Start Aktuelles Japan aktuell: TEPCO zeigt Bilder von neuem Fukushima-Schutzanzug

Japan aktuell: TEPCO zeigt Bilder von neuem Fukushima-Schutzanzug

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Schutzanzug mit transparenten Dosimetertaschen am 12. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)
Schutzanzug mit transparenten Dosimetertaschen am 12. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)
Schutzanzug mit transparenten Dosimetertaschen am 12. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)
Schutzanzug mit transparenten Dosimetertaschen am 12. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)

Vor allem zu Beginn der Krise war TEPCO auch für die notdürftig abgedichtete Schutzkleidung seiner Angestellten kritisiert worden und besserte daraufhin bei den Arbeitsbedingungen nach.

Als zuletzt die Manipulation von, am Körper getragenen Dosimetern bekannt wurde, versprach der Konzern Besserung. Die vom Betreiber des AKW Fukushima heute vorgestellten Schutzanzüge sollen künftig derartige Manipulationen verhindern.

Doch gibt es vom Kernkraftwerk in Fukushima aktuell mehr zu berichten, als nur angepasste Schutzkleidung. Tatsächlich befassen sich die heutigen Fukushima News erneut mit den Folgen für die Bevölkerung.

Einzelheiten und sonstige Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Oktober 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Fotos des Schutzanzugs mit transparenter Dosimetertasche veröffentlicht
  • Katastrophenwarnsystem J-Alert zu großen Teilen ineffektiv
  • Hohe Brandgefahr nach Erdbeben
  • Hunde nach Tohoku-Katastrophen traumatisiert
  • Große Übergangssiedlungen in Präfektur Fukushima geplant
  • Japan wehrt sich bei Senkaku-Streitigkeiten
    • Japan protestiert gegen Taiwans Zeitungs-Propaganda
    • Japanischer Diplomat stärkt Anspruch im US-Fernsehen
    • Japans UN-Vertreter kritisiert Chinas Anspruch
    • Chinas Schiffe verlassen Japans Grenzgewässer:

Fotos des Schutzanzugs mit transparenter Dosimetertasche veröffentlicht: Nachdem es in der Vergangenheit zu Manipulationen an Dosimetern der Arbeiter gekommen war, etwa durch die Abschirmung mit Bleihüllen, hatte TEPCO angekündigt, Schutzanzüge mit transparenten Brusttaschen einzuführen und kurz darauf erste Entwürfe gezeigt (Spreadnews berichtete).

Transparenter Brustbereich des Fukushima-Schutzanzugs am 12. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)
Transparenter Brustbereich des Fukushima-Schutzanzugs am 12. Oktober 2012 (Foto: TEPCO)

Heute veröffentlichte TEPCO dann Fotos des Schutzanzugs aus Tyvek, der seit dem 15. Oktober 2011 für alle Angestellten, die bei ihrer Arbeit besonders starker Strahlung ausgesetzt sind verpflichtend werden wird und transparente Brusttaschen aufweist.

Die Transparenz soll visuelle Kontrollen erleichtern, bei denen die Mitführung eines Dosimeters überprüft wird.

Zuvor hatten Arbeiter auch angeben, ihr Dosimeter vergessen, oder bei der Ausgabe der Geräte keines erhalten zu haben.

Taktile Kontrollen durch Abtasten wurden von Angestellten als zu ungenau beurteilt, da nur schwer zwischen einem Dosimeter und etwa einer Schachtel Zigaretten unterschieden werden könne.

Eine Ausweitung der Tragepflicht auf Kraftwerksarbeiter mit anderem Aufgabenbereich, die nicht unmittelbar durch hohe Strahlung gefährdet sind, wird noch erwogen.

Katastrophenwarnsystem J-Alert zu großen Teilen ineffektiv: Über die Mängel und Schwächen des landesweiten Notfallwarnsystems war bereits mehrfach berichtet worden, hatten doch Testläufe immer wieder Probleme bei Umsetzung und Funktion gezeigt. Jetzt legte ein Gutachtergremium hierzu einen Bericht vor.

Eine Untersuchung zeigt, dass das von der Brand- und Katastrophenschutzbehörde entwickelte J-Alert, mit 1.719 Gemeinden zwar eine Abdeckung von 99 Prozent aller 1.742 Städte und der Bezirke von Tokyo erreicht, gleichzeitig jedoch das von den örtlichen Behörden betriebene System in weniger als 60 Prozent  in der Lage ist, automatische Warnungen auszugeben.

