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Japan aktuell: Trotz Infrarotkamera kein Erfolg bei Lecksuche am AKW Fukushima

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AKW Fukushima Reaktor 2: Wasserstandsmessung mit Infrarotkamera in Kondensationskammer am 12. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima Reaktor 2: Wasserstandsmessung mit Infrarotkamera in Kondensationskammer am 12. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Reaktor 2: Wasserstandsmessung mit Infrarotkamera in Kondensationskammer am 12. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima Reaktor 2: Wasserstandsmessung mit Infrarotkamera in Kondensationskammer am 12. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Am heutigen Mittwoch gibt es vom AKW Fukushima aktuelle Meldungen – auch wenn diese für den Betreiber TEPCO erneut nicht positiv sind. Doch auch für Versäumnisse des Unternehmens in der Vergangenheit gibt es wieder Hinweise.

Neben diesen direkten Fukushima News gibt es jedoch weitere Informationen zu den Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, die das Unglück am Atomkraftwerk Fukushima aktuell wieder einmal zeigt. So geht es etwa auch um die Verweigerung einer Dekontamination.

Zuletzt gibt es dann auch noch weitere Themen, die heute Erwähnung finden – im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Trotz Infrarotkamera kein Glück bei Lecksuche am AKW Fukushima
  • TEPCO sagte in interner Übung Tsunami und Stromausfall voraus
  • Verwaltung lehnt Dekontamination von Park in Tokyo ab
  • 75 Prozent des Walfleischs bleibt ungekauft
  • Handschriftenprobe von Giftgas-Sektenmitglied veröffentlicht
  • Giftgas-Sektenmitglied floh möglicherweise mit dem Taxi
  • Osaka-Mörder hatte kriminelle Vergangenheit

Trotz Infrarotkamera kein Glück bei Lecksuche am AKW Fukushima: TEPCO, Betreiber des stark zerstörten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, ist es trotz des Einsatzes einer neuen Methode zur Leckortung, bei der am Dienstag eine Infrarotkamera in der Kondensationskammer von Fukushima-Reaktor 2 genutzt wurde, nicht gelungen, den Austritt von radioaktivem Wasser zu lokalisieren, berichtet die NHK.

Nach Betreiberangaben hatte man gehofft, durch den Temperaturunterschied zwischen dem Wasser und der umgebenden Luft, der auf den Infrarotbildern zu sehen sein würde, die undichten Stellen ausmachen zu können. Die Aufnahmen hätten jedoch keine besonderen Temperaturunterschied gezeigt, so dass man nun andere Möglichkeiten überdenke, wie man die Lecks lokalisieren kann.

Nachdem das Unternehmen seit Beginn der Krise zusätzliches Wasser in die Reaktoren pumpt um die Brennelemente zu kühlen, kam es auch zu Lecks durch die Wasser in die Kellergeschosse drang und ein Kreislauf aus Abpumpen, Dekontamination und Kühlung eingerichtet werden musste. Das Auffinden und die erfolgreiche Schließung der bislang unentdeckten Lecks ist eine Voraussetzung für die zukünftige Flutung der Anlage , die vor der gänzlichen Entfernung der Brennelemente steht.

TEPCO sagte in interner Übung Tsunami und Stromausfall voraus: Angestellte des Elektrizitätsanbieters TEPCO führten im Jahr 2006 eine Untersuchung durch, bei der nachvollzogen wurde, was am Fukushima-Reaktor 5 passieren würde, sollte ein Tsunami mit einer Höhe größer als die vom Unternehmen maximal angenommenen 5,7 Meter Tokyo auf die Anlage treffen.

Dabei kam man zu dem Schluss, dass Wellen über 13,5 Metern Höhe zu einem völligen Stromausfall kommen würde und keine weitere Einspeisung von Kühlwasser mehr möglich wäre. Die Kosten für Schutzmaßnahmen wurden auf 25 Millionen US-Dollar geschätzt.

