Start Aktuelles Japan aktuell: Trotz Fukushima-Katastrophe könnte Atomausstieg kippen

Japan aktuell: Trotz Fukushima-Katastrophe könnte Atomausstieg kippen

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Japanisches Parlamentsgebäude (Foto: Kim Ahlström cc-by)
Andauernde Proteste gegen Geheimhaltungsgesetz der Regierung (Symbolfoto: Kim Ahlström cc-by)
Japanisches Parlamentsgebäude (Foto: Kim Ahlström cc-by)
Atomausstieg bei neuer Regierung auf der Kippe (Foto: Kim Ahlström cc-by)

Noch heisst es, es handele sich nur um Gespräche, doch möglicherweise läutet diese Ankündigung bereits das Ende von Japans Atomausstieg ein.

Dennoch ist die Katastrophe von Fukushima aktuell weiterhin für Behörden von Bedeutung, geht es doch auch um den Versuch, die Sicherheit von Japans AKW in Zukunft gewährleisten zu können.

Auch in diesem Fall gibt es jedoch Kritik am Vorgehen der Regierung, so dass die Fukushima News auch die japanische Regierung noch langfristig beschäftigen werden. Radioaktivität ist allerdings auch in Japan nicht die einzige Gefahr ist, wie der Austritt von giftigem Zyanid in der Katastrophenpräfektur Iwate zeigt.

Somit neben den Folgen der Krise von Fukushima heute auch weitere interessante Themen, wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. Februar 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Gespräche über Zukunft von Japans AKW geplant
  • UN-Bericht meldet geringe Schilddrüsenbelastung bei Fukushima-Kindern
  • Katastrophenrichtlinien für AKW überarbeitet
  • Japanerin ist älteste Frau der Welt
  • Große Mengen tödliches Zyanid in Präfektur Iwate ausgetreten

Gespräche über Zukunft von Japans AKW geplant: Mitte März will eine fünfzehnköpfige Untergruppe des Beratungskomitees für natürliche Ressourcen und Energie, deren Mitglieder das Industrieministerium beraten, mit Gesprächen über die neue grundlegende Energiepolitik beginnen. Die Gruppe ist damit 40 Prozent kleiner als die der Vorregierung.

Premierminister Shinzo Abe will eine komplette Überarbeitung des bisherigen Plans. Die von der zuvor regierenden DPJ verabschiedete Regelung sieht bislang ein Ende der Atomenergie bis 2013 vor.

Abe hatte sich bereits als Befürworter der Atomkraft präsentiert und angekündigt, sowohl Atomkraftwerke nach Sicherheitsprüfungen wieder ans Netz gehen lassen zu willen, als auch den Neubau weiterer Kernkraftwerke bei entsprechenden Sicherheitsstandards zu genehmigen. Hierüber berichtete die jiji.

UN-Bericht meldet geringe Schilddrüsenbelastung bei Fukushima-Kindern: Auf einer Internationalen Konferenz in Fukushima am gestrigen Dienstag erklärte ein Vertreter des Wissenschaftskomitees der Vereinten Nationen, dass die Belastung der Schilddrüse von Kindern unter einem Jahr, die innerhalb eines Radius von 39o Kilometern um das AKW Fukushima lebten, im sicheren Bereich liegen.

Schilddrüse (Grafik: pd)
UN-Einschätzung sieht keine Gefahr für Fukushima-Kinder (Foto: pd)

Die Kinder wiesen demnach durchschnittlich eine Belastung von weniger als 50 Millisievert auf und liegen damit unter dem Wert zur präventiven Einnahme von Jodtabletten, und unterschreiten den Wert von 100 Millisievert, der als Richtwert für steigende Krebsgefahr gilt, um mehr als die Halfte.

Die im Mai vergangenen Jahres erfolgten Einschätzungen der U.N. basieren auf Daten, die zum Zeitpunkt des Berichts der Weltgesundheitsorganisation WHO noch nicht verfügbar waren und berücksichtigten auch typisches Evakuierungsverhalten, so dass die UN-Einschätzungen auch von japanischen Forschern als realistischer angesehen werden.

Die WHO war bei einjährigen Kindern der Ortschaft Namie von Schilddrüsenbelastungen zwischen 100 und 200 Millisievert ausgegangen und bei den Kindern im Rest der Präfektur von Belastungen zwischen 10 und 100 Millisievert.

Ein Vertreter der WHO rechtfertigte diese Schätzung mit der Begründung, sie gebe grundsätzlich nur vorsichtige Schätzungen ab und sei immer bemüht, potentielle Risiken nicht unterzubewerten, was auch zu höheren Schätzwerten führe, berichtet die Asahi Shimbun. Das UN-Komitee will auf einer Generalversammlung im September dann einen Bericht von etwa 80 internationalen Experten vorlegen, darunter auch Wissenschaftler aus Japan.