Während lediglich 998 Standorte erfolgreich die Alarmmeldungen über das drahtlose Kommunikationssystem versenden, wird J-Alert in 569 Gemeinden nicht einmal während einer Gefahrensituation aktiv. Bei der Suche nach den Gründen wurden lediglich 14 Städte in den drei Katastrophenpräfekturen ausgenommen.

Die Gutachter drängen nach der Auswertung auf Maßnahmen zur effektiven Nutzung von J-Alert, das über einen Kommunikationssatelliten die Katastrophenwarnungen drahtlos verschickt. Doch ganze 478 örtliche Verwaltungen verfügen über keine Anlage zur automatischen Aktivierung.

  • Die Analyse zeigt als Hauptgrund das gänzliche Fehlen, oder eine veraltete, lediglich analoge Version der drahtlosen Kommunikation in 294 Gemeinden – mit Modernisierungskosten bis 300 Millionen Yen vor allem eine Kostenfrage.
  • An 152 Orten hat die Zusammenlegung von Gemeinden und damit verbundene Probleme bei der Koordination dazu geführt, dass lediglich bestimmte Teile der Ortschaften erreicht werden.
  • Insgesamt 91 Städte und Gemeinden haben die Nutzung von J-Alert eingestellt – nach Angaben der Mainichi Shimbun aufgrund von Beschwerden der Bürger über die nächtliche Ruhestörung durch die Sirenen und eine Reihe von Fehlalarmen nach Katastrophen.

Hohe Brandgefahr nach Erdbeben: Das Ministerium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus (MLIT) hat in einer Untersuchung städtischer Gebiete mit engen Straßen und alten Holzhäusern von 17 Präfekturen festgestellt, das annähernd 60 Quadratkilometer eng bewohnter Gebiete hoher Brandgefahr bei Erdbeben ausgesetzt sind.

Anders als die Skyline und die Neonreklamen vermuten lassen, bestehen Teile von Japans Hauptstadt Tokyo und der Großstadt Osaka immer noch aus Holzhäusern, die im Falle eines Erdbebens einstürzen und Fluchtwege blockieren könnten. Daher verwundert es nicht, dass mehr als die Hälfte der Risikogebiete zu diesen Städten zählt.

Wie die NHK meldet, plant das MLIT den Einwohnern von Gebieten, wie etwa den Tokyoter Bezirken Setagaya oder Higashi-Ikebukuro bei einer besseren Sicherung ihrer Häuser gegen Erdbeben und Brände zu helfen. Durch eine größere Breite von Straßen und mehr offenen Plätzen wie Parks, will man die Ausbreitung von Bränden eindämmen.

Brände haben in Japan, ebenso wie Erdbeben, eine gewisse Tradition. Unter dem alten Namen Edo wurde das heutige Tokyo im Mittelalter mehrfach Opfer verheerender Brände und beim großen Hanshin-Erdbeben 1995 starben in Kobe mehr als 500 Personen durch Brände.

Hunde nach Tohoku-Katastrophen traumatisiert: Wissenschaftler an der Universität Azabu haben bei der Untersuchung von 25 herrenlosen Hunden deutliche Hinweise auf psychische Traumata, sowie deren medizinische und soziale Auswirkungen entdeckt. Ihre Ergebnisse wurden gestern im Wissenschaftsjournal „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Der treue Hund Hachiko (Foto: pd)
Treuer Hund Hachiko: Seine Artgenossen kämpfen mit Katastrophenfolgen (Abb. symbolisch, pd)

Bei den Untersuchungen wurden jeweils zwei Gruppen von Hunden untersucht. Bei der ersten Gruppe handelt es sich um Hunde aus der Präfektur Fukushima, deren Besitzer entweder bei den Katastrophen vom März 2011 gestorben, oder in andere Gebiete geflohen waren. Die Tiere waren entweder streunernd oder festgekettet aufgefunden worden.

Die Kontrollgruppe bestand aus herrenlosen Heimhunden aus der Präfektur Kanagawa vor der Katastrophe.

Die medizinische Untersuchung wies einen fünf- bis zehnfach höheren Gehalt des Stresshormons Cortisol im Urin der Fukushima-Hunde nach, der trotz intensiver Pflege zehn Wochen hoch blieb.

Auch soziale Folgen sind erkennbar. Die Bindung an die menschliche Pflegeperson, Aggression gegen unbekannte Menschen und die Lern/Trainierbarkeit der traumatisierten Hunde sei geringer.

