Start Aktuelles Japan aktuell: Thermometer in Fukushima-Reaktor steigt über 90 Grad

Japan aktuell: Thermometer in Fukushima-Reaktor steigt über 90 Grad

1018
0
TEILEN
Fukushima Reaktor 2: Temperatur-Höchstwert am 13. Februar 2012
Fukushima Reaktor 2: Temperatur-Höchstwert am 13. Februar 2012
Fukushima Reaktor 2: Temperatur-Höchstwert am 13. Februar 2012
Fukushima Reaktor 2: Temperatur-Höchstwert am 13. Februar 2012

Im Hinblick auf die möglicherweise steigenden Temperaturen in Reaktor 2 zu behaupten, dass man am AKW Fukushima aktuell einen kühlen Kopf bewahren muss, ist sicher nicht übertrieben. Wünschte sich dort so mancher die Temperaturen, bei denen ein Team aus Hongkong ihren Sieg beim diesjährigen Schneeskulpturen-Festival in Sapporo feiern konnten. Doch neben den Fukushima News vom AKW sind auch Lebensmittelbelastung, Todesopfer und Walfang einige der heutigen Themen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Februar 2012.

Heute finden sich hier folgende Informationen

  • Temperatur in Reaktor 2 bedenklich hoch
  • Japans Wasserversorgung nicht erdbebensicher
  • Cäsiumbelastung bei Nudeln auf Okinawa
  • Tenno muss sich Bypass-Operation unterziehen
  • Stand der Todesopfer und Vermissten
  • NISA segnet AKW Oi ab
  • Sea Shepherd blockierte japanische Walfänger

Temperatur in Fukushima-Reaktor über 90°Celsius: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hatte am Samstag angekündigt, man werde, nachdem zuletzt der Kühlwasserzufluss aufgrund von Temperaturen über 70°C  an Reaktor 2 auf ein Rekordhoch gebracht werden musste, die Lage ohne weitere Wassereinspeisung beobachten.

Zwischen Freitag und Samstag waren Temperaturen zwischen 67°C und 71°C am kritischen –  und um 35°C an den beiden anderen Thermometern gemessen worden.

Sonntag: Doch dann stieg am Sonntag gegen 14:20 Uhr Ortszeit die Temperatur am Boden von Reaktor 2 auf eine Temperatur auf insgesamt etwa 82°Celsius – wenn man dem Thermometer denn glauben darf. Genau dies tat TEPCO nicht und erklärte vielmehr, da keine Anzeichen für radioaktive Reaktionen bestünden und auch kein radioaktives Xenon nachgewiesen werden konnte, handele es sich möglicherweise um einen instabilen Wasserfluss, der die Kühlung behindere, jedoch könne auch ein Thermometerschaden nicht ausgeschlossen werden.

Dennoch plane man die Menge an Kühlwasser um drei Tonnen pro Stunde zu erhöhen und eine Tonne Borsäure zusätzlich einzuleiten, um sicher zu gehen. Die beiden anderen Thermometer hätten dagegen weiterhin Temperaturen um 35°C angezeigt.

Es handelt sich um das erste Mal seit der Erklärung im Dezember 2011, man habe am AKW Fukushima Daiichi den stabilen Zustand des Cold Shutdown erreicht, dass die kritische Marke von 80 Grad überschritten wurde. Diese Temperatur gilt deshalb als kritisch, da man rechnerisch eine Abweichung von bis zu 20°Celsius einbezieht und der stabile Zustand ab einer Temperatur von 100°C als verloren gilt.

Montag: Am heutigen Montag dann, stieg das Thermometer um 11:00 Uhr Ortszeit auf 93,7°Celsius nachdem die Temperatur sechs Stunden zuvor bereits bei 89, 6 Grad gelegen hatte. Ein heutiger Bericht der Mainichi Shimbun befasst sich dann auch folgerichtig mit der Möglichkeit eines defekten Thermometers.

