicht aktiven Verwerfung.

Am heutigen Montag entschied man sich für eine weitere Diskussion. Diese ist für Mittwoch anberaumt. An dieser sollen dann auch Vertreter des Kraftwerksbetreibers Kansai Electric teilnehmen. Es wird erwartet, dass die Wissenschaftler weitere Untersuchungen vom Betreiber verlangen werden, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Die aktuellen Diskussionen sind Teil der Berichterstattung von NHK, Asahi Shimbun, jiji, sowie weiterer Medien.

Sonderzahlungen für Aufbauarbeiter nicht ausgezahlt: Im Januar erliess das Umweltministerium den Beginn von Dekontaminationsarbeiten an wichtigen Einrichtungen um das AKW Fukushima Daiichi, wie etwa den Verwaltungssitzen von Gemeinden.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
"Gefahrenzulage" für Dekontamination oft unterschlagen (Foto: pd)

Insgesamt entstanden so 18 Projekte mit insgesamt mehreren tausend Arbeitern, die an den aktuellen Dekontaminationsaufgaben beteiligt sind.

Neben ihrem regulären Gehalt, haben sie Anspruch auf eine zusätzliche Tagesleistung, die  je nach Entfernung zum Kraftwerk und der Strahlungshöhe  zwischen 3.300 und 10.000 Yen beträgt.

Nun ist jedoch bekannt geworden, das trotz der Übereinkunft zwischen dem Umweltministerium und 12 Hauptfirmen, in vielen Fällen keie Zusatzbesoldung ausgezahlt wird. Bei allen sechs Hauptfirmen, die über Mittel von jeweils mindestens 100 Millionen Yen verfügen, gab es keine Zahlungen.

Leitende Angestellte mehrerer Subunternehmen gaben auf Befragung durch die Asahi Shimbun zu, keine Extrazahlung geleistet zu haben und ihrerseits von den Hauptvertragspartnern, die das Geld unmittelbar von der Regierung beziehen, keine Finanzmittel für Sonderzahlungen erhalten zu haben.

Das Umweltministerium kündigte an, die Angelegenheit zu untersuchen um eine Wiederholung zu verhindern. Da die zusätzlichen Zahlungen die Arbeiter für die Gefahr durch Strahlung und die mentale Belastung entschädigen soll, stellt das Fehlen dieser Leistung ein ernstes Problem dar, summiert der Generaldirektor des Büros für Umwelt-Management.

  • In einem Fall ordnete das Hauptunternehmen die Zahlung der zum Lohn von 200.000 Yen  zustehenden Sonderzahlung von 6.600 Yen an einen Arbeiter an. Im Lohnbuch wurde die Zahlung vermerkt – und der Lohn gesenkt um die Kosten auszugleichen. Mittlerweile sei die Sonderzahlung in der Vertragssumme zum Subunternehmen aufgenommen worden.
  • In einem weiteren Fall wurde der Ausgleich von 10.000 Yen zwar vom Subunternehmer an seine Angestellten ausgezahlt, diese jedoch nicht in den Vertrag mit einem weiteren Subunternehmen aufgenommen. Es habe keine andere Möglichkeit gegeben, da das Hauptunternehmen dies nicht zahlen würde.

Fünf der sechs Hauptunternehmen mit Dekontaminationsprojekten im Wert von je 100 Millionen Yen gaben an, die Zusatzzahlungen seien im Vertragsgehalt an Subunternehmer enthalten. Bei diesen Unternehmen handelt es sich um:

  • Hazama Corp.
  • JDC Corp.
  • Kajima Corp.
  • Shimizu Corp.
  • Taisei Corp.

Das sechste Unternehmen, die Okumura Corp. verweigerte gegenüber den Medien jeden Kommentar.

Informationsveranstaltung über Schilddrüsen-Belastung zeigt Unzufriedenheit: Eine Informationsveranstaltung über die Schilddrüsenuntersuchungen an Kindern der Präfektur Fukushima dauerte nicht nur eine Stunde länger als die geplanten zwei Stunden, sondern machte auch die Unzufriedenheit der anwesenden 70 Einwohner deutlich.

Schilddrüse (Grafik: pd)
Veranstaltung zu Schilddrüsentests an japanischen Kindern (Foto: pd)

Die Untersuchung der Schilddrüsen aller Kindern der Präfektur unter 18 Jahren begann im Oktober 2011 und bislang ist immerhin ein Drittel, nämlich 115.000 Kinder, getestet worden. Dennoch kritisierten die Bürger die Tests, da sie nicht mit zufriedenstellenden Erklärungen einhergingen.

Auch der Umstand, dass die Aushändigung von Aufnahmen der Schilddrüse erst beantragt werden muss, wurde auf der Veranstaltung kritisiert und der Leiter der Schilddrüsenkontrollen, Professor Shinichi Suzuki von der medizinischen Universität Fukushima erklärte, man werde eine Freigabe ohne Antrag erwägen, berichtet die Mainichi Shimbun.

In Hinsicht auf mögliche medizinische Folgeschäden betonte Professor Suzuki, dass es zu diesem Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich sei, dass mit einem Anstieg der Rate von Kehlkopfkrebs gerechnet werden müsse, da die gemessenen Werte im Bereich des Normalen liegen würden.

Während 65 Prozent der getesteten Kinder zur Gruppe A1 gehören und keine Zysten in diesem Bereich aufweisen, wird die zweitgrößte Gruppe  der gestesteten Kinder (35 Prozent) als A2 eingeschätzt und weisen damit  Zysten von 20 Millimetern oder kleiner auf. In Japan wurden noch nie epidemiologische Studien zu Schilddrüsentumoren bei Kindern durchgeführt.