Diese Überlegungen fanden jedoch keinen Eingang in die Pläne des Unternehmens, da es sich bei der Untersuchung lediglich um eine Übung für junge Angestellte gehandelt habe und man nicht ernsthaft einen derart großen Tsunami erwarte. Das Thema war Teil der Übung geworden, da ein japanischer Regierungsausschuss den Tsunami 2004 der sich im Indischen Ozean ereignete, als Anlass nahmen, um die Auswirkung von großen Wellen auf Reaktoren zu diskutieren.

Ähnliche Schätzungen fanden bei TEPCO auch im Jahr 2008 statt, um die Auswirkungen eines zehn Meter hohen Tsunami auf Reaktoren zu bestimmen. Doch auch in diesem Fall nutze das Unternehmen die hieraus gewonnenen Erkenntnisse nicht und Ergriff keine Schutzmaßnahmen. Das berichtet die NHK.

Verwaltung lehnt Dekontamination von Park in Tokyo ab: Die Verwaltung des Großraums Tokyo hat die Bitte von Lokalpolitikern, den Mizumoto-Park im Bezirk Katsushika aufgrund hoher Mengen an radioaktivem Cäsium zu dekontaminieren mit der Begründung abgelehnt, die Höhe der Strahlung rechtfertige keine Dekontamination.

Mizumoto-Park in Tokyo Katsushika (Foto: pd)
Mizumoto-Park in Tokyo-Katsushika (Foto: pd)

Mitglieder der Kommunistischen Partei Japans (KPJ), die zum Präfekturparlament Tokyo gehören, hatten zuvor nach eigenen Angaben eine hohe Cäsiumkonzentration im Park entdeckt. Daraufhin hatte der KPJ-Abgeordnete Tamio Tanzoe in der jüngsten Versammlung die Dekontamination gefordert.

Eine Nachprüfung durch das Umweltministerium am 11. Juni 2012  ergab in einem Meter Abstand zum Boden eine Messung von 0,99 Mikrosievert pro Stunde. Aufgrund der Tatsache, dass der ermittelte Wert nicht den nationalen Grenzwert erreichte, wurde der Antrag des kommunistischen Politikers abgelehnt.

Die Messungen waren durch das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) angeordnet worden, nachdem die KPJ-Mitglieder eine im Oktober 2011 erlassene Möglichkeit genutzt hatten, die erlaubt das MEXT zu kontaktieren, wenn Strahlungswerte  gemessen werden, die durchschnittlich ein Mikrosiviert pro Stunde höher als in der Umgebung liegen.

Die Messungen durch Amtskräfte habe an der bezeichneten Stelle lediglich den oben genannten Wert und keine deutliche Erhöhung, wie von den Politikern gemeldet, feststellen können. Auf einem Parkplatz, in etwa 60 Metern Entfernung waren lediglich 0,18 Mikrosievert pro Stunde nachgewiesen worden.

Teruyuki Ono erklärte einem Bericht der Mainichi Shimbun zufolge, dass die Belastung unter dem landesweiten Grenzwerte liege und eine Strahlungsuntersuchung aller Einrichtungen der Verwaltung von Tokyo grundsätzlich unnötig seien.

Atomkraftgegner überreichen mehr als sieben Millionen Unterschriften: Am gestrigen Dienstag überreichte eine Bürgerrechtsgruppe unter Leitung von Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe („Die Brüder Nedokoro“, „Therapiestation“) dem Sprecher des japanischen Unterhauses einen Teil der Unterschriftenliste mit mehr als 7,48 Millionen Unterzeichnern, in der diese die Abschaffung der Atomreaktoren fordern.

Kenzaburo Oe (Foto: Hpschaefer cc-by)
Kenzaburo Oe (Foto: Hpschaefer cc-by)

Im Rahmen der Aktion „Zehn Millionen Menschen sagen Auf Wiedersehen Atomkraftwerke“, die vom dem Journalisten Satoshi Kamata und dem Wirtschaftskommentator Katsuto Uchihashi mitorganisiert wurde, kamen bis Sonntag insgesamt 7.481.352 Unterschriften zusammen.

Kamata erklärte auf einer Pressekonferenz am selben Tag der Sprecher des Repräsentantenhauses, Takahiro Yokomichi habe die Bedeutung einer derart hohen Zahl von Unterschriften verstanden.