TEPCO geht allerdings spätestens seit gestern von einer Störung des Sensors aus, da bereits zu diesem Zeitpunkt die Werte wild zwischen 75 und 90°C schwankten. Der fragliche Sensor besteht aus metallenen Komponenten, deren elektrischer Widerstand sich mit den Temperaturen ändert und anhand der Unterschiede im Stromfluss die Umgebungstemperatur errechnet. Der Betreiber will daher den Zustand des Sensors unter anderem durch eine Prüfung des Widerstands überprüfen.

Dem jüngsten Bericht von TEPCO zufolge lag die Temperatur heute um 13:00 Uhr Ortszeit bei etwa 93,3°C.

Doch egal ob sich diese Besorgnis erregenden Werte tatsächlich als Auswirkungen eines defekten Sensors, oder eines auf andere Weise geschädigten Thermometers erweisen – derartige Zwischenfälle schüren bei Kritikern Zweifel darüber, ob die Situation tatsächlich derart kontrolliert ist, wie von Regierung und Betreiberseite stets versichert. Berichte über die Temperaturschwankungen fanden sich unter anderem bei der NHK, Kyodo, Asahi und jiji.

Nur ein Drittel der Wasserleitungen Japans ist erdbebensicher: Wie die NHK am heutigen Montag mitteilte, kündigte die japanische Regierung an, das Gesundheitsministerium plane, die Hälfte der Kosten zu übernehmen, die örtlichen Verwaltungen durch Maßnahmen zur Sicherung von Trinkwasserleitungen entstehen.

Priorität wird dabei jenen Gebieten eingeräumt werden, in denen nach Einschätzung der Behörden mit schweren Beben zu rechnen ist. Die Maßnahmen, mit deren Umsetzung so schnell wie möglich begonnen werden soll, sind dringend erforderlich –  ist doch aufgrund mangelnder finanzieller Mittel nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums lediglich ein Drittel der Wasserleitungen in Japan erdbebensicher.

Nach dem Tohoku-Erdbeben am 11. März 2011 waren 2,3 Millionen Haushalte in insgesamt 19 Präfekturen ohne Wasserversorgung durch die Gemeinden. In einigen dauerte dieser Zustand mehr als fünf Monate an. Lediglich in Gebieten mit entsprechend gesicherten Rohren habe es keine Probleme gegeben.

Hohe Radioaktivität in Nudeln auf Okinawa nachgewiesen: Einige Bürger waren aus Japans Hauptstadt Tokyo aus Angst vor Radioaktivität auf die südliche Insel Okinawa geflohen (Spreadnews berichtete im November 2011) – nun hat das radioaktive Material die Flüchtenden auf der teils tropischen Insel indirekt eingeholt. In einer örtlichen Nudelspezialität, den Okinawa Soba konnten 258 Becquerel pro Kilogramm an radioaktivem Cäsium nachgewiesen werden. Doch die vermutliche Quelle der Verunreinigung war schnell ausgemacht.

Okinawa Soba (Foto: Hajime Nakano, cc-by)
Okinawa Soba: Japanische Nudeln mit Cäsium belastet (Foto: Hajime Nakano, cc-by)

Allem Anschein nach wurde die Kontamination bei der Filterung von Wasser für die Nudelzubereitung durch Holzkohle aus der Präfektur Fukushima verursacht.

Nach Angaben des Ministeriums für Forstwirtschaft wurde das radioaktive Material bei Tests durch die Leitung der Präfektur  Okinawa entdeckt. Am 10. Februar 2012 hatte es einen landesweiten Aufrufs des Ministeriums gegeben, für die Zubereitung von Speisen keine Asche zu verwenden, die von Holz oder Holzkohle aus den Präfekturen Fukushima, Tokyo sowie 15 weiteren Präfekturen stammt, selbst wenn deren Belastung unterhalb der Grenzwerte bliebe (40 Becquerel pro Kilogramm für Feuerholz in Küchen und 280 für Holzkohle).