Symptome wie Lernschwierigkeiten aufgrund eines Überschusses an Glucocorticoiden (zu denen Cortisol zählt) sei typisches Merkmal bei Menschen, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) leiden.  Insbesondere der plötzliche Abbruch der Verbindung und das chaotische soziale Umfeld habe die psychologischen Schäden gefördert.

Die Wissenschaftler räumen jedoch ein, dass die Studie aufgrund der geringen Anzahl getesteter Tiere, des deutlichen Alterunterschieds zwischen beiden Gruppen (der jedoch getestet und als nicht wesentlich klassifiziert worden war) und fehlender Vergleiche zu geretteten Hunden bei anderen Katastrophen keine große Relevanz aufweise.

Große Übergangssiedlungen in Präfektur Fukushima geplant: Die Präfekturverwaltung Fukushima hat angekündigt, die bereits zuvor diskutierten Pläne zum Bau von Übergangshaus-Siedlungen konkret anzugehen. Nun  sollen in Aizu-Wakamatsu, Iwaki und Koriyama nun erstmals Siedlungen für langfristige Flüchtlinge angelegt werden.

Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Gestern kündigte bereits  das Dorf Katsurao an, eine entsprechende Enklave in der Ortschaft Miharu zu schaffen, da dort die meisten früheren Einwohner leben.

Der neue Plan, der laut Mainichi Shimbun den Bau von insgesamt 500 Übergangshäusern in den drei Städten vorsieht, hat somit Modellcharakter für möglicherweise folgende Projekte:

Die neuen Häuser sollen bereits im Frühling kommenden Jahres zur Verfügung stehen. Da Iwaki das beliebteste Ziel ist, sollen alleine dort 250 Häuser entstehen.

Ermöglicht wird dies vor allem durch die Bereitschaft der Städte und die Verfügbarkeit von Grundstücken. Die genaue Anzahl der Gebäude soll anhand von Umfragen bei den etwa insgesamt 50.000 Flüchtlingen aus Futaba, Okuma, Namie und Tomioka ermittelt werden.

Für das Projekt für Menschen, die gegenwärtig bereits in Übergangshäusern oder angemieteten Wohnungen leben, werden von der Präfekturalverwaltung Gelder von etwa 5,6 Milliarden Yen für  Grundstückskäufe und weitere Ausgaben vorgesehen.

Japan wehrt sich bei Senkaku-Streitigkeiten: Nach den Provokationen der jüngsten Wochen zeigt Japan nun Flagge, macht in mehrfacher Weise sein Eigentumsrecht an den Inseln deutlich und zeigt sich dabei kultivierter als die konfrontativen Nachbarn. Die neusten Meldungen im Kurzüberblick:

Japan protestiert gegen Taiwans Zeitungs-Propaganda: Japans Botschaft in Washington drückte den Protest von Japans Regierung gegen die jüngste propagandistische Aktion Taiwans aus. Die Anzeigen in US-Zeitungen sei einseitig und widerspreche den Tatsachen. US-Zeitungen drucken Werbung unabhängig von der Redaktion, sofern sie nicht die öffentliche Sicherheit oder dem Datenschutz widersprächen.

Japanischer Diplomat stärkt Anspruch im US-Fernsehen: Yasuhisa Kawamura unterstrich bei einem Auftritt im Fernsehprogramm des US-Senders NY1 die Ansprüche auf die Inselkette. Rechtlich und historisch habe Japan Hoheitsrecht über die Inseln. Dies stehe außer Frage, daher gebe es auch keine Territorialdebatte mit China.
China habe erst 1968 Ansprüche geltend gemacht, nachdem Ölvorkommen im Bereich der Inseln vermutet worden waren.

Japans UN-Vertreter kritisiert Chinas Anspruch: Japans UN-Botschafter Tsuneo Nishida nannte die von China vorgelegte Seekarte zur Geltendmachung von Ansprüchen illegal und nicht akzeptierbar. Karten mit Territorialanspruch müssen vom  UN-Generalkonsulat bestätigt werden. Die UN sei jedoch nicht in einer Position, derartige Ansprüche zu beurteilen. Chinas Herangehensweise ist unangemessen und bar jeder Grundlage.

Chinas Schiffe verlassen Japans Grenzgewässer: Wie Japans Küstenwache am gestrigen Donnerstag mitteilte, zogen sich nun chinesische Patrouillenboote aus der Grenzzone zu japanischen Hoheitsgewässern zurück, nachdem sie dort zehn Tage lang provokativ navigiert hatten.

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