Die Bürgerrechtsgruppe hielt später ein Treffen für Mitgliedern des Parlaments ab und erhielt dabei Unterstützung von über 80 unabhängigen Mitgliedern. Zudem nahmen mehr als 30 Parlamentsmitglieder, darunter auch der frühere Premierminister Naoto Kan, am Treffen teil.

Der Vorstand der Aktivistengruppe, der neben anderen auch aus dem Gensuikin („Japan Congress Against Atomic and Hydrogen Bombs“) besteht, plant die verbliebenen Unterschriften dem regierenden Premierminister Yoshihiko Noda zu überreichen.

Bereits vergangenen Mittwoch hatten Atomkraftgegner auf sich aufmerksam gemacht, als sich etwa 2.300 Personen im Hibiya-Park in Tokyo versammelt hatten. Für den 16. Juli ist eine Zusammenkunft von 100.000 Menschen im Yoyogi-Park geplant.

75 Prozent des Walfleischs bleibt ungekauft: Das Argument, der Walfang der japanischen Regierung erfolge nur zu wissenschaftlichen Zwecken, wird von Gegnern des Walfangs als Vorwand für den kommerziellen Verkauf  von Walfleisch bezeichnet. Tatsächlich scheint aber die Zahl der Käufer zurückzugehen. Wie eine Gruppe von Walfanggegnern berichtet, blieben drei Viertel des vom japanischen Walforschungsinstituts (ICR)  auf Auktionen angebotenen Fleischs unverkauft.

Einem Bericht der unabhängigen Journalistin Junko Sakuma zufolge, der vom Iruka & Kujira (Delfin & Wal) Aktionsnetzwerk veröffentlicht hätte das Walforschungsinstitut seit Oktober letzten Jahres insgesamt 13 öffentliche Auktionen organisiert. Dennoch blieben 908,8 Tonnen der zur Versteigerung stehenden 1.211,9 Tonnen Walfleisch unverkauft.

Kujira: Walfleisch im Kaufhaus Takashimaya in Osaka (Foto: Zenwort, cc-by)
Walfleisch im Kaufhaus Takashimaya (Foto: Zenwort, cc-by)

Der Verkauf des Fleischs von Mink-, Bryde und Seiwalen sollte den Verzehr von Walfleisch steigern und damit durch die Einnahmen die Kosten der Forschungsarbeit decken. Nun werde man zu Verkäufen von Eins-zu-Eins übergehen, wie man dies bis 2011 gemacht hatte und beauftragte die Kyodo Senpaku Kaisha Ltd. hiermit.

Das erstrebte Ziel sei nicht erreicht worden, erklärte die ICR und musste feststellen, dass die von Großhändlern und Lebensmittelindustrie eingereichten Gebote oft unter dem niedrigsten Mindestgebot lagen, oder sogar gar keine Gebote erfolgten. Schuld daran seien auch die schwierige Vorgehensweisen, die mit den Angeboten verbunden wären.

Somit blieben 30,4 Prozent des Fleischs der Minkwale, 78,2 Prozent der Seiwale und sogar 81,2 Prozent des Brydewalfleischs unverkauft, heisst es laut der Nachrichtenagentur Kyodo in diesem Bericht. Die japanische Regierung unterstützt den Walfang mit jährlichen Zuschüssen, da die Verkäufe alleine nicht mehr reichten, um die entstehenden Kosten zu decken.

Handschriftenprobe von Giftgas-Sektenmitglied veröffentlicht: In einer ungewöhnlichen Aktion veröffentlichte die Polizei Tokyo heute zwei Dokumente auf denen die Handschrift des flüchtigen Katsuya Takahashi zu sehen ist. Takahashi, früheres Mitglied der fälschlich als „Aum-Sekte“ bezeichneten Omu Shinrikyo, wird in Zusammenhang mit dem Sarin-Gasanschlag des Kults auf die Tokyoter U-Bahn im Jahr 1995 polizeilich gesucht. Zuletzt hatte er unerkannt bei einem Bauunternehmen gearbeitet und war dem polizeilichen Zugriff nach 17 Jahren Flucht nur knapp entkommen (Spreadnews berichtete).

