Start Reisen und Touristik Japan aktuell: Traditionelles Schreinfest in Tokyo

Japan aktuell: Traditionelles Schreinfest in Tokyo

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Sanja Matsuri 2013: Schreinträger unterwegs (Coypright: KJ)
Sanja Matsuri 2013: Schreinträger unterwegs (Coypright: KJ)
Sanja Matsuri 2013: Schreinträger unterwegs (Coypright: KJ)
Sanja Matsuri 2013: Schreinträger unterwegs (Coypright: KJ)

Japans Haupstadt Tokyo ist mit ihren zahlreichen Hochhäusern und Bürogebäuden für viele der Inbegriff der modernen Großstadt.

An einigen Tagen des Jahres wird jedoch auch hier besonders deutlich, dass es sich auch bei Tokyo nicht einfach um eine Kopie westlicher Lebensart handelt, sondern ihre Bewohner nach wie vor urjapanische Bräuche pflegen.

Ein Beispiel hierfür ist das traditionelle große Sanja Matsuri („Drei-Schreine-Fest“), dass am vergangenen Wochenende im Tokyoter Stadtteil Asakusa stattfand.

Bei dem Volksfest handelt es sich um eines der bekanntesten seiner Art und stellt einen Anziehungspunkt für viele Besucher und Schaulustige in der Stadt dar.

Der Mittelpunkt der Veranstaltung, der Asakusa-Schrein selbst, stammt aus dem Jahr 1649 und wurde von Tokugawa Iemitsu errichtet – dem Enkel des Shogun Tokugawa Ieyasu, der mit der Schlacht von Sekigahara im Jahr 1600 die Zeit gegeneinander kämpfender Fürstentümer beendete.

Teilnehmer beim Sanja Matsuri 2013 (Copyright: KJ)
Teilnehmer beim Sanja Matsuri 2013 (Copyright: KJ)

Der Schrein ist jedoch nicht wegen seiner Affinität zur Samurai-Kultur bekannt, sondern eben aufgrund jenes Sanja-Matsuri, das jährlich an einem Maiwochenende stattfindet.

Am 17. bis 19. Mai 2013 war es wieder soweit.

Bei dem Spektakel, das eines der insgesamt drei bedeutendsten Feste (Matsuri) in Japans Hauptstadt darstellt, wurden drei große mobile Schreine (Mikoshi), sowie viele hundert kleinere Exemplare durch die Straßen getragen.

Das ausgesprochen lebhafte Festival begann am Freitag mit einer großen Parade, deren Teilnehmer aufwendig gekleidet waren.

Neben den bekannten Gewändern der Geisha waren auch Männer in traditioneller formaler Kleidung anwesend.

Die Großzahl der Teilnehmer an den Umzügen während des dreitägigen Festes tragen Stirnbänder (Hachimaki) und traditionelle Jacken (Happi) während sie unter lauten rhythmischen Rufen die Schreine tragen und von Tänzern mit Flöten (shinobue), sowie Trommlern (taiko) auf Wagen lautstark unterstützt werden.

Musik beim Sanja Matsuri 2013 (Copyright: KJ)
Musik beim Sanja Matsuri 2013 (Copyright: KJ)

Dabei ist die Veranstaltung ein Fest für groß und klein gleichermaßen, wie sich nicht nur an den Musikgruppen jeden Alters zeigt, sondern auch an der Tradition der kleineren Kinder-Mikoshi, die ebenfalls ihren Weg durch die Stadt finden.

Höhepunkt am Sonntag: Am Sonntagmorgen begann gegen 6:00 Uhr mit der offiziellen Prozession der drei schwarz lackierten Mikoshi, die sich in unterschiedliche Richtungen in Bewegung setzten.

Die tragbaren und jeweils einem goldenen Phönix, sowie Blattgold verzierten Schreine, von denen jeder eine Tonne wiegt, wurden von Männern die Straßen entlang getragen.

Sanja Matsuri 2013: Schreinträger auf der Straße (Copyright: KJ)
Sanja Matsuri 2013: Schreinträger auf der Straße (Copyright: KJ)

Allein für den Transport eines einzelnen der großen Schreine werden mindestens 40 Männer benötigt, die das heilige Objekt wild schwankend mit Hilfe von Tragebalken transportieren. Dabei wechseln sich die Bewohner der einzelnen Nachbarschaften ab, so dass jeder der will, einmal zum Transport der heiligen Objekte beitragen kann.

Auch Frauen scheuen sich nicht vor der heiligen Last und so gibt es Schreine, die ausschließlich von weiblichen Trägerinnen gestemmt werden.

Das Spektakel dauerte den ganzen Tag an und setzte sich auch nach 20:00 Uhr in Form von zahlreichen Feiern bis in die Nacht hindurch fort, so dass sie dem Besucher einen Einblick in die Tradition japanischer Volksfeste ermöglichte, inklusive zahlreicher Möglichkeiten für Speis und insbesondere Trank – denn laut rufen macht durstig.

Großes Spektakel ist Besuchermagnet: Wie man den Schilderungen und auch den Fotos entnehmen kann, ist das Sanja Matsuri nichts für Besucher die Angst vor großen Menschenmengen haben.

Voller Einsatz beim Sanja Matsuri 2013 (Copyright: KJ)
Voller Einsatz beim Sanja Matsuri 2013 (Copyright: KJ)

Die lauten Rufe, das Wogen der Schreine in der Menschenmenge und die bisweilen martialisch wirkenden Anfeuerungen der Teilnehmer machen die Veranstaltung akustisch noch beeindruckender, als sie visuell ohnehin bereits ist.

Jährlich nehmen etwa zwei Millionen Menschen an der lauten Festivität teil.

Hintergrund des Sanja Matsuri: Der Hintergrund des Festes ist ein gutes Beispiel für die engen Verbindungen zwischen der japanischen Ur-Religion des Shinto und dem Buddhismus in Japan.

Traditionelle Kleidung beim Sanja Matsuri 2013 (Copyright: KJ)
Traditionelle Kleidung beim Sanja Matsuri 2013 (Copyright: KJ)

In den drei großen Schreinen werden die drei Männer, die den benachbarten buddhistischen Tempel Sensoji gegründet haben sollen, als shintoistische Gottheiten (Kami) verehrt.

Andächtig wirkte das Volksfest rund um die Schreine dagegen keineswegs – es wurde, wie bei derartigen Matsuri üblich, gegessen und getrunken, so dass die Luft von appetitlichen Düften bereichert wurde – die Teilnehmer hatten ihren Spaß und trugen spirituell zu Glück und Wohlergehen der Gemeinschaft bei.

Als inoffizielle Sehenswürdigkeit während des Sanja-Matsuri gelten die Mitglieder der organisierten Kriminalität (Yakuza) die  im Rahmen des Schreinfestes ihre farbenfrohen Ganzkörpertätowierungen (Irezumi) präsentieren, die im Alltag unter der Kleidung verborgen sind.

Fotos und selbst Videos können die Atmosphäre vor Ort natürlich nur unzureichend wiedergeben – vielleicht ein Grund, im kommenden Jahr selbst einmal am Sanja Matsuri in Japans Hauptstadt teilzunehmen.

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