Start Aktuelles Japan aktuell: Trotz Fukushima-Krise sind AKW-Neustarts bereits im Herbst denkbar

Japan aktuell: Trotz Fukushima-Krise sind AKW-Neustarts bereits im Herbst denkbar

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Neustartaussichten für Japans AKW (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Für Atomkraftgegner klingen die Erwägungen aus der japanischen Politik befremdlich, steht doch die Möglichkeit im Raum, noch in diesem Jahr erste AKW-Neustarts zu genehmigen. Das sich der Betreiber des AKW Fukushima aktuell einer potentiellen Schadensersatzklage durch ein anderes Unternehmen der Atomindustrie gegenüber sehen könnte, mutet nicht weniger seltsam an.

Dagegen scheinen die Pumparbeiten an der Anlage in Fukushima heute bislang ohne Zwischenfälle zu verlaufen. Einzelheiten zu den heutigen Meldungen, inklusive der Fukushima News heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. April 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Industrieminister sieht Möglichkeiten für AKW-Neustarts
  • AKW-Betreiber könnte von TEPCO Entschädigung in Milliardenhöhe fordern
  • Kirschbäume bringen Hoffnung  nach Katastrophen
  • Japan zeigt trotz Kritik weiter Stärke
    • Premier Abe verteidigt Yasukuni-Besuche
    • Japan will Standpunkt in Territorialforderungen verdeutlichen

Industrieminister sieht Möglichkeiten für AKW-Neustarts: Japans Industrieminister Toshimitsu Motegi sieht durchaus die Möglichkeit, dass einige von Japans derzeit heruntergefahrenen Kernkraftwerken noch im Herbst diesen Jahres die Erlaubnis erhalten könnten, wieder ans Netz zu gehen, sofern sie den neuen Sicherheitsstandards genügen, die im Juli in Kraft treten werden.

Da zunächst entsprechende Anträge und Sicherheitskontrollen nötig sind, sei frühestens im Herbst mit den ersten Neustartgenehmigungen zu rechnen. Über die Neustartpläne berichteten etwa Kyodo, Asahi Shimbun und jiji.

Das größte Hindernis dürfte dabei vielfach die Bedingung sein, dass die örtlichen Gemeinden dem Neustart zustimmen müssen. Daher sei es für die Regierung wichtig, das Vertrauen der Bevölkerung für die Neustarts zu gewinnen.

Derzeit sind lediglich zwei von 48 funktionsfähigen Reaktoren in Betrieb, nachdem als Reaktion auf die Fukushima-Katastrophe vom März 2011 landesweit alle Kernkraftanlagen aufgrund von Sicherheitsbedenken heruntergefahren worden waren.

Die beiden einzigen aktiven Reaktoren des Landes befinden sich im AKW Oi (Präf. Fukui), nachdem sie trotz zahlreicher Bürgerproteste im Juli vergangenen Jahres in Betrieb genommen worden waren.

AKW-Betreiber könnte von TEPCO Entschädigung in Milliardenhöhe fordern:  Unter Berufung auf namentlich ungenannte Quellen berichten die Asahi Shimbun und jiji, der Elektrizitätskonzern Tohoku Electric, selbst Betreiber von Kernkraftwerken plane, den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi auf mehrere Milliarden Schadensersatz zu verklagen.

Firmensitz von Tohoku Electric (Foto: pd)
Firmensitz von Tohoku Electric (Foto: pd)

Dabei wird das Unternehmen entsprechenden Richtlinien folgen müssen und klar differenzieren zwischen wirtschaftlichen Schäden die sich durch die Naturkatastrophen des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami ergaben und jenen, die tatsächlich auf die Auswirkung der Nuklearkatastrophe von Fukushima zurückzuführen sind.

Hintergrund ist zum Einen der Umstand, dass Tohoku Electric auch an der Stromversorgung der Präfektur Fukushima beteiligt ist und die Evakuierung von Einwohnern aufgrund der Fukushima-Katastrophe durch sinkenden Verkauf von  Elektrizität zu wirtschaftlichen Einbußen geführt habe.

Um dies zu kompensieren, beantragte das Unternehmen daher bei der Regierung in Tokyo einen Anstieg des Strompreises.

