Japan aktuell: Tokyo nicht auf Tsunami vorbereitet

Japan aktuell: Tokyo nicht auf Tsunami vorbereitet

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Anlage für radioaktive Abfälle am 16. September 2011 (Foto: TEPCO)
Anlage zur Verarbeitung radioaktiver Abfälle am 16. September 2011 (Foto: TEPCO)

Anlage für radioaktive Abfälle am 16. September 2011 (Foto: TEPCO
Aufbereitungsanlage am 16. September 2011 (Foto: TEPCO)

Während der Wahlerfolg der Piratenpartei in Berlin fast mit dem Talk like a Pirate Day am heutigen Montag zusammentraf, gab es auch in Japan und natürlich in Zusammenhang mit der Lage in Fukushima aktuelle Zusammentreffen. Zum einen trafen sich Bürger zu Protestmärschen gegen die Atomkraft, zum anderen trafen einige der Flüchtlinge zu einem kurzen Aufenthalt im Sperrgebiet ein. Einen Nerv getroffen hat möglicherweise Ex-Premier Kan mit der Bemerkung es handele sich um eine von Menschen verursachte Katastrophe.

Weiteres zur Situation und sonstige Fukushima News in den Meldungen vom heutigen Montag im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. September 2011.

Großdemonstration in Tokyo: Mehrere Tausend Menschen protestierten in Tokyo gegen die Nutzung von Atomenergie, es soll sich um die größte Demonstration dieser Art seit Beginn der Fukushima-Krise handeln. Mit Transparenten und Sprechchören protestierten sie gegen den weiteren Betrieb und die Neuschaffung von AKW in Japan. Die Polizei gab die Zahl der Demonstranten mit 20.000 an, die Veranstalter sprachen von bis zu 60.000.

Verwilderte Hunde und Schwarzbären werden zum Problem: Tierische Probleme drohen Meldungen der Yomiuri Shimbun zufolge sowohl im Sperrgebiet, als auch an den Standorten von Übergangshäusern in der Präfektur Iwate. Während in erstem Fall die Verwilderung von Haushunden und das Heranwachsen gänzlich verwildertem Nachwuchs befürchtet wird und dies zur Übertragung von Krankheiten führen könnte, sind es im zweiten Fall die 1700 asiatischen Schwarzbären der Präfektur, von denen einige Exemplare in der Nähe  der Übergangshäuser gesichtet wurden, angelockt durch die Abfälle.

Kurzfristiges Problem an der Entsalzungsanlage: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, der Energiekonzern TEPCO erklärt in einem Pressebericht, Teile der Entsalzungsanlage mussten erneut angehaltenen werden, als der Austritt von Wasser an einer Stelle der Anlage festgestellt wurde. Nach einer etwa halbstündigen Unterbrechung, konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Tohoku-Erdbeben steigert Nachfrage nach Kerzen:  Nachdem ihre Funktion als unmittelbare Notbeleuchtung zunächst vorüber ist, greifen Kunden in Tokyo auch nicht allein aus Energiespargründen auf Kerzen zurück, sondern nutzen nun vermehrt die kombinierten Vorteile von Beleuchtung, romantischer Atmosphäre und bei Spezialkerzen auch Insektenvertreibender Wirkung, zeigt ein Artikel der Asahi Shimbun. Nach Angaben des Sprechers eines Kerzenunternehmens mit mehreren Filialen waren sowohl Umweltkatastrophen und Energiesparverordnung vermutlich für viele „Erstbenutzer“ der Einstieg zur künftigen weiteren Verwendung von Kerzen.

Premierminister Noda wird vor UN Japans Atombedarf bekräftigen: Japans Premierminister Noda wird bei einer UN Konferenz in seiner Rede deutlich machen, das Japan weiterhin Atomenergie benötigt, während er verspricht die Einhaltung höchstmöglicher Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Damit nimmt Yoshihiko Noda eine konträre Position zu der seines Amtsvorgängers Naoto Kan ein, der eine Reduzierung der Abhängigkeit von Atomenergie anvisiert hatte.

Bereits vor seiner Ernennung war Noda von Kritikern als Unterstützer der Atomlobby kritisiert worden. Die Inhalte seiner Rede, zu denen auch die Versicherung, Japan arbeite neben einer besseren Sicherheit der Atomenergie auch an der Suche nach regenerativen Energiequellen und der Dekontaminierung der Gebiete zählen wird, hatte die Nachrichtenagentur Kyodo als Vorabentwurf erhalten.