Ähnliche Aufklärungsveranstaltungen sollen am 10. November in der Stadt Fukushima und am 18. November in Minamisoma, sowie an anderen Orten stattfinden.

UN fordert Gesundheitsschutz nach Fukushima-Krise: In ihren am Freitag zusammengestellten Empfehlungen ruft ein Arbeitskreis des UN-Menschenrechtsrats die japanische Regierung dazu auf, die Menschen vor den gesundheitlichen Folgeschäden durch radioaktives Material zu schützen.

Es ist das erste Mal, dass neben den üblichen Kritiken an der Trostfrauen-Politik und der Todesstrafe eine derartige Aufforderung gegen Japan erfolgt, berichtet die jiji.

Abriss von geschädigten Wohnkomplexen nur mit Zustimmung: In einem Bericht kommt ein Expertenausschuss für katastrophengeschädigte Wohnanlagen zu dem Schluss, dass Gebäude, die durch Katastrophen stark beschädigt wurden, nur mit einem Einverständnis von achzig Prozent der Bewohner abgerissen werden dürfen.

Auch Grundstücke und Neubauten bedürften einer derartigen Zustimmung heisst es in dem Zwischenbericht, der ab heute online zugänglich ist, um die Meinung der Öffentlichkeit hierzu einzuholen. Später soll der Sachverhalt diskutiert und ein Gesetzesentwurf verfasst werden, berichtet die Mainichi Shimbun.

Sea Shepherd beginnt Aktionen gegen Japans Walfang: Wie am Freitag angekündigt, will die radikale Umweltschutzorganisation Sea Shepherd bereits heute die diesjährige Anti-Walfangkampagne beginnen und ist damit einen Monat früher als im vergangenen Jahr aktiv. Die „Steve Irwin“, das Flagschiff der Gruppe soll heute in Melbourne auslaufen.

Sea Shepherd Schiff "Steve Irwin" (Foto: Melburnian cc-by)
Sea Shepherd: Walfang-Misserfolg ist ihr Erfolg (Foto: Melburnian cc-by)

Als Grund für den früheren Beginn der Aktion nannten die Aktivisten, man wolle versuchen die Walfangflotte bereits im Nordpazifik abzufangen, bevor sie antarktische Gewässer erreicht und durch den Einsatz von vier Schiffen, einem Helikopter, acht Kleinbooten und drei Drohnen, den Walfang zu verhindern, oder zu stören, heisst es von der jiji.

Von Interesse für die  Strafverfolgung dürfte die Behauptung sein, auch Paul Watson, Leiter von Sea Shepherd, sei an der Leitung der Aktion beteiligt.

Watson wird nach Forderungen Japans von Interpol über eine so genannte „Red Notice“ international gesucht.

Äußerungen des Dalai Lama und wiederholte Grenzverletzungen im Inselstreit: Nachdem das Wochenende mit Chinas Provokationen auf die schon bekannte Weise verging – Eindringen in Grenzzone oder Hoheitsgewässer, Propaganda und Rückzug – hat sich nun auch der Dalai Lama geäußert.

Dalai Lama empfiehlt größeren Blickwinkel: Bei seinem Besuch in Japan rief der Dalai Lama dazu auf, sich um einen weiteren Horizont zu bemühen, um die Beziehungen zwischen China und Japan zu verbessern. Beide Länder würden einander brauchen. Das gelte auch im Fall der japanisch-koreanischen Beziehungen.

USA und Japan halten Manöver ab: Am heutigen Montag begannen Einheiten beider Länder in der Nähe der Präfektur Okinawa eine zwölftägige Übung. Mehr als 37.000 Kräfte aus Japan und 10.000 US-Kräfte, darunter ein Flugzeugträger, sind beteiligt. Auch eine japanische Spezialeinheit für die Verteidigung entfernter Inseln wird aktiv sein. Anders als bei einer ähnlichen Übung 2010, sind in diesem Jahr keine Medien zugelassen.

Dritte Grenzverletzung in Folge: Am Sonntag drangen vier chinesische Schiffe gegen 11:40 Uhr in japanische Gewässer ein und verliessen diese vor 15:00 Uhr. Es ist das dritte Mal in Folge, das China im Rahmen seiner Provokationen in japanische Gewässer eindringt und bereits das elfte Mal seit dem Kauf von drei Senkaku-Inseln durch Japans Regierung.

Japan protestiert gegen wiederholte Grenzverletzungen: Japans stellvertretender Außenminister Chikao Kawai, rief noch am Sonntag den chinesischen Botschafter in Japan an und sagte es sei absolut inakzeptabel, dass Chinas Schiffe wiederholt in japanische Gewässer eindringen und forderte den sofortigen Abzug. Die Reaktion des Botschafters bestand in der bekannten chinesischen Propaganda.

China und Japan wollen Gespräche fortsetzen: Bei einem Treffen in Wuhan (China) am heutigen Montag, kamen Vertreter beider Länder darin überein, trotz der Spannungen weiterhin diplomatische Kanäle zu unterhalten, um bilaterale Beziehungen besser pflegen zu können.

Streit mit Russland um Nördliche Territorien soll geklärt werden: Shinji Tarutoko, Minister für Angelegenheiten der Nördlichen Territorien besuchte am Sonntag das Nosappu-Kap, den östlichsten Teil von Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido und erklärte, er wolle den Territorialdisput mit Russland um die Nördlichen Territorien – die Inselkette der Kurilen, die derzeit von Russland verwaltet werden – schnell beilegen.

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