Katastrophenrichtlinien für AKW überarbeitet: Japans Atomaufsichtsbehörde NRA überarbeitete die bisherigen Katastrophenrichtlinien für Kernkraftwerke und lässt dabei Erkenntnisse aus der Fukushima-Krise einfliessen. Diese befassen sich mit Evakuierungskriterien und weiteren Strahlungsschutzmaßnahmen.

So soll Personen die innerhalb eines Radius von fünf Kilometern eines AKW nun bereits vorzeitig Jodtabletten erhalten. Personen außerhalb dieses Gebiets sollen künftig zur Evakuierung aufgefordert werden, sobald Strahlungswerte von 500 Mikrosievert gemessen werden.

Damit werden die japanischen Kriterien strenger als die der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, die eine Evakuierung erst ab einem Wert von 1.000 Mikrosievert pro Stunde anordnet. Falls die Strahlungsschätzungen auf 20 Mikrosievert pro Stunde steigen, muss die Evakuierung innerhalb einer Woche abgeschlossen sein.

Trotz der Einbeziehung von 3.155 Aussagen von Bürgern innerhalb innerhalb einer zweiwöchigen Arbeitsperiode, unter denen auch die Forderungen nach strengeren Evakuierungsregelungen waren, sind in den neuen Richtlinien nur geringe Änderungen enthalten und tatsächlich kam es während der heutigen Veranstaltung auch zu Protesten, diese Regelungen würden nicht die öffentliche Meinung berücksichtigen.

Bis zum  18. März müssen die Gemeinden innerhalb des 30-Kilometer-Radius um ein AKW ihre eigenen Katastrophenschutzrichtlinien überarbeiten, auch wenn in vielen Fällen noch weder Evakuierungsmethoden noch sichere Evakuierungsstandorte ermittelt wurden, da die Überarbeitung durch die NRA mit einmonatiger Verzögerung erfolgte.

Über die aktuellen Entscheidungen berichteten unter anderem Kyodo, jiji und NHK.

Japanerin ist älteste Frau der Welt: Nachdem der 115 Jahre alte Jiroemon Kimura bereits der älteste Mann der Welt ist, geht nun auch der zweite Titel nach Japan.
Die 1898 geborene Misao Okawa ist mit 114 Jahren nun offiziell die älteste Frau der Welt.

Am heutigen Mittwoch besuchten Vertreter des Guiness-Weltrekordorganisation die alte Dame, die seit 1997 in einem Pflegeheim in Osaka lebt und händigten ihr die Urkunde aus. Nach Angaben des Pflegepersonal sei Okawa an guten Tagen in der Lage, sich selbstständig in ihrem Rollstuhl auf dem Gelände zu bewegen. Auch habe sie guten Appetit.

Okawa erklärte anlässlich der Zeremonie, an der auch ihr 90 Jahre alter Sohn Hiroshi teilnahm, sie fühle sich gut und durch Anerkennung geehrt. Das Geheimnis der Langlebigkeit sei „auf sich selbst zu achten“. Frau Okawa darf sich bereits in Kürze erneut über ein Ereignis freuen:

Sollte sie noch bis Dienstag kommender Woche leben, kann die rüstige Dame am 5. März ihren 115. Geburtstag feiern. Über den Rekord berichteten unter anderem NHK und jiji.

Große Mengen tödliches Zyanid in Präfektur Iwate ausgetreten: Das Unternehmen Kurosaka Plating. Co meldete erst am gestrigen Dienstag, dass am Montag etwa fünf Tonnen Flüssigabfälle aus einer Fabrik in Hanamaki (Präf. Iwate) ausgetreten sind. Darin enthalten ist hochgiftiges Natriumzyanid, mit dessen Menge etwa 125.000 Menschen getötet werden könnten.

Gefahrensymbol Schädel: "Sehr giftig"
Giftiges Zyanid in Iwate ausgetreten (Grafik: pd)

Nach Angaben des Unternehmens, das seinen Sitz in Tokyo hat, war es am Montag gegen 7:00 Uhr zu dem Zwischenfall gekommen, als ein Schneepflug gegen den Behälter auf dem Fabrikgelände stieß. Doch eben jener Schnee verhinderte offenbar auch Schlimmeres, wie Kyodo und jiji melden.

Tatsächlich habe der Schnee einen Großteil des hochgiftigen Abfalls aufgesaugt, so dass man die feuchte Masse und den darunter liegenden Erdboden leicht abtragen und sicherstellen konnte. Bei dem Zwischenfall sei niemand zu Schaden gekommen, auch gab es keine Meldungen über gesundheitliche Folgen bei Bewohnern der Präfektur.

Zudem habe man untersucht, ob die Flüssigkeit möglicherweise in nahe gelegene Flüsse außerhalb des Fabrikgeländes sein könnte, jedoch keine Hinweise hierauf gefunden.

Das hochgiftige Zyanid war in Form von Hydrogenzyanid (Blausäure) auch Wirkstoff von Zyklon B, das während der NS-Diktatur in Deutschland in den Gaskammern der Konzentrationslager zum Massenmord eingesetzt wurde.

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