Am 2. November vergangenen Jahres war der Grenzwert für radioaktives Cäsium bei der Verbrennung von Holz oder Holzkohle von der Regierung zunächst auf 8.000 Becquerel pro Kilogramm festgelegt worden – allerdings nur für Asche auf Abfalldeponien. An eine mögliche Verwendung der Asche bei Lebensmitteln hatte niemand gedacht.  Methoden zur Untersuchung der Konzentrationen waren bis zum 18. November keine angewandt worden – während das jetzt entscheidende Holz bereits am 7. November ausgeliefert worden war.

Bei einer anschließenden Untersuchung wurden 468 Becquerel an radioaktivem Cäsium in Feuerholz für Küchenbetriebe gefunden, das über die selbe Route, wie im aktuellen Fall transportiert worden war.  In der Küche findet Asche beim Kneten von Nudeln und zur Entfernung der bitteren Geschmacksnote aus
Teufelszunge und Wildgemüsen Verwendung. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Tenno muss sich Bypass-Operation unterziehen: Wie das kaiserliche Hofamt am Sonntag mitteilte, wird sich der 78 Jahre alte Tenno nach seiner jüngsten Untersuchung, nun am kommenden Samstag einer Herzoperation unterziehen. Bei der OP im Universitätsklinikum Tokyo, wo er bereits im Jahr 2003 wegen Prostata-Krebs operiert worden war, wird ihm ein Bypass gelegt werden, um eine am Samstag festgestellte Verengung der Koronaraterie zu umgehen.

Die Operation wird etwa fünf Stunden dauern und von einem gemeinsamen Team von Ärzten der Universitäten Tokyo und Juntendo durchgeführt werden. Mit einer Entlassung aus dem Krankenhaus wird in zwei Wochen gerechnet. Unter anderem berichteten NHK und Mainichi Shimbun über den geplanten Eingriff.

Stand der Opferzahlen am 11. Februar 2012:Die Nationale Polizeibehörde Japans hat am Freitag die aktuellen Zahlen zu Todesopfern und Vermissten des Tohoku-Erdbebens vorgestellt. Demnach sind offiziell 15.848 Personen ums Leben gekommen, 3.305 Personen gelten  als vermisst. Insgesamt 520 der Leichen sind noch nicht identifiziert, so die Nachrichtenagentur jiji.

Nach Angaben der am Freitag gegründeten neuen Behörde für Wiederaufbau gelten mit dem Stand vom 26. Januar 2012 insgesamt 341.411 in ganz Japan als Flüchtlinge. 115 von ihnen lebten in Hotels oder Herbergen. Die Zahl jener Flüchtlinge die in Übergangshäusern leben, sei innerhalb von zwei Wochen auf 323.125 Personen gestiegen. 599 Menschen lebten zu diesem Zeitpunkt noch in Evakuierungslagern wie Schulen und öffentlichen Einrichtungen..

Auch zu den strukturellen Schäden gibt es Zahlen: Mit dem Stand vom 31. Januar 2012 sind insgesamt 70 Prozent der etwa 22,52 Millionen Tonnen Schutt aus den Gemeinden der Küstengebiete Fukushima, Iwate und Miyagi in Übergangslager transportiert worden, berichtet das Umweltministerium.

NISA akzeptiert erstmals Stresstest-Ergebnisse: Die Proteste gegen einen Weiterbetrieb von Atomkraftwerken reißen nicht ab. So schaltete etwa eine Gruppe von 150 Personen sowie 20 Organisationen am Freitag eine ganzseitige Anzeige in der Printausgabe der Mainichi Shimbun, in der die Aktivisten erklären „Wir streben ein Japan ohne Atomkraftwerke an“.

Am selben Tag überreicht Bürgervereinigungen dem Gouverneur der Präfektur Ibaraki eine Liste von 51.000 Unterschriften, verbunden mit einer Petition gegen die Wiederaufnahme des Betriebs am AKW Tokai 2. Damit steigt die Gesamtzahl der Überschriften auf mehr als 100.000, denn bereits im November des Vorjahres waren 50.000 Unterzeichner erreicht worden, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Die Präfekturleitung erklärte, aus Tokyo habe man noch keine Entscheidung diesbezüglich gehört,  daher sei man unentschlossen. Die Bürger forderten ihrerseits Eigeninitiative und eine unabhängige Entscheidung der Präfektur, anstatt weiter abzuwarten.