Bei den heute veröffentlichten Papieren handelt es sich um eine Kopie seines gefälschten Lebenslaufs, den er im Oktober vergangenen Jahres bei seinem Arbeitgeber vorgelegt hatte und ein Dokument dass er am 4. Juni kurz vor seiner überstürzten Flucht, bei einer Bank unterschrieben hatte. Auf beiden ist sein Aliasname „Shinya Sakurai“ zu lesen.

Die Polizei hofft durch die veröffentlichte Schriftprobe Hinweise aus Gästebüchern in Hotels zu erhalten, um so Informationen über seinen Verbleib in Erfahrung zu bringen. Zudem macht sie auf Besonderheiten der Schrift, wie etwa die Verwendung eines altertümlichen Kanji-Schrifteichens für „Sakura“ im Lebenslauf, und die vereinfachte Form im Finanzdokument, sowie eine persönliche Eigenart die Zahl Neun zu schreiben, aufmerksam. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Giftgas-Sektenmitglied floh möglicherweise mit dem Taxi: Unter Berufung auf Quellen in Ermittlerkreisen berichtetet die Mainichi Shimbun, ein Mann der dem flüchtigen Takahashi ähnlich sehe, habe nicht weit vom Wohnheim in Kawasaki (Präf. Kanagawa) ein Taxi genommen und sich etwa 1,5 Kilometer weit zum Bahnhof JR Kawasaki fahren lassen.

Japanisches Taxi (Symbolbild, Foto: pd)
Japanisches Taxi (Symbolbild, Foto: pd)

Dass er dort einen Zug genommen habe, hält die Polizei aufgrund der starken Kamerapräsenz für unwahrscheinlich. Eventuell habe er dort ein anderes Taxi genommen.

Zuvor hatte er der kürzlich gefassten Naoko Kikuchi erklärt, es sei besser in den Menschenmassen der Städte unterzutauchen, anstatt sich in ländlichen Gegenden zu verstecken.

Da Kikuchi jedoch ausgesagt hatte, sie hätten während ihrer gemeinsamen Zeit auch den Berg Takao sowie die Bergzüge des Tateyama erkundet und stabiles Schuhwerk im Wohnheim sichergestellt werden konnte, zieht die Polizei auch eine Flucht in bergiges Gelände in Betracht.

Osaka-Mörder hatte kriminelle Vergangenheit: Wie die Gefängnisstrafe zeigt, ist Kyozo Isohi, der Mann der in Osaka zwei Menschen mit einem Messer tötete und vermutlich auch weitere Menschen angreifen wollte, polizeilich kein Unbekannter. Die Yomiuri Shimbun hat nun Informationen über seine kriminelle Vergangenheit in Erfahrung gebracht. Als jüngstes von drei Geschwistern verlor er früh seine Mutter und sein Vater zog mit ihm während er in der fünften Grundschulklasse war von dem bisherigen Wohnort in der Präfektur Tochigi nach Shimotsuke.

Bereits in der Mittelstufe sei er öfter in Rangeleien verwickelt gewesen, später einer Motorrad-Gang beigetreten und möglicherweise sogar ihr Anführer geworden. Zu diesem Zeitpunkt habe er auch gelegentlich Lösungsmittel geschnüffelt. Obwohl er dann einer geregelten Arbeit nachging, blieb er bis in seine Zwanziger in Kontakt zu einer kriminellen Bande und erzählte seinen Freunden oft er habe sich „gerade ein Aufputschmittel gespritzt“.

Nach dem Tod seines Vaters sei er alleine durch die Gegend gezogen. In Utsunomiya sei er häufig zu sehen gewesen, wie er eine Wohnung die monatlich 28.000 Yen kostete in Arbeitskleidung verliess. Zur Ermittlung des Motivs der Morde will die Polizei nun den psychischen Zustand während der Tat in Erfahrung bringen, da man davon ausgehe, dass es sich um eine Verzweiflungstat gehandelt habe, nachdem ein Bekannter es abgelehnt hatte, ihm eine Stelle in seinem Unternehmen zu geben.

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