Auch dass die geplante Anlage des AKW Namie-Odaka, dessen Planung und Vorbereitung bereits 18,5 Milliarden Yen verschlungen hatten,  aufgrund der starken Proteste durch Gemeinden nicht mehr realisiert werden konnte, könnte zu Entschädigungsforderungen durch Tohoku Electric führen.

Zum Anderen könnte die offenbar anstehende Klage auch dazu dienen, Kritik und juristischen Schritten durch Kunden von Tohoku Electric entgegenzuwirken. Es ist extrem selten, dass Elektrizitätskonzerne, die in der Regel gemeinsam die Nutzung von Atomenergie propagieren, gegenseitig Klagen anstreben.

Kirschbäume bringen Hoffnung  nach Katastrophen: Ein vier Meter hoher Kirschbaum, der in Onagawa (Präf. Miyagi) vor 30 Jahren von der Ehefrau eines Fischers gepflanzt und im Zuge des Tohoku-Tsunami von den Fluten verschlungen worden war, erblühte trotz eines Fischernetzes, das immer noch um die Zweige gewickelt war, wieder. Die Fischersfrau, Sakuyo Suzuki, starb dagegen, als sie fortgespült wurde.

Miharu Takizakura am 21. April 2013 (Foto: Hajime Nakano, cc-by)
Miharu Takizakura, ein 1.000 Jahre alter Kirschbaum in der Präf. Fukushima am 21. April 2013 (Foto: Hajime Nakano, cc-by)

Ihr Mann überlebte und freut sich nach Angaben der Mainichi Shimbun darüber, dass der für tot gehaltene Baum, wieder Zeichen von Leben zeige.

Doch auch an anderer Stelle haben Kirschbäume für die Überlebenden eine besondere Bedeutung.

Erstmals seit der vollständigen Evakuierung der Ortschaft Iitate (Präf. Fukushima) versammelten sich frühere Bewohner im Ortsteil Itamizawa und konnten dort erstmals seit drei Jahren, das traditionelle Blütenschauen (Hanami) erleben, berichtete die NHK. Etwa 60 Personen beteiligten sich an einer shintoistischen Zeremonie, bei der sie für den Wiederaufbau ihres Heimatortes beteten.

Die von einem Landwirt und seiner Frau organisierte Veranstaltung konnte nur dort stattfinden und lediglich eine Stunde lang dauern, da der Bereich zwar nicht mehr zum Sperrgebiet gehört, jedoch andernfalls die Strahlungsbelastung zu hoch geworden wäre. Umfangreiche Dekontaminationsarbeiten wurden dort bislang nicht durchgeführt.

Japan zeigt trotz Kritik weiter Stärke: Die Regierung von Ministerpräsident wird ihrem Ruf, einen Rechtsruck in der Politik herbeizuführen, zumindest teilweise gerecht. Die aktuellen Meldungen für Sie zusammengefasst:

Haupttor des Yasukuni-Schreins (Foto: Eryn Vorn, CC-by)
Haupttor des Yasukuni-Schreins (Foto: Eryn Vorn, cc-by)

Premier Abe verteidigt Yasukuni-Besuche: Bei einem Treffen des Haushaltsausschusses erklärte Premierminister Shinzo Abe, es sei völlig normal, jenen Respekt zu zollen, die ihr Leben für die Nation ließen. Sein Kabinett werde sich durch Drohungen niemals von den Schreinbesuchen abhalten lassen.

Vielmehr sei es die Pflicht, angesichts von Geschichte und Tradition, die nationalen Interessen und den Nationalstolz zu schützen.

Es sei ein Irrtum zu glauben, die Beziehungen zu Nachbarstaaten würden sich bessern, wenn man derartige Werte verwerfen würde.

Japan will Standpunkt in Territorialforderungen verdeutlichen: Anfang Juli will die japanische Regierung klare Richtlinien ausarbeiten, an denen die Position Japans zu Territorialrechten und Souveränität klar erkennbar sei. Premier Abe erklärte, es sei wichtig, dass der Standpunkt national und international nachvollzogen werden könne und erklärte, man werde Japans Hoheitsgebiete schützen.

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