Unterdessen hat die Atomsicherheitsbehörde NISA am heutigen Montag in einem Bericht an eine Regierungskommission, die vom Betreiber Kansai Electrics getroffenen Maßnahmen gegen Erdbeben und Tsunami an den Reaktoren 3 und 4 des Kernkraftwerks Oi  als ausreichend anerkannt. Berichte hierzu lieferten die Nachrichtenagenturen jiji und Kyodo sowie die NHK.

Nicht nur, dass die Maßnahmen geeignet seien, einer Katastrophe vom Fukushima-Typ standzuhalten, der Betreiber fahre zudem weiter damit fort, die Anlage zu sichern. So wurden etwa die Notstromgeneratoren in einer Höhe von 11,4 Metern angebracht, um sie vor dem Flutwellen eines Tsunami zu schützen.

Es ist das erste Mal seit Beginn der landesweiten Stresstests, dass die NISA die Ergebnisse eines Stresstests, sowie die getroffenen Maßnahmen bestätigt und anerkennt. Nach einer Absprache mit Yukio Edano, Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, wird der Bericht nun der Atomenergie-Sicherheitskommission NSC vorgelegt.

Die NSC wird dann den Bericht der NISA sowie die Ergebnisse der Stresstests in Augenschein nehmen und Meinungen von Experten einholen. Schließlich obliegt der Regierung in Tokyo die endgültige Entscheidung. Ein Hindernis gibt es jedoch noch: Für einen Neustart ist die Zustimmung der örtlichen Verwaltungen, in deren Verantwortungsbereich das AKW Oi liegt, erforderlich. Sowohl die Stadtverwaltung von Ohi als auch die Präfekturalverwaltung fordern, sich nicht auf die Stresstests zu verlassen. Die Regierung müsse unter Berücksichtigung der Lektionen aus dem Fukushima-Unglück neue Sicherheitsstandards erlassen.

Sea Shepherd behindert Schiffsturbine japanischer Walfänger: Wie die NHK, sowie die Nachrichtenagentur Kyodo berichten, haben die militanten Umweltaktivisten der Organisation Sea Shepherd am Sonntag erneut versucht, das japanische Schiff Yushin Maru Daini bei seiner Weiterfahrt zu behindern.

Nach Angaben der japanischen Fischereibehörde, hätten die Aktivisten mit Tauen und Draht geworfen, um die Schiffschraube des Harpunenschiffs zu blockieren –  sowie mehr als zwanzig Flaschen übelriechender Buttersäure und fünf Rauchgranaten auf das Schiff geschleudert.

Sea Shepherd Schiff "Steve Erwin" (Foto: Melburnian cc-by)
Sea Shepherd: Aktivisten stören Walfang (Foto: Melburnian cc-by)

Es sei tatsächlich zu einer Verzögerung gekommen, als sich Taue in der Schraube verfingen. Mittlerweile habe das Schiff jedoch wieder Fahrt aufgenommen. Verletzte habe es nicht gegeben, jedoch gefährdeten die Aktionen die Mitglieder der japanischen Besatzung. Japans Fischereibehörde erklärte zudem, es handele sich um wissenschaftlichen Walfang und nannte die Blockaden und Störaktionen „inakzeptabel“.

Sea Shepherd dagegen erklärte, der zweite Offizier der „Steve Irwin“, sei während seines Einsatzes auf einem Jetski von einer Wasserkanone getroffen und herunter geschleudert worden. Zusammen mit drei Schlauchbooten wollte man das japanische Harpunenschiff lange genug behindern, um mit dem eigenen Schiff der Verfolgung durch die Japaner entkommen zu können. Der Aktivist konnte jedoch zurück zu seinem Jetski schwimmen.

Die radikalen Umweltschützer kündigten an, die japanischen Schiffe bis zum Ende der Walfangsaison zwischen dem 15. und 25. März 2012 weiterhin zu verfolgen und wann immer möglich zu behindern.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here