Testreihe von Cäsium in Reis abgeschlossen: Nachdem die Tests auf Radioaktivität in mehr als der Hälfte der Regionen Tohoku und Kanto abgeschlossen sind, wurden in insgesamt vier Prozent der getesteten Reisproben radioaktives Cäsium nachgewiesen. Allerdings beträgt selbst der höchste gemessene Wert von 101,6 Becquerel pro Kilogramm Reis lediglich ein Fünftel des zulässigen Höchstwertes von 500 Becquerel pro Kilogramm, wie ein Artikel der NHK berichtet.

Produkte aus Krisengebieten für internationale Entwicklungsunterstützung: Sowohl Material wie etwa Rollstühle als auch Meereslebensmittel die in den Krisenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi hergestellt, oder verarbeitet werden, sollen Entwicklungsländern als kostenlose Hilfsgüter zukommen, berichtet die NHK. Das Außenministerium hofft, durch die Aktion würden auch Vorbehalte gegen den Versand von Gütern aus diesen Gebieten reduziert. Das Außenministerium fordert zudem finanzielle Leistungen der Regierung für ein besseres Erdbeben- und Tsunami-Warnsystem für Nationen in Südostasien und dem Pazifikgraben.

Misstrauen gegen Sicherheitsstandards bremst Verkauf von Lebensmitteln aus Tohoku-Region: Obwohl Produkte aus der Region mit einem Sicherheitssiegel als „geprüft“ gekennzeichnet werden, ist der Verkauf von Produkten, besonders Lebensmitteln aus der Region Tohoku eingebrochen. Viele Verbraucher zeigen einem Artikel der Asahi Shimbun zufolge den Waren die „kalte Schulter“. Dagegen werde besonders „alter Reis“ aus dem Vorjahr, sowie junger Reis der vor Beginn der Krise geerntet wurde gehortet. Als Grund geben die Käufer mangelndes Vertrauen in die intransparenten Tests der Regierung an.

Temporäre Rückkehr ins Sperrgebiet möglich: Einer weiteren Gruppe von insgesamt 225 Personen, diesmal aus insgesamt 90 Haushalten des Ortes Kawauchi ist es erlaubt, ihre früheren Häuser aufzusuchen um dort wichtige Dokumente und Dinge von persönlichem Wert mitzunehmen. Es handelt sich um die zweite Aktion dieser Art seit Errichtung der Sperrzone, weitere sollen bis gegen Ende November folgen.

Im Gegensatz zur vorher stattgefundenen Aktion, bei der lediglich zwei Personen pro Haushalt mitkommen durften und die zeitweisen Rückkehrer in Bussen transportiert worden waren, war es den Evakuierten nun erlaubt worden, ihre eigenen Fahrzeuge zu nutzen und so viele Personen mitzunehmen, wie das Fahrzeug aufnehmen kann. Im Anschluss werden dann Fahrzeuge auf radioaktive Belastung getestet und gegebenenfalls den neuen, strikteren Regelungen folgend, dekontaminiert. Das berichtet die NHK.

Verwaltung von Schleusentoren in Tokyo versagte bei Tsunami: Der Taifun Roke und damit verbundene weitere schwere Regenfälle könnten erneut zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen. Besonders Gebiete auf der Halbinsel Kii im Westen von Japans Hauptinsel Honshu, wie etwa die Präfekturen Wakayama und Nara sind gefährdet, sogar Dammbrüche sind zu befürchten, meldet die nationale Wetterbehörde.

Doch auch Japans Hauptstadt Tokyo ist nicht sicher, wie die Yomiuri Shimbun meldet. Dortigen Behörden war es offenbar nicht möglich gewesen vor Ankunft des Tsunami nach dem Tohoku-Erdbeben sechs Schleusentore und Tore des Uferdamms schließen zu lassen, da die Angestellten des zuständigen Subunternehmens im Verkehrschaos des Erdbebens festsaßen. Teilweise konnten die Tore erst eine halbe Stunde nach Eintreffen der ersten Wellen geschlossen werden.

Am Fluss Tamagawa im Stadtteil Ota war es beispielsweise ein Ministerialbeamter der vor den Angestellten dort war und 25 Minuten nach dem Tsunami, unter Aufsicht  durch Funk und eine Überwachungskamera dort das Rokugo Tor schloss. Ähnliche Verkehrsprobleme habe es auch an anderen Stellen in der Stadt gegeben. Die Anlagen sind zudem als Schutz vor Taifun konstruiert und nicht auf Tsunami ausgelegt.

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